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Theodor Herzl

Herzl war der Überzeugung, dass Juden eine Nation bilden (s. Nationenbildung) und dass aufgrund von Antisemitismus, gesetzlicher Diskriminierung und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Grundidee
  2. 2. Weg zum Zionismus
  3. 3. Der Judenstaat und die Bewegung
  4. 4. Organisationen, Verhandlungen und Zukunftsentwurf
  5. 5. Tod und Nachwirkung

Bedeutung und Grundidee

Theodor Herzl (ungarisch Herzl Tivadar; hebräische Vornamen Binyamin Zeʾev; * 2. Mai 1860 in Pest, Kaisertum Österreich; † 3. Juli 1904 in Edlach an der Rax, Österreich-Ungarn) war ein österreichisch-ungarischer Schriftsteller, Publizist und Journalist jüdischer Herkunft. Er gilt als Hauptbegründer des politischen Zionismus, also der Bewegung, die einen eigenen jüdischen Staat politisch organisieren und verwirklichen wollte.

Herzl war überzeugt, dass Juden eine Nation bilden. Antisemitismus, gesetzliche Diskriminierung und die gescheiterte Aufnahme von Juden in die Gesellschaft machten nach seiner Auffassung die Gründung eines jüdischen Staates notwendig. Mit seinen Schriften, Organisationen und Kongressen bereitete er der Gründung des Staates Israel 1948 gedanklich und politisch den Weg.

Weg zum Zionismus

Herzl wuchs in Pest in einer Familie auf, deren Erziehung sich an österreichischer Kultur und deutscher Sprache orientierte. Nach Schulbesuchen in Pest legte er 1878 die Matura ab. Im selben Jahr zog die Familie nach Wien. Herzl studierte an der Universität Wien Rechtswissenschaft, wurde am 16. Mai 1884 zum Dr. iur. promoviert und absolvierte von August 1884 bis Juni 1885 die Gerichtspraxis in Wien und Salzburg.

Während des Studiums setzte er sich mit Antisemitismus auseinander. 1882 las er Eugen Dührings antisemitisches Pamphlet Die Judenfrage als Racen-, Sitten- und Culturfrage – Mit einer weltgeschichtlichen Antwort und notierte Gegenargumente. Als antisemitisches Gedankengut in Burschenschaften zunahm, trat er im März 1883 aus der Wiener akademischen Burschenschaft Albia aus.

Von Oktober 1891 bis Juli 1895 arbeitete Herzl als Pariser Korrespondent der Wiener Neuen Freien Presse. Zunächst betrachtete er die „Judenfrage“ als soziale Frage und erwog sogar eine organisierte Massenkonversion jüdischer Jugendlicher zum Christentum. 1893 entwickelte er einen Plan für die Massenkonversion österreichischer Juden zum Katholizismus. Später wandte er sich von Konversion und Assimilation ab. Sein Drama Das Ghetto, später Das neue Ghetto, stellte sich 1894 gegen diese Lösungen und sollte eine öffentliche Diskussion über die jüdische Frage anstoßen. Zur selben Zeit berichtete Herzl über die Dreyfus-Affäre und war am 5. Januar 1895 bei der öffentlichen Degradierung von Alfred Dreyfus anwesend.

Der Judenstaat und die Bewegung

Im Mai 1895 stellte Herzl seine Ideen Baron Maurice de Hirsch vor, erhielt aber keine Gelegenheit, sie genauer zu erklären. Auch ein Gespräch mit Emil Schiff brachte zunächst keine Unterstützung. Dennoch vollendete Herzl am 17. Juni 1895 den Entwurf von Der Judenstaat und veröffentlichte die Schrift 1896 unter dem vollständigen Titel Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage.

Kernthese des Buches ist, dass die Gründung eines jüdischen Staates notwendig und durchführbar sei. Es trägt das Motto „Wir sind ein Volk, Ein Volk“ und erklärt: „Die Judenfrage ist eine nationale Frage, um sie zu lösen, müssen wir sie vor allem zu einer Weltfrage machen, die im Rate der Kulturvölker zu lösen sein wird.“ Herzls Ideen stießen bei orthodoxen Juden ebenso wie bei vielen assimilierten Juden Westeuropas auf Ablehnung. Max Nordau unterstützte ihn dagegen vorbehaltlos.

Herzl organisierte mit Oskar Marmorek, Max Nordau und David Farbstein den ersten Zionistischen Weltkongress vom 29. bis 31. August 1897 in Basel. Er wurde Präsident der Zionistischen Weltorganisation. Das Basler Programm war Grundlage von Verhandlungen, die eine „Heimstätte des jüdischen Volkes“ in Palästina erreichen sollten.

Organisationen, Verhandlungen und Zukunftsentwurf

1897 gründete Herzl in Wien die zionistische Informationsschrift Die Welt. 1899 folgte in London der Jewish Colonial Trust, der Geld für den Ankauf von Land in Palästina beschaffen und bereitstellen sollte. Am 27. Februar 1902 gründeten Herzl und Zalman David Levontin als Zweigunternehmen die Anglo-Palestine Company (APC), aus der später die Bank Leumi hervorging.

Herzl verhandelte unter anderem mit Kaiser Wilhelm II. und dem osmanischen Sultan Abdülhamid II. Bei Begegnungen 1898 in Istanbul, Mikwe Israel und Jerusalem erhielt er von Wilhelm II. keine Zusage für eine jüdische Heimstätte; dieser erklärte am 2. November 1898 lediglich Wohlwollen für Bestrebungen zur Hebung der Landwirtschaft in Palästina unter voller Beachtung der Hoheit des Sultans. Das von Großbritannien angebotene Gebiet in Ostafrika, das Uganda-Programm, scheiterte, weil die meisten Zionisten allein Palästina als Siedlungsgebiet akzeptierten und das Gebiet zudem unzureichend geeignet war.

In seinem utopischen Roman Altneuland (1902) entwarf Herzl eine politische und gesellschaftliche Ordnung für einen künftigen jüdischen Staat in Palästina. Das Motto lautet „Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen“. Herzl nahm dabei an, die dort lebenden Araber würden neue jüdische Siedler freudig begrüßen. Nachum Sokolow übersetzte den Romantitel ins Hebräische als Tel Aviv: „Tel“ steht für „alt“, „Aviv“ für „neu“. Die Benennung der Stadt Tel Aviv wurde von diesem Roman inspiriert.

Tod und Nachwirkung

Am 26. Januar 1904 bat Herzl Papst Pius X. in Rom um Unterstützung für einen jüdischen Staat in Palästina. Der Papst lehnte dies ab. Im April 1904 wurde bei Herzl ein Herzleiden festgestellt; Anfang Juli erkrankte er zusätzlich an einer Lungenentzündung. Er starb am 3. Juli 1904 in Edlach an der Rax und wurde zunächst auf dem Döblinger Friedhof in Wien neben seinem Vater beigesetzt.

Herzl hatte verfügt, dass er und seine Familie nach Erreichen des angestrebten jüdischen Staates dort bestattet werden sollten. Seine sterblichen Überreste und die seiner Eltern wurden 1949 nach Jerusalem überführt und auf dem Herzlberg in Westjerusalem beigesetzt. 2006 wurden auch Pauline und Hans Herzl neben ihm bestattet; sein Enkel Stefan Theodor Norman Neumann wurde im Dezember 2007 auf dem Herzlberg beigesetzt.

Herzls Bewegung wurde zur wichtigen Kraft der modernen jüdischen Geschichte. Zu seinen bleibenden Einrichtungen zählen Die Welt, der Jewish Colonial Trust und der Zionistenkongress. Die 1924 gegründete Stadt Herzlia wurde nach ihm benannt; außerdem erinnern unter anderem der Herzlberg, das Theodor-Herzl-Museum und der Theodor-Herzl-Preis an ihn.

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