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Sequenz (Liturgie)
Eine Sequenz (lateinisch sequentia) ist ein Teil des Propriums der heiligen Messe an einzelnen Festen. Der Begriff stammt vom lateinischen Wort sequi (zu …
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Wesen und Funktion
Eine Sequenz (lateinisch sequentia) ist ein Teil des Propriums der heiligen Messe, der nur an bestimmten Festen vorkommt. Der Name geht auf sequi („folgen“) zurück: Ursprünglich folgte der Gesang unmittelbar dem Halleluja, genauer dessen Jubilus. Der Jubilus ist eine reich ausgeführte, wortlose Melodie über dem Schluss-a des Halleluja. Eine weitere Bezeichnung für die Sequenz lautet longissima melodia.
Die Sequenz entstand als Textierung, also als Tropus, des gregorianischen Halleluja. Daraus entwickelte sich außerdem ein eigenständiger lyrischer, hymnenartiger Gesang. Damit verbindet die Sequenz liturgische Funktion, musikalische Gestaltung und gebundene Sprache.
Historische Entwicklung
Die Geschichte der Sequenz beginnt um 850 mit der Textierung der Schlussmelismen des Halleluja. Nach der von Notker Balbulus überlieferten Isonischen Regel sollte diese Textierung syllabisch erfolgen, also grundsätzlich mit einer Silbe je Ton.
Bis zum 12. Jahrhundert entstand die vom Halleluja unabhängige Reimsequenz. Sie besteht aus gereimten und rhythmisch angeglichenen Versen und führte im 13. Jahrhundert zu groß angelegten Strophensequenzen. Reimsequenzen haben die Form mehrstrophiger, metrisch geordneter und gereimter Hymnen. Eine besondere Form bilden Sequenzen mit Strophenpaaren, deren Melodien von Strophenpaar zu Strophenpaar wechseln. Beispiele dafür sind Victimae paschali laudes und Veni Sancte Spiritus. Eine vergleichsweise späte Entwicklung sind gereimte Strophen, wie sie in Lauda Sion Salvatorem, Stabat mater und Dies irae vorkommen.
Im späten Mittelalter waren Sequenzen sehr beliebt; etwa 5000 Reimsequenzen sind bekannt. Seit dem 14. Jahrhundert wurden Sequenzen an Festtagen teilweise mit deutschen Strophen verbunden. So entstand Gelobet seist du, Jesu Christ in Verbindung mit der weihnachtlichen Sequenz Grates nunc omnes. Christ ist erstanden wurde zur Ostersequenz Victimae paschali laudes gesungen.
Das Konzil von Trient (1545 bis 1563) ließ im römischen Ritus nur noch vier Sequenzen zu: Victimae paschali laudes zu Ostern, Veni Sancte Spiritus zu Pfingsten, Lauda Sion Salvatorem zu Fronleichnam und Dies irae als Totensequenz im Requiem. Lauda Sion Salvatorem und Dies irae waren dabei Gesänge ad libitum, also fakultativ. 1727 kam Stabat mater am Gedächtnis der Schmerzen Mariens als fünfte Sequenz hinzu.
Ein Sequentiar war ein mittelalterliches liturgisches Buch mit Sammlungen von Sequenzen. Seit dem frühen Mittelalter gab es Sequentiare als eigenständige Bücher oder als Faszikel des Missale.
Liturgische Verwendung heute
Nach der Grundordnung des Römischen Messbuchs (Nr. 64) wird die Sequenz heute zwischen der zweiten Lesung und dem Evangelium vor dem Halleluja gesungen. Am Ostersonntag ist Victimae paschali laudes obligatorisch, am Pfingstsonntag Veni Sancte Spiritus. Lauda Sion Salvatorem und Stabat mater sind am jeweiligen Festtag fakultative Bestandteile der heiligen Messe.
Dies irae wird im römischen Ritus nach dem neuen Messbuch nicht mehr regulär verwendet. Als Grund nennt der Artikel das Bild eines zornigen Gottes („Tag des Zornes…“), das die Sequenz vermittelt. Beim großen Requiem zu Allerseelen ist der Gesang jedoch zugelassen, um den Schatz der Kirchenmusik zu pflegen. Außerdem wird Dies irae weiterhin bei einem Requiem nach der Liturgie von 1962, der sogenannten Tridentinischen Messe, gesungen. Im Stundengebet des Allerseelentages und der letzten Woche im Jahreskreis kann es ebenfalls ad libitum verwendet werden.
Wichtige Sequenzendichter
Zu den im Artikel genannten Sequenzendichtern gehören Notker I., auch Notker Balbulus oder Notker Poeta genannt, sowie Ekkehard I. und Ekkehard II. aus St. Gallen. Weitere bedeutende Namen sind Wipo, Gottschalk von Aachen, Adam von St. Viktor, Thomas von Celano und Thomas von Aquin.
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