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E. T. A. Hoffmann

... goldne Topf wiederbegegnet. Von 1810 an war Hoffmann beim Bamberger Theater als Direktionsgehilfe, Dramaturg und Dekorationsmaler beschäftigt. Nebenbei gab …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und künstlerisches Profil
  2. 2. Ausbildung, Staatsdienst und musikalische Laufbahn
  3. 3. Literarische und musikalische Werke
  4. 4. Immediatkommission, Zensur und Tod
  5. 5. Rezeption und Nachwirkung
  6. 6. Ausgaben, Adaptionen und Erinnerungsorte

Bedeutung und künstlerisches Profil

E. T. A. Hoffmann, eigentlich Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann, wurde am 24. Januar 1776 in Königsberg geboren und starb am 25. Juni 1822 in Berlin. Er war ein bedeutender deutscher Schriftsteller der Romantik und zugleich Jurist, Komponist, Kapellmeister, Musikkritiker, Zeichner und Karikaturist. Mit seinen Novellen und Erzählungen gilt er als einer der einflussreichsten deutschsprachigen Erzähler zwischen Goethe und dem Durchbruch Kafkas nach 1945.

Hoffmanns literarische Besonderheit liegt in der Verbindung einer scheinbar alltäglichen, realen Welt mit einer wunderbaren, unheimlichen oder phantastischen Gegenwelt. Häufig bleibt offen, ob ein Spuk tatsächlich stattgefunden hat oder sich nur im Bewusstsein einer Figur ereignet. Seine Vorbilder waren unter anderem Gespenstergeschichten des 18. Jahrhunderts, die englische Schauerliteratur, frühromantische Märchen und die sogenannte gothic novel. Anregungen erhielt er außerdem aus der Frühromantik, aus naturphilosophischen und psychiatrischen Schriften sowie aus Vorstellungen über Geheimbünde, Mesmerismus und die „Nachtseite“ der menschlichen Existenz.

Ein wiederkehrendes Muster ist, dass ein junger Held unversehens einer geheimen oder übermächtigen Kraft ausgeliefert wird. Hoffmann verband dieses Motiv mit psychischen Grenzerfahrungen, technischen Neuerungen wie Automaten und gesellschaftlichen Beobachtungen. Musik, Zeichnung, Literatur und Juristerei waren bei ihm eng miteinander verbunden; zahlreiche Erzählungen illustrierte er selbst.

Ausbildung, Staatsdienst und musikalische Laufbahn

Hoffmann wuchs nach der Trennung seiner Eltern 1778 im Haushalt der mütterlichen Familie in Königsberg auf. Ab 1782 besuchte er die Burgschule und freundete sich 1786 mit Theodor Gottlieb Hippel an. 1792 begann er an der Albertus-Universität Königsberg das Studium der Rechte. 1795 bestand er das erste juristische Staatsexamen, 1798 das zweite mit der Note „vorzüglich“ und am 27. März 1800 das Assessorexamen ebenfalls mit „vorzüglich“.

Neben dem Studium beschäftigte er sich mit Musik, Zeichnen und Schreiben. Er bevorzugte Mozart, erhielt Unterricht beim Organisten Christian Podbielski und nahm später Kompositionsunterricht bei Johann Friedrich Reichardt. 1798 verlobte er sich mit seiner Cousine Wilhelmine „Minna“ Doerffer, löste diese Verlobung jedoch 1802 und heiratete am 26. Juli desselben Jahres Marianne Thekla Michalina Rorer, genannt „Mischa“.

Als Gerichtsassessor wurde Hoffmann nach Posen versetzt. Während des Karnevals 1802 war er vermutlich an einer anonymen Aktion beteiligt, bei der Karikaturen hochrangiger Personen verteilt wurden. Obwohl er zum Regierungsrat befördert wurde, erhielt er als Sanktion eine Versetzung nach Plock, einer Stadt mit etwa 3000 Einwohnern. Von 1802 bis 1804 lebte er dort, danach in Warschau. Dort arbeitete er weiter im Staatsdienst, komponierte, organisierte mit der „Musikalischen Gesellschaft“ Konzerte und lernte Eduard Hitzig kennen. 1804 erschien sein Name erstmals in der Form „E. T. A. Hoffmann“; das „A.“ erklärte er als ursprünglich entstandenen Schreibfehler anstelle von „W.“ für Wilhelm.

Nach dem Einmarsch französischer Truppen in Warschau am 28. November 1806 verließ Hoffmann die Stadt, weil er keinen Huldigungseid auf Napoleon leisten wollte. Er versuchte anschließend, als freier Künstler zu leben, geriet aber in große finanzielle Not. Von 1808 bis 1813 arbeitete er in Bamberg unter anderem als Musikdirektor, Direktionsgehilfe, Dramaturg und Dekorationsmaler. Sein Debüt als Musikdirektor im Oktober 1808 scheiterte, und die Stelle verlor er nach zwei Monaten. Als Musikkritiker für die Leipziger Allgemeine musikalische Zeitung fand er jedoch eine wichtige neue Tätigkeit.

In dieser Zeit entwickelte er die Figur des Kapellmeisters Johannes Kreisler, seines literarischen Alter Egos. Kreisler erscheint unter anderem in Kreisleriana, Der goldne Topf und Lebensansichten des Katers Murr. 1814 kehrte Hoffmann in den preußischen Staatsdienst zurück; 1816 wurde er zum Kammergerichtsrat mit festem Gehalt ernannt. Gleichzeitig blieb er künstlerisch aktiv. Besonders stolz war er auf die Uraufführung seiner Oper Undine 1816 im Nationaltheater Berlin.

Literarische und musikalische Werke

Hoffmanns bekanntes literarisches Werk entstand innerhalb von dreizehn Jahren. Vor 1809 verfasste Novellen sind entweder nicht erhalten oder wurden von ihm nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Zu seinen zentralen Werken gehören Fantasiestücke in Callot’s Manier (1814/1815) mit Der goldne Topf, Die Elixiere des Teufels (1815/1816), Nachtstücke (1816/1817) mit Der Sandmann, Klein Zaches genannt Zinnober (1819), Prinzessin Brambilla (1820), Die Serapionsbrüder (1819/1821), Lebensansichten des Katers Murr (1819/1821) und Meister Floh (1822). Späte Erzählungen sind unter anderem Des Vetters Eckfenster und Der Feind (Fragment), beide von 1822.

Viele dieser Texte verbinden Unheimliches, gesellschaftliche Satire und die Unsicherheit zwischen Wirklichkeit und Einbildung. In Der Sandmann und Die Automate werden beispielsweise technische Neuerungen mit psychischen und okkulten Ängsten verknüpft. In Klein Zaches genannt Zinnober karikiert Hoffmann Philistertum und gesellschaftliche Borniertheit. Die Serapionsbrüder greifen außerdem das Motiv geheimer Mächte und die Frage nach der Wahrnehmung der Wirklichkeit auf. Der anonym erschienene erotische Roman Schwester Monika wurde zeitweise Hoffmann zugeschrieben; in der Forschung gilt diese Zuschreibung heute als falsch.

Hoffmann komponierte sowohl Vokal- und Bühnenmusik als auch Instrumentalwerke. Zu den Vokalwerken zählen die Messa d-Moll (1805), Trois Canzonettes à 2 et à 3 voix (1807), sechs Canzoni per 4 voci a cappella (1808) und das Miserere b-Moll (1809), das vermutlich mit einem Requiem identisch ist. Zu seinen Bühnenwerken gehören Die Maske (1799), Die lustigen Musikanten (1804), Der Trank der Unsterblichkeit (1808), Aurora (1812) und die Zauberoper Undine (1816). Seine Instrumentalwerke umfassen unter anderem fünf Klaviersonaten aus den Jahren 1805–1808, eine Sinfonie in Es-Dur (1806), ein Harfenquintett in c-Moll (1807) und ein Grand Trio in E-Dur (1809). Als Musikkritiker prägte er besonders die romantische Diskussion über Beethoven, Mozart, Bach und Palestrina.

Immediatkommission, Zensur und Tod

Nach den politischen Restaurationsmaßnahmen im Deutschland nach Napoleon wurde Hoffmann Mitglied der preußischen Immediat-Untersuchungskommission zur Ermittlung hochverräterischer Verbindungen und anderer gefährlicher Umtriebe. Er stand den Burschenschaften und Turnerbünden nicht nahe, untersuchte die Fälle aber pflichtbewusst und rechtsgemäß. In zahlreichen Gutachten kam die Kommission zu dem Ergebnis, dass weder Haft noch Anklage gerechtfertigt seien. Sie betonte wiederholt, dass eine politische Gesinnung allein keine strafbare Handlung darstelle.

Diese Haltung brachte Hoffmann in Konflikt mit dem Ministerialdirektor Karl Albert von Kamptz. Hoffmann verarbeitete einen von Kamptz besonders streng bewerteten Fall in Meister Floh. Dabei machte er durch die Figur Knarrpanti und durch das mehrfach unterstrichene Wort „mordfaul“ nicht öffentliche Inhalte einer Prozessakte öffentlich. Das Manuskript wurde beschlagnahmt; die Erstausgabe von Meister Floh erschien um mehrere Episoden gekürzt. Die unterdrückten Passagen wurden erst 1908 veröffentlicht.

Ab 1818 litt Hoffmann zunehmend unter Gesundheitsproblemen. Im Januar 1822 begann eine fortschreitende Lähmung an Füßen und Beinen. Sie breitete sich auf Arme und Sprachorgane aus und führte schließlich zu Atemlähmung; seine geistigen Fähigkeiten blieben erhalten. Während ein Disziplinarverfahren gegen ihn vorbereitet wurde, konnte er seine Verteidigungsschriften nur noch diktieren. Als mögliche Krankheitsursachen wurden Syphilis, amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und eine bösartige Geschwulst genannt. Hoffmann starb am 25. Juni 1822 in seiner Berliner Wohnung in der Taubenstraße 31.

Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirche vor dem Halleschen Tor in Berlin-Kreuzberg. Seit 1952 ist es als Ehrengrab des Landes Berlin gewidmet; 2016 wurde die Widmung um zwanzig Jahre verlängert. Sein Nachlass wurde noch 1822 versteigert. Teile befinden sich heute unter anderem in der Staatsbibliothek zu Berlin, im Märkischen Museum sowie in Sammlungen in Berlin, Bamberg und München.

Rezeption und Nachwirkung

Hoffmanns Zeitgenossen im deutschsprachigen Raum bewerteten ihn unterschiedlich. Goethe, Eichendorff und Wilhelm Grimm standen seinem Werk ablehnend gegenüber, während Heinrich Heine und Adelbert von Chamisso es schätzten. Seine Rezension von Beethovens 5. Symphonie aus dem Jahr 1810 gilt als eine „Gründungsurkunde der romantischen Musikästhetik“. Robert Schumann und Johannes Brahms bezogen sich auf Hoffmann; Schumanns Klavierzyklus Kreisleriana knüpft an Hoffmanns Figur des Kapellmeisters Johannes Kreisler an.

Nach Hoffmanns Tod war seine Wirkung im Ausland zunächst größer als in Deutschland. In Frankreich wurde er früh zum Klassiker. Er beeinflusste unter anderem Théophile Gautier, Honoré de Balzac, Victor Hugo, Charles Baudelaire und Guy de Maupassant. Jacques Offenbachs Oper Les Contes d’Hoffmann, 1881 in Paris uraufgeführt, beruht auf einem Libretto von Jules Barbier und gehört zum Standardrepertoire der Opernhäuser.

In Russland war Hoffmann in den 1830er Jahren einer der meistgelesenen Autoren. Nikolai Gogol und der frühe Fjodor Dostojewski wurden von ihm beeinflusst. Besonders wirksam war die Verbindung des Phantastischen mit dem Realistischen, die später auch mit dem magischen Realismus in Verbindung gebracht wurde. Peter Tschaikowskis Ballett Der Nußknacker basiert auf Hoffmanns Nußknacker und Mausekönig. Die literarische Gruppe Serapionsbrüder in Petrograd übernahm ihren Namen von Hoffmanns Erzählung; auch Michail Bulgakows Der Meister und Margarita wurde wesentlich von Hoffmann beeinflusst.

Weitere internationale Wirkungen zeigen sich bei Edgar Allan Poe und George Sand sowie in der französischen und polnischen Literatur. Nach einer Neubewertung um 1900 knüpfte der deutsche Expressionismus an Hoffmann an. Spätere deutschsprachige Autoren wie Arno Schmidt, Ingo Schulze, Reinhard Stöckel und Uwe Tellkamp beriefen sich auf ihn. Kritisch diskutiert werden neben der psychologischen und gesellschaftlichen Schärfe seiner Texte auch antijüdische Klischees, die besonders in Die Brautwahl erkennbar sind.

Ausgaben, Adaptionen und Erinnerungsorte

Hoffmanns Werke wurden seit 1827 in zahlreichen Auswahl-, Gesamt- und historisch-kritischen Ausgaben veröffentlicht. Bedeutende Editionen legten unter anderem Carl Georg von Maassen, Walther Harich, Klaus Kanzog, Walter Müller-Seidel sowie Hartmut Steinecke und Wulf Segebrecht vor. Die sechsbändige Ausgabe des Deutschen Klassiker Verlags erschien 1985–2004. Eine digitale Ausgabe, E. T. A. Hoffmann Werke, wurde 2004 von Mathias Bertram bei Directmedia Publishing veröffentlicht.

Seine Texte wurden vielfach für Musik, Ballett, Film und Hörspiel adaptiert. Beispiele sind Robert Schumanns Kreisleriana (1838), Léo Délibes’ Ballett Coppélia nach Der Sandmann (1870), Tschaikowskis Der Nußknacker (1892), Busonis Oper Die Brautwahl (1905) und Hindemiths Cardillac (1926) nach Das Fräulein von Scuderi. Es gibt über 100 Filme nach Hoffmanns Motiven, darunter Das Fräulein von Scuderi (DEFA 1955) und Die Elixiere des Teufels (DEFA 1973). Andrej Tarkowskij schrieb 1974 das nicht realisierte Filmbuch Hoffmanniana. Auch Hörspielbearbeitungen entstanden, unter anderem zu Das Fräulein von Scuderi, Die Serapions-Brüder, Der Sandmann und Nußknacker und Mausekönig.

Erinnerungsorte befinden sich besonders in Königsberg beziehungsweise Kaliningrad, Posen, Plock, Bamberg und Berlin. In Bamberg erinnern unter anderem das E.-T.-A.-Hoffmann-Haus, Denkmäler zu Undine und Kapellmeister Kreisler sowie Gedenktafeln an ihn. In Berlin stehen eine Gedenktafel in der Charlottenstraße und eine Skulptur am Gendarmenmarkt. Die E.-T.-A.-Hoffmann-Gesellschaft betreut sein Andenken und das Bamberger Hoffmann-Haus; der E.-T.-A.-Hoffmann-Preis der Stadt Bamberg wird seit 1989 alle zwei Jahre vergeben.

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