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Revisionistischer Zionismus

Der Revisionistische Zionismus ist eine bürgerliche, antisozialistische und radikale Richtung des Zionismus. Gründer war Wladimir Zeev Jabotinsky, der sich …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kernidee und Bedeutung
  2. 2. Ursprünge und Gründung
  3. 3. Politische Ziele
  4. 4. Entwicklung in der Mandatszeit
  5. 5. Nach 1948 in Israel
  6. 6. Organisationen

Kernidee und Bedeutung

Der Revisionistische Zionismus ist eine bürgerliche, antisozialistische und radikale Richtung des Zionismus. Sein Gründer war Wladimir Zeev Jabotinsky. Er verstand sich als wahrer Nachfolger Theodor Herzls und wollte den damaligen Kurs der Zionistischen Weltorganisation neu bewerten und korrigieren. Besonders kritisierte er Chaim Weizmann, den Vorsitzenden der Zionistischen Weltorganisation, weil dieser aus Jabotinskys Sicht zu wenig entschieden auf einen eigenen jüdischen Staat hinarbeitete.

Wichtig war für die Revisionisten auch die britische Entscheidung, Transjordanien vom Mandatsgebiet für Palästina abzutrennen. Diese Entscheidung wollten sie „revidieren“, also rückgängig machen oder politisch korrigieren. Aus dem Revisionistischen Zionismus gingen später mehrere Parteien und Organisationen des rechten Spektrums in Israel hervor, besonders Cherut und deren Nachfolger Likud.

Ursprünge und Gründung

Jabotinsky nahm 1903 am sechsten Zionistenkongress in Basel teil. Dort wurden unter anderem Theodor Herzls Vorschlag für eine Verfassung der Zionistischen Weltorganisation und, vor allem wegen des Pogroms von Kischinjow, die Ansiedlung der Juden in einem eigenen Staatsgebiet diskutiert. Jabotinsky stellte, ähnlich wie Herzl, den politischen und diplomatischen Kampf in den Vordergrund. Zugleich betonte er die Notwendigkeit militärischer Stärke.

1923 gründete Jabotinsky die Jugendorganisation Betar. Der Name ist ein Akronym für Brit HaNoar HaIvri al schem Joseph Trumpeldor, „Hebräischer Jugendbund Joseph Trumpeldor“. 1924 entstand ein gleichnamiger Sportverband.

Im April 1925 gründete Jabotinsky die Partei der Revisionisten. Die Revisionisten sahen sich als diejenigen, die die Tradition von Herzl und Max Nordau bewahrten. Nach ihrer Auffassung war die Führung der Zionistischen Weltorganisation vom ursprünglichen Kurs abgewichen. Jabotinsky hatte das Programm bereits 1924 formuliert: Ziel des Zionismus sei ein jüdischer Staat auf beiden Seiten des Jordans. Dieses Ziel sollte durch Massenkolonisation und den schnellen Aufbau einer jüdischen Nationalidentität erreicht werden. Außerdem forderte er die Militarisierung der Jugend in Eretz Israel, also im Land Israel.

Politische Ziele

Der Revisionistische Zionismus lehnte die Verbindung von Sozialismus und Zionismus ab. Der angestrebte neue Staat sollte nicht sozialistisch, sondern bürgerlich geprägt sein. Innerhalb des Zionismus vertraten die Revisionisten eine Richtung, die weniger auf langsame Aufbauarbeit in Palästina setzte, sondern auf direkte diplomatische und politische Schritte. Diese sollten möglichst schnell die Einwanderung von Juden nach Palästina und die Gründung eines jüdischen Staates ermöglichen.

Gegenüber der arabischen Bevölkerung setzten die Revisionisten auf einen harten Kurs. Ihr Leitgedanke war, dass Juden nie wieder ihren Peinigern wehrlos ausgesetzt sein sollten. Jabotinsky nahm an, dass die Araber immer gegen die jüdische Besiedlung kämpfen würden, weil sie keine territorialen Kompromisse akzeptierten und sich nicht bestechen ließen. Daraus folgerte er, dass nur eine Politik der Stärke sie überzeugen könne.

Jabotinsky trat laut Artikel nicht für eine Vertreibung der Araber ein. Er befürwortete ihre Integration, allerdings in einem jüdischen Staat. Der revisionistische Flügel orientierte sich an bürgerlichen und nationalen Bewegungen, teilweise auch am italienischen Faschismus. Damit stand er im Gegensatz zur damals im Zionismus vorherrschenden sozialistischen Strömung.

Entwicklung in der Mandatszeit

Die arabischen Aufstände von 1929, darunter das Massaker von Hebron und die Ausschreitungen in Safed, führten zur Entstehung erster militanter Organisationen innerhalb des Revisionistischen Zionismus, zum Beispiel Brit HaBirionim. Diese Gruppen wurden jedoch von der Mehrheit der Bewegung abgelehnt.

1930 verlangte Jabotinsky von der Zionistischen Weltorganisation, sie solle gegenüber der britischen Mandatsregierung energischer für einen jüdischen Staat in Palästina eintreten. Dieser Staat sollte eine jüdische Bevölkerungsmehrheit und eine jüdische Armee haben. Chaim Weizmann warf er zu große Zurückhaltung vor.

1931 entstand die Irgun Tzwaʾi Leʾumi. Sie galt zunächst als paramilitärische Kampforganisation der Revisionisten. Später entwickelte sie sich stärker zu einer militärischen Untergrundorganisation, die politisch-militärischen Aktionismus vertrat und sich von der Revisionistischen Bewegung entfernte.

Am 12. September 1935 gründete Jabotinsky in Wien die „Neue Zionistische Organisation“. Ihr Programm forderte einen jüdischen Staat beiderseits des Jordan, wie es nach Auffassung des Artikels dem Mandatsauftrag des Völkerbundes entsprach, sowie eine groß angelegte jüdische Einwanderung. Außerdem sollte die jüdische Diaspora in Europa aufgelöst werden. Die Kultur des neuen Staates sollte auf jüdischen Wertvorstellungen beruhen, Hebräisch sollte Staatssprache werden.

Den 1937 vorgelegten Plan der Peel-Kommission, Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat aufzuteilen, lehnten die Revisionisten ab. Damit standen sie im Gegensatz zur Mehrheit der Teilnehmer des 20. Zionistenkongresses in Zürich. Ihre Parole lautete nicht „Land gegen Frieden“, sondern „Frieden gegen Frieden“. Für sie war das historische Land Israel identisch mit ganz Palästina, diesseits und jenseits des Jordans.

Während des Zweiten Weltkriegs befürwortete Jabotinsky die Zusammenarbeit mit den britischen Mandatsbehörden, weil er im deutschen Nationalsozialismus die größere Gefahr sah. Das führte zum Konflikt mit den Lechi um Avraham Stern. Diese Gruppe sah in den Briten den Hauptfeind, war zu einer Kooperation mit dem NS-Staat bereit und führte terroristische Anschläge gegen die Briten durch. Stern und seine Anhänger unterlagen in diesem Konflikt und verließen die revisionistische Bewegung.

Nach 1948 in Israel

Ab 1948 ging die revisionistische Bewegung hauptsächlich in der von Menachem Begin gegründeten Cherut-Partei auf. Jabotinsky war bereits am 4. August 1940 gestorben, blieb aber für Begin ein theoretisches und praktisches Vorbild.

Ein wichtiges Anliegen des Revisionistischen Zionismus fand im Rückkehrgesetz vom 5. Juli 1950 Ausdruck. Dieses Gesetz gab allen Juden in der Welt das Recht, nach Israel einzuwandern. Damit wurde ein zentrales zionistisches Ziel rechtlich verankert: die Schaffung einer sicheren Heimstätte für das jüdische Volk durch einen eigenen jüdischen Staat.

Der Artikel betont, dass Israel trotz eines entsprechenden Votums der Vereinten Nationen seine Existenz unter schweren Opfern erkämpfen musste. Seit seiner Gründung war der Staat Israel wegen der feindseligen Haltung seiner Nachbarn gezwungen, seine Existenz gewaltsam zu sichern.

Im Juni 1967 besiegte Israel im Sechstagekrieg eine Allianz arabischer Staaten. Dabei eroberte Israel weitere Gebiete von Eretz Israel: die ägyptische Sinai-Halbinsel samt Gazastreifen, die syrischen Golanhöhen und das von Jordanien annektierte Westjordanland. Dieser Sieg löste eine nationale und religiöse Euphorie aus und belebte den alten zionistischen Geist. Zugleich wurde die Diskussion über die Grenzen Israels wieder wichtiger.

Die Awoda, die führende zionistische Partei, wurde wegen ihrer zurückhaltenden Haltung zur schnellen Besiedlung der besetzten Gebiete kritisiert. Für den rechten Zionismus wurde die Besiedlung dieser Gebiete zentral. Diese Entwicklung trug dazu bei, dass der Likud 1977 erstmals den Ministerpräsidenten stellte und die sozialistisch-zionistische Bewegung in der Regierung ablöste.

Organisationen

Aus dem Revisionistischen Zionismus entstanden mehrere wichtige Gruppierungen. Dazu gehörte Cherut, eine politische Partei, die von 1948 bis 1988 bestand. Aus ihr ging später besonders der Likud hervor, eine 1973 gegründete politische Partei.

Weitere Organisationen waren die Irgun Tzwaʾi Leʾumi, eine paramilitärische Einheit, die von 1931 bis 1948 bestand, sowie Betar, die 1923 gegründete Jugendorganisation. Diese Gruppen zeigen, dass der Revisionistische Zionismus nicht nur eine politische Idee war, sondern auch Parteien, Jugendorganisationen und bewaffnete Strukturen hervorbrachte.

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