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Psalm
Ein Psalm (Plural Psalmen) (von altgriechisch ψαλμός psalmós „Saitenspiel, Lied“) ist im Judentum und Christentum ein poetischer religiöser Text, …
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Was ein Psalm ist
Ein Psalm ist im Judentum und Christentum ein poetischer religiöser Text, der häufig liturgisch, also im Gottesdienst, verwendet wird. Meist bezeichnet man damit die 150 Gedichte, Lieder und Gebete im Buch der Psalmen der hebräischen Bibel beziehungsweise des Alten Testaments, das auch Psalter genannt wird.
Daneben gibt es weitere biblische und außerbiblische Texte, die als Psalmen bezeichnet werden. Psalmen verbinden religiöse Aussagen mit poetischer Sprache und können unter anderem Klage, Bitte, Lob oder Dank ausdrücken.
Aufbau und wichtige Gattungen
Die Psalmen verwenden die typische Technik der hebräischen Versdichtung, den parallelismus membrorum („parallel gestaltete Glieder“). Dabei gehören meist zwei, selten drei aufeinanderfolgende Zeilen zusammen. Die zweite Zeile stellt die Aussage der ersten aus einer anderen Perspektive dar. Man unterscheidet:
- Synonymer Parallelismus: Die zweite Zeile wiederholt die Aussage der ersten.
- Antithetischer Parallelismus: Die zweite Zeile bildet einen Gegensatz.
- Synthetischer Parallelismus: Die zweite Zeile führt die Aussage weiter.
Nach Inhalt und Form werden verschiedene Gattungen unterschieden. Diese Einteilung geht auf die gattungsgeschichtlichen Untersuchungen Hermann Gunkels und Joachim Begrichs zurück. Die Übergänge zwischen den Gattungen sind häufig; jeder Psalm besitzt eine „spezifische Gestalt und eine individuelle Biografie“ und ist dadurch als Gebet einzigartig.
Wichtige Gattungen sind Klagepsalm, Bittpsalm, Lobpsalm, Dankpsalm, Zionspsalm als Hymnus auf den Tempel beziehungsweise Jerusalem, Königspsalm für rituelle Feiern des Jerusalemer Königtums, Weisheitspsalm und Wallfahrtslied. Psalmen wie Psalm 58, Psalm 83 und Psalm 109 werden traditionell auch Fluchpsalmen oder neuerdings Vergeltungspsalmen genannt.
Klage-, Dank- und Bittpsalmen können außerdem danach unterschieden werden, ob ein Einzelner oder das Volk betet. Nicht selten führt die Klage zu einem Wendepunkt: Nach göttlichem Rettungshandeln wandelt sich das Gebet in Lob und Dank. Etwa die Hälfte der Psalmen im Psalter verweist in der Überschrift auf König David; sie werden deshalb Davidpsalmen genannt. Andere Überschriften nennen beispielsweise Asaf oder Korach.
Entstehung und frühe Überlieferung
Die Psalmen haben Vorbilder in der altorientalischen Literatur. In ihrer Dramatik und ihrer persönlich-geschichtlichen Aussage gelten sie jedoch als ohne Parallele. Herkunft, Entstehungszeit und der jeweilige „Sitz im Leben“, also der konkrete Anlass und Gebrauch, unterscheiden sich je nach Psalm deutlich.
Die ältesten biblischen Psalmen stammen vermutlich aus der Zeit vor dem babylonischen Exil und aus der israelitischen Königszeit.
Unterschiedliche Psalmzählungen
Die hebräische, masoretische Fassung und die griechische Fassung der Septuaginta (LXX) zählen mehrere Psalmen unterschiedlich. Bis Psalm 8 stimmt die Zählung überein. Die wichtigsten Abweichungen sind:
- Die masoretischen Psalmen 9 und 10 bilden in der LXX Psalm 9.
- Masoretischer Psalm 11 bis 113 entspricht LXX Psalm 10 bis 112; die hebräische Zählung liegt hier um eins voraus.
- Masoretische Psalmen 114 und 115 bilden in der LXX Psalm 113.
- Masoretischer Psalm 116 ist in der LXX in die Psalmen 114 und 115 geteilt; der Einschnitt liegt nach neun Versen.
- Masoretische Psalmen 117 bis 146 entsprechen LXX Psalm 116 bis 145.
- Masoretischer Psalm 147 ist in der LXX in die Psalmen 146 und 147 geteilt; der Einschnitt liegt nach elf Versen.
- Die Psalmen 148 bis 150 werden gleich gezählt.
- Die LXX enthält außerdem Psalm 151, der als apokryph gilt und nicht im hebräischen Psalmenbuch steht.
Die hebräische Zählung wird in der jüdischen und protestantischen Tradition, in modernen katholischen Bibelausgaben sowie in Wikipedia verwendet. Die griechische Zählung findet sich in der Vulgata und in den darauf aufbauenden liturgischen Büchern. Moderne Ausgaben geben häufig beide Zahlen an, etwa Ps. 46 (45).
Psalmen in Bibel und zweitem Tempel
Die meisten Psalmen stehen im Buch der Psalmen, einzelne finden sich jedoch auch an anderen Stellen der Bibel. Beispiele sind das Siegeslied am Schilfmeer (Ex 15,1–18), das Lied des Mose (Dtn 32,1–43), das Deboralied, das Lied der Hanna (1 Sam 2,1–11), Texte aus dem Hohenlied, dem Buch Ijob und den Prophetenbüchern sowie der Psalm des Jona aus dem Bauch des Walfisches (Jona 2,3–10). Auch die Klagelieder Jeremias und Davids Gebete im 2. Buch Samuel können zu den Psalmen gerechnet werden. 2Sam 22 entspricht dabei Psalm 18.
In den Schriftrollen vom Toten Meer aus Qumran wurden 120 Psalmen in den Höhlen 1, 4 und 11 gefunden. Ein Teil davon stimmt mit Psalmen überein, die in der hebräischen Bibel kanonisiert, also als verbindlich aufgenommen, wurden.
Die Psalmen Salomos sind eine nicht zu einem biblischen Kanon gehörende Sammlung von 18 Dichtungen, die vermutlich aus dem 1. vorchristlichen Jahrhundert stammen und König Salomo zugeschrieben wurden. Die Septuaginta enthält zusätzlich einen 151. Psalm.
Beispiel und christliche Verwendung
Beim Lied der Hanna (1Sam 2,1–10) ist umstritten, ob es als Danklied eines Einzelnen oder als Hymnus einzuordnen ist. Die Bezeichnung „Magnifikat der Hanna“ liegt nahe, weil das Magnifikat Marias (Lk 1,46–55) den Text offenbar aufnimmt. Dafür sprechen übereinstimmende Schlüsselbegriffe.
Häufige Wortfelder des Liedes sind „hoch sein/erhöhen“ und „fallen/erniedrigen“. Die Struktur scheint konzentrisch um die Verse 6–7 angeordnet zu sein. Dort wird JHWH als Herr über Tod und Leben dargestellt; darin liegt die theologische Kernaussage. Weitere Themen sind die Erhöhung der Beterin beziehungsweise der Bedrückten, der Niedergang der Hochmütigen, die Unvergleichlichkeit Adonais, Adonai als wissender Richter und Gott als Schöpfer.
Auch im Neuen Testament werden manche Texte als Psalmen oder Cantica bezeichnet, weil sie die Psalmtradition aufnehmen oder auf jüdische Vorlagen zurückgehen. Dazu zählen das Magnifikat, das Benedictus, das Nunc dimittis und der Philipperhymnus. Zwei der sieben letzten Worte Jesu am Kreuz stammen nach den Passionsberichten aus den Psalmen, nämlich aus Psalm 22 und Psalm 31.
Das Christentum übernahm besonders das vollständige Buch der Psalmen als Grundlage seiner Gebetssprache. Viele Psalmen wurden auf Jesus Christus bezogen oder so verstanden, dass Christus selbst in ihnen spricht. Psalm 23 („Der Herr ist mein Hirte“) thematisiert Schutz und Sicherheit im „Haus des Herrn“.
Die meisten liturgischen Gesangsformen der christlichen Kirchen gehen auf die Psalmen zurück. Das Singen von Psalmen nach verschiedenen melodischen Modellen heißt Psalmodie. Gesungene oder gesprochene Psalmen bilden vor allem den Hauptinhalt des Stundengebets, das regelmäßig mit der trinitarischen Doxologie Gloria Patri endet. Die Reformation entwickelte außerdem das volkssprachliche Kirchenlied, wobei Psalmen häufig in Reim- und Strophenform übertragen wurden. In der reformierten Tradition galt das Psalmlied im Anschluss an Calvin lange als einzig legitimer gottesdienstlicher Gesang. Psalmenmotive und Psalmensprache prägen bis heute nahezu alle geistlichen Dichtungen.