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Was sagen Steine über unsere Geschichte aus? | Ganze Folge | Colin Devey | Terra X
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 331 Zeilen
- * Titelmusik * An der Ostsee beginnt eine Zeitreise durch Jahrmillionen.
- Der Geologe Colin Devey auf den Spuren der Erdgeschichte quer durch unsere Heimat.
- Von der Küste im Norden bis zu einer unsichtbaren geologischen Grenze in der Mitte Deutschlands.
- Um das Vermächtnis der Steine zu erkennen, muss er manch ausgetretene Pfade verlassen.
- Und abtauchen in die Vergangenheit. Erst sein geübter Blick ermöglicht es, zu erkennen,
- wie eng unser aller Leben mit den Steinen verwoben ist. Kiel in den frühen Morgenstunden.
- Monatelang hat Colin Devey auf dem Forschungsschiff ausgeharrt. Jetzt kehrt er mit neuen Gesteinsproben
- zum GEOMAR-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung zurück. Die eigentliche Arbeit beginnt erst: die Steine zum Sprechen zu bringen.
- <font color=Yellow>Hinter mir liegt die</font> <font color=Yellow>Expeditionshalle des GEOMAR.</font> <font color=Yellow>Hier lagern wir unsere geologischen</font> <font color=Yellow>Schätze aus aller Welt.</font>
- Kisten und Boxen sind prall gefüllt. Die Gesteinsproben ermöglichen,
- geologische Ereignisse zu entschlüsseln, die unsere Erde geformt haben.
- Sie stammen von Gebirgen ebenso wie von Meeresböden. <font color=Yellow>Anhand dieses Tauchbootes sieht man,</font> <font color=Yellow>dass wir Geologen</font>
- <font color=Yellow>alle möglichen Werkzeuge benutzen,</font> <font color=Yellow>um an unsere Schätze zu gelangen. </font> <font color=Yellow>Wenn ich meinen Freunden davon</font> <font color=Yellow>erzähle, dann fragen sie oft: </font>
- <font color=Yellow>Wozu der ganze Aufwand? Die Steine</font> <font color=Yellow>können ja nicht reden.</font> <font color=Yellow>Und ob sie das können.</font>
- <font color=Yellow>Wenn man sie genau betrachtet,</font> <font color=Yellow>hat jeder Stein</font> <font color=Yellow>seine eigene Geschichte zu erzählen.</font>
- <font color=Yellow>Diesen hier haben wir</font> <font color=Yellow>tief aus dem Pazifik geholt.</font> <font color=Yellow>Und er könnte uns was über</font> <font color=Yellow>die Meereszusammensetzung erzählen.</font>
- <font color=Yellow>Und diese hier kommen aus meinem</font> <font color=Yellow>Garten. Das sind Findlinge.</font> <font color=Yellow>Die kamen per Gletscher </font> <font color=Yellow>aus Skandinavien zu uns.</font>
- <font color=Yellow>Und jetzt kann man sich fragen:</font> <font color=Yellow>Was hat das</font> <font color=Yellow>mit unserem Leben zu tun?</font>
- <font color=Yellow>Und die Antwort ist ganz einfach:</font> <font color=Yellow>sehr viel.</font> <font color=Yellow>Wo sich die Geologie</font> <font color=Yellow>und unser Leben berühren,</font>
- <font color=Yellow>das werde ich auf meiner Wanderung</font> <font color=Yellow>durch Deutschland hautnah erleben.</font> Sie beginnt im Winter an der Küste im Norden.
- Und führt den Geologen von Kiel aus zum Seelenter See. Ein Rückzugsraum für viele Wasservogelarten,
- die hier überwintern. Der See ist ein Überbleibsel der letzten Weichsel-Eiszeit,
- um die 12.000 Jahre alt. Seit jeher bekannt für seinen Fischreichtum.
- Das weiß auch der Seeadler. In den frühen Morgenstunden hat er hier das Sagen.
- Jäger und Beute haben sich in ihrem Kampf um Leben und Tod über Jahrmillionen weiterentwickelt.
- Und sich dabei immer wieder an die veränderte Umwelt angepasst. Nur durch diese Wechselwirkung hat sich das Leben seit 560 Mio. Jahren
- von Einzellern zu immer komplexeren Geschöpfen entwickelt. Arten entstanden und vergingen,
- angepasst an Landschaften, Klimabedingungen und Fressfeinde.
- Erst mit dem Aussterben der Dinosaurier vor ca. 66 Mio. Jahren beginnt die Ära der Säugetiere.
- Sie lässt vor rund zwei Mio. Jahren die frühe Form des Menschen in Afrika die Bühne des Lebens betreten.
- Diese Beziehung zwischen Evolution und Geologie hat dem Leben im Wasser und an Land immer wieder einen Schub verpasst.
- <font color=Yellow>Die Erdoberfläche</font> <font color=Yellow>ist geologisch gesehen</font> <font color=Yellow>so was wie die heutige Ausgabe einer</font> <font color=Yellow>Tageszeitung, also die Gegenwart.</font>
- <font color=Yellow>Und darunter liegt ein Stapel</font> <font color=Yellow>älterer Zeitungen.</font> <font color=Yellow>Am besten sieht man das,</font>
- <font color=Yellow>wenn man ein Stück aus der Wiese</font> <font color=Yellow>heraushebt.</font> <font color=Yellow>Wow. Also die Schichten sind eine</font> <font color=Yellow>Abfolge aus der Erdgeschichte. </font>
- <font color=Yellow>Jede dieser Schichten war selbst</font> <font color=Yellow>einmal an der Oberfläche</font> <font color=Yellow>und beherbergte früheres Leben.</font>
- <font color=Yellow>Manchmal sind sie zerknittert</font> <font color=Yellow>und gefaltet.</font> <font color=Yellow>Das kommt durch Bewegungen</font> <font color=Yellow>in der Erde.</font>
- <font color=Yellow>Und ganz unten kommt das Fundament.</font> <font color=Yellow>Hier unter Norddeutschland</font>
- <font color=Yellow>ist das ein früherer Kontinent</font> <font color=Yellow>namens Avalonia.</font> <font color=Yellow>Ungefähr 700 Mio. Jahre alt.</font>
- Alle Schichten zusammengenommen bilden die Erdkruste in diesem Teil Deutschlands.
- Würde sie sich nach oben statt nach unten erstrecken, erreichte sie eine Höhe von mehr als 20 Kilometern.
- Unten auf dem Boden, besser gesagt auf der Ostsee, tummeln sich die hartgesottenen Kitesurfer auch im Winter.
- So wie sie mit ihren Brettern auf dem Wasser treiben, schwimmt auch die Erdkruste auf zähflüssigen Gesteinsmassen
- tief im Inneren der Erde, immer in Bewegung. Das ist zwar für die Surfer unerheblich,
- doch für die Halbinsel Graswarder lebensbedrohlich. <font color=Yellow>Ich bin einiges</font> <font color=Yellow>von meinen Expeditionen gewöhnt.</font>
- <font color=Yellow>Aber da draußen im Winter</font> <font color=Yellow>auf den Wellen zu reiten,</font> <font color=Yellow>das wäre mir zu ungemütlich.</font>
- <font color=Yellow>Bald könnte diesem kuscheligen</font> <font color=Yellow>Häuschen hinter mir</font> <font color=Yellow>auch das Wasser</font> <font color=Yellow>bis zum Halse stehen.</font>
- <font color=Yellow>Der Meeresspiegel</font> <font color=Yellow>steigt hier nämlich an.</font> <font color=Yellow>Nicht nur</font> <font color=Yellow>wegen des Klimawandels.</font>
- <font color=Yellow>Sondern wegen den Nachwehen</font> <font color=Yellow>der letzten Eiszeit.</font> Vor 12.000 Jahren bedecken bis zu 3000 Meter mächtige Gletscher
- ganz Nordeuropa. Als sich der Eispanzer zurückzieht,
- werden enorme Mengen Schmelzwasser freigesetzt. Die Ostsee entsteht.
- Doch das fehlende Gewicht der mächtigen Eisschicht hat in Skandinavien einen gravierenden Effekt.
- Bis zu 10 mm jährlich hebt sich dort die Erdkruste. Und sorgt für ein Absinken der deutschen Ostseeküste
- um bis zu einem Millimeter im Jahr. So steigt an der Küste der Meeresspiegel auch ohne Klimawandel.
- Wenn auch nur ganz langsam. <font color=Yellow>Der Boden der Ostsee </font> <font color=Yellow>kippt wie eine Wippe.</font>
- <font color=Yellow>Das bedeutet, die ganzen Häuser hier</font> <font color=Yellow>werden früher oder später</font> <font color=Yellow>im Meer verschwinden.</font>
- <font color=Yellow>Ich sehe zu, dass ich Land gewinne.</font> Bis es soweit ist, haben die Vögel auf dem Graswarder
- ein wichtiges Rückzugsgebiet. Selbst in den Wintermonaten finden unzählige Vogelarten
- Schutz und ausreichend Nahrung. Viele von ihnen, wie auch diese Strandläufer,
- verbringen deshalb die kalte Jahreszeit auf der Halbinsel. Hinter den Küsten der Ostsee beginnt das Norddeutsche Tiefland.
- Das flache Land ist von den Gletschermassen der letzten Eiszeiten geprägt.
- Hier weht fast immer Wind. Nach der Eiszeit hat er wertvolle Nährstoffe herangeweht.
- Aus dem kargen Gletscheruntergrund hat sich über Jahrtausende wertvoller Ackerboden gebildet.
- Nur hier und da haben die Gletscher Sandflächen hinterlassen. Auch damit lässt sich gutes Geld machen,
- wie hier in der Kiesgrube Kreuzfeld. Nach Wasser ist Sand der am meisten verbrauchte Rohstoff der Welt.
- Sand brauchen wir in unserer modernen Welt für fast alles: Neben dem Küstenschutz und der Bauindustrie
- findet er sich selbst in Glas und Zahnpasta. Sand ist ein Geschenk großer geologischer Umwälzungen.
- <font color=Yellow>Was haben ein Radlader</font> <font color=Yellow>und ein Gletscher gemeinsam?</font> * Musik *
- <font color=Yellow>Richtig, beide transportieren</font> <font color=Yellow>unheimlich viel Sand und Gestein.</font> <font color=Yellow>Während der letzten Eiszeit haben</font> <font color=Yellow>die Gletscher Norddeutschland</font>
- <font color=Yellow>mit Sand und Kies überschüttet.</font> <font color=Yellow>Und das ist für unsere Gesellschaft</font> <font color=Yellow>essentiell.</font>
- <font color=Yellow>Unsere Häuser, unsere Straßen und </font> <font color=Yellow>so viel mehr sind aus Sand gebaut.</font> Sand wird deshalb immer knapper.
- Die Welt braucht stetig mehr davon in grobkörniger Form. Vor allem für die Betonherstellung.
- Der feine Sand aus den Wüsten ist dafür nicht geeignet. Aber es ist nicht nur Sand,
- den die Gletscher vor 12.000 Jahren mit sich brachten. <font color=Yellow>Das ist der Wandhoff-Findling.</font>
- <font color=Yellow>Mit 126 Tonnen ist das</font> <font color=Yellow>ein stattliches Gewicht.</font> <font color=Yellow>Doch für einen Gletscher ist das </font> <font color=Yellow>nicht viel mehr als ein Sandkorn.</font>
- <font color=Yellow>Der kommt aus Südschweden und ist </font> <font color=Yellow>an der Unterseite eines Gletschers</font> <font color=Yellow>nach Deutschland gereist.</font>
- <font color=Yellow>Dabei hat er die Landschaft</font> <font color=Yellow>unter sich abgehobelt.</font> Findlinge nennen Geologen Felsblöcke, die durch Gletscher
- von ihrem Ursprungsort in Skandinavien manchmal Tausende Kilometer weit weg transportiert wurden.
- Ein Blick in den Gletscher zeigt, mit welcher Kraft er die Landschaft geformt hat.
- Seine Eismassen sind ständig in Bewegung. Wie Schmirgelpapier glättet er das Gelände.
- An seinen Rändern schiebt der Gletscher große Mengen Geröll vor sich her, die Endmoränen.
- Sie bilden die wenigen Erhebungen und belegen bis heute, wie die Gletscher den Norden Deutschlands
- geologisch geprägt haben. Bei seinem Rückzug hinterlässt der mächtige Eispanzer ein flaches Land.
- Durchzogen von tiefen Furchen, ausgespült von abfließendem Schmelzwasser.
- So entsteht die Feldberger Seenlandschaft, die gerade den Winter hinter sich gelassen hat.
- * Musik * Colin Devey ist immer wieder fasziniert davon,
- wie die Jahreszeiten Landschaften verändern. Wie Pflanzen und Tiere neue Kraft nur aus der Wärme schöpfen.
- Und wie die Natur es schafft, das von der Eiszeit geprägte Gebiet im Norden Deutschlands für sich zurückzugewinnen.
- <font color=Yellow>Direkt vor mir liegt eine Endmoräne.</font> <font color=Yellow>Auf diesem Geröllhaufen wächst, nur</font> <font color=Yellow>einen Steinwurf von hier entfernt, </font>
- <font color=Yellow>der älteste Buchenwald Deutschlands.</font> <font color=Yellow>Der ist zum Gegenstand </font> <font color=Yellow>der Forschung geworden.</font>
- <font color=Yellow>Und ich bin sehr gespannt,</font> <font color=Yellow>was dort passiert.</font> Es ist die Anpassungsfähigkeit der Buche, die es ihr ermöglicht hat,
- sich innerhalb weniger Jahrtausende nach der letzten Eiszeit von den Alpen bis hierher, nach Mecklenburg-Vorpommern, auszubreiten.
- Eine Buche kann im Jahr bis zu 50 Zentimeter in die Höhe wachsen. Und die ältesten unter ihnen sind bis zu 30 Meter hoch.
- Von der Höhe inspiriert rührt der Name des Waldes: Die Heiligen Hallen.
- Sie dienen auch vielen Waldbewohnern als Unterschlupf. * spannungsvolle Musik *
- Von Menschenhand fast unberührt entfaltet sich der Wald seit über 300 Jahren.
- Für Forscherinnen und Forscher ist er ein einzigartiges Zeugnis im Kampf gegen das Waldsterben.
- Die Biologin Jeanette Blumröder versucht, das Geheimnis der Heiligen Hallen zu lüften.
- Was die Buchen hier so resistent gegen Hitze macht. <font color=Yellow>Hallo, Jeanette.</font>
- <font color=Yellow>In einigen Teilen Deutschlands</font> <font color=Yellow>sterben die Wälder zunehmend ab.</font> <font color=Yellow>Was ist das Geheimnis dieses Waldes?</font>
- <font color=Yellow>In diesem Wald wurde schon lange</font> <font color=Yellow>nichts mehr getan.</font> <font color=Yellow>Es wurde hier kein Holz geerntet</font> <font color=Yellow>seit langer Zeit.</font>
- <font color=Yellow>Dazu kommt, dass es auch</font> <font color=Yellow>viel Totholz gibt.</font> <font color=Yellow>Gerade in trockenen</font> <font color=Yellow>und heißen Zeiten</font>
- <font color=Yellow>kann man aus diesem zersetzenden </font> <font color=Yellow>Totholz richtig Wasser rausdrücken,</font> <font color=Yellow>obwohl es in der kompletten Umgebung</font> <font color=Yellow>staubtrocken ist.</font>
- Stirbt ein Baum, dient er als Wasserspeicher. Von Insekten und Mikroorganismen zersetzt
- bildet er so den Nährboden für nachwachsende Bäume. <font color=Yellow>Welche Aspekte dieses Waldes</font> <font color=Yellow>führen dazu,</font>
- <font color=Yellow>dass sein Mikroklima</font> <font color=Yellow>so günstig ist?</font> <font color=Yellow>Es gibt hier nicht nur</font> <font color=Yellow>alte dicke Bäume,</font>
- <font color=Yellow>sondern auch alle anderen</font> <font color=Yellow>Generationen,</font> <font color=Yellow>die hier miteinander leben.</font>
- <font color=Yellow>Dadurch gibt es natürlich</font> <font color=Yellow>verschiedene Schichten.</font> <font color=Yellow>Wie so verschiedene Etagen,</font> <font color=Yellow>die dadurch entstehen.</font>
- <font color=Yellow>Wodurch das Kronendach immer</font> <font color=Yellow>relativ geschlossen bleibt. </font> <font color=Yellow>Okay. Und was könnte</font> <font color=Yellow>die Forstwirtschaft </font>
- <font color=Yellow>denn aus so einem Wald lernen?</font> <font color=Yellow>Je dichter das Kronendach</font> <font color=Yellow>eines Waldes,</font>
- <font color=Yellow>desto geringer sind</font> <font color=Yellow>die Maximaltemperaturen.</font> <font color=Yellow>Also in Zeiten des Klimawandels</font> <font color=Yellow>müssen wir</font>
- <font color=Yellow>mehr auf die selbstregulierenden</font> <font color=Yellow>Kräfte des Waldes vertrauen.</font> <font color=Yellow>Definitiv.</font>
- Ein Wald, der sein eigenes Überleben sichern kann, lockt weitere Beschützer an.
- So bewahrt ihn der Schwarzspecht vor Schädlingen. Borkenkäfer gehören zu seiner Leibspeise.
- Doch es ist nicht nur der Wald, der um diese Jahreszeit seine volle Pracht zeigt.
- Ende April, Anfang Mai beginnt in Norddeutschland noch ein ganz anderes Naturschauspiel,
- das sich am besten aus der Luft bewundern lässt. Auf den Feldern steht der Raps in voller Blüte.
- * Musik * <font color=Yellow>Nach der Eiszeit ließen</font> <font color=Yellow>die zurückweichenden Gletscher</font>
- <font color=Yellow>nur öde Sand- und Schotterflächen</font> <font color=Yellow>zurück.</font> <font color=Yellow>Im Laufe der Zeit</font> <font color=Yellow>bildete sich darauf</font>
- <font color=Yellow>eine fruchtbare Humusschicht.</font> <font color=Yellow>Dieser Oberboden</font> <font color=Yellow>bildet die Grundlage</font>
- <font color=Yellow>für unsere heutige Landwirtschaft.</font> Nur 20 bis 30 Zentimeter dick ist die kostbare Schicht,
- der wir unsere Feldfrüchte verdanken. Und unter das satte Grün der Wiesen nebenan
- mischt sich Anfang Mai das strahlende Gelb des Rapses, Der wird meist zu Biodiesel oder Ölen verarbeitet.
- Doch ist er nicht das einzige, was sich da unten zu Geld machen lässt.
- <font color=Yellow>Viel tiefer unter Norddeutschland</font> <font color=Yellow>liegt noch ein anderer Schatz</font> <font color=Yellow>verborgen.</font>
- <font color=Yellow>Der stammt aus einer </font> <font color=Yellow>viel früheren Epoche.</font> <font color=Yellow>Damals war alles hier mit einem</font> <font color=Yellow>warmen salzigen Meer bedeckt.</font>
- Die Reise führt 250 Millionen Jahre zurück in die Zeit, als das Zechsteinmeer große Teile Norddeutschlands bedeckte.
- Das flache Meer liegt damals am Rande einer heißen Wüste. Durch das trockene und warme Klima verdunstet viel Wasser.
- So erhöht sich die Konzentration des Salzes nach und nach immer mehr. Kristalle bilden sich und sinken zu Boden.
- Über Jahrmillionen entstehen so mächtige Schichten aus Steinsalz. Die werden heute in einer Tiefe von über 500 Metern abgebaut.
- Werksgeologe Ingo Dressel zeigt Colin Devey die Salzlager im Bergwerk Braunschweig-Lüneburg.
- Mit schweren Bohrfahrzeugen bereiten seine Kollegen die Löcher für eine Sprengung vor.
- <font color=Yellow>Das sind aber gigantische Hallen</font> <font color=Yellow>aus Salz.</font> <font color=Yellow>Aber Salz ist nicht gleich Salz, ne?</font>
- <font color=Yellow>Nein, im Zechsteinmeer</font> <font color=Yellow>ist es als Kalisalz </font> <font color=Yellow>oder als Steinsalz ausgefallen.</font>
- <font color=Yellow>Und wozu braucht man</font> <font color=Yellow>diese unterschiedlichen Salze?</font> <font color=Yellow>Das Kalisalz wird für die</font> <font color=Yellow>Düngemittelindustrie verwendet,</font>
- <font color=Yellow>als Mineralstoff für unsere Felder.</font> <font color=Yellow>Und das Steinsalz nutzen wir</font> <font color=Yellow>zum einen als Speisesalz. </font>
- <font color=Yellow>Aber auch in der Pharmaindustrie</font> <font color=Yellow>für Infusionslösung</font> <font color=Yellow>oder als Industriesalz für die</font> <font color=Yellow>Herstellung von Kunststoffen. </font>
- <font color=Yellow>Und als Auftausalz</font> <font color=Yellow>im Winter für unsere Straßen.</font> <font color=Yellow>Wahnsinn, so viele Anwendungen.</font> <font color=Yellow>Ich sag "Glück auf", danke.</font>
- Unser Bedarf an Salz ist sehr hoch. Jährlich werden allein in Deutschland
- rund 21 Mio. Tonnen Stein- und Kalisalz aus dem Untergrund herausgesprengt.
- <font color=Yellow>Ein Leben ohne Salz</font> <font color=Yellow>ist schier undenkbar.</font> <font color=Yellow>Es steckt in so vielen Bereichen</font> <font color=Yellow>unseres Alltags drin.</font>
- <font color=Yellow>Die Steinsalzwände hier</font> <font color=Yellow>sehen fest und starr aus,</font> <font color=Yellow>aber das sind sie gar nicht.</font>
- <font color=Yellow>Das enorme Gewicht der darüber</font> <font color=Yellow>liegenden Steinschichten</font> <font color=Yellow>setzt sie unter sehr hohen Druck.</font>
- <font color=Yellow>Und auf lange Zeiträume</font> <font color=Yellow>fangen sie an, sich zu bewegen.</font> Salz hält selbst dem stärksten Druck stand und fließt stets dorthin,
- wo der Widerstand am geringsten ist. Mit großer Macht drängt es nach oben
- und formt so seltsam anmutende Hügellandschaften, wie den Elm bei Braunschweig.
- 25 Kilometer lang bildet er einen knapp über 300 Meter hohen Höhenzug. Weitere vom Salz geschaffene Anhöhen sind sichtbares Erbe
- einer längst vergangenen Zeit, die sich heute im Untergrund als geologische Besonderheit im Norden Deutschlands wiederfindet.
- <font color=Yellow>Im Flachland sind solche großen</font> <font color=Yellow>Hügel eine echte Besonderheit. </font> <font color=Yellow>Vor den Eiszeiten war der Elm</font> <font color=Yellow>sogar 200 Meter höher.</font>
- <font color=Yellow>Aber dann wurde auch er von</font> <font color=Yellow>den Gletschern abgeschliffen.</font> <font color=Yellow>Ein Schicksal, das die Norddeutsche</font> <font color=Yellow>Tiefebene vereint.</font>
- <font color=Yellow>Am Horizont liegt schon der Harz.</font> <font color=Yellow>Eines von mehreren Mittelgebirgen</font> <font color=Yellow>in Deutschland.</font>
- <font color=Yellow>Sie haben</font> <font color=Yellow>einen gemeinsamen Ursprung:</font> <font color=Yellow>Die Bildung des Superkontinents</font> <font color=Yellow>Pangäa vor über 30 Mio. Jahren.</font>
- Damals befeuern unterirdische Strömungen die Kollision der Kontinente.
- Nach und nach fügen sich alle Landmassen der Erde zum Superkontinent Pangäa zusammen.
- Im Zentrum ein tropisches Meer, durchzogen von Gesteinsschollen. Sie kollidieren, werden übereinander getürmt
- und vereinen sich zu Deutschland. Dabei wird auch ein gigantisches Gebirge geboren.
- Die Varisziden. Das noch junge Deutschland ist ein Hochgebirgsland.
- Gipfel zwischen sechs und 8000 Meter sind damals keine Seltenheit. Eine Bergwelt wie im Himalaya heute.
- Dort, wo die Kontinente aufeinanderprallen, erstreckt sich das Gebirge weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.
- Doch die Gebirgszüge werden schon bald durch Wind und Wetter abgetragen.
- Das ehemalige Hochgebirge hat sich längst zu einer sanften Hügellandschaft gewandelt.
- Die bilden unsere heutigen Mittelgebirge. Ihre Gipfel nicht höher als 500 bis 1500 Meter.
- Darunter auch einer, der als Versammlungsort dunkler Mächte berühmt geworden ist:
- Der Brocken im Harz. Er thront wie eine Insel über der Norddeutschen Tiefebene.
- Am Nordrand liegt der "Grand Canyon" des Harzes. Ein zerklüftetes Tal mit vielen Schluchten im uralten Bergmassiv.
- Hier liegt der Ursprung vieler Mythen des Brockens, als Heimat der Hexen und Teufel in der Walpurgisnacht.
- <font color=Yellow>Die steil aufragenden Felsen</font> <font color=Yellow>des Bodetales</font> <font color=Yellow>verdanken ihre Form der</font> <font color=Yellow>gewaltigen Kraft des Wassers.</font>
- <font color=Yellow>Der Ursprung des Flusses</font> <font color=Yellow>liegt am Brocken,</font> <font color=Yellow>dem höchsten Gipfel</font> <font color=Yellow>Norddeutschlands.</font>
- <font color=Yellow>Dieser Berg hütet</font> <font color=Yellow>ein feuriges Geheimnis.</font> * Musik *
- Seit Urzeiten bahnt sich das Wasser der Bode einen Weg durch die Schluchten im Harz.
- Überall hat der Fluss Steine freigelegt. Doch ist es der feinkörnige Sand, der im Wasser als Sediment
- flussabwärts treibt und die Granitwände, auf die er seit Jahrtausenden prallt, nach und nach aushöhlt.
- Ein Biotop, in dem Vögel und Insekten zu Hause sind. Colin Deveys Weg hoch zum Brocken führt vorbei an Prachtlibellen
- im Liebestanz, hin zu Prachtvillen. Allesamt erbaut mit den Steinen des Harzes.
- <font color=Yellow>Diese wunderschönen Häuser</font> <font color=Yellow>hinter mir bestehen aus Granit</font> <font color=Yellow>und anderen Gesteinen der Umgebung.</font>
- <font color=Yellow>Die ältesten Steine stammen</font> <font color=Yellow>aus dem variszischen Gebirge.</font> <font color=Yellow>Der Granit dagegen ist jünger.</font>
- <font color=Yellow>Der ist als Magma in der </font> <font color=Yellow>Gebirgsmasse aufgestiegen</font> <font color=Yellow>und dort langsam erstarrt.</font>
- Am Brocken erkennt man gut, wie Vulkane vor 295 Millionen Jahren den Harz formen.
- Heißes Gestein, das sich in rund fünf Kilometern Tiefe in Magmakammern sammelt, drängt damals nach oben.
- Irgendwann versiegt die Zufuhr, und das Magma erstarrt in der Tiefe zu Granit.
- Wind und Wetter tun ihr Übriges und tragen über Jahrmillionen Schicht für Schicht ab.
- So legt die Erosion die versteinerten Magmakammern frei, die schließlich an die Oberfläche kommen
- und heute die Landschaft prägen. Eine dieser Kammern bildet vor 145 Millionen Jahren das Brockenmassiv.
- Ein Berg, geboren aus der Gluthitze des Erdinneren. Davon zeugen nicht nur die Felsbrocken.
- Sondern auch andere Elemente, die damals mit an die Oberfläche gelangten.
- Und den Harz für lange Zeit zu einer Bergbauregion machten. <font color=Yellow>Alles rings um mich herum</font> <font color=Yellow>ist Granit.</font>
- <font color=Yellow>So einen gigantischen Magma-Block</font> <font color=Yellow>nennen wir Geologen Pluton.</font> <font color=Yellow>Und davon gibt es in den deutschen</font> <font color=Yellow>Mittelgebirgen einige.</font>
- <font color=Yellow>In den Randbereichen dieser Plutone</font> <font color=Yellow>befinden sich einige Lagerstätten. </font> <font color=Yellow>Von Blei, Zink, Silber, Gold, </font> <font color=Yellow>aber auch ein anderes Element,</font>
- <font color=Yellow>das unsere moderne Gesellschaft</font> <font color=Yellow>nachhaltig prägen sollte.</font> <font color=Yellow>Das wurde vor über 200 Jahren</font> <font color=Yellow>im Erzgebirge entdeckt.</font>
- Es wird unserem Jahrhundert den Namen geben. Um seinen Ursprung zu untersuchen,
- macht sich Colin Devey auf den Weg nach Freiberg in Sachsen. Der Silberbergbau hat den Ort reich gemacht.
- Vom 12. Jahrhundert an haben die Menschen fast 800 Jahre lang in Minen geschuftet, bis die Silberadern erschöpft waren.
- Für das große Schloss im Herzen der Stadt hat es allemal gereicht. Doch um Silber geht es dem Geologen heute nicht.
- <font color=Yellow>Der Geigerzähler wird mir helfen,</font> <font color=Yellow>das Element, das ich suche,</font> <font color=Yellow>zu finden.</font>
- In einer Ausstellung, die das Erdinnere aus allen Teilen der Erde beherbergt.
- Mineralien, Edelsteine und Meteoriten in allen erdenklichen Farben und Formen.
- Zeugen einer faszinierenden Unterwelt, die für uns Menschen kaum zugänglich ist.
- Und doch unser Leben seit Jahrhunderten prägt. Eins davon heute mehr als alle anderen.
- <font color=Yellow>Hier ist es.</font> <font color=Yellow>Ein relativ unscheinbares Gestein</font> <font color=Yellow>namens Pechblende.</font>
- <font color=Yellow>Es enthält das Element Uran.</font> <font color=Yellow>Und das ist radioaktiv,</font> <font color=Yellow>wie der Geigerzähler beweist.</font>
- <font color=Yellow>In dieser Form ist es allerdings</font> <font color=Yellow>recht ungefährlich.</font> <font color=Yellow>Aber Uran kann man nicht nur hören.</font>
- <font color=Yellow>Man kann es sogar mithilfe</font> <font color=Yellow>einer UV-Lampe sichtbar machen.</font> <font color=Yellow>Die Entdeckung des Urans</font> <font color=Yellow>aus dem Erzgebirge:</font>
- <font color=Yellow>Sie ist die Grundlage</font> <font color=Yellow>des Atomzeitalters.</font> Alles beginnt, als es Martin Klaproth gelingt,
- Uranoxid erstmals aus Pechblende zu isolieren. Ein weiterer Meilenstein
- ist die Entdeckung von Henri Becquerel 100 Jahre später: Die natürliche Radioaktivität von Uran,
- die von Pierre und Marie Curie erforscht wird. Ernest Rutherford findet heraus, dass Uranatome zerfallen
- und sich chemisch wandeln. Bis aus Uran Blei wird, wandelt es sich bis zu 18 Mal
- in einer zeitlich genau zu bestimmenden Abfolge. <font color=Yellow>Mithilfe der Uran-Blei-Messung</font> <font color=Yellow>konnte das Alter der Erde</font>
- <font color=Yellow>schließlich auf knapp 4,6 Milliarden</font> <font color=Yellow>Jahre bestimmt werden.</font> <font color=Yellow>Dieser geologische Beweis hat unser</font> <font color=Yellow>Weltbild grundlegend verändert.</font>
- <font color=Yellow>Die Erde ist doch nicht </font> <font color=Yellow>in sechs Tagen entstanden.</font> Und sie ist auch nie zur Ruhe gekommen.
- Seit der Mensch vor 12.000 Jahren sesshaft wurde, verbraucht er die Ressourcen des Planeten.
- Sein Bedarf an Energie nimmt stetig zu. Lange ist das gut gegangen, dank der Schätze,
- die meist im Erdinneren versteckt liegen. So wie im Ruhrgebiet.
- Geprägt von einem über 300 Millionen Jahre alten Sedimentgestein: Kohle. Einst entstanden aus abgestorbenen Pflanzenarten wie Farnen, Bärlappen
- oder Schachtelhalmen, findet man heute nur noch selten Wälder, die an diese ferne Vergangenheit erinnern.
- So wie hier in diesem Wald in der Nähe von Bochum. <font color=Yellow>Auf diesem sumpfigen Untergrund</font> <font color=Yellow>direkt neben der Autobahn</font>
- <font color=Yellow>wächst ein Schachtelhalmwald.</font> <font color=Yellow>Vor über 300 Mio. Jahren</font> <font color=Yellow>im Karbon</font>
- <font color=Yellow>waren die Vorfahren dieser Gewächse</font> <font color=Yellow>wahrhafte Riesen.</font> <font color=Yellow>Und auch bei den Tieren</font> <font color=Yellow>herrschte Gigantismus. </font>
- Durch die ausgedehnten Wälder ist der Sauerstoffgehalt auf der Erde fast doppelt so hoch wie heute.
- Insekten haben deswegen oft die vielfache Größe ihrer Nachfahren. In den tropischen Sumpfwäldern strotzen die stark vernässten
- und schlammigen Böden vor Mikroorganismen. Sie zersetzen damals wie heute Blätter und umgefallene Bäume.
- <font color=Yellow>Abgestorbenes pflanzliches Material</font> <font color=Yellow>wurde in den Sümpfen</font> <font color=Yellow>zu Humus umgesetzt. </font>
- <font color=Yellow>Und aus solcher Matsche </font> <font color=Yellow>wurde über sehr lange Zeit</font> <font color=Yellow>schließlich äußerst wertvolle</font> <font color=Yellow>Steinkohle.</font>
- <font color=Yellow>Eine wichtige Voraussetzung dafür</font> <font color=Yellow>wurde von den Varisziden geschaffen.</font> Denn das enorme Gewicht des Gebirges
- lässt es immer tiefer in die Erdkruste sinken. An seinen Rändern entstehen Vertiefungen,
- in denen sich Sumpfwälder bilden. Hier kommt es immer wieder zu Überschwemmungen.
- Die abgestorbenen Pflanzenreste sinken zu Boden. Durch das Auf und Ab des Meeresspiegels
- lagern sich weitere Schichten aus Sand und Sedimenten ab. Druck und hohe Temperaturen verwandeln das pflanzliche Material
- über Jahrmillionen zunächst zu Torf, dann zu Braun- und Steinkohle. Hunderte kohleführende Schichten entstehen,
- die im Ruhrgebiet bis zur Oberfläche reichen. So wie hier, im historischen Stollen der Zeche Nachtigall im Muttental.
- Hier braucht Colin Devey nicht einmal einen Spaten, um Kohle zu finden. <font color=Yellow>Dort, wo die Kohleschichten</font> <font color=Yellow>bis an die Erdoberfläche reichen,</font>
- <font color=Yellow>befanden sich schon seit dem</font> <font color=Yellow>Mittelalter die ersten Abbauorte.</font> <font color=Yellow>Bis heute schätzen wir den hohen</font> <font color=Yellow>Brennwert der Steinkohle</font>
- <font color=Yellow>und benutzen sie in der Industrie</font> <font color=Yellow>und auch bei der Stromerzeugung. </font> <font color=Yellow>Seit über 600 Jahren</font> <font color=Yellow>haben wir es nicht geschafft,</font>
- <font color=Yellow>auf ihr Feuer zu verzichten.</font> <font color=Yellow>Und das, obwohl der Abbau</font> <font color=Yellow>der Steinkohle in Deutschland</font>
- <font color=Yellow>schon 2018 eingestellt wurde.</font> <font color=Yellow>Die Schächte und Stollen </font> <font color=Yellow>verbleiben im Untergrund.</font>
- <font color=Yellow>Und das hat Konsequenzen</font> <font color=Yellow>für die gesamte Region. </font> Und diese Konsequenzen können zu einer ernsten Gefährdung werden.
- Was man gut im stillgelegten Bergwerk in Nuttlar an der Ruhr sehen kann. Hier macht sich der Geologe für eine besondere Mission bereit.
- Abtauchen in die Vergangenheit. <font color=Yellow>Gleich werde ich in einem</font> <font color=Yellow>vollgelaufenen Bergwerk tauchen.</font>
- <font color=Yellow>Das hört sich nicht nur ungemütlich</font> <font color=Yellow>an, das ist es auch.</font> <font color=Yellow>Zum Glück muss ich nicht alleine</font> <font color=Yellow>da rein.</font>
- Bis zu 200 Arbeiter bauten im Schichtdienst Schiefer ab. Und machten es als Dach- oder Plattenschiefer
- zum Wahrzeichen einer ganzen Region. In den über 20 Kilometer langen Stollen
- finden sich noch immer die Überbleibsel einer großen Bergbautradition.
- Doch 1985 war diese Mine aus wirtschaftlichen Gründen am Ende. Der Strom wurde abgeschaltet.
- Und damit auch die Pumpen, die das Bergwerk während des Abbaus trocken hielten.
- <font color=Yellow>Manche Gerätschaften sind wirklich</font> <font color=Yellow>noch gut erhalten.</font> <font color=Yellow>Es fühlt sich so an, als wären</font> <font color=Yellow>die Bergleute gerade erst weg.</font>
- <font color=Yellow>Ganz schön gespenstisch hier unten.</font> <font color=Yellow>Dass hier alles unter Wasser steht</font> <font color=Yellow>hat einen simplen Grund.</font>
- Denn viele Stollen liegen unterhalb des Grundwasserspiegels, so dass fortlaufend Wasser in sie läuft.
- Auf seinem Weg dorthin löst es Salze und Mineralien aus dem Gestein, die keinesfalls ins Trinkwasser gelangen dürfen.
- Deshalb muss das verunreinigte Wasser in den meisten Bergwerken des Ruhrgebiets ständig abgepumpt werden.
- Doch in Nuttlar besteht diese Gefahr zum Glück nicht. Deshalb hat man hier die Pumpen abgeschaltet.
- <font color=Yellow>Aber das ist nicht</font> <font color=Yellow>das einzige Problem.</font> <font color=Yellow>Von Zeit zu Zeit</font> <font color=Yellow>kollabieren die alten Stollen.</font>
- <font color=Yellow>Durch das Gewicht der darüber</font> <font color=Yellow>liegenden Schichten.</font> <font color=Yellow>Teile des Ruhrgebiets sind</font> <font color=Yellow>in den letzten 100 Jahren </font>
- <font color=Yellow>um bis zu 20 Meter abgesunken.</font> <font color=Yellow>Diese Bereiche liegen heute</font> <font color=Yellow>unter dem Grundwasserspiegel.</font>
- <font color=Yellow>Ohne die Pumpen im Ruhrgebiet</font> <font color=Yellow>wäre die Existenz von fünf Millionen</font> <font color=Yellow>Menschen bedroht.</font>
- <font color=Yellow>Wagen wir den Blick</font> <font color=Yellow>in eine mögliche Zukunft.</font> Es ist das Jahr 2050.
- Vor Jahren haben die Pumpen aufgehört, Wasser abzutransportieren.
- Innerhalb kurzer Zeit bildet sich eine Seenlandschaft in der einst so dicht bevölkerten Region an der Ruhr.
- Um ein Szenario dieser Art zu verhindern, müssen die Gebiete, die sich unter den Grundwasserspiegel abgesenkt haben,
- ständig entwässert werden. 600 Pumpanlagen halten das Ruhrgebiet trocken.
- Nur 150 Jahre umfasst die Geschichte des industriellen Bergbaus im Westen Deutschlands.
- Und doch hat sie tiefe Spuren hinterlassen. Vom Tetraeder in Bottrop hat Colin Devey einen guten Ausblick
- über die Landschaft, die einst ein Sumpfgebiet war. Und heute nur noch künstlich am Leben erhalten werden kann.
- <font color=Yellow>Das Pumpen gehört</font> <font color=Yellow>zu den "Ewigkeitsaufgaben"</font> <font color=Yellow>des Steinkohlebergbaus.</font>
- <font color=Yellow>Es ist ein menschengemachtes</font> <font color=Yellow>Problem, das wir lösen müssen.</font> <font color=Yellow>Zumindest für die Zeit, die wir noch</font> <font color=Yellow>im Ruhrgebiet leben wollen.</font>
- <font color=Yellow>In der Eifel dagegen</font> <font color=Yellow>beschäftigt man sich</font> <font color=Yellow>mit einer geologischen Gefahr</font> <font color=Yellow>aus der Tiefe.</font>
- <font color=Yellow>Dafür gibt es noch keine Lösung, </font> <font color=Yellow>außer vielleicht Reißaus zu nehmen.</font> <font color=Yellow>Das schaue ich mir nun an.</font>
- Colin Deveys Wanderung dauert jetzt schon sechs Monate. Es ist Hochsommer, als er in der Eifel ankommt.
- Mit ihren Maar-Seen gehört sie, geologisch gesehen, noch zum Norden Deutschlands.
- Ihre Krater sind vulkanischen Ursprungs und füllen sich ausschließlich mit Regenwasser.
- Die trockene Einöde nebenan im Steinbruch Emmelberg könnte kaum gegensätzlicher sein.
- <font color=Yellow>Ich stehe mitten</font> <font color=Yellow>in einem Vulkankegel.</font> <font color=Yellow>Hinter mir sind die Ascheschichten,</font> <font color=Yellow>die während der Eruption</font>
- <font color=Yellow>nacheinander und in nur</font> <font color=Yellow>wenigen Minuten abgelagert wurden.</font> <font color=Yellow>Im Alltag ist solches</font> <font color=Yellow>vulkanische Material </font>
- <font color=Yellow>fast fertiger Straßenschotter.</font> <font color=Yellow>Aber neben der Asche befinden sich</font> <font color=Yellow>in diesen Schichten</font>
- <font color=Yellow>auch solche großen Brocken.</font> <font color=Yellow>Das sind Lavabomben,</font> <font color=Yellow>flüssiges Gestein,</font>
- <font color=Yellow>das durch die Luft geschleudert</font> <font color=Yellow>wurde.</font> Während des Fluges drehen sich die Lavabomben um ihre eigene Achse
- und erkalten dabei. Daraus entsteht meist ein bizarres Aussehen,
- das Vulkanologen spindelförmig nennen. Die ersten Eruptionen in der Westeifel
- ereignen sich vor rund 700.000 Jahren. Auch in anderen Landesteilen Deutschlands brodeln und spucken
- die Berge Feuer, bis vor erst 11.000 Jahren alles zur Ruhe kommt. Eine trügerische Ruhe gerade hier in der Eifel, sagen Experten.
- Denn immer wieder bebt die Erde leicht. Und das ist nicht die einzige Hinterlassenschaft der Feuerberge.
- <font color=Yellow>Das ist ganz schön heiß und trocken</font> <font color=Yellow>geworden.</font> <font color=Yellow>Gut, dass ich meinen Sprudel</font> <font color=Yellow>dabei habe.</font>
- <font color=Yellow>Die prickelnden Blasen</font> <font color=Yellow>in der Flasche</font> <font color=Yellow>haben auch was</font> <font color=Yellow>mit den Vulkanen hier zu tun.</font>
- <font color=Yellow>Aus Magma tief in der Erdkruste</font> <font color=Yellow>wird Kohlendioxid freigesetzt. </font> <font color=Yellow>Das passiert entweder beim Abkühlen</font> <font color=Yellow>und Aushärten,</font>
- <font color=Yellow>oder wenn es von dort</font> <font color=Yellow>unten aufsteigt.</font> <font color=Yellow>Dann verringert sich</font> <font color=Yellow>der Umgebungsdruck</font>
- <font color=Yellow>und das Gas kann entweichen.</font> <font color=Yellow>Trifft das Gas dann auf Grundwasser,</font>
- <font color=Yellow>kann das ganz schön</font> <font color=Yellow>erfrischend sein.</font> Das aus Magma freigesetzte CO2 steigt durch die Erdschichten empor.
- Trifft es auf eine Grundwasserschicht, verbindet es sich mit Wasser und bildet prickelnde Kohlensäure.
- Auf seinem weiteren Weg nach oben löst es wertvolle Nährstoffe aus dem umliegenden Gestein, bis es schließlich in natürlichen Quellen
- an der Oberfläche zu Tage tritt. <font color=Yellow>Mineralwasser frisch aus der Quelle.</font>
- <font color=Yellow>Das ist ein gutes Beispiel dafür,</font> <font color=Yellow>wie die Geologie uns Menschen</font> <font color=Yellow>zugutekommen kann.</font>
- <font color=Yellow>Die darin gelösten Mineralstoffe</font> <font color=Yellow>und Spurenelemente</font> <font color=Yellow>können von meinem Körper</font> <font color=Yellow>sofort verwendet werden.</font>
- <font color=Yellow>Aber nicht nur wir Menschen</font> <font color=Yellow>wissen die Geologie zu schätzen.</font> <font color=Yellow>Für einige Waldbewohner</font> <font color=Yellow>hier in der Nähe</font>
- <font color=Yellow>ist sie sogar richtungsweisend.</font> Ganz neue Forschungsergebnisse weisen daraufhin,
- dass der Aufstieg von Gasen auch Millionen andere Lebewesen anzieht. Im Wald trifft Colin Devey auf die Wissenschaftlerin Gabriele Berberich.
- Seit Jahren erforscht sie die Nester der Ameisen und untersucht, wie ihre Standorte mit der Geologie in der Eifel in Verbindung stehen.
- <font color=Yellow>Gabi, was hat es mit diesen</font> <font color=Yellow>Ameisenhaufen auf sich?</font> <font color=Yellow>Wir kartieren hier die Nester</font> <font color=Yellow>der Roten Waldameise,</font>
- <font color=Yellow>um mehr über die regionale Tektonik</font> <font color=Yellow>zu erfahren.</font> <font color=Yellow>Guck dich um:</font> <font color=Yellow>Wiese, Wald, Gräser.</font>
- <font color=Yellow>Wo sehen wir da die Störungszonen, </font> <font color=Yellow>also kleine Risse in der Erdkruste,</font> <font color=Yellow>aus denen möglicherweise Gase</font> <font color=Yellow>aufsteigen?</font>
- <font color=Yellow>Risse in der Erdkruste, das heißt, </font> <font color=Yellow>das sind kleine geologische Marker?</font> <font color=Yellow>Wir haben Bodenuntersuchungen,</font> <font color=Yellow>also Gas im Boden untersucht, </font>
- <font color=Yellow>aber auch das Gas in den Nestern.</font> <font color=Yellow>Und wir konnten feststellen, dass</font> <font color=Yellow>insbesondere Kohlenstoffdioxid,</font>
- <font color=Yellow>Helium und Radon</font> <font color=Yellow>in den Nestern erhöht sind.</font> <font color=Yellow>Das heißt, die Ameisen scheinen</font> <font color=Yellow>nach Gas aus der Tiefe zu suchen,</font>
- <font color=Yellow>um da ihr Nest zu bauen?</font> <font color=Yellow>Ganz genau.</font>
- Wie an einer Perlenschnur aufgereiht finden sich die Nester dort, wo die Gase in den Wald austreten.
- Für Gabriele Berberich sind sie wichtige Orientierungspunkte. <font color=Yellow>Die Ameisen führen uns zu diesen</font> <font color=Yellow>Rissen durch ihre Nester.</font>
- <font color=Yellow>Also Ameisen-Geologen,</font> <font color=Yellow>finde ich klasse.</font> <font color=Yellow>Danke schön. </font> <font color=Yellow>- Gerne, Colin.</font>
- Aus welchen Gründen die Ameisen das Gas im Boden suchen, kann Gabriele Berberich noch nicht sagen.
- Doch immer dann, wenn ein Erdbeben den Gasaustritt in einer Region verschließt, bauen sich die Waldameisen einen neuen Nistplatz.
- Ob sie vielleicht sogar das Kommen eines Bebens vorab wahrnehmen, konnte noch nicht festgestellt werden.
- Wenn dem so wäre, könnten sie als eine Art Frühwarnsystem fungieren. Denn das Erdinnere unter der Eifel ist ständig in Bewegung.
- Messungen ergeben regelmäßig, dass sich dort heiße Magmaströme sammeln. Vulkanologen sprechen vom "Eifel-Plume".
- Er hebt die Oberfläche der Region mit bis zu einem Millimeter pro Jahr an. Dass die Vulkane wieder zum Leben erwachen könnten, deutet sich an.
- Von Koblenz aus ließe sich das wohl gut und sicher beobachten. Colin Devey ist mittlerweile am Deutschen Eck angekommen.
- <font color=Yellow>In der geologischen Zeitwahrnehmung</font> <font color=Yellow>wird es wohl bald</font> <font color=Yellow>zu einem neuen Ausbruch kommen.</font>
- <font color=Yellow>Aber keine Panik: Bis es für uns</font> <font color=Yellow>Menschen so weit ist,</font> <font color=Yellow>dauert es noch</font> <font color=Yellow>ein paar tausend Jahre.</font>
- <font color=Yellow>Hier am Deutschen Eck erinnert</font> <font color=Yellow>ein monumentales Denkmal</font> <font color=Yellow>an die erste Vereinigung </font> <font color=Yellow>Deutschlands im Jahre 1871.</font>
- <font color=Yellow>Landschaftlich gesehen</font> <font color=Yellow>ist es wohl eher der Rhein,</font> <font color=Yellow>der die Gebiete Nord- und</font> <font color=Yellow>Süddeutschlands</font>
- <font color=Yellow>seit Jahrmillionen verbindet.</font> <font color=Yellow>Aber wo verläuft dazwischen</font> <font color=Yellow>die geologische Grenze?</font>
- * Musik * Es ist der südliche Rand der zentralen Mittelgebirge,
- wo sich Deutschland teilt: In einen Norden und einen Süden mit ganz unterschiedlicher Geologie.
- An der Grenze liegt die Metropole Frankfurt am Main. Die Stadt in der ungefähren Mitte Deutschlands
- ist heute ein strategischer Verkehrsknotenpunkt. Doch verbindet sie schon seit dem frühen Mittelalter
- den Norden und den Süden unserer Heimat. Colin Devey ist am Ende seiner Wanderung
- durch den Norden Deutschlands angekommen. Auf dem Europaturm blickt er zurück auf seine Zeitreise
- durch die dortigen Landschaften, geformt in Jahrmillionen. <font color=Yellow>Von hier oben hat man</font> <font color=Yellow>einen wirklich guten Weitblick.</font>
- <font color=Yellow>In diese Richtung liegt der Südrand</font> <font color=Yellow>der Mittelgebirgsschwelle,</font> <font color=Yellow>also geologisch das Ende</font> <font color=Yellow>von Norddeutschland.</font>
- <font color=Yellow>Eiszeiten, urzeitliche Meere</font> <font color=Yellow>und ein gigantisches Gebirge</font> <font color=Yellow>prägen die Landschaften des Nordens.</font>
- <font color=Yellow>Die Steine sind Zeugen</font> <font color=Yellow>ihrer Entstehung</font> <font color=Yellow>und das erdgeschichtliche</font> <font color=Yellow>Vermächtnis zugleich.</font>
- <font color=Yellow>Wer genau hinschaut, sieht,</font> <font color=Yellow>wie eng unser eigenes Leben</font> <font color=Yellow>mit der Geologie verbunden ist.</font>
- <font color=Yellow>In der anderen Richtung liegen</font> <font color=Yellow>die Ausläufer Süddeutschlands.</font> <font color=Yellow>Auch dort erzählen die Steine</font> <font color=Yellow>spannende Geschichten.</font>
- <font color=Yellow>Es erwartet mich unter anderem</font> <font color=Yellow>der Geschmack der Geologie</font> <font color=Yellow>und das Rätsel, warum Steine</font> <font color=Yellow>Fahrstuhl fahren können.</font>
- <font color=Yellow>Ich bin sehr gespannt,</font> <font color=Yellow>was mich im Süden erwartet.</font> <font color=Yellow>Tschüs, bis zum nächsten Mal.</font>
- Untertitel im Auftrag des ZDF, 2021
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