Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Grundton
Als Grundton bezeichnet man den fundamentalen Ton einer Tonleiter, eines Intervalls, eines Akkords, eines akustischen Klangs oder der Stimmung eines …
Inhalt5 Abschnitte
Bedeutung des Grundtons
Als Grundton bezeichnet man den fundamentalen Ton einer Tonleiter, eines Intervalls, eines Akkords, eines akustischen Klangs oder der Stimmung eines Musikinstruments. Bei tonalen musikalischen Abschnitten oder Stücken ist der Begriff sinnverwandt mit Tonika oder tonalem Zentrum, etwa dem c in C-Dur.
Tonleitern und Intervalle
Bei einer Tonleiter ist der Grundton der Ton, nach dem die Tonart benannt ist, zum Beispiel C in C-Dur oder a in a-Moll. Meist wird eine Skala von diesem Ton aus aufsteigend angegeben. Bei plagalen Kirchentonarten wie Hypodorisch liegt der Grundton jedoch nicht am Anfang, sondern in der Mitte der Skala. Im Gregorianischen Choral entsprach er dem Schlusston einer Melodie und hieß deshalb auch „Finalis“.
In älterer Literatur ist beim Intervall mit Grundton einfach der tiefere der beiden Töne gemeint. Paul Hindemith führte 1937 in seiner Unterweisung im Tonsatz Intervallgrundtöne als dominierende Haupttöne ein. Er bezog sich auf Kombinationstöne, durch die bei bestimmten Intervallen einer der beiden Töne klanglich verstärkt wird: Bei der Quinte ist dies der untere, bei der Quarte der obere Ton; bei der großen Terz der untere und bei der kleinen Sexte der obere Ton. Bei anderen Intervallen liefern die Kombinationstöne kein eindeutiges Ergebnis, weil sie mit keinem der beiden Intervalltöne zusammenfallen. Hindemith ordnet deren Grundtöne daher nach pragmatischen Kriterien zu.
Akkordgrundton und Umkehrungen
Im Generalbass und teilweise in der Harmonielehre ist der Grundton eines Akkords der tiefste Ton seiner Grundstellung. Eine Grundstellung besteht dabei aus übereinandergeschichteten Terzen. In der Grundstellung sind Grundton und Basston gleich. Wird der Akkord umgekehrt, ändert sich der Basston, der Grundton bleibt aber derselbe.
Die Stufentheorie setzt den Grundton uneingeschränkt mit dem Basston der Grundstellung gleich. Die Funktionstheorie bestimmt ihn dagegen nach der harmonischen Funktion eines Akkords. Deshalb können beide Deutungen voneinander abweichen. Der Akkord h-d'-f' in C-Dur wird wegen seines Auflösungsbestrebens zur Tonika funktionstheoretisch als verkürzter Dominantseptakkord mit dem nicht erklingenden Grundton g verstanden. Stufentheoretisch gehört er zur VII. Stufe, funktionstheoretisch zur V. Stufe, der Dominante.
Auch der Sixte-ajoutée-Akkord f-a-c'-d' wird unterschiedlich erklärt: Die Stufentheorie deutet ihn als erste Umkehrung des Septakkords der II. Stufe mit Grundton d; die Funktionstheorie als subdominantischen Klang mit Grundton f.
Grundtonbestimmung nach Hindemith
Hindemith entwickelte eine Akkordlehre, weil die traditionelle Harmonielehre Klänge, die nicht nach dem Terzenbauprinzip aufgebaut sind, nur schwer deuten kann. Sein Verfahren soll auf alle denkbaren Klänge anwendbar sein. Der Grundton eines Akkords ist dabei der Grundton des „besten“ im Akkord enthaltenen Intervalls.
Als „bestes“ Intervall gilt das mit dem höchsten Konsonanzgrad. In einer Reihe abnehmenden Klangwerts stehen etwa Quinte, Quarte, große Terz und kleine Sexte in dieser Reihenfolge. Enthält ein Akkord eine Quinte, ist daher gewöhnlich deren unterer Ton sein Grundton. Gibt es zwei Quinten, bestimmt die tiefer liegende Quinte wegen ihres größeren Gewichts den Grundton.
Bei einfachen Akkorden stimmen Stufen- und Funktionstheorie sowie Hindemiths Verfahren überein: Beim C-Dur-Dreiklang ist c der Grundton. Beim halbverminderten Septakkord h-d'-f'-a' in C-Dur ergeben sich verschiedene Deutungen: Die Stufentheorie nennt h als Grundton, die Funktionstheorie g und Hindemith wegen der Quinte d'-a' den Ton d'.
Akustik und Musikinstrumente
Ein einzelner Ton ist akustisch meist kein Sinuston, sondern ein komplexer Klang aus Sinustönen. Seine Grundfrequenz heißt Grundton und entspricht in den meisten Fällen der wahrgenommenen Tonhöhe. Beim „Missing Fundamental“ oder Residualton kann die Grundfrequenz fehlen, obwohl der Klang trotzdem in ihrer Höhe wahrgenommen wird.
Die Obertonreihe eines Grundtons beeinflusst die Klangfarbe. Unterschiede in der Stärke einzelner Obertöne wirken sich direkt auf die wahrgenommene Klangfarbe aus. Bei schwach ausgeprägten Obertönen spricht man von einem „grundtönigen“ Klang. Die Zweierpotenzen der Grundfrequenz, also die Partialtöne 2, 4, 8 und 16, ergeben stets Oktavierungen des Tons.
Bei Blechblasinstrumenten ist der Grundton der tiefste Naturton, der ohne Ventile oder Züge erzeugt werden kann; er bestimmt die Grundstimmung. Bei transponierenden Instrumenten wird dieser Ton als c notiert. Bei vielen Holzblasinstrumenten, etwa fast allen Blockflöten, ist der Grundton der tiefste spielbare Ton: Alle Tonlöcher sind geschlossen, und die schwingende Luftsäule ist ungefähr so lang wie das ganze Instrument. Bei Saiteninstrumenten mit Griffbrett, zum Beispiel Violine oder Gitarre, kann auch der Ton einer leeren, also ungegriffenen Saite als Grundton bezeichnet werden.