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Propaganda

Propaganda (von lateinisch propagare, „weiter ausbreiten“, „ausbreiten“, „verbreiten“) bezeichnet in ihrer modernen Bedeutung zielgerichtete Versuche, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Ziel und Wirkungsweise
  2. 2. Forschung und heutige Verwendung
  3. 3. Kriegspropaganda und historische Beispiele
  4. 4. Propaganda in DDR und Bundesrepublik
  5. 5. Autokratische Strategien, Sprache und Umgang

Begriff, Ziel und Wirkungsweise

Propaganda sind zielgerichtete Versuche, politische, religiöse oder weltanschauliche Meinungen und öffentliche Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten in eine vom Propagandisten oder Herrscher gewünschte Richtung zu lenken. Kennzeichnend sind die einseitige Darstellung eines Themas und die Vermischung von Information und Meinung. Sie steht damit pluralistischen und kritischen Sichtweisen entgegen, die unterschiedliche Erfahrungen, Beobachtungen, Bewertungen und rationalen Diskurs einbeziehen.

Garth S. Jowett und Victoria O’Donnell definieren Propaganda als absichtsvollen, systematischen Versuch, Wahrnehmungen zu prägen, das Verständnis von Sachverhalten zu manipulieren und Verhalten so zu steuern, dass es dem Ziel des Propagandisten dient. Harold D. Lasswell betont die Technik: Handlungen werden durch die Manipulation von Darstellungen beeinflusst; diese können gesprochen, geschrieben, bildlich oder musikalisch sein.

Manipulation kann bewusst oder unbewusst, gesteuert oder ungesteuert sowie politisch oder gesellschaftlich bedingt sein. Jacques Ellul bezeichnet als „soziologische Propaganda“ eine Form, bei der Menschen sich selbst an gesellschaftliche Erwartungen anpassen und dabei mitwirken. Die Grenze zwischen Nicht-Propaganda und Propaganda ist fließend. Propaganda berücksichtigt Situationen und Bedürfnisse der Rezipienten und bezieht deren eigene Tätigkeit in den Überzeugungsprozess ein. In der Kommunikations- und Medienwirkungsforschung gilt sie als Kommunikationstyp, der die Darstellung der Wirklichkeit verzerrt und Zeichen gezielt instrumentalisiert.

Propagandabotschaften können durch Nachrichten, Regierungsmitteilungen, historische Darstellungen, pseudowissenschaftliche Analysen, Bücher, Flugblätter, Filme, soziale Medien, Radio, Fernsehen und Plakate vermittelt werden. Kampagnen folgen oft einem strategischen Plan: Von der ersten Informationsaufnahme sollen Menschen zur weiteren Informationssuche und schließlich durch Indoktrination zur aktiven Meinungsführung geführt werden. Indoktrination bedeutet dabei die planmäßige Einprägung bestimmter Überzeugungen.

Forschung und heutige Verwendung

Seit den 1920er Jahren wurde Propaganda wissenschaftlich untersucht und zunächst weitgehend wertneutral als notwendiger Bestandteil gesellschaftlichen Lebens verstanden. Edward L. Bernays definierte sie als „in sich stimmige, anhaltende Bemühung zur Schaffung oder Formung von Ereignissen, um die Beziehungen der Öffentlichkeit zu einem Unternehmen, einer Idee oder Gruppe zu beeinflussen.“ Er unterschied moderne, mit Marktforschung, Demoskopie und Psychologie geplante und medial vermittelte Propaganda von älteren Formen. Statt direkter Appelle setzte er auf indirekt erzeugte Bedürfnisse, die Empfänger als eigene Wünsche und freien Willen erleben.

Bernays bezog sich unter anderem auf Walter Lippmann. Dieser sah die Herstellung einer einheitlichen Meinung („manufacturing consent“) als wichtige Aufgabe von Massenmedien gemeinsam mit Entscheidungsträgern; wesentliche politische Entscheidungen sollten einer „spezialisierten Klasse“ vorbehalten sein. Nach Lasswell wurde außerdem die Semiotik, also die Lehre von Zeichen und ihrer Bedeutung, für die Analyse der Propaganda wichtig.

Heute ist „Propaganda“ meist ein abwertender Begriff. Besonders Nationalsozialismus und Stalinismus prägten diese negative Bedeutung. Bernays ersetzte das Wort deshalb durch „Öffentlichkeitsarbeit“ beziehungsweise Public Relations, ohne die beschriebene manipulative Funktionsweise aufzugeben. In Wirtschaft und Religion werden eher die Begriffe Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Missionierung verwendet; bei Militäraktionen spricht man von psychologischer Kriegsführung. Das Propagandamodell von Noam Chomsky und Edward S. Herman aus dem Jahr 1988 beschreibt mehrstufige Filter in westlichen Massenmedien, die objektive Berichterstattung verhindern könnten. Seine Bewertung ist umstritten: Es wird sowohl als empirisch bestätigtes Modell als auch als Verschwörungstheorie bezeichnet.

Kriegspropaganda und historische Beispiele

Kriegs- und Hasspropaganda ist nach Art. 20 des von 173 Staaten ratifizierten Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (UN-Zivilpakt) seit 1976 verboten. In politischen und militärischen Konflikten wird Propaganda der psychologischen Kriegführung und dem Informationskrieg zugeordnet; in hybrider Kriegsführung und Cyberkrieg gewinnt sie besondere Bedeutung.

Im Ersten Weltkrieg betrieben alle kriegführenden Mächte gezielte, organisierte Kriegspropaganda: im Deutschen Kaiserreich besonders die Oberste Heeresleitung, in Großbritannien das War Propaganda Bureau und in Frankreich das Maison de la Presse. Maueranschläge, also öffentliche Plakate, waren für die psychologische Kriegführung auf beiden Seiten wichtig.

Im Zweiten Weltkrieg richtete sich Propaganda in den kriegführenden Ländern gegen die Gegner. Der Film ermöglichte besonders viele Propagandafilme. Im Nationalsozialismus gaben Adolf Hitler und Joseph Goebbels der Propaganda ab 1933 eine totalitäre und dominante Rolle. Genutzt wurden Presse, Rundfunk, Kunstmedien und symbolisch inszenierte Massenveranstaltungen. Die Anti-Hitler-Koalition setzte unter anderem Feindsender, Rundfunkpropaganda und Plakate ein, die die Deutsche Wehrmacht und Adolf Hitler häufig lächerlich machten.

Propaganda kann auch durch Münzen und Medaillen erfolgen. Der um 1549 in Magdeburg ausgegebene Interimstaler diente im Konfessionsstreit als Propagandamittel gegen das Augsburger Interim. Der Schmalkaldische Bundestaler von 1546 stellte Johann Friedrich den Großmütigen und Philipp von Hessen gemeinsam dar und propagierte den Sieg des Schmalkaldischen Bundes über den Herzog von Braunschweig.

Propaganda in DDR und Bundesrepublik

Lenin unterschied Propaganda als allgemeine Überzeugungsarbeit von Kommunisten von Agitation als „Appell an die Massen zu bestimmten konkreten Aktionen“. Diese Verbindung wird als Agitprop bezeichnet. In der Anfangszeit der Sowjetunion war sie unter anderem vom Futurismus beeinflusst.

In der DDR war Agitprop ein wichtiges Mittel der Herrschaftssicherung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Sie sollte unter anderem die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland diskreditieren und richtete sich gegen Kapitalismus und „westlichen Imperialismus“. Da der Staat alle Medien zensierte und steuerte, war seine Propaganda allgegenwärtig. Sie begann bereits in staatlichen Kindergärten und wurde im Schulfach Staatsbürgerkunde fortgesetzt. Organisationen wie Junge Pioniere, FDJ und FDGB gehörten zum Propagandaapparat. Als Beispiele nennt der Artikel die Fernsehsendung Der schwarze Kanal und die Ausbildung von Kadern an der Fakultät für Journalistik in Leipzig, dem „Roten Kloster“.

Auch in der Bundesrepublik wurde während des Kalten Kriegs Propaganda eingesetzt, in öffentlich-rechtlichen und privaten Medien sowie im Alltag, oft gegen die DDR. Eine Rolle spielten das Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen, Organisationen wie der Volksbund für Frieden und Freiheit sowie Parteien mit antikommunistischen Wahlkampagnen. Daneben gab es verdeckte staatliche „operative Information“ des Bundesministeriums für Verteidigung. Franz Josef Strauß richtete 1958 ein Referat für Psychologische Kampfführung ein.

Autokratische Strategien, Sprache und Umgang

Autokratische Propaganda greift im 21. Jahrhundert häufig freiheitliches Denken an, stellt Demokratien als chaotisch und Diktaturen als stabil dar und verschärft vorhandene Konflikte. Sie kann Vorurteile, Hass und Überlegenheitswünsche ansprechen, extreme Stimmen fördern und so Wut gegen Staat und Politik erzeugen. Anders als kommunistische Propaganda des 20. Jahrhunderts verspricht sie oft keine idealisierte Zukunft. Sie soll Hoffnung nehmen, Menschen passiv und zynisch machen und sie dazu bringen, sich ins Private zurückzuziehen. Lügen und Desinformation werden teils in großer Menge verbreitet, um Nihilismus hervorzurufen; offensichtlich unglaubwürdige Lügen können auch Furcht erzeugen statt überzeugen. Verschwörungstheorien dienen dazu, Gewalt oder Rechtsbrüche zu legitimieren und Gegner zu diffamieren. Gegenwärtige russische Propaganda soll sowohl die russische Bevölkerung beeinflussen als auch russische Narrative international verbreiten und westliche Demokratien destabilisieren.

Nach Charles U. Larson gibt es hypnotische, semantische und kognitive sprachliche Propaganda. Hypnotische Propaganda nutzt Leerstellen, etwa „Wir müssen unsere Werte verteidigen“, damit Empfänger den erwünschten Gedanken selbst ergänzen. Semantische Propaganda arbeitet mit Auslassungen, Verallgemeinerungen und Sinnverdrehungen. Kognitive Propaganda nutzt kognitive Verzerrungen, also systematische Denkverzerrungen. Auch Ort, Atmosphäre und Art einer Veranstaltung können nach Serge Moscovici die Überzeugungswirkung des Gesagten verstärken.

Anne Applebaum betont, dass Faktenchecks und schnelle Korrekturen allein nicht genügen: Lügen können sich bereits verbreitet haben, bevor ihre Widerlegung ankommt. Soziale Medien begünstigen durch ihre Algorithmen emotionale und polarisierende Inhalte und können staatliche Erzählungen hervorheben. Wichtig seien daher das Erkennen und Offenlegen von Desinformationskampagnen sowie eine Reform von Social-Media-Plattformen. Der Artikel nennt außerdem Strategien zur Manipulation der öffentlichen Meinung beim Klimawandel, insbesondere Desinformation und Ablenkung durch fossile Brennstoffindustrie und ihre Verbündeten.

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