Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Israel
Während des Palästinakriegs erfolgte am 14. Mai 1948 die israelische Unabhängigkeitserklärung. Die folgenden Jahrzehnte sind vom andauernden arabisch- …
Inhalt6 Abschnitte
Staat, Lage und Bevölkerung
Israel, amtlich Staat Israel, ist ein Staat in Vorderasien an der Ostküste des Mittelmeers. Er versteht sich nach dem Nationalstaatsgesetz als „Nationalstaat des jüdischen Volkes“ und ist der einzige Staat mit jüdischer Bevölkerungsmehrheit. Zugleich ist Israel de facto ein multiethnischer Staat: Rund 23 Prozent der Bevölkerung sind Nichtjuden. Die Amtssprache ist Hebräisch; Arabisch ist anerkannte Minderheitensprache beziehungsweise hat seit 2018 einen Sonderstatus.
Israel grenzt an Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten, den Gazastreifen und das Westjordanland. Jerusalem ist nach israelischem Recht Hauptstadt und bevölkerungsreichste Stadt; die Vereinten Nationen und die Mehrheit ihrer Mitgliedstaaten erkennen Jerusalem jedoch nicht als israelische Hauptstadt an, weil Teile der Stadt 1967 von Israel besetzt und später annektiert wurden. Der größte Ballungsraum ist Gusch Dan um Tel Aviv-Jaffa.
2025 hat Israel etwa 10 Millionen Einwohner. Davon sind rund 7,7 Millionen Juden, etwa 2,1 Millionen muslimische, christliche und drusische Araber sowie weitere Minderheiten und Einwanderer. Das Rückkehrgesetz erlaubt allen Juden der Welt, sich in Israel niederzulassen. Die jüdische Bevölkerung setzt sich unter anderem aus Aschkenasim, Mizrachim, Sephardim, Falaschen und jemenitischen Juden zusammen. Die Mehrheit der arabischen Israelis sind Muslime; Minderheiten sind arabische Christen und Drusen.
Israel ist eine parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident, Regierungschef der Ministerpräsident, das Parlament heißt Knesset. Das Land wird häufig als freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat mit ausgeprägtem Sozialstaat beschrieben. Es ist in sechs Bezirke gegliedert, darunter Nordbezirk, Haifa, Zentralbezirk, Tel Aviv, Jerusalem und Südbezirk.
Geographie, Natur und Siedlungsraum
Israel liegt auf einer Landbrücke zwischen Asien und Afrika am östlichen Mittelmeer. Geographisch zählt es zu Vorderasien, geologisch liegt es auf der afrikanischen Kontinentalplatte. Im Osten verläuft das Jordantal, ein Teil des Großen Afrikanischen Grabenbruchs. Das Staatsgebiet innerhalb der Waffenstillstandslinie von 1949, der Grünen Linie, umfasst 20.991 km²; aus israelischer Sicht beträgt die Fläche durch Jerusalemgesetz und Annexion der Golanhöhen 22.380 km². Hinzu kommen besetzte Gebiete, darunter Westjordanland, Ostjerusalem, Golanhöhen und bis 2005 israelische Siedlungen im Gazastreifen.
Die Landschaft gliedert sich in vier Hauptregionen: Mittelmeerküste, zentrales Hügelland, Jordantal und Negev-Wüste. Das Tote Meer liegt 418 m unter dem Meeresspiegel und ist der niedrigste Punkt Israels und der Erde. Der höchste Punkt im Kernland ist der Berg Meron mit 1208 m; aus israelischer Sicht gehört auch ein 2248 m hoher Vorgipfel des Hermon in den besetzten Golanhöhen dazu. Der Negev umfasst rund 12.000 km² und damit mehr als die Hälfte der Landfläche Israels.
Der Jordan ist mit 322 km Israels längster Fluss. Er wird aus Quellflüssen wie Dan, Banijas und Hasbani gespeist, durchfließt den See Genezareth und mündet ins Tote Meer. Israel grenzt an das Mittelmeer und im Süden an das Rote Meer; wichtige Häfen liegen in Haifa, Aschdod und Eilat.
Das Klima reicht vom subtropischen Mittelmeerklima an der Küste mit heißen, trockenen Sommern und milden, regenreichen Wintern bis zu heißem Wüstenklima im Süden. Mehr als 70 Prozent der Niederschläge fallen zwischen November und März, von Juni bis September normalerweise keiner. Die Niederschläge nehmen stark von Norden nach Süden ab: im Norden über 900 mm jährlich, im Süden durchschnittlich nur 30 mm.
Die Pflanzen- und Tierwelt ist wegen der unterschiedlichen Klimazonen vielfältig. Seit den 1950er Jahren wurden über 240 Millionen Bäume gepflanzt; etwa 6,7 Prozent der Fläche Israels sind bewaldet. Viele Tierarten sind bedroht oder bereits ausgestorben, andere wie Arabische Oryxantilopen, Persische Halbesel und Rehe wurden wiederangesiedelt.
Historische Entwicklung
Das Gebiet des heutigen Israel gilt als Wiege des Judentums und als wichtige Region für Christentum und Islam. Früheste menschliche Spuren reichen sehr weit zurück: Gesicherte Funde im Gebiet Israels werden auf 1,4 Millionen Jahre datiert. In vorgeschichtlicher Zeit entstanden dauerhaftere Lager, frühe Landwirtschaft und Siedlungen; Jericho war schon um 8000 v. Chr. eine größere befestigte Siedlung.
Der Name Israel ist erstmals um 1208 v. Chr. auf der ägyptischen Merenptah-Stele belegt. Die ersten archäologisch nachgewiesenen früh- oder protoisraelitischen Spuren stammen aus dem 12. bis 11. Jahrhundert v. Chr. Nach biblischer Überlieferung wurde Jerusalem um 1000 v. Chr. von David erobert und Hauptstadt seines Reiches. Nach Salomo zerfiel dieses Reich in das Nordreich Israel und das Südreich Juda. Israel wurde 722 v. Chr. von Assyrien erobert, Juda 587 v. Chr. von Babylon. Später stand die Region unter persischer, hellenistischer, römischer, byzantinischer, arabischer, mamlukischer, osmanischer und britischer Herrschaft.
Für die moderne Staatsgründung war die zionistische Bewegung entscheidend. Seit etwa 1880 organisierten Gruppen wie Chibbat Zion jüdische Siedlungsprojekte in Palästina. Theodor Herzl wurde zur Führungsfigur des politischen Zionismus. Auf dem ersten Zionistenkongress 1897 in Basel wurde das Ziel formuliert, für das jüdische Volk eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu schaffen. Die Balfour-Deklaration von 1917 war ein wichtiger Schritt, weil Großbritannien die „Gründung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“ unterstützte, ohne die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung beeinträchtigen zu sollen.
Von 1920 bis 1948 bestand das britische Mandat für Palästina. Jüdische Einwanderung, arabischer Widerstand, britische Begrenzungen und die Verfolgung der Juden im Nationalsozialismus verschärften die Lage. Der UN-Teilungsplan von 1947 sah einen jüdischen und einen arabischen Staat sowie Jerusalem als internationales Gebiet vor. Er wurde von arabischer Seite abgelehnt. Am 14. Mai 1948 erklärte David Ben-Gurion die Errichtung des Staates Israel. Die USA erkannten Israel nach elf Minuten an, die Sowjetunion am 16. Mai.
Konflikte und Friedensprozesse
Direkt nach der Staatsgründung erklärten mehrere arabische Staaten Israel den Krieg. Im Unabhängigkeitskrieg von Mai 1948 bis Januar 1949 gewann Israel gegenüber dem UN-Teilungsplan zusätzliche Gebiete. Die für einen palästinensischen Staat vorgesehenen Gebiete kamen unter jordanische Kontrolle im Westjordanland einschließlich Ostjerusalem beziehungsweise ägyptische Kontrolle im Gazastreifen. Während des Krieges flohen rund 850.000 Araber aus Palästina; teils wurden sie vertrieben, teils aus strategischen Gründen evakuiert. Zwischen 1948 und 1973 wurde zugleich eine etwa gleich große Zahl von Juden aus muslimischen Ländern vertrieben.
Im Sechstagekrieg 1967 kam Israel einem erwarteten Angriff Ägyptens, Syriens und Jordaniens durch einen Präventivschlag zuvor. Danach kontrollierte Israel den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel, das Westjordanland, Ostjerusalem und die Golanhöhen. Die UN-Resolution 242 forderte einen Rückzug Israels aus im Krieg eroberten Gebieten und im Gegenzug die Garantie territorialer Unversehrtheit. Nach 1967 begann Israel mit dem Bau jüdischer Siedlungen in besetzten Gebieten.
Im Jom-Kippur-Krieg 1973 griffen Ägypten und Syrien Israel überraschend am jüdischen Feiertag Jom Kippur an. Nach anfänglichen Erfolgen der Angreifer schlug Israel zurück. Der Krieg verursachte hohe Verluste und erschütterte die israelische Öffentlichkeit; Ministerpräsidentin Golda Meir trat 1974 zurück. Gleichzeitig galt der Krieg in der arabischen Welt politisch als Erfolg, weil Israel militärische Verwundbarkeit gezeigt wurde. Er war auch Auslöser der Ölpreiskrise 1973.
1977 begann mit der Initiative des ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat ein Friedensprozess. Der israelisch-ägyptische Friedensvertrag regelte unter anderem die Rückgabe des Sinai bis 1982. Israel schloss später auch mit Jordanien Frieden. Der Oslo-Friedensprozess führte zu palästinensischer Selbstverwaltung in Teilen des Gazastreifens und Westjordanlandes, scheiterte aber an zentralen Fragen wie Flüchtlingsrückkehr, Jerusalem und den 1967 eroberten Gebieten. 1987 begann die Erste Intifada, 2000 die Zweite Intifada, die bis 2005 andauerte.
Seit 2020 prägen unter anderem die COVID-19-Pandemie, Massenproteste gegen eine Justizreform, der Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 und der Krieg in Israel und Gaza seit 2023 die Entwicklung. Menschenrechtsorganisationen und die Vereinten Nationen erheben schwere Vorwürfe gegen Israel im Zusammenhang mit den palästinensischen Gebieten. Der Internationale Gerichtshof bezeichnete 2024 Israels Besetzung der palästinensischen Gebiete in einem Gutachten als „illegal“; Genozidvorwürfe im Gaza-Krieg seit 2023 werden im Artikel als umstritten dargestellt.
Politik, Recht und Sicherheit
Israel ist eine parlamentarische Demokratie. Die Knesset hat 120 Mitglieder und wird für vier Jahre gewählt. Israel besitzt keine kodifizierte Verfassung; stattdessen sollen Grundgesetze zusammen die Verfassung bilden. Die Unabhängigkeitserklärung von 1948 und mehrere Grundgesetze übernehmen zentrale Funktionen einer Verfassung. Das Nationalstaatsgesetz von 2018 legt Israel als Nationalstaat des jüdischen Volkes fest, erklärt das vereinte Jerusalem zur Hauptstadt und macht Hebräisch zur alleinigen Amtssprache; Arabisch erhält einen Sonderstatus.
Der Staatspräsident wird von der Knesset für sieben Jahre gewählt und hat überwiegend repräsentative Aufgaben. Die Regierung wird vom Ministerpräsidenten geführt. Da keine Partei bisher allein regieren konnte, entstehen Regierungen durch Koalitionen. Politisch wichtig ist die Trennlinie zwischen „Tauben“, die eher „Land für Frieden“ und einen palästinensischen Staat unterstützen, und „Falken“, die eher „Frieden für Frieden“ und langfristig eine Annexion besetzter Gebiete vertreten.
Das Rechtssystem Israels beruht auf osmanischem Recht, britischem Mandatsrecht und israelischer Gesetzgebung seit 1948. Es ist ein gemischtes westliches System mit starkem angloamerikanischem Einfluss. Die Justiz ist in säkulare und religiöse Gerichte gegliedert. Das Oberste Gericht in Jerusalem ist höchste Berufungsinstanz und kann als Hohes Gericht für Gerechtigkeit staatliche Maßnahmen überprüfen.
Die Menschenrechtslage wird im Artikel differenziert beschrieben. Für Israel ohne Westjordanland und Gaza nennt Freedom House den Status „frei“, weist aber auf Diskriminierung von Arabern und anderen Minderheiten hin. Für die besetzten palästinensischen Gebiete wird die Lage deutlich schlechter bewertet. Der Artikel erwähnt Verwaltungshaft, Vorwürfe von Misshandlungen, Folter und Apartheid durch verschiedene Organisationen sowie internationale Kontroversen über diese Bewertungen.
Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte gelten als stärkste Streitkräfte der Region. Es gibt Wehrpflicht: 36 Monate für Männer und 24 Monate für Frauen, mit Ausnahmen etwa für israelische Araber und bestimmte Frauen. Israel besitzt moderne Land-, Luft- und Seestreitkräfte, Raketenabwehrsysteme wie Iron Dome und Arrow und verfolgt bei mutmaßlichen Nuklearwaffen eine Politik der „atomaren Zweideutigkeit“: Der Besitz wird weder bestätigt noch bestritten. Die USA sind Israels wichtigster Verbündeter; Israel hat Friedensverträge mit Ägypten und Jordanien sowie seit 2020 Abraham-Abkommen unter anderem mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain geschlossen.
Wirtschaft, Bildung und Kultur
Israel hat eine technologisch hoch entwickelte Marktwirtschaft mit hohem Staatsanteil. Wichtige Bereiche sind intensive Landwirtschaft, exportorientierte Industrie, Diamantenverarbeitung, chemische und pharmazeutische Industrie, Halbleitertechnik, Finanzwirtschaft, Softwareentwicklung und Tourismus. Besonders bedeutend ist die High-Tech-Industrie. Israel hat sehr hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung pro Einwohner und eine besonders hohe Dichte an Start-ups. Seit 2010 ist Israel Mitglied der OECD. 2025 wurde das Pro-Kopf-BIP auf 60.100 US-Dollar geschätzt; der HDI-Wert betrug 2023 0,919.
Wegen begrenzter Wasser- und Rohstoffvorkommen ist Israel stark auf Technik und Innovation angewiesen. Bei Erdgas wurde durch Lagerstätten im Mittelmeer die Importabhängigkeit verringert. In der Wasserversorgung spielen Meerwasserentsalzung und Recycling eine zentrale Rolle: 2017 deckten fünf Entsalzungsanlagen über 70 Prozent des landesweiten Wasserbedarfs. 86 Prozent des häuslichen Abwassers werden in der Landwirtschaft wiederverwendet.
Sozial bestehen deutliche Ungleichheiten. Der Gini-Koeffizient lag 2022 bei 37,9 Prozent. 2023 lebten 20,7 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze; besonders betroffen waren Araber mit 38,4 Prozent und ultraorthodoxe Juden mit 33 Prozent. Trotz niedriger Arbeitslosigkeit wird Erwerbsarmut als großes Problem genannt.
Das Bildungssystem ist auf die multikulturelle Bevölkerung abgestimmt. Für Kinder von fünf bis sechzehn Jahren besteht Schulpflicht, bis 18 ist der Schulbesuch kostenlos. Es gibt unterschiedliche staatliche Schulen nach Sprache und Religion sowie private Schulen. Die Abschlussprüfung heißt Bagrut. Bekannte Hochschulen sind das Technion und die Hebräische Universität Jerusalem. Die mittlere Schulbesuchsdauer stieg von 10,8 Jahren 1990 auf 12,8 Jahre 2015.
Israels Kultur verbindet Einflüsse aus über 100 Nationen. Bedeutend sind Musik, Volkstanz, Theater, Film, Literatur und Museen. Bekannte Museen sind das Israel-Museum in Jerusalem, Yad Vashem und das Diasporamuseum in Tel Aviv. Die israelische Literatur wird vor allem auf Neuhebräisch geschrieben, aber auch auf Arabisch, Russisch, Jiddisch und anderen Sprachen. Die Küche verbindet lokale Gerichte mit jüdischen Einwanderungstraditionen und ist meist koscher; Schweinefleisch wird selten konsumiert. Wichtige staatliche Feiertage sind jüdische Feiertage sowie nationale Gedenk- und Feiertage wie Jom haSchoʾa, Jom haSikkaron, Jom haʿAtzmaʾut und Jom Jeruschalajim.
Lernvideos zu Israel
25:15
Konfliktfall Israel - die Geschichte einer ruhelosen Nation | Terra X
Terra X History · 1,2 Mio. Aufrufe
31:30
Die Geschichte von Israel und Palästina - auf einer Karte
Geo-Geschichte · 1 Mio. Aufrufe
5:08
Israel-Palästina-Konflikt einfach erklärt (explainity® Erklärvideo)
explainity ® Erklärvideos · 288.889 Aufrufe
11:24
The 1st Intifada: When Non-Violent Protests Turned Violent | History of Israel Explained | Unpacked
Unpacked · 116.748 Aufrufe