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Russland

Russia: The Migration Dimension of the War in Ukraine . Brain Drain from Russia after February 24th 2022. In: Russian Analytical Digest (RAD)

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Staat und Bedeutung
  2. 2. Raum, Natur und Klima
  3. 3. Bevölkerung, Städte und Religion
  4. 4. Geschichtliche Entwicklung
  5. 5. Krieg, Politik und Rechte

Staat und Bedeutung

Russland, amtlich Russische Föderation, ist ein Bundesstaat in Osteuropa und Nordasien mit der Exklave Kaliningrad in Mitteleuropa. Mit rund 17 Millionen km² ist es der flächengrößte Staat der Erde; 2025 hatte es 144,44 Millionen Einwohner und zählt damit zugleich zu den dünnst besiedelten Staaten. Amtssprache ist Russisch, Hauptstadt ist Moskau. Die Verfassung bezeichnet Russland als semipräsidentielle föderale Republik, während Demokratie-Indizes und der Artikel die tatsächliche Herrschaft als Autokratie beschreiben. Staatspräsident ist Wladimir Putin, Ministerpräsident Michail Mischustin.

Etwa 77 % der Bevölkerung leben westlich des Urals, obwohl der asiatische Landesteil 77 % der Fläche umfasst. Russland ist ein Vielvölkerstaat mit über 100 Ethnien; ethnische Russen stellen fast 80 % der Bevölkerung. Es besitzt große Rohstoffvorkommen, vor allem Erdgas, und ist Atommacht mit laut SIPRI der größten Zahl atomarer Sprengköpfe. Als Fortsetzerstaat der Sowjetunion ist es ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats sowie Mitglied unter anderem von WTO, OSZE, APEC und SCO.

Nach den Sanktionen wegen der Annexion der Krim 2014 und besonders nach dem Überfall auf die Ukraine 2022 verschlechterten sich die Beziehungen zum Westen stark. Der Anteil am globalen BIP sank von 4 auf 2,85 % im Jahr 2022. Wissenschaftlich wird diskutiert, ob das System eine zunehmend totalitäre Diktatur oder bereits ein faschistisches Regime ist.

Raum, Natur und Klima

Russland erstreckt sich über 9000 km von 19° östlicher bis 169° westlicher Länge und bis zu 4000 km von 41° bis 81° nördlicher Breite. Es grenzt an 14 Staaten; die Landesgrenzen sind 22.407 km lang, die Küstenlinie 37.653 km. Russland hat elf Zeitzonen von UTC+2 bis UTC+12. Der Ural trennt Europa und Asien, ist mit der Narodnaja von 1895 m aber keine hohe Barriere.

Zu den wichtigsten Großlandschaften gehören die Osteuropäische Ebene, das sehr flache und sumpfreiche Westsibirische Tiefland, das Mittelsibirische Bergland, die Mitteljakutische Niederung, das Ostsibirische Bergland und das Ostsibirische Tiefland. Rund 40 % des Landes sind Gebirge. Der höchste Berg ist der Elbrus im Kaukasus mit 5642 m. Kamtschatka besitzt etwa 160 Vulkane, davon 29 aktive.

Russland ist mit 120.000 Flüssen und Strömen sowie fast zwei Millionen Seen wasserreich. Die Wolga ist mit 3534 km der längste Fluss Europas und mündet ins Kaspische Meer. Wichtige sibirische Flüsse sind Ob, Jenissei und Lena. Der Baikalsee ist 1642 m tief, der älteste Süßwassersee und enthält etwa ein Fünftel der weltweiten flüssigen Süßwasserreserven. Das Kaspische Meer ist mit 386.400 km² der größte Binnensee.

Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt −5,5 °C. Von Norden nach Süden folgen Kältewüste, Tundra mit Permafrost, Taiga, Laub- und Mischwald sowie Waldsteppe und Steppe. Die Steppe eignet sich wegen ihrer Schwarzerdeböden besonders für Getreideanbau. An der Schwarzmeerküste zwischen Noworossijsk und Sotschi gibt es subtropischen Hartlaubwald. Schutzgebiete umfassen unter anderem 100 streng geschützte Sapowedniki mit insgesamt 27.000 km², etwa 3000 Sakasniki und 35 Nationalparks.

Bevölkerung, Städte und Religion

Die Bevölkerung ist sehr ungleich verteilt: 85 % beziehungsweise etwa 123 Millionen Menschen leben im europäischen Teil. Die durchschnittliche Dichte beträgt 8,3 Einwohner je km², reicht aber von 362 Einwohnern je km² im Gebiet Moskau bis unter 1 im Nordosten und Fernen Osten. 73 % der Menschen leben in Städten. Die größten Städte sind Moskau mit 13,27 Millionen und Sankt Petersburg mit 5,65 Millionen Einwohnern; weitere große Städte sind Nowosibirsk, Jekaterinburg, Kasan und Krasnojarsk.

Die Einwohnerzahl sank von 147,0 Millionen 1989 auf 142,2 Millionen 2007. Gründe sind niedrige Geburtenraten und eine hohe Sterblichkeit, besonders bei Männern. Die Fertilitätsrate fiel von 2,0 Kindern je Frau 1988 auf 1,16 im Jahr 1999. Staatliche Programme wie das Mutterschaftskapital ab dem zweiten Kind steigerten die Geburten zeitweise. Nach einem leichten natürlichen Bevölkerungswachstum 2013 bis 2015 überwogen wieder die Sterbefälle; 2020 lag der Rückgang bei 702.045 Menschen. Krieg, Auswanderung und weniger Geburten verschlechterten die Lage weiter. Seit Anfang 2025 werden keine demografischen Daten mehr veröffentlicht.

Russisch ist die einzige landesweit geltende Amtssprache; Republiken können weitere Amtssprachen haben, in Dagestan gibt es 14. Regionalsprachen werden meist kyrillisch geschrieben. Der verpflichtende Unterricht indigener Regionalsprachen wurde 2017 verboten; Ende 2025 wurde das mögliche Angebot auf eine Wochenstunde begrenzt.

Die wichtigsten Religionen sind orthodoxes Christentum und Islam. Für Religionszugehörigkeiten gibt es keine zuverlässigen Zahlen: Umfragen nennen 40–75 % Orthodoxe, 7–15 % Muslime sowie viele Konfessionslose und Agnostiker. Das Gesetz von 1997 privilegiert Orthodoxie, Islam, Buddhismus und Judentum. Die Russisch-Orthodoxe Kirche wird staatlich gefördert und steht laut Artikel eng dem Staat und dem Putin-System nahe. Muslime werden auf etwa 17 bis 20 Millionen geschätzt, überwiegend Sunniten.

Geschichtliche Entwicklung

Die Kiewer Rus entstand im Frühmittelalter als locker organisiertes ostslawisches Reich mit Zentrum in Kiew. Skandinavische Waräger oder Rus wirkten an ihrer Gründung mit. Unter Fürst Wladimir I. wurde die Rus 988 orthodox christianisiert. Sie ist kein ausschließlich russisches Erbe, sondern gehört zur Geschichte der heutigen Russen, Ukrainer und Belarussen.

Nach dem Mongolensturm ab 1223 standen viele Fürstentümer unter dem Einfluss der Goldenen Horde. Das Großfürstentum Moskau gewann unter Iwan I. und später Dmitri Donskoi an Bedeutung. Iwan der Große beendete im 15. Jahrhundert die Mongolenherrschaft und schuf einen zentralisierten Staat. Iwan IV. begründete 1547 das Zarentum Russland; nach der Eroberung Kasans begann die Expansion nach Sibirien.

Peter der Große öffnete Russland ab dem frühen 18. Jahrhundert westeuropäischen Einflüssen, gründete 1703 Sankt Petersburg und machte es 1712 zur Hauptstadt. Nach dem Sieg im Großen Nordischen Krieg wurde Russland europäische Großmacht und 1721 zum Russischen Kaiserreich. Unter Katharina der Großen und späteren Herrschern expandierte das Reich weiter. Napoleon eroberte 1812 Moskau, scheiterte aber; Russland nahm danach eine führende Rolle in Europa ein. Autokratie, Leibeigenschaft, Nationalitätenpolitik und soziale Spannungen führten zu wachsenden Konflikten und zur Revolution von 1905.

1917 endete die Zarenherrschaft. Nach der Februarrevolution stürzten die Bolschewiki unter Lenin im Oktober die provisorische Regierung. Sie siegten im Bürgerkrieg; 1922 entstand die Sowjetunion. Unter Stalin folgten Zwangskollektivierung, Fünfjahrespläne, Terror, Deportationen und Hungersnöte. Nach dem deutschen Angriff 1941 siegte die Sowjetunion 1945, verlor aber geschätzt 27 Millionen Menschen. Der Kalte Krieg prägte die Nachkriegszeit. Gorbatschows Perestroika und Glasnost beschleunigten den Zerfall; Ende 1991 wurde die UdSSR aufgelöst.

Seit 1992 ist die Russische Föderation Rechtsnachfolgerin der UdSSR. Die 1990er unter Boris Jelzin waren von Privatisierungen, Oligarchen, Armut, Inflation, der Russlandkrise 1998 und dem Tschetschenienkrieg geprägt. Unter Putin erholte sich die Wirtschaft zunächst durch hohe Rohstoffpreise, während politische Macht zunehmend zentralisiert wurde.

Krieg, Politik und Rechte

Russlands Präsident wird formal direkt für sechs Jahre gewählt. Er ist jedoch de facto die zentrale und faktisch autokratische Figur: Er kann Dekrete mit unmittelbarer Rechtswirkung erlassen, ist Oberbefehlshaber und kontrolliert zentrale Sicherheitsorgane. Die Regierung ist vor allem ein Technokratenkabinett für Verwaltung sowie Wirtschafts- und Finanzfragen. Das Parlament besteht aus der Staatsduma mit 450 Abgeordneten und dem Föderationsrat. In der Praxis kontrolliert das Parlament die Exekutive kaum.

Russland hat acht Föderationskreise und nach Artikel 65 der Verfassung 83 Föderationssubjekte, darunter 21 Republiken, neun Regionen, 46 Gebiete sowie Moskau und Sankt Petersburg. Die Annexion ukrainischer Gebiete wird international nicht anerkannt. Unter Putin wurden Regionen und Gouverneure stärker vom Kreml abhängig. Tschetschenien nimmt eine Sonderrolle ein: Ramsan Kadyrow regiert mit eigenen Truppen und enger persönlicher Loyalität zu Putin.

Einiges Russland dominiert die Politik. Wahlen sind laut Artikel von Manipulation, Fälschungen sowie Ausschluss oder Strafverfolgung missliebiger Kandidaten geprägt. Nichtregierungsorganisationen und unabhängige Medien wurden zunehmend kontrolliert; internationale Organisationen können als „unerwünscht“ eingestuft werden. Der Demokratieindex 2024 bewertete Russland mit 2,03 von 10 Punkten auf Rang 150 von 167 als autoritäres Regime.

2014 annektierte Russland die Krim und begann einen Hybridkrieg in der Ostukraine. Am 24. Februar 2022 griff Russland die gesamte Ukraine an. Der Krieg führte zu Sanktionen, verschärfter Unterdrückung von Informations-, Meinungs- und Medienfreiheit sowie zur Auswanderung vieler junger und gut ausgebildeter Menschen. Der Internationale Strafgerichtshof erließ 2023 einen Haftbefehl gegen Putin wegen des Vorwurfs von Kriegsverbrechen beziehungsweise Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Menschenrechtsorganisationen und die UN berichten über systematische Menschenrechtsverletzungen, Repression gegen Kriegsgegner, fehlende unabhängige Medien und Einschränkungen religiöser sowie sexueller Minderheiten. Korruption ist weit verbreitet; im CPI 2025 lag Russland mit 22 von 100 Punkten auf Rang 157 von 181. Auch Armut, häusliche Gewalt und Kriminalität bleiben Probleme.

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