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Europa

Europa ; 10.523.000 km² · 746 Millionen (2020) · 70 Einwohner/km² · ca. 50 · UTC±0 (Island) bis UTC+5 (Russland) …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und geografische Einordnung
  2. 2. Naturraum und geologische Entwicklung
  3. 3. Besiedlung und historische Entwicklung
  4. 4. Staaten und politische Organisationen
  5. 5. Bevölkerung, Sprachen und Städte
  6. 6. Wirtschaft, Infrastruktur und kulturelle Einrichtungen

Grundlagen und geografische Einordnung

Europa ist ein Erdteil und geografisch ein Subkontinent am westlichen Fünftel der eurasischen Landmasse. Zusammen mit Asien bildet es den Kontinent Eurasien. Als eigenständiger Kontinent gilt Europa zusätzlich aus historischen, kulturellen, politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und ideellen Gründen. Europa umfasst etwa 10.523.000 km², hatte 2020 rund 746 Millionen Einwohner und eine durchschnittliche Bevölkerungsdichte von etwa 70 Einwohnern je km². Es ist nach Australien der zweitkleinste Kontinent und gehört zu den dicht besiedelten und stark urbanisierten Regionen der Erde.

Die Nord-Süd-Ausdehnung des europäischen Festlands beträgt etwa 3800 km, die Ost-West-Ausdehnung etwa 6000 km. Nördlichster Punkt des Festlands ist Kinnarodden in Norwegen, südlichster die Punta de Tarifa in Spanien und westlichster das Cabo da Roca in Portugal. Die Grenze zu Asien ist geografisch und geologisch nicht eindeutig, sondern beruht auf Übereinkünften. Meist werden Uralgebirge und Uralfluss, die Manytschniederung nördlich des Kaukasus sowie das Schwarze Meer als Grenze verwendet. Eine andere verbreitete Abgrenzung führt die Grenze am Kaukasus-Hauptkamm entlang.

Europa liegt hauptsächlich in den gemäßigten Breiten. Der relativ warme Golfstrom macht das Klima im Vergleich zu anderen Gebieten derselben geografischen Breite milder. Westeuropa hat meist milde Winter und kühle Sommer; Osteuropa ist wegen der größeren Entfernung zum Meer stärker kontinental geprägt und weist kalte Winter sowie heiße Sommer auf. Westwinde bringen an den Küsten häufig Niederschlag. Gebirge beeinflussen die Niederschlagsmenge, beispielsweise die Alpen als Barriere für Regenfronten. Am Mittelmeer herrscht überwiegend mediterranes Klima mit trockenen, sehr warmen Sommern und milden, teilweise regenreichen Wintern. In Montenegro werden in Crkvice maximal über 4500 mm Niederschlag pro Jahr erreicht. Im Norden herrscht arktisches Klima; im Südosten an der Wolga Kontinentalklima.

Naturraum und geologische Entwicklung

Die Vegetation Europas wird in vier Klimazonen eingeteilt: arktisch, boreal, gemäßigt und mediterran. Die ursprüngliche Vegetation ist in der gemäßigten und mediterranen Zone wegen jahrtausendelanger menschlicher und landwirtschaftlicher Nutzung selten. In der arktischen Tundra wachsen vor allem Sträucher, Moose und Flechten. Weiter südlich folgen boreale Nadelwälder mit Fichten und Kiefern sowie ausgedehnte Moore. In der gemäßigten Zone wären vor allem Rotbuchenwälder, weiter östlich Mischwälder und südlich des Schwarzen Meeres Steppen verbreitet. Im Mittelmeerraum wären ursprünglich mediterrane Hartlaubwälder typisch; heute prägen unter anderem Macchie und Garrigue die Landschaft. Oberhalb der Waldgrenze kommen Zwergstrauchheiden, alpine Rasen und Fels- und Schuttpflanzen vor. Die umstrittene Megaherbivorenhypothese nimmt an, dass vor dem starken Einfluss des Menschen großflächig abwechslungsreiche Weidelandschaften bestanden.

Die Tierwelt ist ebenfalls durch die Besiedlung und Nutzung durch Menschen geprägt. Braunbär, Eurasischer Wolf und Luchs kommen besonders im Norden und Osten in größeren Beständen vor. Rentiere und Elche leben vor allem im äußersten Norden und Osten; Wisente werden aus Zoobeständen wieder in Osteuropa ausgewildert. Rothirsch, Reh und Wildschwein sind in vielen Regionen verbreitet. Gämsen und Steinböcke leben in Alpen, Pyrenäen und Kaukasus. Typische Vögel sind unter anderem Steinadler, Seeadler, Höckerschwan, Gänsegeier, Ringeltaube, Haussperling und Amsel. An den Küsten leben Robben, in den nördlichen Meeren Schwertwale und Schweinswale sowie im Mittelmeer verschiedene Delfinarten.

Geologisch besteht Europa aus einer gebirgigen, hoch gelegenen Südregion und einer ausgedehnten nördlichen Ebene, die von England bis zum Ural reicht. Pyrenäen sowie Alpen-Karpaten-Gebirgszüge trennen diese Räume. Die Nordwärtsbewegung der Afrikanischen Platte gegen die Eurasische Platte verursacht die Auffaltung von Pyrenäen, Alpen und Karpaten sowie Vulkanismus und Verwerfungen in Italien, etwa am Ätna. Das stabile Baltische Kraton begrenzt die tektonische Aktivität nördlich der Gebirge. Die geologische Entwicklung umfasst unter anderem kaledonische, variszische und alpidische Gebirgsbildungen. Im Quartär formten Kaltzeiten und Gletscher große Teile Europas um; eine Lösszone von der Picardie bis zur Ukraine wurde später eine wichtige Achse der Urbanisierung.

Besiedlung und historische Entwicklung

Die ältesten Nachweise von Vertretern der Gattung Homo in Europa stammen aus der Sierra de Atapuerca in Spanien und sind bis zu 1,2 Millionen Jahre alt. Im nordalpinen Europa beginnt der älteste Besiedlungshorizont mit Homo heidelbergensis vor etwa 600.000 Jahren. Vor rund 50.000 Jahren gelangte Homo sapiens nach Europa und verdrängte nach und nach den Neandertaler. Mit Jungsteinzeit und Bronzezeit entwickelten sich zunächst im Mittelmeerraum, später auch im Norden und Osten bedeutende kulturelle und wirtschaftliche Leistungen.

Die griechische Kultur, das Römische Reich und das Christentum prägten Europa nachhaltig. Das Römische Reich vereinigte unter Augustus erstmals das gesamte südliche Europa mit weiteren Küstengebieten des Mittelmeers. Das Christentum verbreitete sich im Reich, wurde unter Konstantin dem Großen gefördert und unter Theodosius I. zur Staatsreligion erhoben. Nach dem Zusammenbruch des westlichen Imperium Romanum bestand das Byzantinische Reich im Osten bis 1453 fort. Die Völkerwanderung brachte unter anderem Angelsachsen, Franken und Goten nach Westeuropa und legte Grundlagen späterer Nationen.

Im Mittelalter prägten die Konkurrenz zwischen westlichem Kaiser und byzantinischem Kaiser, die Spaltung der Kirchen, die Christianisierung Nord- und Osteuropas sowie der Konflikt zwischen Kaiser und Papst die Entwicklung. Die Reformation des 16. Jahrhunderts führte zur Spaltung der westlichen Kirche in katholischen und evangelischen Teil; Religionskriege folgten. Der Dreißigjährige Krieg verwüstete von 1618 bis 1648 große Teile Mitteleuropas. Seit dem 15. Jahrhundert errichteten europäische Mächte Kolonialreiche; Europa beeinflusste andere Erdteile durch Missionierung, Kolonien, Sklavenhandel, Warenaustausch und Kultur.

Die Aufklärung forderte im 18. Jahrhundert Toleranz, Menschenwürde, Gleichheit und Freiheit. Die Französische Revolution brachte 1789 das Bürgertum an die Macht. Industrialisierung, demokratische Ideen, Nationalismus, Imperialismus und die kommunistische Bewegung prägten das 19. Jahrhundert. Der Erste Weltkrieg dauerte von 1914 bis 1918, der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945; im Zweiten Weltkrieg verloren rund 60 Millionen Menschen ihr Leben. Im Kalten Krieg war Europa seit 1947 durch den Eisernen Vorhang in zwei Blöcke geteilt. 1989 fiel die Berliner Mauer, der Ostblock brach auf, und Sowjetunion sowie Warschauer Pakt lösten sich auf. Seit den 1950er Jahren und besonders nach 1990 verstärkten sich europäische Integration und politische, wirtschaftliche sowie kulturelle Verflechtung.

Staaten und politische Organisationen

Je nach Grenzziehung zwischen Europa und Asien gibt es 46 bis 49 souveräne Staaten, die ganz oder teilweise in Europa liegen; die Zugehörigkeit Georgiens und Aserbaidschans sowie die Unabhängigkeit Kosovos sind dabei nicht eindeutig. Zu den europäischen Staaten zählen unter anderem Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen, das Vereinigte Königreich, Russland, die Ukraine, die Türkei, Norwegen, Schweden, Griechenland und die Schweiz. Außereuropäische Gebiete europäischer Staaten sind beispielsweise Grönland, die Kanarischen Inseln, Französisch-Guayana sowie zahlreiche britische, französische, niederländische, portugiesische und norwegische Überseegebiete.

Kasachstan liegt nach der verbreiteten Abgrenzung mit 5,4 % seiner Landfläche in Europa, Russland je nach Einbeziehung des Nordkaukasus mit bis zu 25 % und die Türkei mit etwa 3 %. Nach der Grenze am Kaukasus-Hauptkamm können auch Teile Georgiens und Aserbaidschans zu Europa gerechnet werden. Kosovo erklärte 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien; die Mehrheit der europäischen Staaten erkennt es an, andere nicht. Transnistrien ist seit 1992 de facto unabhängig von Moldau, wird aber von keinem anderen souveränen Staat anerkannt. Guernsey, Jersey und die Isle of Man sind britische Kronbesitzungen; Gibraltar ist ein britisches Überseegebiet. Färöer, Spitzbergen, Jan Mayen, Azoren und Madeira sind politisch mit Dänemark, Norwegen oder Portugal verbunden, ihre geografische Zuordnung ist teilweise nicht eindeutig.

Der Europarat wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als erste gemeinsame europäische Institution gegründet und umfasst nach Ende des Ost-West-Konflikts 47 Staaten. Die OSZE entstand 1975 als KSZE; ihr gehören neben europäischen Staaten auch die USA und Kanada an. Aus der EGKS von 1951, den Römischen Verträgen von 1957 und den Europäischen Gemeinschaften entwickelte sich mit dem Vertrag von Maastricht 1993 die Europäische Union. Durch den Vertrag von Lissabon ging die EG 2009 vollständig in der EU auf. Nach den Erweiterungen von 2004, 2007 und 2013 sowie dem Austritt Großbritanniens zählt die EU 27 Mitgliedstaaten. Die EFTA umfasst Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein und ist eine Freihandelszone ohne supranationale Entscheidungsbefugnisse. Weitere wichtige Organisationen sind NATO, WHO und die Europäische Verteidigungsagentur.

Bevölkerung, Sprachen und Städte

Europa hatte 2020 746.225.356 Einwohner. Die Bevölkerung stieg von 549.721.718 im Jahr 1950 auf 726.968.473 im Jahr 2000 und 746.225.356 im Jahr 2020. Die Geburtenrate sank dabei von 2,70 Kindern je Frau 1950 auf 1,47 im Jahr 2020; die Lebenserwartung stieg von 62,8 auf 77,7 Jahre. 2020 gab es 6.938.739 Geburten und 9.119.281 Todesfälle, die natürliche Veränderung betrug −2.180.542. West-, Mittel- und Südeuropa sind dichter besiedelt als Nord- und Osteuropa. Die bandförmige Konzentration zwischen Irischer See und Mittelmeer wird als „Blaue Banane“ bezeichnet.

Mehr als 90 % der Einwohner sprechen indogermanische Sprachen. Besonders verbreitet sind slawische, germanische und romanische Sprachen. Zu den häufigsten Sprachen nach Muttersprachlern gehören Russisch, Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Ukrainisch, Polnisch, Rumänisch und Niederländisch. Die uralischen Sprachen bilden die zweitgrößte Sprachfamilie Europas; dazu gehören unter anderem Finnisch, Ungarisch, Estnisch und samische Sprachen. Türkische, mongolische, semitische, kaukasische und iranische Sprachen sind ebenfalls vertreten. Das lateinische Schriftsystem ist am häufigsten, gefolgt von kyrillischem und griechischem Alphabet.

Das Christentum prägte Europa über mehr als 1500 Jahre. Um 2005 gehörten über 70 % der Bevölkerung zur römisch-katholischen, zu protestantischen oder zu orthodoxen Kirchen. Die Mehrheit der europäischen Gesellschaften ist heute eher säkularisiert. Für die Zahl der Muslime nennt der Artikel etwa 42 bis 53 Millionen beziehungsweise 6–8 %. Rund 1,3 Millionen europäische Einwohner waren 2020 Juden. Bei Deutschland nennt der Artikel für 2023 46 % Konfessionslose, fast die Hälfte Christen und sowohl 4 % als auch etwa 5 % Muslime; diese Angaben sind widersprüchlich.

Zu den Städten mit mehr als 1,5 Millionen Einwohnern gehören Istanbul, Moskau, London, Sankt Petersburg, Berlin, Madrid, Kiew, Rom, Paris, Minsk, Wien, Bukarest, Hamburg, Budapest, Warschau, Barcelona und München. Istanbul liegt auf der Grenze zwischen Europa und Asien; der alte Stadtkern und etwa zwei Drittel des Stadtgebiets gehören zum europäischen Teil. Es gibt außerdem polyzentrische Ballungsräume wie Rhein-Ruhr, das oberschlesische Industriegebiet und Mittelengland.

Wirtschaft, Infrastruktur und kulturelle Einrichtungen

Europa wurde durch die Industrielle Revolution im 19. Jahrhundert zur führenden Wirtschaftsregion der Erde. Nach 1945 förderten EFTA und Europäische Gemeinschaft das Wachstum und den Abbau von Handelsbeschränkungen. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts prägen Industriemetropolen, ertragreiche Landwirtschaft, Dienstleistungen und Außenwirtschaft die Volkswirtschaften. 2022 hatten nach nominalem BIP die Europäische Union 16.713.030 Mio. US-Dollar, Deutschland 4.085.681 Mio., das Vereinigte Königreich 3.081.871 Mio., Frankreich 2.780.136 Mio. und Russland 2.244.249 Mio. US-Dollar. Wichtige Ausfuhrgüter sind Maschinen, Stahl, chemische und pharmazeutische Produkte, Luxuswaren und Autos; eingeführt werden unter anderem Kakao, Tee, Kautschuk, Erdöl, Erdgas und Erze. Nach 2020 trat laut Artikel unter dem Einfluss mehrerer Krisen eine Phase wirtschaftlicher Stagnation ein.

Der Euro wurde durch die Währungsunion zunächst von 12 EU-Staaten eingeführt: Euro-Geldscheine und -münzen gibt es seit 2002. 2026 ist er gesetzliches Zahlungsmittel in 21 EU-Staaten und sechs weiteren europäischen Staaten. Weitere wichtige Währungen sind Pfund Sterling, Schweizer Franken und russischer Rubel. Bedeutende Rohstoffe sind Eisenerze, Buntmetalle, Erdöl und Erdgas, insbesondere in Russland und der Nordsee, sowie Steinkohle, Braunkohle, Manganerz, Silber und Bauxit. Norwegen, Schweden und Finnland besitzen große Waldressourcen.

Die transeuropäischen Netze sollen Verkehr, Energie und Telekommunikation verbinden und vereinheitlichen; dazu gehört das Satellitennavigationssystem Galileo. Das Europastraßennetz ist etwa 50.000 km lang und wird unter dem Dach der UN/ECE festgelegt. Europa besitzt außerdem Schnellfahr-Eisenbahnstrecken und zahlreiche Energieanlagen. Zu den kulturellen und wissenschaftlichen Einrichtungen zählen CERN, ESA, Erasmus+, die UEFA, die Europäische Rundfunkunion und die Europäische Filmakademie. In allen europäischen Staaten gibt es Bildungspflicht, teilweise Schulpflicht etwa vom 6. bis zum 16. Lebensjahr. Erasmus+ beteiligt mehr als 30 europäische Staaten.

Europa verfügt über bedeutende Hochschulen, Forschungszentren und Nobelpreisträger; die meisten Nobelpreise gingen bis 2012 an europäische Persönlichkeiten. Die UEFA organisiert den Fußball und die UEFA Champions League. Europameisterschaften gibt es seit Ende des 19. Jahrhunderts, zuerst 1891 im Eiskunstlauf. Die Europäische Rundfunkunion umfasst 68 Rundfunkanstalten in 56 Staaten und veranstaltet den Eurovision Song Contest. Die Europäische Filmakademie vereint über 4000 Filmschaffende und vergibt seit 1988 den Europäischen Filmpreis. Arte ist eine paneuropäische Fernseh- und Medienplattform.

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