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Jakobiner
Die Jakobiner (franz: les Jacobins) waren im formellen Sinn die Mitglieder eines politischen Klubs während der Französischen Revolution.
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Kernbedeutung
Die Jakobiner waren im formellen Sinn Mitglieder eines politischen Klubs während der Französischen Revolution. Der Name bezog sich auf den Versammlungsort im ehemaligen Jakobinerkloster Saint-Honoré in Paris. Historisch wichtiger ist die politische Bedeutung: Ab 1793 meinte „Jakobiner“ in Frankreich vor allem die Anhänger Maximilien de Robespierres und Louis Antoine de Saint-Justs, also die Robespierristen.
Die Jakobiner wollten die Gesellschaft radikal umgestalten. Sie setzten sich für die Abschaffung der Monarchie ein und fanden viele Anhänger in der städtischen Unter- und Mittelschicht. In einem weiteren Sinn bezeichnete man auch andere Revolutionsanhänger innerhalb und außerhalb Frankreichs als Jakobiner, wenn sie nach der Hinrichtung König Ludwigs XVI. weiter die Revolution unterstützten und eine Republik anstrebten, auch wenn sie keine Robespierristen waren.
Politische Ziele
Die Jakobiner orientierten sich stark an Jean-Jacques Rousseau. Ihr Ideal war eine einfache, tugendhafte und sittenstrenge Gesellschaft, die vom Gemeinwillen geleitet wird. Sie wollten Monarchie, Feudalismus und Privilegienherrschaft abschaffen. An ihre Stelle sollten Volkssouveränität, also die Herrschaft des Volkes, und Rechtsgleichheit in einer zentralistischen Einheitsrepublik treten.
Sie befürworteten ausgebaute Volksrechte und direktdemokratische Einrichtungen. Politisch teilnehmen sollten breite Volksschichten, auch Ungebildete, Besitzlose, junge Erwachsene, Juden und Schwarze. Politische Aktivität von Frauen lehnten sie jedoch entschieden ab.
Sozial wollten sie Ausgleich und staatliche Eingriffe, sogenannte etatistische Maßnahmen. Gleichzeitig sahen sie Privatbesitz als Grundrecht an und hielten Einkommens- und Vermögensgleichheit für eine Illusion. Ihre Vorstellungen hielten sie in der Französischen Verfassung von 1793 fest. Diese wurde aber nie in Kraft gesetzt, weil die Jakobiner zuerst die Revolution sichern, Bedrohungen beseitigen und die Bevölkerung zur Tugend erziehen wollten. Dafür hielten sie grundsätzlich jedes Mittel für legitim, auch Gewalt und Schreckensherrschaft.
Entstehung und Aufstieg
Nach der Eröffnung der Generalstände durch König Ludwig XVI. am 5. Mai 1789 entstanden in Frankreich politische Klubs. Nach der Konstituierung der Nationalversammlung am 17. Juni 1789 und dem Ballhausschwur drei Tage später bildeten sich daraus politische Lager. Parteien im heutigen Sinn waren diese Klubs nicht, sondern Debattiervereine, in denen gesellschaftspolitische Fragen und Gesetzesprojekte vorbesprochen wurden.
Der Jakobinerklub entstand ursprünglich am 30. April 1789 als Bretonischer Klub. Er stellte im August 1789 seine Arbeit ein, weil keine Einigung über das Vetorecht des Königs zustande kam. Im Dezember 1789 gründete Claude-Christophe Gourdan ihn unter dem Namen Gesellschaft der Freunde der Verfassung neu. Der Versammlungsort war die ehemalige Bücherei des Jakobinerklosters in Paris.
Der Klub war straffer organisiert als andere politische Vereine und baute ein Netz von Filialgesellschaften in den Provinzen auf. Dadurch konnten die Jakobiner auf die öffentliche Meinung einwirken. Sie nutzten Flugblätter, Zeitungsartikel und Reden und gewannen besonders Arbeiter, Kleinbürger und Pariser Sansculottes, also städtische Volksmassen. Auch andere Gruppen unterstützten sie, etwa Käufer der enteigneten Kirchen- und Emigrantengüter, der sogenannten Nationalgüter.
Herrschaft und Konflikte
Am 18. Juli 1791 spalteten sich nach dem Massaker auf dem Marsfeld und der Flucht des Königs nach Varennes viele gemäßigtere Mitglieder ab. Diese Feuillants befürworteten weiter eine konstitutionelle Monarchie. Ihr Einfluss sank schnell, während die Jakobiner an Bedeutung gewannen.
Ab Herbst 1792 wandten sich die Jakobiner gegen die Girondisten. Diese befürworteten zwar ebenfalls Zentralisierung, wollten aber keine zu starke Dominanz von Paris. Die Robespierristen warfen ihnen Föderalismus vor. Außerdem lehnten die Jakobiner die aggressive Außenpolitik der Girondisten ab; Robespierre sagte dazu: „Niemand liebt bewaffnete Missionare“. Die Girondisten standen auch einer starken Einschränkung des wirtschaftlichen Wettbewerbs skeptischer gegenüber.
1792 setzten die Jakobiner gegen die gemäßigteren Girondisten einen Prozess gegen den König durch. Unter Robespierre errichteten sie ab Sommer 1793 die Terrorherrschaft, französisch La Terreur. Sie war geprägt durch Massenhinrichtungen politischer Gegner, blutige Unterdrückung konterrevolutionärer Bewegungen in den Provinzen und Zwangswirtschaft mit Höchstpreisen. Viele Girondisten wurden hingerichtet.
Die Jakobiner gingen auch gegen linke Gegner vor. Im Herbst 1793 zerschlugen sie die Enragés um Jacques Roux, die eine schärfere Terreur und radikalere Maßnahmen gegen Reiche forderten. Im März 1794 ließen sie führende Hébertisten um Jacques-René Hébert und Pierre-Gaspard Chaumette verhaften und guillotinieren. Diese wollten härter gegen Revolutionsgegner vorgehen, stärkere staatliche Eingriffe zugunsten der Unterschicht und die Entchristianisierung. Gleichzeitig bekämpften die Jakobiner die gemäßigteren Indulgenten um Georges Danton und Camille Desmoulins, die ein Ende der Terreur verlangten. Sie wurden am 5. April 1794 zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Sturz und Nachwirkung
Die Hinrichtung von Gegnern rechts und links und auch beliebter Persönlichkeiten schwächte den Rückhalt der Jakobiner bei den Sansculotten. In der Phase des „Großen Schreckens“ vom 10. Juni bis 27. Juli 1794 erhielten Angeklagte vor dem Revolutionstribunal keinen Rechtsbeistand mehr, bei Schuldspruch war nur noch die Guillotine möglich, und die Zahl der Hinrichtungen stieg stark. Gegner der Jakobiner, später Thermidorianer genannt, stürzten Ende Juli 1794 Robespierre, Saint-Just, Couthon und ihre engsten Gefolgsleute. Damit endete die Jakobinerherrschaft.
Am 27. Juli 1794 nahm Louis Legendre symbolisch den Schlüssel zur Tagungsstätte des Klubs an sich. Nach einer Säuberung von Robespierristen tagte der Klub kurzzeitig wieder, wurde aber am 12. November 1794 endgültig geschlossen.
Nach 1794 verlor der Begriff „Jakobiner“ an ideologischer Schärfe. Manche beriefen sich weiter auf Robespierre, entfernten sich aber politisch von seinen Vorstellungen. Gegner nutzten den Begriff polemisch, um politische Feinde als „Königsmörder“ zu brandmarken. 1796 versuchten ehemalige Jakobiner und Sozialrevolutionäre um François Noël Babeuf in der „Verschwörung der Gleichen“, das Direktorium zu stürzen und eine frühkommunistische Gesellschaft aufzubauen; der Versuch scheiterte. Nach dem Staatsstreich des 18. Fructidor V vom 4. September 1797 gewannen Neojakobiner noch einmal Einfluss. Spätestens nach dem Staatsstreich des 18. Brumaire VIII und der Machtübernahme Napoleon Bonapartes endete ihr politischer Einfluss. Am 5. Januar 1801 wurden 133 führende Mitglieder der Réunion des Amis de la Liberté et de l’Égalité verhaftet.
Außerhalb Frankreichs und heutige Bedeutung
Auch außerhalb Frankreichs entstanden nach 1789 revolutionäre Klubs mit ähnlichen Zielen. Im frankophonen Gebiet, etwa in der heutigen Schweiz, vertraten einzelne Revolutionsanhänger Positionen, die denen Robespierres ähnelten. Auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands und Italiens gab es ebenfalls revolutionäre Aktivitäten, zum Beispiel in der Vorgeschichte des italienischen Risorgimento und in der Mainzer Republik. In Mainz wurde im Oktober 1792 die Gesellschaft der Freunde der Freiheit als Klub deutscher Jakobiner gegründet; ihr gehörte unter anderem Georg Forster an. Dieses erste auf demokratischen Grundsätzen beruhende Staatswesen auf deutschem Boden bestand nur bis Sommer 1793. Danach kam es zur Clubistenverfolgung.
Viele Personen, die später als „Jakobiner“ bezeichnet wurden, waren im engeren Sinn keine Robespierristen. Im 19. und 20. Jahrhundert griffen jedoch Theoretiker, Politiker und Revolutionäre, darunter Wladimir Iljitsch Lenin, einzelne jakobinische Gedanken und Handlungskonzepte auf.
Das klassische Symbol der Bewegung war die Phrygische Mütze, später auch Jakobinermütze genannt. Heute bezeichnet „Jakobinismus“ in Frankreich oft eine nationalistische und etatistische Haltung, also die Betonung eines starken Staates, teils verbunden mit dem Anspruch, Bürger durch Gesetze und Verbote zu moralischem Verhalten zu erziehen. Allgemeiner nennt man „Jakobiner“ häufig Befürworter eines starken Zentralismus oder Personen mit links-antiföderalistischer Haltung.
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