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Berliner Mauer

Die Berliner Mauer wurde am Abend des 9. November 1989 im Zuge der politischen Wende geöffnet. Dies geschah unter dem wachsenden Druck der mehr Freiheit …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Grundfunktion
  2. 2. Vorgeschichte und Bau 1961
  3. 3. Grenzsystem und Alltag
  4. 4. Opfer und juristische Aufarbeitung
  5. 5. Mauerfall und Abbau
  6. 6. Erhaltene Spuren und Erinnerung

Bedeutung und Grundfunktion

Die Berliner Mauer war ein Grenzbefestigungssystem der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Sie bestand vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989 und riegelte West-Berlin vollständig von Ost-Berlin und dem umliegenden DDR-Bezirk Potsdam ab. Die 155 Kilometer langen Anlagen verliefen meist einige Meter hinter der eigentlichen Grenze. Sie sind von der 1378 Kilometer langen innerdeutschen Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland zu unterscheiden.

Die Mauer sollte vor allem verhindern, dass Menschen aus der DDR über West-Berlin in den Westen flohen. In der offiziellen DDR-Sprache hieß sie dagegen „antifaschistischer Schutzwall“ und wurde als Schutz gegen westliche Angriffe, Spionage und Sabotage dargestellt. Im Westen war unter anderem die von Willy Brandt geprägte Bezeichnung „Schandmauer“ verbreitet.

Als Folge der alliierten Nachkriegsordnung und der Teilung Berlins war die Mauer zugleich ein wichtiges Symbol des Kalten Krieges zwischen den westlichen Mächten unter Führung der USA und dem von der Sowjetunion geführten Ostblock. Für unerlaubte Grenzübertritte galt ein meist als „Schießbefehl“ bezeichnetes Vorgehen, das 1982 im Grenzgesetz formell geregelt wurde. Die genaue Opferzahl ist umstritten: Nach dem im Artikel genannten Forschungsstand wurden zwischen 136 und 245 Menschen beim Versuch getötet, die Berliner Grenzanlagen zu überwinden.

Vorgeschichte und Bau 1961

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland 1945 in vier Besatzungszonen und Groß-Berlin in vier Sektoren der USA, der Sowjetunion, Großbritanniens und Frankreichs geteilt. Mit dem Kalten Krieg vertieften sich die politischen und wirtschaftlichen Gegensätze. Die Berlin-Blockade vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949, die Währungsreformen und die Gründung der Bundesrepublik am 23. Mai 1949 sowie der DDR am 7. Oktober 1949 festigten die Teilung.

Die DDR sicherte ab 1952 die innerdeutsche Grenze durch Zäune, Kontrollen und Sperrzonen. Die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin blieb jedoch ein schwer zu kontrollierendes Schlupfloch. Von 1945 bis zum Mauerbau flohen insgesamt etwa 3,5 Millionen Menschen; zwischen 1949 und 1961 waren es rund 2,6 Millionen Menschen aus der Sowjetischen Besatzungszone, der DDR und Ost-Berlin. Viele waren jung und gut ausgebildet. Dadurch verlor die DDR dringend benötigte Arbeitskräfte und Fachwissen. Im Juli 1961 flohen 30.000 Menschen, allein am 12. August 3.190.

Die Entscheidung zur Grenzschließung fiel bei einer Besprechung Nikita Chruschtschows und Walter Ulbrichts am 3. August 1961 und wurde anschließend von den Führungen der Warschauer Vertragsstaaten beschlossen. Noch am 15. Juni hatte Ulbricht öffentlich erklärt: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ In der Nacht vom 12. auf den 13. August riegelten die Nationale Volksarmee, die Deutsche Grenzpolizei, die Volkspolizei und Betriebskampfgruppen Straßen und Schienenwege nach West-Berlin ab. Erich Honecker war im Auftrag der SED-Führung für Planung und Umsetzung verantwortlich.

Am 13. August bestanden die Sperren zunächst vor allem aus Stacheldraht, Zäunen und Bewachung. Danach wurden Mauern errichtet, Hauseingänge und Fenster an der Grenze zugemauert und Verkehrsverbindungen unterbrochen. Unter Ost-Berlin verlaufende West-Berliner S- und U-Bahnen passierten abgesperrte „Geisterbahnhöfe“ ohne Halt. Trotz Fluchtversuchen und einzelner Proteste kam es in der DDR nicht zu einem Massenaufstand. Als Gründe nennt die Forschung unter anderem die überraschende Abriegelung, die Angst vor Repressionen nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953, Gleichgültigkeit und teilweise Zustimmung. In West-Berlin demonstrierten am 16. August 1961 rund 300.000 Menschen mit Willy Brandt. Die Westalliierten protestierten, griffen aber nicht militärisch ein, weil ihre Zugangsrechte nach West-Berlin erhalten blieben. Am 27. Oktober 1961 standen sich am Checkpoint Charlie amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber, wurden jedoch am folgenden Tag zurückgezogen.

Grenzsystem und Alltag

Die Sperranlagen wurden in mehreren Stufen ausgebaut. Auf die erste Mauer aus Betonelementen und Hohlblocksteinen folgte ab Juni 1962 eine Hinterlandmauer. Seit 1965 wurden Betonplatten verwendet; ab 1975 entstand die „Grenzmauer 75“ aus 3,60 Meter hohen Stahlbetonelementen. In den 1980er Jahren umfasste die Grenzbefestigung rund um West-Berlin etwa 156,4 Kilometer. Davon lagen 43 Kilometer unmittelbar zwischen Ost- und West-Berlin und 112 Kilometer im Bezirk Potsdam.

Das mehrschichtige System lag vollständig auf DDR- beziehungsweise Ost-Berliner Gebiet. Von Osten nach Westen bestand es typischerweise aus Hinterlandmauer oder Zaun, Alarmzaun, teilweise Hundelaufanlagen, Fahrzeug- und Panzersperren, Kolonnenweg, Beleuchtung, Wachtürmen, einem frisch geeggten Kontrollstreifen zur Erkennung von Spuren und schließlich der Betonmauer nach West-Berlin. Davor lagen noch einige Meter DDR-Gebiet. Die gesamte Anlage war je nach Ort etwa 30 bis 500 Meter breit. Minenfelder und Selbstschussanlagen gab es an der Berliner Mauer nicht, wohl aber an Teilen der innerdeutschen Grenze. 1989 existierten 302 Wachtürme rund um West-Berlin.

Für die Sicherung war das Grenzkommando Mitte zuständig. Im Frühjahr 1989 gehörten ihm laut Ministerium für Staatssicherheit 11.500 Soldaten und 500 Zivilbeschäftigte an. An einem gewöhnlichen Tag waren ungefähr 2.300 Soldaten unmittelbar an der Grenze und im nahen Raum eingesetzt. Auch Gewässer wurden mit Patrouillenbooten und teilweise Unterwassersperren kontrolliert.

Es gab insgesamt 25 Grenzübergangsstellen: 13 für Straßen, vier für Eisenbahnen und acht für Wasserstraßen. Die Passkontrolleinheiten des Ministeriums für Staatssicherheit kontrollierten Reisende, suchten nach Verdächtigen und nahmen Personen fest. Checkpoint Charlie war nur für Diplomaten und ausländische Staatsangehörige bestimmt. Abkommen ermöglichten zeitweise Besuche: Das Passierscheinabkommen von 1963 erlaubte mehreren hunderttausend West-Berlinern Verwandtenbesuche im Ostteil. Das Viermächteabkommen von 1971 sicherte die Erreichbarkeit West-Berlins. Zwischen dem 13. August 1961 und dem 9. November 1989 gelangen 5.075 Fluchten nach West-Berlin, darunter 574 Fluchten von Angehörigen bewaffneter DDR-Organe.

Opfer und juristische Aufarbeitung

Die Zahl der Mauertoten ist nicht abschließend geklärt, weil die DDR-Führung Todesfälle systematisch verschleierte und Forschungsprojekte unterschiedliche Kriterien verwendeten. Die Berliner Staatsanwaltschaft nannte 2000 insgesamt 86 nachweislich durch Gewalt an der Mauer Getötete. Ein Forschungsprojekt des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam und des Vereins Berliner Mauer bestätigte 2008 von 374 geprüften Fällen 136 als Maueropfer. Andere Organisationen nannten abweichende Zahlen.

Das erste Todesopfer war Ida Siekmann, die am 22. August 1961 beim Sprung aus einem Fenster in der Bernauer Straße starb. Günter Litfin wurde am 24. August als erster Flüchtling erschossen. Peter Fechter verblutete am 17. August 1962 im Todesstreifen. Das letzte Opfer von Todesschüssen war Chris Gueffroy am 6. Februar 1989. Der letzte tödliche Fluchtzwischenfall ereignete sich am 8. März 1989, als Winfried Freudenberg mit einem defekten Ballon abstürzte. Auch Grenzsoldaten kamen bei gewaltsamen Vorfällen ums Leben.

Geschätzt etwa 75.000 Menschen mussten sich wegen „ungesetzlichen Grenzübertritts“ vor DDR-Gerichten verantworten. Nach § 213 des DDR-Strafgesetzbuches waren bis zu acht Jahre Freiheitsstrafe möglich; Fluchthilfe konnte mit lebenslangem Freiheitsentzug bestraft werden.

Die juristische Aufarbeitung des Schießbefehls in den „Mauerschützenprozessen“ dauerte bis 2004. In Berlin gab es 112 Verfahren gegen 246 Beschuldigte. Etwa die Hälfte wurde freigesprochen; 132 Angeklagte, darunter Mitglieder der SED-Führung, führende Militärs und ehemalige Grenzsoldaten, erhielten Freiheits- oder Bewährungsstrafen. Der letzte Prozess endete am 9. November 2004 mit einem Schuldspruch.

Mauerfall und Abbau

Der Mauerfall war eine Folge der politischen Wende von 1989. Massenfluchten über andere Ostblockstaaten, die seit dem 4. September stattfindenden Leipziger Montagsdemonstrationen und landesweite Proteste erhöhten den Druck auf die SED-Führung. Erich Honecker musste am 17. Oktober zurücktreten. Am 4. November demonstrierten etwa eine Million Menschen auf dem Berliner Alexanderplatz; am 7. November trat der Ministerrat geschlossen zurück.

Am 9. November sollte eine neue Reiseregelung beschlossen, aber erst am 10. November um 4 Uhr veröffentlicht werden. Günter Schabowski kannte diese Sperrfrist offenbar nicht. In einer live übertragenen Pressekonferenz erklärte er um 18:57 Uhr auf die Frage nach dem Inkrafttreten: „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort – ,unverzüglich‘.“ Rundfunk und Fernsehen meldeten daraufhin eine offene Mauer, und Tausende Menschen strömten zu den Übergängen. Grenztruppen und Passkontrolleinheiten hatten keine klaren Befehle.

Am Übergang Bornholmer Straße ließ Oberstleutnant Harald Jäger gegen 23:30 Uhr eigenmächtig die Kontrollen einstellen. Zwischen 23:30 und 0:15 Uhr gelangten dort schätzungsweise 20.000 Menschen nach West-Berlin. Bis Mitternacht waren alle Berliner Übergänge geöffnet. Am 10. November besuchten Millionen DDR-Bürger West-Berlin und westdeutsche Grenzstädte.

Nach dem 9. November wurde die Mauer zunächst weiter bewacht. Bis zum 14. November entstanden zehn neue Übergänge; am 22. Dezember wurde das Brandenburger Tor geöffnet. Seit dem 24. Dezember 1989 durften auch Bundesbürger und West-Berliner visumfrei in die DDR reisen. Am 1. Juli 1990 endeten mit der Währungsunion Bewachung und Grenzkontrollen vollständig.

Der offizielle Abriss begann am 13. Juni 1990 in der Bernauer Straße. Die innerstädtische Mauer war offiziell bis zum 30. November 1990 beseitigt, weitere Abschnitte bis November 1991. Entfernt wurden allein in Berlin 184 Kilometer Mauer, 154 Kilometer Grenzzaun, 144 Kilometer Signalanlagen und 87 Kilometer Sperrgräben. Der Mauerfall ermöglichte die deutsche Wiedervereinigung und wurde zum sichtbaren Zeichen für das Ende des Eisernen Vorhangs und der kommunistischen Herrschaftssysteme in Osteuropa.

Erhaltene Spuren und Erinnerung

Nur wenige Teile der Grenzanlagen blieben am ursprünglichen Ort erhalten. Bedeutende Abschnitte befinden sich an der Bernauer Straße, an der Niederkirchnerstraße, an der Liesenstraße und beim Parlament der Bäume. Der 1,3 Kilometer lange Abschnitt an der Mühlenstraße ist überwiegend eine ehemalige Hinterlandmauer; internationale Künstler gestalteten ihn 1990 als East Side Gallery. Von ehemals 302 Grenzwachtürmen stehen noch fünf.

Die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße besteht seit dem 13. August 1998. Sie umfasst einen erhaltenen Grenzabschnitt, das Dokumentationszentrum und die Kapelle der Versöhnung. Die Kapelle wurde über den Fundamenten der 1985 gesprengten Versöhnungskirche gebaut. Weitere Erinnerungsformen sind Mahnmale wie die Weißen Kreuze, Museen, die aus 21 Tafeln bestehende Geschichtsmeile und Markierungen des Mauerverlaufs. Im Innenstadtbereich zeigen etwa acht Kilometer doppelte Pflastersteinreihen und Bronzestreifen mit der Aufschrift „Berliner Mauer 1961–1989“ den früheren Verlauf.

Der rund 160 Kilometer lange Berliner Mauerweg folgt weitgehend dem ehemaligen Zoll- oder Kolonnenweg. Er dient als Rad- und Fußweg, informiert an Tafeln über Teilung, Fluchten und örtliche Ereignisse und erinnert an 29 Standorten an die Toten.

Der frühere Grenzstreifen wurde vielerorts bebaut oder anders genutzt, beispielsweise als Mauerpark oder für die Bundesautobahn 113. An Jahrestagen erinnern Ausstellungen und Veranstaltungen an Teilung und Friedliche Revolution. Zum 25. Jahrestag markierten vom 7. bis 9. November 2014 insgesamt 6.880 weiße Ballons als Kunstinstallation „Lichtgrenze“ einen Teil des früheren Mauerverlaufs.

Lernvideos zu Berliner Mauer

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