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Geschichte Israels (1) - vom Zionismus bis zur Staatsgründung

Ein Hut voll Wissen30:20 11.907 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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Transkriptautomatisch erstellt · 171 Zeilen
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  1. Hallo zusammen und herzlich willkommen zu einer neuen Folge und dem Beginn einer neuen Reihe, dieses Mal zum Thema „Der Staat Israel“. In der heutigen Folge, der ersten Folge dieser Reihe,
  2. werfen wir zunächst einen Blick auf die Vorgeschichte des Staates Israel: auf die Anfänge im 19. Jahrhundert, die zionistische Bewegung, die Anfänge der Besiedlungspolitik
  3. in Palästina, und wie sich der Staat Israel so langsam herausbilden sollte. Los geht’s! Die Geschichte des Judentums im neuzeitlichen Europa ist eng verbunden bis heute mit dem
  4. Aufstieg und der Entwicklung der zionistischen Bewegung. Der Begriff „Zionismus“ sagt dabei bereits worum es eigentlich geht, denn Zion ist letztlich eine der biblischen Bezeichnungen
  5. für Jerusalem. Das bedeutet, der Zionismus ist im Grunde eine Bewegung, die auf das Zentrum des Judentums, das religiöse Zentrum des Judentums, die Stadt Jerusalem abzielt.
  6. Dort - so der Anfang der Bewegung - war die Vorstellung, dass man einen eigenen Staat Israel, einen jüdischen eigenen Staat, ein jüdisches Staatswesen, begründen könnte. Doch für die Juden
  7. Europas im 19. Jahrhundert war natürlich Jerusalem eine imaginäre Größe. Die meisten Juden hatten Jerusalem niemals selbst gesehen, aber man fühlte sich natürlich über die eigene Religion und die
  8. eigene religiöse Tradition dieser Stadt und diesem Zentrum verbunden. Doch für die europäischen Juden war natürlich ihr Lebensmittelpunkt lange Zeit, und auch im 19. Jahrhundert und in Teilen
  9. noch im 20. Jahrhundert, natürlich Europa gewesen. In Europa lebte man verteilt von Osteuropa bis Westeuropa in den unterschiedlichen Staatssystemen, die dieser Kontinent hergab. Dabei
  10. waren natürlich die Juden immer eine kleine Minderheit in den weitaus größeren christlichen Mehrheitsgesellschaften der damaligen Zeit. Und entsprechend wurden Juden über Jahrhunderte,
  11. also nicht nur in der Neuzeit, sondern bereits im Mittelalter, immer in gewisser Weise als Fremdkörper wahrgenommen. Sie standen immer ein Stück weit außerhalb der Gesellschaft,
  12. sowohl aus der Sicht der Christen als auch aus dem Blick der Juden selbst. Denn jüdisch zu sein bedeutete nicht einfach nur, irgendeine religiöse Konfession neben anderen zu sein,
  13. sondern jüdisch zu sein bedeutete auch, bestimmte Auffassungen und Lebensweisen zu haben, die einen von anderen unterschieden. Durch das christliche Mittelalter Europas hindurch war die Geschichte
  14. des Judentums lange eine Zeit von Qualen und von Verfolgung gewesen. Denn genauso wie in späteren Jahrhunderten war es natürlich auch schon im Mittelalter so gewesen, dass man die Juden
  15. häufig für Dinge verantwortlich machte, für die man keine besseren Erklärungen gefunden hatte: für einen vermeintlichen Gotteszorn beispielsweise, aber man hatte die Juden auch immer im Verdacht,
  16. dass sie gegen die Christen intrigieren würden, dass sie Brunnen vergiften würden, christliche Kinder entführen würden und so weiter. Das waren also Vorwürfe, die im 19. Jahrhundert,
  17. als der Zionismus begann, schon Jahrhunderte alt waren, und daher war die jüdische Tradition in Europa vor allem eine lange Geschichte von Jahrhunderten wo es vor allem um Verfolgung
  18. und Unterdrückung ging. Nach der Überwindung des Mittelalters und dem Beginn der frühen Neuzeit änderte sich die Situation für die Juden zunächst einmal ein Stück weit durch den lang anhaltenden
  19. Säkularisierungsprozess, der natürlich jetzt in Europa ausbrach. Man hatte also die Aufklärung und das Ideal einer humanistischen Gesellschaft, und damit hatte man natürlich auch die Juden
  20. angefangen, verstärkt in die Gesellschaft als Bürger zu integrieren. Das funktionierte mal mehr mal weniger gut. Doch in der Regel war es eben so, dass Juden sich auch in dieser Zeit ihre
  21. Eigenheiten letztlich beibehielten, ihre eigenen Traditionen pflegten, und damit im Grunde immer in gewisser Weise eine unsichtbare Mauer verblieb zwischen der christlichen Mehrheitsgesellschaft
  22. und später den säkularisierten Gesellschaften auf der einen Seite und dem Judentum auf der anderen Seite. Das führte vor allem im 19. Jahrhundert, im Zeitalter des Nationalismus,
  23. zu größeren Problemen für die Juden. Denn die Juden unterschieden sich nicht nur in ihrer religiösen Auffassung und in der Auslebung ihrer religiösen Praktiken von anderen Menschen in der
  24. Gesellschaft sondern teilweise auch durch ihr Aussehen (bestimmte Kleidungen und so weiter), und damit war immer irgendwie ersichtlich für andere Gruppen in der Gesellschaft,
  25. dass Juden irgendwie anders waren - in welcher Form auch immer. Und damit blieb diese unsichtbare Mauer zwischen der Mehrheitsgesellschaft und den Juden in vielen europäischen Gesellschaften auch
  26. im 19. Jahrhundert weiter bestehen, weshalb die Mehrheitsgesellschaft immer wieder auch von den Juden verlangte, dass sie beweisen müsse, dass sie sich zum jeweiligen Staat zugehörig fühlen
  27. würde. Und diesen Beweis erbrachten tatsächlich auch viele Juden bis hin zu ihrer Teilnahme dann am Ersten Weltkrieg wo sich eben auch zahlreiche Juden, auch in Deutschland, am Kriegsgeschehen
  28. beteiligten und damit ihren Nationalismus zeigten. Waren die Juden in Westeuropa im 19. Jahrhundert vor allem in einer kulturellen und geistigen Krise, so war die Krise in Osteuropa wesentlich
  29. körperlicher sozusagen: Im Russischen Kaiserreich beispielsweise war man bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert dazu übergegangen, dass Juden nur noch in ganz bestimmten Bereichen des Reiches überhaupt
  30. angesiedelt werden durften. Im westlichen Teil dieses riesigen Reiches hatte man im Grunde abgesteckte Territorien wo Juden sich niederlassen konnten. Ein tiefer Einschnitt für die Juden in
  31. Osteuropa ereignete sich dann seit 1881. Denn durch das Attentat auf den russischen Kaiser Alexander II. wurde eine regelrechte Jagd auf Juden eröffnet. Es kam also überall in Osteuropa
  32. zu Pogromen gegen Juden. Dieser Prozess seit 1881 war mit - könnte man sagen - die Geburtsstunde der nun aufkommenden zionistischen Bewegung. Denn nun stellte sich immer mehr für die Juden die Frage
  33. nach diesen Gewaltexzessen: Hatte man in Europa und besonders in Osteuropa überhaupt eine Zukunft, oder wollte man nicht versuchen, an einem anderen Ort der Welt ein eigenes selbstbestimmtes Leben
  34. aufzubauen. An verschiedenen Orten parallel entstand nun eine Gruppe, die man als „Zionsliebe“ bezeichnet. Und diese Gruppe hatte nur ein Ziel: einen eigenen Staat
  35. für das jüdische Volk zu errichten, und zwar in Palästina. Zentrale Figur und ein Vordenker dieser zionistischen Bewegung und der Idee, Juden in Palästina anzusiedeln, war ein junger Arzt aus
  36. Odessa namens Leon Pinsker. Pinsker war bereits 1882 mit seiner Schrift „Autoemanzipation“ vor die Welt getreten sozusagen, und hatte darin Forderungen aufgestellt, dass die Juden sich
  37. dringend ein selbstbestimmtes Leben an einem anderen Ort als Europa suchen müssten, speziell in Palästina wo ein jüdischer Staat entstehen sollte. Ob es nun die Auswirkungen dieser Schrift waren
  38. oder vielleicht vielmehr die brutalen Auswirkungen der unterschiedlichen Pogrome seit 1882 sei dahingestellt, doch schlussendlich wanderten 2,5 Millionen Juden tatsächlich in Folge dieser
  39. Entwicklungen aus. Doch anders als Pinsker sich das vermutlich gedacht hatte wanderten die meisten Juden vor allem auf den amerikanischen Kontinent, nach Südafrika und in großen Teilen auch nach
  40. Westeuropa, also man blieb in Europa und ging lediglich weiter nach Westen in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Das bedeutet, dass lediglich 1 % aller Emigranten überhaupt in dieser Zeit
  41. nach Palästina gingen. Das bedeutet, man hatte nur wenige 10.000 Menschen, die nach Palästina gingen, und das waren - wie zu erwarten - erklärte Zionisten, die natürlich mit dem Ziel Jerusalem
  42. ausgewandert waren. Und daher war es natürlich klar, dass hier Palästina das präferierte Ziel war. Nach 1882 und nach dem Wirken von Leon Pinsker stand dennoch die Emigration von Juden
  43. in Europa noch in der Anfangsphase. Und das hatte lange Zeit damit zu tun, dass man keinen erklärten und vehementen politischen Fürsprecher für diesen Auswanderungs- Trend sozusagen hatte. Das
  44. änderte sich seit 1894 in Form des Journalisten Theodor Herzl. Herzl war jemand, der unermüdlich durch europäische Länder reiste, und sich bei verschiedenen Regierungen dafür einsetzte,
  45. den Juden einen eigenen Staat in Palästina zu ermöglichen. Die These war ziemlich einfach: Man hatte ja ohnehin in Europa überall mit Antisemitismus zu kämpfen. Herzl hatte den
  46. massiven Antisemitismus auch in Westeuropa selber kennen gelernt gelernt; er war in Paris und in Wien gewesen und da mit Antisemitismus konfrontiert gewesen. Daher dachte er sich,
  47. es macht vermutlich Sinn auch für die westlichen Staaten, den Juden dabei zu helfen, einen eigenen Staat zu begründen. Denn dann würden die aus Europa weggehen und das „Problem“ sozusagen
  48. aus Sicht der westlichen Staaten würde sich dann alleine lösen. Und dieses Denken nahm nun tatsächlich politisch relevante Züge an. Denn bereits 1897 kam es in Basel
  49. zum ersten zionistischen Kongress, auf dem das sogenannte „Basler Programm“ beschlossen wurde, und damit quasi dann schriftlich festgehalten wurde, dass man jetzt als erklärtes Ziel ausgeben
  50. wollte, dass die Juden einen eigenen Staat sich erschießen müssten in Palästina. Dieser Prozess, der nun 1897 begann, sollte tatsächlich Jahrzehnte lang andauern und erst 1948 abgeschlossen werden
  51. mit der Begründung des Staates Israel. Theodor Herzl, einer der wichtigen Vordenker hier, sollte diesen Moment allerdings nicht mehr erleben, denn er starb bereits im Jahr 1904.
  52. Die Geschichtsschreibung spricht bis heute bei der Emigration von Juden aus Europa nach Palästina von insgesamt fünf zionistisch-jüdischen Migrationswellen: Die erste Migrationwelle
  53. begannen im Jahr 1882 in direkter Folge auf das Attentat an Kaiser Alexander II. in Russland, wodurch (wie gesagt) massive Pogrome ausgelöst wurden, die jetzt nun eine Auswanderungswelle
  54. begünstigten. Wie bereits eben angedeutet gingen die meisten Juden dieser ersten Auswanderungswelle noch nicht nach Palästina. Nach Palästina gingen lediglich wenige 10.000 Leute, nämlich erklärte
  55. Zionisten. Und die ersten zionistischen Juden, die jetzt zwischen 1882 und 1904, in dieser ersten Migrationswelle, nach Palästina kamen, waren noch sehr einfache Leute gewesen. Die meisten von ihnen
  56. hatten von Landwirtschaft und ähnlichen Dingen, wie man überhaupt einen Staat begründet, wie man sich selber ernährt mit landwirtschaftlichen Dingen und so weiter kaum eine Ahnung. Das
  57. bedeutet, viele von ihnen ließen sich zunächst einmal in den bereits bestehenden Städten nieder. Man hatte also damals schon Städte, die im Grunde von Arabern und Juden gleichermaßen besiedelt
  58. wurden. Und eine zweite größere Gruppe von Juden begann im Grunde direkt nach der Ankunft damit, nun eigene Siedlungstrukturen zu errichten. Dieses neue Gemeindewesen,
  59. das nun die Juden erschufen, basierte im Grunde auf einfachen ländlichen Verhältnissen: Man hatte primär agrarwirtschaftlich Systeme, und versuchte, sich dort quasi zu versorgen. Das
  60. notwendige Siedlungs- und Ackerland, das man natürlich brauchte, um überhaupt eine eigene Gemeinschaft begründen zu können, erwarb man von den ansässigen arabischen Gutsbesitzern,
  61. was zu einigen Problemen noch führen sollte, auf die wir noch zu sprechen kommen werden. In dieser Zeit zwischen 1882 und 1904 bildeten sich über 30 Moschawot-Gemeinden sozusagen heraus,
  62. und somit begannen die Anfänge einer jüdischen Siedlungspolitik in Palästina. Seit 1904 begann dann die zweite Migrationwelle nach Palästina aus Europa heraus. Und das hatte in erster Linie
  63. auch mal wieder mit neuen Pogromen vor allem in Osteuropa zu tun, die zu neuen Abwanderungswellen führten. Doch die neuen jüdischen Migranten, die jetzt nach Palästina strömten, waren schon
  64. sehr anders als die erste Generation, die gekommen war. Denn die neue Generation war nicht nur zionistisch geprägt sondern auch auch in Teilen sozialistisch geprägt. Das bedeutet,
  65. man hatte jetzt sozialistische Juden, die nach Palästina strömten und dort versuchten, ein gerechteres jüdische Staatswesen zu erschaffen. Man versuchte also ein Stück weit, sozialistische
  66. Elemente aufzunehmen, lebte dort in kleineren Kommunen zusammen ohne wirklichen Privatbesitze, und versucht das sozialistische Ideal sozusagen jetzt auch auf jüdische religiöse Gemeinden in
  67. Palästina zu übertragen. Das bedeutet, man träumte im Grunde von einer proletarischen Gesellschaft aus Selbstversorgern, die vor allem Landwirtschaft betreiben würden. Diese zweite Migrationswelle
  68. endete dann im Jahr 1914, und setzte dann erneut im Jahr 1918 nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ein. Doch die jüdischen Auswanderer dieser nun beginnenden dritten Migrationswelle, die nun seit
  69. 1918 in Palästina aufschlugen, waren schon mit sehr anderen Verhältnissen konfrontiert als noch die ersten beiden Migrationwellen. Denn im Zuge des Ersten Weltkrieges hatte die britische Armee
  70. Palästina erobert und war nach 1918 dann vom nun entstehenden Völkerbund damit beauftragt worden, Palästina - und nicht nur Palästina - in Form eines Völkerbund-Mandats zu verwalten. Doch
  71. faktisch gesehen war es im Grunde ein einfaches britisches Kolonialgebiet wo nun sowohl die Juden als auch die Araber sich den Anweisungen der britischen Armee beugen mussten. Diese nun dritte
  72. Migrationwelle von Juden, die nach Palästina strömten, sahen sich also nun vor allem auch mit den Briten konfrontiert. Doch zu Beginn war das Verhältnis vor allem zwischen der jüdischen
  73. Bevölkerung und den britischen Besatzern ein relativ gutes gewesen. Denn die Briten hatten relativ früh durchscheinen lassen - bereits schon während des Ersten Weltkrieges im Jahr 1917 - mit
  74. der sogenannten Balfour-Declaration, dass man offenbar eine judenfreundliche Politik in der Region machen wollte; dass man also dazu beitragen wollte, dass die Juden ein eigenes Staatsgebiet,
  75. einen eigenen Staat erhalten würden. Und daher hatte man aus jüdischer Sicht zunächst einmal den Eindruck gewonnen, dass die Briten den Juden wichtige Hilfe leisten könnten gegen die Araber,
  76. insbesondere solange man noch selbst keine tragfähigen Sicherheitskräfte hatte. Denn solange die britische Armee vor Ort war und schlichtend eingriff konnte man sich
  77. sicher sein - so dachte man zumindest -, dass die arabische Bevölkerung nicht übergriffig gegenüber den Juden werden würde. Doch gerade diese sehr pro-israelische und pro-jüdische Haltung, die die
  78. Briten an den Tag legten seit 1917, verunsicherte natürlich die arabische Bevölkerung in Palästina, die dort in großen Teilen lebte. Denn man hatte nun Angst, dass die Briten
  79. die Juden bei ihren immer weiter ausartenden Siedlungplänen unterstützen könnten, und man damit möglicherweise schlussendlich die eigene Heimat verlieren könnte. Die vierte Migrationwelle
  80. schließlich spielte sich zwischen 1924 und 1931 ab, und war erneut eine Fluchtwelle aus Europa, die stark mit den sich dort verändernden politischen Verhältnissen zusammenhing: Zum einen
  81. hatte man in der Sowjetunion unter Stalin auch einen immer weiter ausufernden Antisemitismus, der nun erneut, genauso wie zuvor im Kaiserreich, Auswanderungswellen anregte. Hinzu kam aber auch
  82. natürlich, dass sich auch in Westeuropa sehr viel verändert hatte. Der Antisemitismus war auch dort überall überall am überkochen. Und daher waren viele Juden der Meinung,
  83. man müsste jetzt gehen. Und diese Juden gingen nun nicht mehr in die USA, weil die Amerikaner im Laufe der Jahre ihre Einreisebedingungen immer weiter verschärft hatten, sondern der
  84. Großteil dieser Juden ging nun tatsächlich nach Palästina. Und damit schossen in den Zwanziger und später noch kräftiger in den Dreißiger Jahren die Anzahl der Juden in Palästina in die Höhe,
  85. wodurch sich die Araber natürlich nochmals stärker gefährdet sahen. In den 1930er-Jahren wuchsen zunehmend die Spannungen zwischen unterschiedlichen politischen Gruppierungen
  86. innerhalb des nun langsam entstehenden jüdischen Staatswesens: Man hatte zwei größere politische Gruppierungen, die sehr unterschiedlich in ihrer politischen Praxis und in ihren Zielen waren. Man
  87. hatte auf der einen Seite die MAPAI, also in gewisser Weise eine jüdische Arbeiterpartei, die mit das Sagen hatte, und auf der anderen Seite hatte man die sogenannten Revisionisten, die eine
  88. wesentlich radikalere Politik verfolgten als die Arbeiterpartei. Während die MAPAI, also die Arbeiterpartei, vor allem auf eine Zusammenarbeit mit den britischen Behörden ausgerichtet war,
  89. waren die Revisionisten nicht davon überzeugt, dass eine Zusammenarbeit mit den Briten auf lange Zeit große Erfolge bringen würde. Denn die Briten hatten in den Dreißiger Jahren, um die
  90. anhaltenden Konflikte zwischen Juden und Arabern zu verringern, vor allem dafür gesorgt, dass jetzt die Juden nicht mehr so viel Land in Palästina aufkaufen konnten. Da wurden also Grenzen gesetzt,
  91. und das verärgerte natürlich Teile der vor allem radikalen politischen Gruppen innerhalb der jüdischen Gesellschaft. Ganz im Gegenteil waren die Revisionisten der Meinung, man müsste die
  92. Araber nun endgültig aus Palästina herausdrängen, müsste ein jüdischen Staatswesen auf beiden Seiten des Jordans errichten, und damit quasi eine jüdische Dominanz vor Ort errichten, wohingegen
  93. die Arbeiterpartei wesentlich gemäßigter war, und natürlich auch wusste, dass man die Briten nicht unnötig verärgern sollte. Im Jahr 1931 lebten in Palästina bereits 175.000 Juden. Das
  94. entsprach ungefähr 17 % der Gesamtbevölkerung in Palästina. Damit kann man sehen, dass seit 1882 der Anteil von Juden in Palästina massiv zugenommen hatte. Doch 1946 lebten in Palästina
  95. bereits über 500.000 Juden, die insgesamt nahezu 30 % der Bevölkerung stellten. Das bedeutet, in der Zeit kurz vor der Gründung des Staates Israel war die Masse an der jüdischen Bevölkerung
  96. in Palästina sehr stark herangewachsen, wodurch aus arabischer Sicht natürlich ein sehr großes Risiko bestand, auf Dauer die eigene Heimat zu verlieren. Seit 1932 schließlich begann die
  97. fünfte und letzte große Migrationwelle aus Europa nach Palästina. Diese Entwicklung wurde natürlich jetzt ganz klar von den verschiedenen politischen Entwicklungen in Europa ausgelöst, insbesondere
  98. die Entwicklungen im Deutschen Reich - die Boykotte gegen jüdische Geschäfte und so weiter, und natürlich schlussendlich, seit Anfang der 1940er-Jahre, der sich immer weiter durchsetzende
  99. Völkermord an den europäischen Juden - führte zur Flucht von Juden, sofern es möglich war, die natürlich auch nach Palästina ihren Weg fanden. Doch seit 1934 hatten bereits die
  100. Briten damit begonnen, den Zustrom von Juden aus Europa zu begrenzen. Denn man sah natürlich auch die immer weiter anwachsenden Konflikte zwischen Juden und Arabern, und die konnte man kaum lösen,
  101. indem man ständig neue Juden ins Land holte und damit die Araber unnötig herausforderte. Insofern hatten die Briten seit 1934, auch einfach um Ruhe vor Ort zu haben, nun damit begonnen,
  102. dem Ganzen ein Riegel vorzuschieben. Das führte natürlich dazu, dass viele Juden, die aus Europa jetzt gerne weggegangen wären, nicht mehr weggehen konnten - mit schlimmen Konsequenzen.
  103. Auch vor den großen Auswanderungswellen seit 1882 hatte es natürlich immer auch Juden in Palästina gegeben. Doch die wenigen 10.000 Juden, die man zu dieser Zeit hatte,
  104. waren keine größere Bedrohung für die arabische Bevölkerung insgesamt gewesen. Denn diese Juden waren keine Zionisten, sondern lebten ein nicht-politisches Judentum aus, und hatten sich
  105. in den verschiedenen arabisch-jüdischen Städten niedergelassen, und lebten dort eben auch mit den Arabern zusammen. Doch mit dem Zionismus - einer politischen Form des Judentums- kamen dann
  106. durch die unterschiedlichen Migrationswellen auch politische Konflikte nach Palästina, die bis heute anhalten. Und nicht nur zwischen Juden und Arabern sollte es krachen - wie wir
  107. gleich sehen werden - sondern natürlich auch immer wieder zwischen Juden und Briten und Arabern und Briten, da die Briten natürlich auch ständig intervenierten, und, aus einem Versuch heraus,
  108. Ruhe zu gewährleisten, meistens nur unnötig Benzin ins Feuer gossen. Der immer weiter aufbrechende Konflikt zwischen der arabischen Bevölkerung in Palästina und der jüdischen Bevölkerung in
  109. Palästina hatte im späten 19. Jahrhundert und dem frühen 20. Jahrhundert vor allem mit Land zu tun: Man muss sich bewusst machen, Palästina war damals im Grunde ein Feudalstaat gewesen. Das bedeutet,
  110. man hatte dort verschiedene Gutsbesitzer, reiche Gutsbesitzer, die fernab ihrer Ländereien in Städten residierten. Und diese Gutsbesitzer ließen ihre Ländereien durch verschiedene arabische
  111. Bauern bewirtschaften. Und die Bauern wiederum wurden quasi an den Umsätzen, die sie auf diesem Land generierten, beteiligt, bekamen also ein Stück der Ernte und so weiter, um ihre eigenen
  112. Familien am Leben zu erhalten. Doch in dem Moment als die verschiedenen Gutsbesitzer in den Städten nun anfingen, ihr eigenes Land an die jüdischen Siedler zu verkaufen, wurden die arabischen Bauern
  113. schlagartig arbeitslos. Denn in dem Moment, in dem das Land an die Juden überging, mussten sie das Land räumen und endeten in der Arbeitslosigkeit. Doch anstatt ihren Hass nun an den verschiedenen
  114. arabischen Gutsherren auszulassen richtete sich der Hass natürlich gegen das schwächere Glied, nämlich gegen die jüdische Bevölkerung, die man nun dafür verantwortlich machte, dass die eigene
  115. Existenz in Gefahr geriet. Zu Beginn der jüdischen Siedlungspolitik versuchten die Juden, diesem Konflikt ein Stück weit entgegen zu wirken, indem man arabische Arbeiter und arabisches Wachpersonal
  116. im Grunde in den jüdischen Siedlungsgebieten anstellte. Doch es war abzusehen, dass sich das mittelfristig verändern würde. Denn nach der zionistischen Auffassung war es so,
  117. dass man von einem „hebräischen Arbeitertum“ ausging. Das bedeutet, auf Dauer war es klar, dass alle wichtigen Arbeitsposten in diesem neuen israelischen Gemeinwesen (oder jüdischen
  118. Gemeinwesen) natürlich mit Juden ausgefüllt werden würden, und dadurch die Araber natürlich mit ihrer Arbeitskraft schlussendlich verdrängt werden würden. Bereits in den 1920er-Jahren kam
  119. es zu ernsten und blutigen Konflikten zwischen Juden und Arabern in unterschiedlichen Städten: Es kam zu offenen Auseinandersetzungen mit teilweise hunderten von Toten wo auch die
  120. britische Armee teilweise ordentlich mitmischte, und vor allem viele Araber bei diesen Aufständen durch britische Soldaten erschossen wurden. Diese Konflikte, die in den frühen 1920er-
  121. Jahren begannen, waren derart einschneidend, dass bereits 1923 ein erster kritischer Artikel erschien auf jüdischer Seite, der ein Zusammenleben zwischen Juden und Arabern
  122. im Grunde komplett komplett infrage stellte. Das bedeutet, man war der Meinung, man könnte mit den Arabern nicht zusammenfinden. Insofern blieb eigentlich nur, das Gebiet für sich selbst
  123. zu erobern. Doch man hatte auch innerhalb des Judentums in Palästina durchaus andere Meinungen: Leute, die der Meinung waren, man müsste mit den Arabern zusammen leben, es wäre genug Land
  124. für alle da, man müsste eine gerechte Verteilung finden, und möglicherweise dann quasi auch eine Art Zwei-Staaten-Lösung voranbringen in dem Sinne, dass man das Land aufteilen wollte,
  125. aber ein gemeinsames Parlament letztlich haben wollte, wo dann Araber und Juden gemeinsam drin sitzen würden, und damit würde man dann quasi ein Friedensprojekt voranbringen. Das bedeutet,
  126. diese Idee einer gemeinsamen Verwaltung des Landes in Form eines gemeinsamen Parlaments, entsprach natürlich nur noch in Ansätzen einer Zweistaatenlösung, wie sie heute diskutiert
  127. wird. Durch die 1920er-Jahre hinweg und dann ganz besonders im Jahr 1929 kam es nochmals zu erheblichen Aufständen auch in Jerusalem selbst, wobei es zu massiven Pogromen gegen Juden kam,
  128. zu regelrechten Massakern von Arabern an Juden. Doch man muss hier ganz klar sagen, dass es sich hier vor allem um einen arabischen Mob handelte, und dieses Verhalten nicht repräsentativ für die
  129. arabische Bevölkerung in Palästina insgesamt stand. Denn zahlreiche Araber in Palästina versteckten ihre jüdischen Nachbarn und schützen sie damit vor den Übergriffen anderer Araber. Das
  130. bedeutet, das Zusammenleben zwischen Arabern und Juden funktionierte - lokal gesehen - auf einer menschlichen Ebene teilweise wesentlich besser als die politischen Konflikte es andeuteten.
  131. Dennoch zeigten natürlich die blutigen Konflikte, insbesondere in den 1920er-Jahren, sehr klar, dass die britische Armee und die britische Polizei zunehmend die Kontrolle verloren. Das hatte auch
  132. damit zu tun, dass die Briten in der gesamten Zeit ihrer Besatzung keinen wirklich eindeutigen Kurs fuhren: Mal ging man auf die Araber ein, mal ging man auf die jüdische Bevölkerung ein,
  133. immer in der Hoffnung, dass man irgendwie die Lage beruhigen könnte. Und daher versuchten die Briten im Grunde immer auf den größeren Störenfried zum jeweiligen Zeitpunkt zuzugehen, wodurch sie
  134. den anderen wiederum prellten. Und das wechselte sich im Grunde noch bis zum Ende des britischen Mandats in Palästina im Jahr 1947 ab. In Folge begann auf jüdischer Seite, sich der Eindruck
  135. breit zu machen, dass die Briten nicht in der Lage seien, die Juden auf Dauer vor den Arabern zu beschützen. Und damit bildeten sich sich nun seit den Dreißiger Jahren auf jüdischer Seite
  136. erstmals eigene vorstaatliche Sicherheitsorgane heraus, die in gewisser Weise - in Ansätzen zumindest - Vorstufen von israelischer Polizei und israelischer Armee waren. Man versuchte sich also
  137. selbst zu verteidigen gegen die Araber. Hinzu kam, dass auf israelischer genauso wie auf arabischer Seite auch verschiedene Terrororganisation entstanden, Untergrundorganisation,
  138. die nicht nur jeweils gegen die Gegenseite Krieg führten sondern auch gegen die Britische Armee. Denn auch die Briten wollte man natürlich auf Dauer aus dem Land entfernen. Die wechselhafte
  139. Haltung der Briten (wie gesagt) brachte keine größere Beruhigung in den Dreißiger Jahren, sodass seit 1936 und dann bis 1939 eine Serie unterschiedlicher Gewalttaten das Land heimsuchte,
  140. bis heute bekannt als „Großer Arabischer Aufstand“, in dem verschiedene arabische Untergrundorganisationen Anschläge durchführten, nicht nur auf Juden und jüdische Einrichtungen
  141. sondern auch auf Briten und deren Einrichtungen. Um die Gewalt zu beenden erarbeitete bereits 1936 ein britisches Komitee einen neuen Vorschlag zur Teilung des Landes, wobei man ursprünglich
  142. vorgesehen hatte, dass die Araber den weitaus größten Teil des Landes bekommen sollten, und die Juden sollten sich im Grunde in einem Siedlungsgebiet niederlassen, das nördlich des
  143. heutigen Staates Israel lag. Damit war man im Grunde sehr weit von britischer Seite auf die Araber zugegangen. Doch die Araber verweigerten diesen Vorschlag - ganz anders als die Juden,
  144. die sich damit hätten arrangieren können - und damit konnte die Gewalt schlussendlich bis 1939 nicht mehr eingedämmt werden. Während des Zweiten Weltkrieges (wie bereits erwähnt) wehrten sich
  145. sowohl Araber als auch Juden, beziehungsweise die jeweiligen Untergrundorganisationen, gegen die Briten vor Ort. Doch insbesondere in den Anfangsjahren hielten sich die jüdischen
  146. Untergrundorganisationen während des Zweiten Weltkrieges stark zurück. Das größere Problem war, dass die Briten den Krieg verlieren könnten gegen die Deutschen und dann möglicherweise plötzlich
  147. die Wehrmacht in Palästina einmarschieren würde mit noch schlimmeren Konsequenzen für die ansässige Bevölkerung als unter der britischen Besatzung. Und daher ließ man die
  148. Briten zunächst einmal gewähren. Doch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges brachen die alten Konflikte wieder auf. Und da die Briten offenbar nicht mehr in der Lage waren,
  149. die Situation zu beruhigen, beendete die UNO, als Nachfolgeorganisation des Völkerbundes, im Jahr 1947 das Mandat der Briten in Palästina. Und tatsächlich ergab 1947 eine UN-Resolution
  150. die Gründung des Staates Israel. Doch während die jüdische Bevölkerung in Palästina jubelte notierte ein einflussreicher jüdischer Politiker namens David Ben-Gurion in sein Tagebuch,
  151. dass er fürchte, dass der neue Staat sehr schnell in einem Krieg gegen arabische Staaten versinken würde. Denn Gurion hatte sehr richtig erkannt, dass die umliegenden arabischen Staaten und die
  152. arabischen Siedler in Palästina sich natürlich mit dieser Staatsgründung Israels auf keinen Fall abfinden würden. So kam es dann 1948, nach der Begründung des Staates Israel, schnell zu einem
  153. ersten großen Krieg, auf den der nun junge Staat Israel allerdings wesentlich besser vorbereitet war als man vielleicht heute meinen mag. Doch darüber sprechen wir dann in einer eigenen Folge.
  154. Soviel erstmal bis hierhin in dieser längeren Folge zur Vorgeschichte zur Gründung des Staates Israel. Ich fasse zusammen: Das Judentum war über Jahrhunderte, seit dem Mittelalter,
  155. in Europa immer wieder benachteiligt worden. Im ausgehenden 19. Jahrhundert schließlich kam die Idee auf, im Zuge des Zionismus einen eigenen jüdischen Staat in Palästina zu begründen. In
  156. unterschiedlichen Migrationswellen, insgesamt fünf Stück, kamen nun zwischen 1882 und 1945 immer neue Juden nach Palästina, sodass schlussendlich in Palästina im Jahr 1947 ein eigener Staat begründet
  157. werden konnte. Doch in Palästina hatte man das Problem, dass natürlich die Juden, die jetzt dort als neue Siedler ankamen, auf eine bereits etablierte arabische Bevölkerung stießen. Die
  158. Araber lebten dort in einer Feudalgesellschaft, und die größeren arabischen Feudalherren verkauften nun teilweise reihenweise das Land zu guten Preisen an die neuen jüdischen Siedler,
  159. wodurch allerdings die arabischen einfachen Bauern vor Ort natürlich benachteiligt wurden, denn die verloren nun quasi ihren Job und das Land, das sie bewirtschaften. Das führte zu
  160. erheblichen Konflikten über Jahrzehnte und starke blutige Auseinandersetzungen. Bis heute konnte keine tragfähige Lösung gefunden werden zu einer möglichen Teilung des Landes zwischen arabischen
  161. Palästinensern und der jüdischen Bevölkerung des heutigen Staates Israel. Man hatte über die Jahrzehnte unterschiedliche Lösungen diskutiert: Es waren immer wieder Vorschläge auf dem Tisch,
  162. den Staat zu teilen. Sogar von einem gemeinsamen Parlament hatte man mal gesprochen. Doch schlussendlich hatte sich durch den Widerstand vor allem der arabischen Bevölkerung ein solcher Weg
  163. nie ergeben. Seit dem Ersten Weltkrieg hatten sich neben Arabern und Juden auch die Briten in der Region niedergelassen, die nun durch ein Mandat des Völkerbundes, nun Palästina - und nicht nur
  164. Palästina - verwalteten. Daher kam es nun in den Jahren auch immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen der britischen Verwaltung und Juden und Arabern gleichermaßen. Im Laufe der Jahre machte
  165. sich der Eindruck breit, dass die britische Armee immer stärker den Einfluss im Land verlor, und es nicht schaffte, für Ruhe zu sorgen. Denn Juden und Araber gerieten immer wieder aneinander, und
  166. die Briten machten immer wieder unterschiedliche, und teils widersprüchliche, Zugeständnisse in der Hoffnung, die Lage beruhigen zu können. Doch 1947 schließlich zeigte sich endgültig, dass die Briten
  167. die Lage nicht mehr unter Kontrolle hatten, und man beendete das UN-Mandat beziehungsweise frühere Völkerbund-Mandat der Briten vor Ort. Damit wurde dann durch eine UN-Resolution die Begründung des
  168. Staates Israel initiiert, was allerdings zum Widerstand umliegender arabischer Staaten führen sollte, womit man in Israel bereits gerechnet hatte. Das führte 1948 in einen größeren Krieg,
  169. auf den Israel - wie wir noch sehen werden - besser vorbereitet war als man gedacht hatte. Falls euch diese Folge gefallen hat dann hinterlasst doch bitte einen Daumen hoch,
  170. abonniert den Kanal, teilt und empfehlt das Video weiter. Hinterlasst auch gerne einen Kommentar mit Feedback, Themenvorschlägen, anderen Anregungen und ähnlichem. Und ansonsten
  171. sehen wir uns dann das nächste Mal, bei welcher Folge und welchem Thema auch immer. Macht's gut!

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