Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Deutsche Sagen
Deutsche Sagen ist eine Zusammenstellung von Sagen, die Jacob und Wilhelm Grimm als Brüder Grimm von 1816 bis 1818 herausgaben. Das Werk umfasst insgesamt 585 …
Inhalt5 Abschnitte
Überblick
Deutsche Sagen ist eine Sammlung von Sagen aus dem deutschen Sprachraum. Herausgegeben wurde sie von Jacob und Wilhelm Grimm, den Brüdern Grimm, in den Jahren 1816 bis 1818. Das Werk umfasst insgesamt 585 Sagen.
Eine Sage ist hier eine überlieferte Erzählung, die häufig an bestimmte Orte, historische Gestalten, Naturerscheinungen, Burgen, Berge, Gewässer oder religiöse Vorstellungen gebunden ist. Für das Verständnis des Werks ist wichtig, dass es keine zusammenhängende Erzählung ist, sondern eine große Sammlung einzelner Texte.
Ausgaben
Die erste Auflage erschien in zwei Bänden: Band I im Jahr 1816 und Band II im Jahr 1818. Veröffentlicht wurde sie in der Nicolaischen Buchhandlung.
Eine zweite Auflage erschien posthum im Jahr 1865, also nach dem Tod der Brüder Grimm. Die dritte Auflage von 1891 wurde von Herman Grimm herausgegeben, dem Sohn von Wilhelm Grimm. Eine vierte Auflage folgte 1905 durch Reinhold Steig.
Erster Band
Der erste Band enthält die Sagen Nummer 1 bis 363. Die Titel zeigen eine große Bandbreite volkstümlicher und regionaler Stoffe. Häufig geht es um übernatürliche Wesen wie Berggeister, Zwerge, Nixen, Wassermänner, Kobolde, Nachtgeister, Werwölfe, Drachen und den Teufel.
Viele Sagen sind mit bestimmten Orten verbunden, zum Beispiel mit Bergen, Seen, Brunnen, Burgen, Städten oder Kirchen. Genannt werden unter anderem der Harz, der Untersberg, der Kyffhäuser, der Mummelsee, Breslau, Köln, Frankfurt, Heidelberg, Bamberg und Hameln.
Wiederkehrende Themen sind verwunschene oder versteinerte Menschen, verborgene Schätze, heilige Quellen, unheimliche Erscheinungen, Warnungen vor Unheil, Gericht und Strafe, Wunderbilder und Sagen um Bauwerke. Bekannte Beispiele aus der Titelliste sind Friedrich Rotbart auf dem Kyffhäuser, Der Tannhäuser, Der wilde Jäger Hackelberg, Der Werwolf, Die Kinder zu Hameln und Der Rattenfänger.
Zweiter Band
Der zweite Band enthält die Sagen Nummer 364 bis 585. Er ist stärker auf geschichtliche, herrscherbezogene und stammesgeschichtliche Stoffe ausgerichtet. Viele Texte behandeln Herkunfts- und Wandersagen von Völkern und Gruppen, darunter Goten, Hunnen, Langobarden, Sachsen, Schwaben, Bayern und Franken.
Ein großer Teil der Titel bezieht sich auf Könige, Kaiser, Herzöge, Grafen, Ritter und Heilige. Genannt werden unter anderem Theoderich, Alboin, Karl der Große, Wittekind, Kaiser Otto, Kaiser Heinrich, Kaiser Friedrich, Kaiser Maximilian, Wilhelm Tell, Heinrich der Löwe und Martin Luther.
Auch im zweiten Band verbinden sich historische Namen mit sagenhaften Motiven: schlafende Könige, wundersame Tiere, Zeichen Gottes, Teufelsmotive, Gründungssagen, Wappensagen, Herrschaftslegenden und Erzählungen über Treue, Verrat, Gericht oder Rettung. Beispiele aus der Titelliste sind Der Bund in Rütli, Wilhelm Tell, Lohengrin zu Brabant, Der Schwanritter, Wie Ludwig Wartburg überkommen und Doktor Luther zu Wartburg.
Aufbau und Bedeutung
Das Werk ist nach zwei Bänden und fortlaufenden Nummern geordnet. Die Sammlung beginnt mit regionalen Natur-, Geister- und Wundersagen und führt später stärker zu historischen und genealogischen Sagen, also Erzählungen über Herkunft, Abstammung und Herrschaft.
Für Schülerinnen und Schüler ist Deutsche Sagen vor allem als Quelle für die Beschäftigung mit deutschsprachiger Überlieferung wichtig. Die Sammlung zeigt, welche Themen in Sagen häufig vorkommen: Orte mit besonderer Bedeutung, übernatürliche Wesen, moralische Warnungen, religiöse Deutungen, Herrschergestalten und die Verbindung von Geschichte mit erzählerischer Ausschmückung.