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Was sagen Steine über unsere Geschichte aus? | Ganze Folge | Colin Devey | Terra X

Terra X History43:35 950.959 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 331 Zeilen
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  1. * Titelmusik * An der Ostsee beginnt eine Zeitreise durch Jahrmillionen.
  2. Der Geologe Colin Devey auf den Spuren der Erdgeschichte quer durch unsere Heimat.
  3. Von der Küste im Norden bis zu einer unsichtbaren geologischen Grenze in der Mitte Deutschlands.
  4. Um das Vermächtnis der Steine zu erkennen, muss er manch ausgetretene Pfade verlassen.
  5. Und abtauchen in die Vergangenheit. Erst sein geübter Blick ermöglicht es, zu erkennen,
  6. wie eng unser aller Leben mit den Steinen verwoben ist. Kiel in den frühen Morgenstunden.
  7. Monatelang hat Colin Devey auf dem Forschungsschiff ausgeharrt. Jetzt kehrt er mit neuen Gesteinsproben
  8. zum GEOMAR-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung zurück. Die eigentliche Arbeit beginnt erst: die Steine zum Sprechen zu bringen.
  9. <font color=Yellow>Hinter mir liegt die</font> <font color=Yellow>Expeditionshalle des GEOMAR.</font> <font color=Yellow>Hier lagern wir unsere geologischen</font> <font color=Yellow>Schätze aus aller Welt.</font>
  10. Kisten und Boxen sind prall gefüllt. Die Gesteinsproben ermöglichen,
  11. geologische Ereignisse zu entschlüsseln, die unsere Erde geformt haben.
  12. Sie stammen von Gebirgen ebenso wie von Meeresböden. <font color=Yellow>Anhand dieses Tauchbootes sieht man,</font> <font color=Yellow>dass wir Geologen</font>
  13. <font color=Yellow>alle möglichen Werkzeuge benutzen,</font> <font color=Yellow>um an unsere Schätze zu gelangen. </font> <font color=Yellow>Wenn ich meinen Freunden davon</font> <font color=Yellow>erzähle, dann fragen sie oft: </font>
  14. <font color=Yellow>Wozu der ganze Aufwand? Die Steine</font> <font color=Yellow>können ja nicht reden.</font> <font color=Yellow>Und ob sie das können.</font>
  15. <font color=Yellow>Wenn man sie genau betrachtet,</font> <font color=Yellow>hat jeder Stein</font> <font color=Yellow>seine eigene Geschichte zu erzählen.</font>
  16. <font color=Yellow>Diesen hier haben wir</font> <font color=Yellow>tief aus dem Pazifik geholt.</font> <font color=Yellow>Und er könnte uns was über</font> <font color=Yellow>die Meereszusammensetzung erzählen.</font>
  17. <font color=Yellow>Und diese hier kommen aus meinem</font> <font color=Yellow>Garten. Das sind Findlinge.</font> <font color=Yellow>Die kamen per Gletscher </font> <font color=Yellow>aus Skandinavien zu uns.</font>
  18. <font color=Yellow>Und jetzt kann man sich fragen:</font> <font color=Yellow>Was hat das</font> <font color=Yellow>mit unserem Leben zu tun?</font>
  19. <font color=Yellow>Und die Antwort ist ganz einfach:</font> <font color=Yellow>sehr viel.</font> <font color=Yellow>Wo sich die Geologie</font> <font color=Yellow>und unser Leben berühren,</font>
  20. <font color=Yellow>das werde ich auf meiner Wanderung</font> <font color=Yellow>durch Deutschland hautnah erleben.</font> Sie beginnt im Winter an der Küste im Norden.
  21. Und führt den Geologen von Kiel aus zum Seelenter See. Ein Rückzugsraum für viele Wasservogelarten,
  22. die hier überwintern. Der See ist ein Überbleibsel der letzten Weichsel-Eiszeit,
  23. um die 12.000 Jahre alt. Seit jeher bekannt für seinen Fischreichtum.
  24. Das weiß auch der Seeadler. In den frühen Morgenstunden hat er hier das Sagen.
  25. Jäger und Beute haben sich in ihrem Kampf um Leben und Tod über Jahrmillionen weiterentwickelt.
  26. Und sich dabei immer wieder an die veränderte Umwelt angepasst. Nur durch diese Wechselwirkung hat sich das Leben seit 560 Mio. Jahren
  27. von Einzellern zu immer komplexeren Geschöpfen entwickelt. Arten entstanden und vergingen,
  28. angepasst an Landschaften, Klimabedingungen und Fressfeinde.
  29. Erst mit dem Aussterben der Dinosaurier vor ca. 66 Mio. Jahren beginnt die Ära der Säugetiere.
  30. Sie lässt vor rund zwei Mio. Jahren die frühe Form des Menschen in Afrika die Bühne des Lebens betreten.
  31. Diese Beziehung zwischen Evolution und Geologie hat dem Leben im Wasser und an Land immer wieder einen Schub verpasst.
  32. <font color=Yellow>Die Erdoberfläche</font> <font color=Yellow>ist geologisch gesehen</font> <font color=Yellow>so was wie die heutige Ausgabe einer</font> <font color=Yellow>Tageszeitung, also die Gegenwart.</font>
  33. <font color=Yellow>Und darunter liegt ein Stapel</font> <font color=Yellow>älterer Zeitungen.</font> <font color=Yellow>Am besten sieht man das,</font>
  34. <font color=Yellow>wenn man ein Stück aus der Wiese</font> <font color=Yellow>heraushebt.</font> <font color=Yellow>Wow. Also die Schichten sind eine</font> <font color=Yellow>Abfolge aus der Erdgeschichte. </font>
  35. <font color=Yellow>Jede dieser Schichten war selbst</font> <font color=Yellow>einmal an der Oberfläche</font> <font color=Yellow>und beherbergte früheres Leben.</font>
  36. <font color=Yellow>Manchmal sind sie zerknittert</font> <font color=Yellow>und gefaltet.</font> <font color=Yellow>Das kommt durch Bewegungen</font> <font color=Yellow>in der Erde.</font>
  37. <font color=Yellow>Und ganz unten kommt das Fundament.</font> <font color=Yellow>Hier unter Norddeutschland</font>
  38. <font color=Yellow>ist das ein früherer Kontinent</font> <font color=Yellow>namens Avalonia.</font> <font color=Yellow>Ungefähr 700 Mio. Jahre alt.</font>
  39. Alle Schichten zusammengenommen bilden die Erdkruste in diesem Teil Deutschlands.
  40. Würde sie sich nach oben statt nach unten erstrecken, erreichte sie eine Höhe von mehr als 20 Kilometern.
  41. Unten auf dem Boden, besser gesagt auf der Ostsee, tummeln sich die hartgesottenen Kitesurfer auch im Winter.
  42. So wie sie mit ihren Brettern auf dem Wasser treiben, schwimmt auch die Erdkruste auf zähflüssigen Gesteinsmassen
  43. tief im Inneren der Erde, immer in Bewegung. Das ist zwar für die Surfer unerheblich,
  44. doch für die Halbinsel Graswarder lebensbedrohlich. <font color=Yellow>Ich bin einiges</font> <font color=Yellow>von meinen Expeditionen gewöhnt.</font>
  45. <font color=Yellow>Aber da draußen im Winter</font> <font color=Yellow>auf den Wellen zu reiten,</font> <font color=Yellow>das wäre mir zu ungemütlich.</font>
  46. <font color=Yellow>Bald könnte diesem kuscheligen</font> <font color=Yellow>Häuschen hinter mir</font> <font color=Yellow>auch das Wasser</font> <font color=Yellow>bis zum Halse stehen.</font>
  47. <font color=Yellow>Der Meeresspiegel</font> <font color=Yellow>steigt hier nämlich an.</font> <font color=Yellow>Nicht nur</font> <font color=Yellow>wegen des Klimawandels.</font>
  48. <font color=Yellow>Sondern wegen den Nachwehen</font> <font color=Yellow>der letzten Eiszeit.</font> Vor 12.000 Jahren bedecken bis zu 3000 Meter mächtige Gletscher
  49. ganz Nordeuropa. Als sich der Eispanzer zurückzieht,
  50. werden enorme Mengen Schmelzwasser freigesetzt. Die Ostsee entsteht.
  51. Doch das fehlende Gewicht der mächtigen Eisschicht hat in Skandinavien einen gravierenden Effekt.
  52. Bis zu 10 mm jährlich hebt sich dort die Erdkruste. Und sorgt für ein Absinken der deutschen Ostseeküste
  53. um bis zu einem Millimeter im Jahr. So steigt an der Küste der Meeresspiegel auch ohne Klimawandel.
  54. Wenn auch nur ganz langsam. <font color=Yellow>Der Boden der Ostsee </font> <font color=Yellow>kippt wie eine Wippe.</font>
  55. <font color=Yellow>Das bedeutet, die ganzen Häuser hier</font> <font color=Yellow>werden früher oder später</font> <font color=Yellow>im Meer verschwinden.</font>
  56. <font color=Yellow>Ich sehe zu, dass ich Land gewinne.</font> Bis es soweit ist, haben die Vögel auf dem Graswarder
  57. ein wichtiges Rückzugsgebiet. Selbst in den Wintermonaten finden unzählige Vogelarten
  58. Schutz und ausreichend Nahrung. Viele von ihnen, wie auch diese Strandläufer,
  59. verbringen deshalb die kalte Jahreszeit auf der Halbinsel. Hinter den Küsten der Ostsee beginnt das Norddeutsche Tiefland.
  60. Das flache Land ist von den Gletschermassen der letzten Eiszeiten geprägt.
  61. Hier weht fast immer Wind. Nach der Eiszeit hat er wertvolle Nährstoffe herangeweht.
  62. Aus dem kargen Gletscheruntergrund hat sich über Jahrtausende wertvoller Ackerboden gebildet.
  63. Nur hier und da haben die Gletscher Sandflächen hinterlassen. Auch damit lässt sich gutes Geld machen,
  64. wie hier in der Kiesgrube Kreuzfeld. Nach Wasser ist Sand der am meisten verbrauchte Rohstoff der Welt.
  65. Sand brauchen wir in unserer modernen Welt für fast alles: Neben dem Küstenschutz und der Bauindustrie
  66. findet er sich selbst in Glas und Zahnpasta. Sand ist ein Geschenk großer geologischer Umwälzungen.
  67. <font color=Yellow>Was haben ein Radlader</font> <font color=Yellow>und ein Gletscher gemeinsam?</font> * Musik *
  68. <font color=Yellow>Richtig, beide transportieren</font> <font color=Yellow>unheimlich viel Sand und Gestein.</font> <font color=Yellow>Während der letzten Eiszeit haben</font> <font color=Yellow>die Gletscher Norddeutschland</font>
  69. <font color=Yellow>mit Sand und Kies überschüttet.</font> <font color=Yellow>Und das ist für unsere Gesellschaft</font> <font color=Yellow>essentiell.</font>
  70. <font color=Yellow>Unsere Häuser, unsere Straßen und </font> <font color=Yellow>so viel mehr sind aus Sand gebaut.</font> Sand wird deshalb immer knapper.
  71. Die Welt braucht stetig mehr davon in grobkörniger Form. Vor allem für die Betonherstellung.
  72. Der feine Sand aus den Wüsten ist dafür nicht geeignet. Aber es ist nicht nur Sand,
  73. den die Gletscher vor 12.000 Jahren mit sich brachten. <font color=Yellow>Das ist der Wandhoff-Findling.</font>
  74. <font color=Yellow>Mit 126 Tonnen ist das</font> <font color=Yellow>ein stattliches Gewicht.</font> <font color=Yellow>Doch für einen Gletscher ist das </font> <font color=Yellow>nicht viel mehr als ein Sandkorn.</font>
  75. <font color=Yellow>Der kommt aus Südschweden und ist </font> <font color=Yellow>an der Unterseite eines Gletschers</font> <font color=Yellow>nach Deutschland gereist.</font>
  76. <font color=Yellow>Dabei hat er die Landschaft</font> <font color=Yellow>unter sich abgehobelt.</font> Findlinge nennen Geologen Felsblöcke, die durch Gletscher
  77. von ihrem Ursprungsort in Skandinavien manchmal Tausende Kilometer weit weg transportiert wurden.
  78. Ein Blick in den Gletscher zeigt, mit welcher Kraft er die Landschaft geformt hat.
  79. Seine Eismassen sind ständig in Bewegung. Wie Schmirgelpapier glättet er das Gelände.
  80. An seinen Rändern schiebt der Gletscher große Mengen Geröll vor sich her, die Endmoränen.
  81. Sie bilden die wenigen Erhebungen und belegen bis heute, wie die Gletscher den Norden Deutschlands
  82. geologisch geprägt haben. Bei seinem Rückzug hinterlässt der mächtige Eispanzer ein flaches Land.
  83. Durchzogen von tiefen Furchen, ausgespült von abfließendem Schmelzwasser.
  84. So entsteht die Feldberger Seenlandschaft, die gerade den Winter hinter sich gelassen hat.
  85. * Musik * Colin Devey ist immer wieder fasziniert davon,
  86. wie die Jahreszeiten Landschaften verändern. Wie Pflanzen und Tiere neue Kraft nur aus der Wärme schöpfen.
  87. Und wie die Natur es schafft, das von der Eiszeit geprägte Gebiet im Norden Deutschlands für sich zurückzugewinnen.
  88. <font color=Yellow>Direkt vor mir liegt eine Endmoräne.</font> <font color=Yellow>Auf diesem Geröllhaufen wächst, nur</font> <font color=Yellow>einen Steinwurf von hier entfernt, </font>
  89. <font color=Yellow>der älteste Buchenwald Deutschlands.</font> <font color=Yellow>Der ist zum Gegenstand </font> <font color=Yellow>der Forschung geworden.</font>
  90. <font color=Yellow>Und ich bin sehr gespannt,</font> <font color=Yellow>was dort passiert.</font> Es ist die Anpassungsfähigkeit der Buche, die es ihr ermöglicht hat,
  91. sich innerhalb weniger Jahrtausende nach der letzten Eiszeit von den Alpen bis hierher, nach Mecklenburg-Vorpommern, auszubreiten.
  92. Eine Buche kann im Jahr bis zu 50 Zentimeter in die Höhe wachsen. Und die ältesten unter ihnen sind bis zu 30 Meter hoch.
  93. Von der Höhe inspiriert rührt der Name des Waldes: Die Heiligen Hallen.
  94. Sie dienen auch vielen Waldbewohnern als Unterschlupf. * spannungsvolle Musik *
  95. Von Menschenhand fast unberührt entfaltet sich der Wald seit über 300 Jahren.
  96. Für Forscherinnen und Forscher ist er ein einzigartiges Zeugnis im Kampf gegen das Waldsterben.
  97. Die Biologin Jeanette Blumröder versucht, das Geheimnis der Heiligen Hallen zu lüften.
  98. Was die Buchen hier so resistent gegen Hitze macht. <font color=Yellow>Hallo, Jeanette.</font>
  99. <font color=Yellow>In einigen Teilen Deutschlands</font> <font color=Yellow>sterben die Wälder zunehmend ab.</font> <font color=Yellow>Was ist das Geheimnis dieses Waldes?</font>
  100. <font color=Yellow>In diesem Wald wurde schon lange</font> <font color=Yellow>nichts mehr getan.</font> <font color=Yellow>Es wurde hier kein Holz geerntet</font> <font color=Yellow>seit langer Zeit.</font>
  101. <font color=Yellow>Dazu kommt, dass es auch</font> <font color=Yellow>viel Totholz gibt.</font> <font color=Yellow>Gerade in trockenen</font> <font color=Yellow>und heißen Zeiten</font>
  102. <font color=Yellow>kann man aus diesem zersetzenden </font> <font color=Yellow>Totholz richtig Wasser rausdrücken,</font> <font color=Yellow>obwohl es in der kompletten Umgebung</font> <font color=Yellow>staubtrocken ist.</font>
  103. Stirbt ein Baum, dient er als Wasserspeicher. Von Insekten und Mikroorganismen zersetzt
  104. bildet er so den Nährboden für nachwachsende Bäume. <font color=Yellow>Welche Aspekte dieses Waldes</font> <font color=Yellow>führen dazu,</font>
  105. <font color=Yellow>dass sein Mikroklima</font> <font color=Yellow>so günstig ist?</font> <font color=Yellow>Es gibt hier nicht nur</font> <font color=Yellow>alte dicke Bäume,</font>
  106. <font color=Yellow>sondern auch alle anderen</font> <font color=Yellow>Generationen,</font> <font color=Yellow>die hier miteinander leben.</font>
  107. <font color=Yellow>Dadurch gibt es natürlich</font> <font color=Yellow>verschiedene Schichten.</font> <font color=Yellow>Wie so verschiedene Etagen,</font> <font color=Yellow>die dadurch entstehen.</font>
  108. <font color=Yellow>Wodurch das Kronendach immer</font> <font color=Yellow>relativ geschlossen bleibt. </font> <font color=Yellow>Okay. Und was könnte</font> <font color=Yellow>die Forstwirtschaft </font>
  109. <font color=Yellow>denn aus so einem Wald lernen?</font> <font color=Yellow>Je dichter das Kronendach</font> <font color=Yellow>eines Waldes,</font>
  110. <font color=Yellow>desto geringer sind</font> <font color=Yellow>die Maximaltemperaturen.</font> <font color=Yellow>Also in Zeiten des Klimawandels</font> <font color=Yellow>müssen wir</font>
  111. <font color=Yellow>mehr auf die selbstregulierenden</font> <font color=Yellow>Kräfte des Waldes vertrauen.</font> <font color=Yellow>Definitiv.</font>
  112. Ein Wald, der sein eigenes Überleben sichern kann, lockt weitere Beschützer an.
  113. So bewahrt ihn der Schwarzspecht vor Schädlingen. Borkenkäfer gehören zu seiner Leibspeise.
  114. Doch es ist nicht nur der Wald, der um diese Jahreszeit seine volle Pracht zeigt.
  115. Ende April, Anfang Mai beginnt in Norddeutschland noch ein ganz anderes Naturschauspiel,
  116. das sich am besten aus der Luft bewundern lässt. Auf den Feldern steht der Raps in voller Blüte.
  117. * Musik * <font color=Yellow>Nach der Eiszeit ließen</font> <font color=Yellow>die zurückweichenden Gletscher</font>
  118. <font color=Yellow>nur öde Sand- und Schotterflächen</font> <font color=Yellow>zurück.</font> <font color=Yellow>Im Laufe der Zeit</font> <font color=Yellow>bildete sich darauf</font>
  119. <font color=Yellow>eine fruchtbare Humusschicht.</font> <font color=Yellow>Dieser Oberboden</font> <font color=Yellow>bildet die Grundlage</font>
  120. <font color=Yellow>für unsere heutige Landwirtschaft.</font> Nur 20 bis 30 Zentimeter dick ist die kostbare Schicht,
  121. der wir unsere Feldfrüchte verdanken. Und unter das satte Grün der Wiesen nebenan
  122. mischt sich Anfang Mai das strahlende Gelb des Rapses, Der wird meist zu Biodiesel oder Ölen verarbeitet.
  123. Doch ist er nicht das einzige, was sich da unten zu Geld machen lässt.
  124. <font color=Yellow>Viel tiefer unter Norddeutschland</font> <font color=Yellow>liegt noch ein anderer Schatz</font> <font color=Yellow>verborgen.</font>
  125. <font color=Yellow>Der stammt aus einer </font> <font color=Yellow>viel früheren Epoche.</font> <font color=Yellow>Damals war alles hier mit einem</font> <font color=Yellow>warmen salzigen Meer bedeckt.</font>
  126. Die Reise führt 250 Millionen Jahre zurück in die Zeit, als das Zechsteinmeer große Teile Norddeutschlands bedeckte.
  127. Das flache Meer liegt damals am Rande einer heißen Wüste. Durch das trockene und warme Klima verdunstet viel Wasser.
  128. So erhöht sich die Konzentration des Salzes nach und nach immer mehr. Kristalle bilden sich und sinken zu Boden.
  129. Über Jahrmillionen entstehen so mächtige Schichten aus Steinsalz. Die werden heute in einer Tiefe von über 500 Metern abgebaut.
  130. Werksgeologe Ingo Dressel zeigt Colin Devey die Salzlager im Bergwerk Braunschweig-Lüneburg.
  131. Mit schweren Bohrfahrzeugen bereiten seine Kollegen die Löcher für eine Sprengung vor.
  132. <font color=Yellow>Das sind aber gigantische Hallen</font> <font color=Yellow>aus Salz.</font> <font color=Yellow>Aber Salz ist nicht gleich Salz, ne?</font>
  133. <font color=Yellow>Nein, im Zechsteinmeer</font> <font color=Yellow>ist es als Kalisalz </font> <font color=Yellow>oder als Steinsalz ausgefallen.</font>
  134. <font color=Yellow>Und wozu braucht man</font> <font color=Yellow>diese unterschiedlichen Salze?</font> <font color=Yellow>Das Kalisalz wird für die</font> <font color=Yellow>Düngemittelindustrie verwendet,</font>
  135. <font color=Yellow>als Mineralstoff für unsere Felder.</font> <font color=Yellow>Und das Steinsalz nutzen wir</font> <font color=Yellow>zum einen als Speisesalz. </font>
  136. <font color=Yellow>Aber auch in der Pharmaindustrie</font> <font color=Yellow>für Infusionslösung</font> <font color=Yellow>oder als Industriesalz für die</font> <font color=Yellow>Herstellung von Kunststoffen. </font>
  137. <font color=Yellow>Und als Auftausalz</font> <font color=Yellow>im Winter für unsere Straßen.</font> <font color=Yellow>Wahnsinn, so viele Anwendungen.</font> <font color=Yellow>Ich sag "Glück auf", danke.</font>
  138. Unser Bedarf an Salz ist sehr hoch. Jährlich werden allein in Deutschland
  139. rund 21 Mio. Tonnen Stein- und Kalisalz aus dem Untergrund herausgesprengt.
  140. <font color=Yellow>Ein Leben ohne Salz</font> <font color=Yellow>ist schier undenkbar.</font> <font color=Yellow>Es steckt in so vielen Bereichen</font> <font color=Yellow>unseres Alltags drin.</font>
  141. <font color=Yellow>Die Steinsalzwände hier</font> <font color=Yellow>sehen fest und starr aus,</font> <font color=Yellow>aber das sind sie gar nicht.</font>
  142. <font color=Yellow>Das enorme Gewicht der darüber</font> <font color=Yellow>liegenden Steinschichten</font> <font color=Yellow>setzt sie unter sehr hohen Druck.</font>
  143. <font color=Yellow>Und auf lange Zeiträume</font> <font color=Yellow>fangen sie an, sich zu bewegen.</font> Salz hält selbst dem stärksten Druck stand und fließt stets dorthin,
  144. wo der Widerstand am geringsten ist. Mit großer Macht drängt es nach oben
  145. und formt so seltsam anmutende Hügellandschaften, wie den Elm bei Braunschweig.
  146. 25 Kilometer lang bildet er einen knapp über 300 Meter hohen Höhenzug. Weitere vom Salz geschaffene Anhöhen sind sichtbares Erbe
  147. einer längst vergangenen Zeit, die sich heute im Untergrund als geologische Besonderheit im Norden Deutschlands wiederfindet.
  148. <font color=Yellow>Im Flachland sind solche großen</font> <font color=Yellow>Hügel eine echte Besonderheit. </font> <font color=Yellow>Vor den Eiszeiten war der Elm</font> <font color=Yellow>sogar 200 Meter höher.</font>
  149. <font color=Yellow>Aber dann wurde auch er von</font> <font color=Yellow>den Gletschern abgeschliffen.</font> <font color=Yellow>Ein Schicksal, das die Norddeutsche</font> <font color=Yellow>Tiefebene vereint.</font>
  150. <font color=Yellow>Am Horizont liegt schon der Harz.</font> <font color=Yellow>Eines von mehreren Mittelgebirgen</font> <font color=Yellow>in Deutschland.</font>
  151. <font color=Yellow>Sie haben</font> <font color=Yellow>einen gemeinsamen Ursprung:</font> <font color=Yellow>Die Bildung des Superkontinents</font> <font color=Yellow>Pangäa vor über 30 Mio. Jahren.</font>
  152. Damals befeuern unterirdische Strömungen die Kollision der Kontinente.
  153. Nach und nach fügen sich alle Landmassen der Erde zum Superkontinent Pangäa zusammen.
  154. Im Zentrum ein tropisches Meer, durchzogen von Gesteinsschollen. Sie kollidieren, werden übereinander getürmt
  155. und vereinen sich zu Deutschland. Dabei wird auch ein gigantisches Gebirge geboren.
  156. Die Varisziden. Das noch junge Deutschland ist ein Hochgebirgsland.
  157. Gipfel zwischen sechs und 8000 Meter sind damals keine Seltenheit. Eine Bergwelt wie im Himalaya heute.
  158. Dort, wo die Kontinente aufeinanderprallen, erstreckt sich das Gebirge weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.
  159. Doch die Gebirgszüge werden schon bald durch Wind und Wetter abgetragen.
  160. Das ehemalige Hochgebirge hat sich längst zu einer sanften Hügellandschaft gewandelt.
  161. Die bilden unsere heutigen Mittelgebirge. Ihre Gipfel nicht höher als 500 bis 1500 Meter.
  162. Darunter auch einer, der als Versammlungsort dunkler Mächte berühmt geworden ist:
  163. Der Brocken im Harz. Er thront wie eine Insel über der Norddeutschen Tiefebene.
  164. Am Nordrand liegt der "Grand Canyon" des Harzes. Ein zerklüftetes Tal mit vielen Schluchten im uralten Bergmassiv.
  165. Hier liegt der Ursprung vieler Mythen des Brockens, als Heimat der Hexen und Teufel in der Walpurgisnacht.
  166. <font color=Yellow>Die steil aufragenden Felsen</font> <font color=Yellow>des Bodetales</font> <font color=Yellow>verdanken ihre Form der</font> <font color=Yellow>gewaltigen Kraft des Wassers.</font>
  167. <font color=Yellow>Der Ursprung des Flusses</font> <font color=Yellow>liegt am Brocken,</font> <font color=Yellow>dem höchsten Gipfel</font> <font color=Yellow>Norddeutschlands.</font>
  168. <font color=Yellow>Dieser Berg hütet</font> <font color=Yellow>ein feuriges Geheimnis.</font> * Musik *
  169. Seit Urzeiten bahnt sich das Wasser der Bode einen Weg durch die Schluchten im Harz.
  170. Überall hat der Fluss Steine freigelegt. Doch ist es der feinkörnige Sand, der im Wasser als Sediment
  171. flussabwärts treibt und die Granitwände, auf die er seit Jahrtausenden prallt, nach und nach aushöhlt.
  172. Ein Biotop, in dem Vögel und Insekten zu Hause sind. Colin Deveys Weg hoch zum Brocken führt vorbei an Prachtlibellen
  173. im Liebestanz, hin zu Prachtvillen. Allesamt erbaut mit den Steinen des Harzes.
  174. <font color=Yellow>Diese wunderschönen Häuser</font> <font color=Yellow>hinter mir bestehen aus Granit</font> <font color=Yellow>und anderen Gesteinen der Umgebung.</font>
  175. <font color=Yellow>Die ältesten Steine stammen</font> <font color=Yellow>aus dem variszischen Gebirge.</font> <font color=Yellow>Der Granit dagegen ist jünger.</font>
  176. <font color=Yellow>Der ist als Magma in der </font> <font color=Yellow>Gebirgsmasse aufgestiegen</font> <font color=Yellow>und dort langsam erstarrt.</font>
  177. Am Brocken erkennt man gut, wie Vulkane vor 295 Millionen Jahren den Harz formen.
  178. Heißes Gestein, das sich in rund fünf Kilometern Tiefe in Magmakammern sammelt, drängt damals nach oben.
  179. Irgendwann versiegt die Zufuhr, und das Magma erstarrt in der Tiefe zu Granit.
  180. Wind und Wetter tun ihr Übriges und tragen über Jahrmillionen Schicht für Schicht ab.
  181. So legt die Erosion die versteinerten Magmakammern frei, die schließlich an die Oberfläche kommen
  182. und heute die Landschaft prägen. Eine dieser Kammern bildet vor 145 Millionen Jahren das Brockenmassiv.
  183. Ein Berg, geboren aus der Gluthitze des Erdinneren. Davon zeugen nicht nur die Felsbrocken.
  184. Sondern auch andere Elemente, die damals mit an die Oberfläche gelangten.
  185. Und den Harz für lange Zeit zu einer Bergbauregion machten. <font color=Yellow>Alles rings um mich herum</font> <font color=Yellow>ist Granit.</font>
  186. <font color=Yellow>So einen gigantischen Magma-Block</font> <font color=Yellow>nennen wir Geologen Pluton.</font> <font color=Yellow>Und davon gibt es in den deutschen</font> <font color=Yellow>Mittelgebirgen einige.</font>
  187. <font color=Yellow>In den Randbereichen dieser Plutone</font> <font color=Yellow>befinden sich einige Lagerstätten. </font> <font color=Yellow>Von Blei, Zink, Silber, Gold, </font> <font color=Yellow>aber auch ein anderes Element,</font>
  188. <font color=Yellow>das unsere moderne Gesellschaft</font> <font color=Yellow>nachhaltig prägen sollte.</font> <font color=Yellow>Das wurde vor über 200 Jahren</font> <font color=Yellow>im Erzgebirge entdeckt.</font>
  189. Es wird unserem Jahrhundert den Namen geben. Um seinen Ursprung zu untersuchen,
  190. macht sich Colin Devey auf den Weg nach Freiberg in Sachsen. Der Silberbergbau hat den Ort reich gemacht.
  191. Vom 12. Jahrhundert an haben die Menschen fast 800 Jahre lang in Minen geschuftet, bis die Silberadern erschöpft waren.
  192. Für das große Schloss im Herzen der Stadt hat es allemal gereicht. Doch um Silber geht es dem Geologen heute nicht.
  193. <font color=Yellow>Der Geigerzähler wird mir helfen,</font> <font color=Yellow>das Element, das ich suche,</font> <font color=Yellow>zu finden.</font>
  194. In einer Ausstellung, die das Erdinnere aus allen Teilen der Erde beherbergt.
  195. Mineralien, Edelsteine und Meteoriten in allen erdenklichen Farben und Formen.
  196. Zeugen einer faszinierenden Unterwelt, die für uns Menschen kaum zugänglich ist.
  197. Und doch unser Leben seit Jahrhunderten prägt. Eins davon heute mehr als alle anderen.
  198. <font color=Yellow>Hier ist es.</font> <font color=Yellow>Ein relativ unscheinbares Gestein</font> <font color=Yellow>namens Pechblende.</font>
  199. <font color=Yellow>Es enthält das Element Uran.</font> <font color=Yellow>Und das ist radioaktiv,</font> <font color=Yellow>wie der Geigerzähler beweist.</font>
  200. <font color=Yellow>In dieser Form ist es allerdings</font> <font color=Yellow>recht ungefährlich.</font> <font color=Yellow>Aber Uran kann man nicht nur hören.</font>
  201. <font color=Yellow>Man kann es sogar mithilfe</font> <font color=Yellow>einer UV-Lampe sichtbar machen.</font> <font color=Yellow>Die Entdeckung des Urans</font> <font color=Yellow>aus dem Erzgebirge:</font>
  202. <font color=Yellow>Sie ist die Grundlage</font> <font color=Yellow>des Atomzeitalters.</font> Alles beginnt, als es Martin Klaproth gelingt,
  203. Uranoxid erstmals aus Pechblende zu isolieren. Ein weiterer Meilenstein
  204. ist die Entdeckung von Henri Becquerel 100 Jahre später: Die natürliche Radioaktivität von Uran,
  205. die von Pierre und Marie Curie erforscht wird. Ernest Rutherford findet heraus, dass Uranatome zerfallen
  206. und sich chemisch wandeln. Bis aus Uran Blei wird, wandelt es sich bis zu 18 Mal
  207. in einer zeitlich genau zu bestimmenden Abfolge. <font color=Yellow>Mithilfe der Uran-Blei-Messung</font> <font color=Yellow>konnte das Alter der Erde</font>
  208. <font color=Yellow>schließlich auf knapp 4,6 Milliarden</font> <font color=Yellow>Jahre bestimmt werden.</font> <font color=Yellow>Dieser geologische Beweis hat unser</font> <font color=Yellow>Weltbild grundlegend verändert.</font>
  209. <font color=Yellow>Die Erde ist doch nicht </font> <font color=Yellow>in sechs Tagen entstanden.</font> Und sie ist auch nie zur Ruhe gekommen.
  210. Seit der Mensch vor 12.000 Jahren sesshaft wurde, verbraucht er die Ressourcen des Planeten.
  211. Sein Bedarf an Energie nimmt stetig zu. Lange ist das gut gegangen, dank der Schätze,
  212. die meist im Erdinneren versteckt liegen. So wie im Ruhrgebiet.
  213. Geprägt von einem über 300 Millionen Jahre alten Sedimentgestein: Kohle. Einst entstanden aus abgestorbenen Pflanzenarten wie Farnen, Bärlappen
  214. oder Schachtelhalmen, findet man heute nur noch selten Wälder, die an diese ferne Vergangenheit erinnern.
  215. So wie hier in diesem Wald in der Nähe von Bochum. <font color=Yellow>Auf diesem sumpfigen Untergrund</font> <font color=Yellow>direkt neben der Autobahn</font>
  216. <font color=Yellow>wächst ein Schachtelhalmwald.</font> <font color=Yellow>Vor über 300 Mio. Jahren</font> <font color=Yellow>im Karbon</font>
  217. <font color=Yellow>waren die Vorfahren dieser Gewächse</font> <font color=Yellow>wahrhafte Riesen.</font> <font color=Yellow>Und auch bei den Tieren</font> <font color=Yellow>herrschte Gigantismus. </font>
  218. Durch die ausgedehnten Wälder ist der Sauerstoffgehalt auf der Erde fast doppelt so hoch wie heute.
  219. Insekten haben deswegen oft die vielfache Größe ihrer Nachfahren. In den tropischen Sumpfwäldern strotzen die stark vernässten
  220. und schlammigen Böden vor Mikroorganismen. Sie zersetzen damals wie heute Blätter und umgefallene Bäume.
  221. <font color=Yellow>Abgestorbenes pflanzliches Material</font> <font color=Yellow>wurde in den Sümpfen</font> <font color=Yellow>zu Humus umgesetzt. </font>
  222. <font color=Yellow>Und aus solcher Matsche </font> <font color=Yellow>wurde über sehr lange Zeit</font> <font color=Yellow>schließlich äußerst wertvolle</font> <font color=Yellow>Steinkohle.</font>
  223. <font color=Yellow>Eine wichtige Voraussetzung dafür</font> <font color=Yellow>wurde von den Varisziden geschaffen.</font> Denn das enorme Gewicht des Gebirges
  224. lässt es immer tiefer in die Erdkruste sinken. An seinen Rändern entstehen Vertiefungen,
  225. in denen sich Sumpfwälder bilden. Hier kommt es immer wieder zu Überschwemmungen.
  226. Die abgestorbenen Pflanzenreste sinken zu Boden. Durch das Auf und Ab des Meeresspiegels
  227. lagern sich weitere Schichten aus Sand und Sedimenten ab. Druck und hohe Temperaturen verwandeln das pflanzliche Material
  228. über Jahrmillionen zunächst zu Torf, dann zu Braun- und Steinkohle. Hunderte kohleführende Schichten entstehen,
  229. die im Ruhrgebiet bis zur Oberfläche reichen. So wie hier, im historischen Stollen der Zeche Nachtigall im Muttental.
  230. Hier braucht Colin Devey nicht einmal einen Spaten, um Kohle zu finden. <font color=Yellow>Dort, wo die Kohleschichten</font> <font color=Yellow>bis an die Erdoberfläche reichen,</font>
  231. <font color=Yellow>befanden sich schon seit dem</font> <font color=Yellow>Mittelalter die ersten Abbauorte.</font> <font color=Yellow>Bis heute schätzen wir den hohen</font> <font color=Yellow>Brennwert der Steinkohle</font>
  232. <font color=Yellow>und benutzen sie in der Industrie</font> <font color=Yellow>und auch bei der Stromerzeugung. </font> <font color=Yellow>Seit über 600 Jahren</font> <font color=Yellow>haben wir es nicht geschafft,</font>
  233. <font color=Yellow>auf ihr Feuer zu verzichten.</font> <font color=Yellow>Und das, obwohl der Abbau</font> <font color=Yellow>der Steinkohle in Deutschland</font>
  234. <font color=Yellow>schon 2018 eingestellt wurde.</font> <font color=Yellow>Die Schächte und Stollen </font> <font color=Yellow>verbleiben im Untergrund.</font>
  235. <font color=Yellow>Und das hat Konsequenzen</font> <font color=Yellow>für die gesamte Region. </font> Und diese Konsequenzen können zu einer ernsten Gefährdung werden.
  236. Was man gut im stillgelegten Bergwerk in Nuttlar an der Ruhr sehen kann. Hier macht sich der Geologe für eine besondere Mission bereit.
  237. Abtauchen in die Vergangenheit. <font color=Yellow>Gleich werde ich in einem</font> <font color=Yellow>vollgelaufenen Bergwerk tauchen.</font>
  238. <font color=Yellow>Das hört sich nicht nur ungemütlich</font> <font color=Yellow>an, das ist es auch.</font> <font color=Yellow>Zum Glück muss ich nicht alleine</font> <font color=Yellow>da rein.</font>
  239. Bis zu 200 Arbeiter bauten im Schichtdienst Schiefer ab. Und machten es als Dach- oder Plattenschiefer
  240. zum Wahrzeichen einer ganzen Region. In den über 20 Kilometer langen Stollen
  241. finden sich noch immer die Überbleibsel einer großen Bergbautradition.
  242. Doch 1985 war diese Mine aus wirtschaftlichen Gründen am Ende. Der Strom wurde abgeschaltet.
  243. Und damit auch die Pumpen, die das Bergwerk während des Abbaus trocken hielten.
  244. <font color=Yellow>Manche Gerätschaften sind wirklich</font> <font color=Yellow>noch gut erhalten.</font> <font color=Yellow>Es fühlt sich so an, als wären</font> <font color=Yellow>die Bergleute gerade erst weg.</font>
  245. <font color=Yellow>Ganz schön gespenstisch hier unten.</font> <font color=Yellow>Dass hier alles unter Wasser steht</font> <font color=Yellow>hat einen simplen Grund.</font>
  246. Denn viele Stollen liegen unterhalb des Grundwasserspiegels, so dass fortlaufend Wasser in sie läuft.
  247. Auf seinem Weg dorthin löst es Salze und Mineralien aus dem Gestein, die keinesfalls ins Trinkwasser gelangen dürfen.
  248. Deshalb muss das verunreinigte Wasser in den meisten Bergwerken des Ruhrgebiets ständig abgepumpt werden.
  249. Doch in Nuttlar besteht diese Gefahr zum Glück nicht. Deshalb hat man hier die Pumpen abgeschaltet.
  250. <font color=Yellow>Aber das ist nicht</font> <font color=Yellow>das einzige Problem.</font> <font color=Yellow>Von Zeit zu Zeit</font> <font color=Yellow>kollabieren die alten Stollen.</font>
  251. <font color=Yellow>Durch das Gewicht der darüber</font> <font color=Yellow>liegenden Schichten.</font> <font color=Yellow>Teile des Ruhrgebiets sind</font> <font color=Yellow>in den letzten 100 Jahren </font>
  252. <font color=Yellow>um bis zu 20 Meter abgesunken.</font> <font color=Yellow>Diese Bereiche liegen heute</font> <font color=Yellow>unter dem Grundwasserspiegel.</font>
  253. <font color=Yellow>Ohne die Pumpen im Ruhrgebiet</font> <font color=Yellow>wäre die Existenz von fünf Millionen</font> <font color=Yellow>Menschen bedroht.</font>
  254. <font color=Yellow>Wagen wir den Blick</font> <font color=Yellow>in eine mögliche Zukunft.</font> Es ist das Jahr 2050.
  255. Vor Jahren haben die Pumpen aufgehört, Wasser abzutransportieren.
  256. Innerhalb kurzer Zeit bildet sich eine Seenlandschaft in der einst so dicht bevölkerten Region an der Ruhr.
  257. Um ein Szenario dieser Art zu verhindern, müssen die Gebiete, die sich unter den Grundwasserspiegel abgesenkt haben,
  258. ständig entwässert werden. 600 Pumpanlagen halten das Ruhrgebiet trocken.
  259. Nur 150 Jahre umfasst die Geschichte des industriellen Bergbaus im Westen Deutschlands.
  260. Und doch hat sie tiefe Spuren hinterlassen. Vom Tetraeder in Bottrop hat Colin Devey einen guten Ausblick
  261. über die Landschaft, die einst ein Sumpfgebiet war. Und heute nur noch künstlich am Leben erhalten werden kann.
  262. <font color=Yellow>Das Pumpen gehört</font> <font color=Yellow>zu den "Ewigkeitsaufgaben"</font> <font color=Yellow>des Steinkohlebergbaus.</font>
  263. <font color=Yellow>Es ist ein menschengemachtes</font> <font color=Yellow>Problem, das wir lösen müssen.</font> <font color=Yellow>Zumindest für die Zeit, die wir noch</font> <font color=Yellow>im Ruhrgebiet leben wollen.</font>
  264. <font color=Yellow>In der Eifel dagegen</font> <font color=Yellow>beschäftigt man sich</font> <font color=Yellow>mit einer geologischen Gefahr</font> <font color=Yellow>aus der Tiefe.</font>
  265. <font color=Yellow>Dafür gibt es noch keine Lösung, </font> <font color=Yellow>außer vielleicht Reißaus zu nehmen.</font> <font color=Yellow>Das schaue ich mir nun an.</font>
  266. Colin Deveys Wanderung dauert jetzt schon sechs Monate. Es ist Hochsommer, als er in der Eifel ankommt.
  267. Mit ihren Maar-Seen gehört sie, geologisch gesehen, noch zum Norden Deutschlands.
  268. Ihre Krater sind vulkanischen Ursprungs und füllen sich ausschließlich mit Regenwasser.
  269. Die trockene Einöde nebenan im Steinbruch Emmelberg könnte kaum gegensätzlicher sein.
  270. <font color=Yellow>Ich stehe mitten</font> <font color=Yellow>in einem Vulkankegel.</font> <font color=Yellow>Hinter mir sind die Ascheschichten,</font> <font color=Yellow>die während der Eruption</font>
  271. <font color=Yellow>nacheinander und in nur</font> <font color=Yellow>wenigen Minuten abgelagert wurden.</font> <font color=Yellow>Im Alltag ist solches</font> <font color=Yellow>vulkanische Material </font>
  272. <font color=Yellow>fast fertiger Straßenschotter.</font> <font color=Yellow>Aber neben der Asche befinden sich</font> <font color=Yellow>in diesen Schichten</font>
  273. <font color=Yellow>auch solche großen Brocken.</font> <font color=Yellow>Das sind Lavabomben,</font> <font color=Yellow>flüssiges Gestein,</font>
  274. <font color=Yellow>das durch die Luft geschleudert</font> <font color=Yellow>wurde.</font> Während des Fluges drehen sich die Lavabomben um ihre eigene Achse
  275. und erkalten dabei. Daraus entsteht meist ein bizarres Aussehen,
  276. das Vulkanologen spindelförmig nennen. Die ersten Eruptionen in der Westeifel
  277. ereignen sich vor rund 700.000 Jahren. Auch in anderen Landesteilen Deutschlands brodeln und spucken
  278. die Berge Feuer, bis vor erst 11.000 Jahren alles zur Ruhe kommt. Eine trügerische Ruhe gerade hier in der Eifel, sagen Experten.
  279. Denn immer wieder bebt die Erde leicht. Und das ist nicht die einzige Hinterlassenschaft der Feuerberge.
  280. <font color=Yellow>Das ist ganz schön heiß und trocken</font> <font color=Yellow>geworden.</font> <font color=Yellow>Gut, dass ich meinen Sprudel</font> <font color=Yellow>dabei habe.</font>
  281. <font color=Yellow>Die prickelnden Blasen</font> <font color=Yellow>in der Flasche</font> <font color=Yellow>haben auch was</font> <font color=Yellow>mit den Vulkanen hier zu tun.</font>
  282. <font color=Yellow>Aus Magma tief in der Erdkruste</font> <font color=Yellow>wird Kohlendioxid freigesetzt. </font> <font color=Yellow>Das passiert entweder beim Abkühlen</font> <font color=Yellow>und Aushärten,</font>
  283. <font color=Yellow>oder wenn es von dort</font> <font color=Yellow>unten aufsteigt.</font> <font color=Yellow>Dann verringert sich</font> <font color=Yellow>der Umgebungsdruck</font>
  284. <font color=Yellow>und das Gas kann entweichen.</font> <font color=Yellow>Trifft das Gas dann auf Grundwasser,</font>
  285. <font color=Yellow>kann das ganz schön</font> <font color=Yellow>erfrischend sein.</font> Das aus Magma freigesetzte CO2 steigt durch die Erdschichten empor.
  286. Trifft es auf eine Grundwasserschicht, verbindet es sich mit Wasser und bildet prickelnde Kohlensäure.
  287. Auf seinem weiteren Weg nach oben löst es wertvolle Nährstoffe aus dem umliegenden Gestein, bis es schließlich in natürlichen Quellen
  288. an der Oberfläche zu Tage tritt. <font color=Yellow>Mineralwasser frisch aus der Quelle.</font>
  289. <font color=Yellow>Das ist ein gutes Beispiel dafür,</font> <font color=Yellow>wie die Geologie uns Menschen</font> <font color=Yellow>zugutekommen kann.</font>
  290. <font color=Yellow>Die darin gelösten Mineralstoffe</font> <font color=Yellow>und Spurenelemente</font> <font color=Yellow>können von meinem Körper</font> <font color=Yellow>sofort verwendet werden.</font>
  291. <font color=Yellow>Aber nicht nur wir Menschen</font> <font color=Yellow>wissen die Geologie zu schätzen.</font> <font color=Yellow>Für einige Waldbewohner</font> <font color=Yellow>hier in der Nähe</font>
  292. <font color=Yellow>ist sie sogar richtungsweisend.</font> Ganz neue Forschungsergebnisse weisen daraufhin,
  293. dass der Aufstieg von Gasen auch Millionen andere Lebewesen anzieht. Im Wald trifft Colin Devey auf die Wissenschaftlerin Gabriele Berberich.
  294. Seit Jahren erforscht sie die Nester der Ameisen und untersucht, wie ihre Standorte mit der Geologie in der Eifel in Verbindung stehen.
  295. <font color=Yellow>Gabi, was hat es mit diesen</font> <font color=Yellow>Ameisenhaufen auf sich?</font> <font color=Yellow>Wir kartieren hier die Nester</font> <font color=Yellow>der Roten Waldameise,</font>
  296. <font color=Yellow>um mehr über die regionale Tektonik</font> <font color=Yellow>zu erfahren.</font> <font color=Yellow>Guck dich um:</font> <font color=Yellow>Wiese, Wald, Gräser.</font>
  297. <font color=Yellow>Wo sehen wir da die Störungszonen, </font> <font color=Yellow>also kleine Risse in der Erdkruste,</font> <font color=Yellow>aus denen möglicherweise Gase</font> <font color=Yellow>aufsteigen?</font>
  298. <font color=Yellow>Risse in der Erdkruste, das heißt, </font> <font color=Yellow>das sind kleine geologische Marker?</font> <font color=Yellow>Wir haben Bodenuntersuchungen,</font> <font color=Yellow>also Gas im Boden untersucht, </font>
  299. <font color=Yellow>aber auch das Gas in den Nestern.</font> <font color=Yellow>Und wir konnten feststellen, dass</font> <font color=Yellow>insbesondere Kohlenstoffdioxid,</font>
  300. <font color=Yellow>Helium und Radon</font> <font color=Yellow>in den Nestern erhöht sind.</font> <font color=Yellow>Das heißt, die Ameisen scheinen</font> <font color=Yellow>nach Gas aus der Tiefe zu suchen,</font>
  301. <font color=Yellow>um da ihr Nest zu bauen?</font> <font color=Yellow>Ganz genau.</font>
  302. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht finden sich die Nester dort, wo die Gase in den Wald austreten.
  303. Für Gabriele Berberich sind sie wichtige Orientierungspunkte. <font color=Yellow>Die Ameisen führen uns zu diesen</font> <font color=Yellow>Rissen durch ihre Nester.</font>
  304. <font color=Yellow>Also Ameisen-Geologen,</font> <font color=Yellow>finde ich klasse.</font> <font color=Yellow>Danke schön. </font> <font color=Yellow>- Gerne, Colin.</font>
  305. Aus welchen Gründen die Ameisen das Gas im Boden suchen, kann Gabriele Berberich noch nicht sagen.
  306. Doch immer dann, wenn ein Erdbeben den Gasaustritt in einer Region verschließt, bauen sich die Waldameisen einen neuen Nistplatz.
  307. Ob sie vielleicht sogar das Kommen eines Bebens vorab wahrnehmen, konnte noch nicht festgestellt werden.
  308. Wenn dem so wäre, könnten sie als eine Art Frühwarnsystem fungieren. Denn das Erdinnere unter der Eifel ist ständig in Bewegung.
  309. Messungen ergeben regelmäßig, dass sich dort heiße Magmaströme sammeln. Vulkanologen sprechen vom "Eifel-Plume".
  310. Er hebt die Oberfläche der Region mit bis zu einem Millimeter pro Jahr an. Dass die Vulkane wieder zum Leben erwachen könnten, deutet sich an.
  311. Von Koblenz aus ließe sich das wohl gut und sicher beobachten. Colin Devey ist mittlerweile am Deutschen Eck angekommen.
  312. <font color=Yellow>In der geologischen Zeitwahrnehmung</font> <font color=Yellow>wird es wohl bald</font> <font color=Yellow>zu einem neuen Ausbruch kommen.</font>
  313. <font color=Yellow>Aber keine Panik: Bis es für uns</font> <font color=Yellow>Menschen so weit ist,</font> <font color=Yellow>dauert es noch</font> <font color=Yellow>ein paar tausend Jahre.</font>
  314. <font color=Yellow>Hier am Deutschen Eck erinnert</font> <font color=Yellow>ein monumentales Denkmal</font> <font color=Yellow>an die erste Vereinigung </font> <font color=Yellow>Deutschlands im Jahre 1871.</font>
  315. <font color=Yellow>Landschaftlich gesehen</font> <font color=Yellow>ist es wohl eher der Rhein,</font> <font color=Yellow>der die Gebiete Nord- und</font> <font color=Yellow>Süddeutschlands</font>
  316. <font color=Yellow>seit Jahrmillionen verbindet.</font> <font color=Yellow>Aber wo verläuft dazwischen</font> <font color=Yellow>die geologische Grenze?</font>
  317. * Musik * Es ist der südliche Rand der zentralen Mittelgebirge,
  318. wo sich Deutschland teilt: In einen Norden und einen Süden mit ganz unterschiedlicher Geologie.
  319. An der Grenze liegt die Metropole Frankfurt am Main. Die Stadt in der ungefähren Mitte Deutschlands
  320. ist heute ein strategischer Verkehrsknotenpunkt. Doch verbindet sie schon seit dem frühen Mittelalter
  321. den Norden und den Süden unserer Heimat. Colin Devey ist am Ende seiner Wanderung
  322. durch den Norden Deutschlands angekommen. Auf dem Europaturm blickt er zurück auf seine Zeitreise
  323. durch die dortigen Landschaften, geformt in Jahrmillionen. <font color=Yellow>Von hier oben hat man</font> <font color=Yellow>einen wirklich guten Weitblick.</font>
  324. <font color=Yellow>In diese Richtung liegt der Südrand</font> <font color=Yellow>der Mittelgebirgsschwelle,</font> <font color=Yellow>also geologisch das Ende</font> <font color=Yellow>von Norddeutschland.</font>
  325. <font color=Yellow>Eiszeiten, urzeitliche Meere</font> <font color=Yellow>und ein gigantisches Gebirge</font> <font color=Yellow>prägen die Landschaften des Nordens.</font>
  326. <font color=Yellow>Die Steine sind Zeugen</font> <font color=Yellow>ihrer Entstehung</font> <font color=Yellow>und das erdgeschichtliche</font> <font color=Yellow>Vermächtnis zugleich.</font>
  327. <font color=Yellow>Wer genau hinschaut, sieht,</font> <font color=Yellow>wie eng unser eigenes Leben</font> <font color=Yellow>mit der Geologie verbunden ist.</font>
  328. <font color=Yellow>In der anderen Richtung liegen</font> <font color=Yellow>die Ausläufer Süddeutschlands.</font> <font color=Yellow>Auch dort erzählen die Steine</font> <font color=Yellow>spannende Geschichten.</font>
  329. <font color=Yellow>Es erwartet mich unter anderem</font> <font color=Yellow>der Geschmack der Geologie</font> <font color=Yellow>und das Rätsel, warum Steine</font> <font color=Yellow>Fahrstuhl fahren können.</font>
  330. <font color=Yellow>Ich bin sehr gespannt,</font> <font color=Yellow>was mich im Süden erwartet.</font> <font color=Yellow>Tschüs, bis zum nächsten Mal.</font>
  331. Untertitel im Auftrag des ZDF, 2021

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