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Nationalsozialistische Propaganda
Die nationalsozialistische Propaganda (auch NS- oder Nazi-Propaganda) war eine der zentralen Aktivitäten der Nationalsozialistischen Deutschen …
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Zweck, Grundideen und Organisation
Nationalsozialistische Propaganda war ein zentrales Herrschafts- und Machtmittel der NSDAP. Vor 1933 sollte sie die Machtübernahme ermöglichen; nach 1933 sollte sie den „kulturellen Willen des Führers“ verwirklichen und das gesamte deutsche Volk mit nationalsozialistischer Weltanschauung durchdringen. Presse, Rundfunk, Film, Schule, Versammlungen, Aufmärsche, HJ und BDM sowie materielle Vergünstigungen wurden dafür eingesetzt.
Ihr Kernprinzip war die emotionale Beeinflussung: wenige einfache Themen und Parolen, geringe Differenzierung und ständige Wiederholung. Hitler verlangte in Mein Kampf (1924–1926), Propaganda müsse sich vor allem an Gefühle statt an den Verstand richten, „volkstümlich“ sein und ununterbrochen der eigenen Sache dienen, nicht objektiv der Wahrheit. Victor Klemperer betonte später die Wirkung ständig wiederholter, nationalsozialistisch geprägter Begriffe und Floskeln.
Seit der Neugründung der NSDAP 1925 entstand das Amt des Reichspropagandaleiters mit Propagandazellen in Gauleitungen und Ortsgruppen. Joseph Goebbels übernahm das Amt 1930. Nach der Machtübernahme leitete er ab 14. März 1933 zusätzlich das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda. Dieses Ministerium, eingerichtet am 13. März 1933, war eine wesentliche Institution zur Verbreitung und Kontrolle der Propaganda.
Aufstieg und Kontrolle nach 1933
Nach dem gescheiterten Hitlerputsch von 1923 ersetzte die NSDAP ihre Putschtaktik durch eine Legalitätstaktik: Sie wollte auf formal legalem Weg Regierungsgewalt gewinnen und sich dafür eine Massenbasis schaffen. Wahlreden sollten nicht konkrete politische Pläne erklären, sondern einen allgemein gehaltenen „Glauben an den Nationalsozialismus“ erzeugen. Die Partei sprach unterschiedliche soziale Gruppen mit unterschiedlichen Versprechen an. Weltwirtschaftskrise und Reparationen waren wichtige übergreifende Themen.
Für die Rolle des Antisemitismus in der Aufstiegspropaganda 1930–1932 nennt der Artikel unterschiedliche Einschätzungen: Hans Mommsen zufolge rückte die Parteiführung offenen Antisemitismus zeitweise in den Hintergrund, weil er Wähler abschrecken konnte. Andreas Wirsching sieht ihn weiterhin im Zentrum; Peter Longerich beschreibt antisemitische Motive eher als unterschwellig codiert oder im Hintergrund von Plakaten.
Nach 1933 wurden oppositionelle Medien ausgeschaltet und die Propagandaarbeit zentral gelenkt. Der 1934 aufgebaute Reichsring für nationalsozialistische Propaganda und Volksaufklärung sollte Partei-, Staats-, Berufs- und Vereinsorganisationen einheitlich steuern. Propaganda wurde außerdem an aktuelle Stimmungen angepasst: Nach den Novemberpogromen 1938 wurde rassistische Propaganda zeitweise verringert, weil Distanz zu den wirtschaftlich schädigenden Gewaltexzessen festgestellt wurde. Gegen Kriegsende ersetzte die frühere Siegesgewissheit zunehmend Durchhaltepropaganda für den immer unwahrscheinlicheren „Endsieg“.
Sprache, Führerkult und Masseninszenierung
Die Propagandasprache wertete Begriffe gezielt um: „rücksichtslos“ konnte positiv als zielstrebig oder energisch gelten, „Hass“ als angeblich „heldische[r] Hass der nordischen Rasse“. Eine aggressive „Rhetorik der Gewalt“ diffamierte Gegner als Kriminelle und besonders Juden als angebliche „Parasiten“, „Wanzen“, „Spulwürmer“ oder „Ungeziefer“. Diese Entmenschlichung sollte Mitgefühl verhindern und Gewalt bis zur „Vertilgung“ oder Vernichtung als plausibel erscheinen lassen.
Der Führerkult stellte Adolf Hitler als unfehlbare, überhöhte Führerfigur dar und verlangte blindes Vertrauen; verbreitet war der Slogan „Führer befiehl, wir folgen“. Zugleich zeigten Fotos und Broschüren ihn als scheinbar nahbaren Menschen, etwa als Kinderliebhaber, Hundefreund oder Autofahrer. Der 20. April wurde jährlich als Führergeburtstag gefeiert; 1939 wurde der Badonviller-Marsch zu Hitlers Auftrittsmarsch erklärt.
Kundgebungen, Fackelzüge, Fahnenappelle, Massenaufmärsche, Feierstunden und der Hitlergruß schufen einen pseudoreligiösen politischen Massenkult. Er sollte Sinne und Gefühle ansprechen, den Verstand zurückdrängen sowie Identität und Gemeinschaftsgefühl für die Herrschaft nutzbar machen. HJ, BDM und Schule unterstützten dies. Materielle Vorteile gehörten ebenfalls zur Beeinflussung: Nach Götz Aly wurden geraubtes jüdisches Eigentum, Kriegsplünderungen und Zwangsarbeit zur Finanzierung eines „sozialen Volksstaats“ genutzt; er nennt das Regime deshalb „Gefälligkeitsdiktatur“. KdF bot Urlaube und Freizeitangebote. Der propagierte „Volkswagen“ wurde jedoch erst nach Kriegsende produziert.
Rassismus, Antisemitismus und Volksgemeinschaft
Die Propaganda stützte sich auf pseudowissenschaftlichen Rassismus und Sozialdarwinismus. Sie erklärte die angebliche „deutsche Rasse“ beziehungsweise „nordische Arier“ für höherwertig und wertete andere Gruppen, etwa die „slawische Rasse“, als „Untermenschen“ ab. Daraus leitete sie die angebliche Berechtigung ab, andere Völker in einem „Rassenkampf“ zu unterwerfen. Der Zweite Weltkrieg wurde als biologischer Kampf für „Lebensraum im Osten“ dargestellt; dazu diente auch das Bild des „Volkes ohne Raum“.
Antisemitismus war ein zentrales Feindbild. Eine Weltverschwörungstheorie schrieb Juden zugleich Kapitalismus und Kommunismus beziehungsweise „Bolschewismus“ zu. Die Formel der „jüdisch-bolschewistischen Verschwörung“ bereitete ideologisch den Ostfeldzug als Vernichtungskrieg vor. Filme wie Jud Süß und Der ewige Jude sowie Julius Streichers Wochenzeitung Der Stürmer stellten Juden als angeblich verdorbene oder schädliche Gruppe dar. Die Dehumanisierung sollte die Hemmschwelle gegenüber den NS-Verbrechen und dem Holocaust senken. Öffentlich wurde der Massenmord jedoch nicht bekannt gemacht; der Film Theresienstadt – Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet von 1945 stellte die Lebensverhältnisse im Konzentrationslager Theresienstadt irreführend als Wohltat dar.
Die Idee einer homogenen „Volksgemeinschaft“ verband die als zugehörig definierten „Deutschen“ durch Begriffe wie Gemeinschaft, Kameradschaft, Heimat, Nation und Volk und grenzte „Feinde“ aus. Sie verlangte Stärke, Kampfesmut, Disziplin, Opferbereitschaft und Heldentum. Moderne Kunst wurde als „entartete Kunst“ verfolgt; missliebige Bücher wurden verboten und verbrannt. Propagandakunst zeigte vor allem heroische „arische“ Kämpfer und körperlich arbeitende Menschen. Das Frauenbild verband Mutterkult und die Reduktion der Frau auf „Pflege und Nachwuchs“ mit dem zugleich propagierten Ideal der starken BDM-Frau; Frauen sollten sich Führer und Vaterland unterwerfen und an der „Heimatfront“ dienen.
Presse, Rundfunk und Film
Die Presse wurde institutionell, rechtlich, wirtschaftlich und inhaltlich gelenkt. Otto Dietrich leitete Pressestelle und Korrespondenz der NSDAP, Max Amann die Parteipresse und den Zentral-Partei-Verlag, Goebbels das Propagandaministerium und die Reichskulturkammer. Das Schriftleitergesetz von 1934 sollte Journalisten gleichschalten. Das Deutsche Nachrichtenbüro wurde 1933 verstaatlicht. In täglichen Pressekonferenzen erhielten ausgewählte Journalisten genaue Vorgaben zu Inhalt, Platzierung, Gestaltung und Umfang; eigene Recherche war untersagt.
Der Rundfunk sollte möglichst viele Menschen erreichen. Der Volksempfänger kostete 1933 nur 76 Reichsmark statt 200 bis 400 RM für herkömmliche Röhrenempfänger; der Deutsche Kleinempfänger DKE 38 kostete 1938 35 Reichsmark. Weil andauernde politische Beschallung unbeliebt war, ergänzte man sie durch Wunschkonzerte, Hörspiele und Wehrmachtberichte. Vom 1. Januar 1939 bis Kriegsende sendete der Großdeutsche Rundfunk ein einheitliches Programm. Wandzeitungen wie die Parole der Woche wurden öffentlich ausgehängt.
Film galt Goebbels als „modernstes Beeinflussungsmittel“. Die Reichsfilmkammer schloss jüdische Künstler aus und machte die Mitgliedschaft für Filmschaffende und Kinobesitzer verpflichtend. 1942 wurde die Produktion in der staatlichen Ufa-Film GmbH (UFI) zusammengefasst. Über 1500 mobile Filmtrupps zeigten Filme in kinoleeren Regionen. Von rund 1200 Spielfilmen waren etwa 160 direkte Propagandafilme; zugleich sollte ab 1934 vor jedem Hauptfilm ein „Kulturfilm“ laufen. Wochenschauen, Parteitagsfilme, Führerfilme, Durchhaltefilme und heitere Filme vermittelten Propaganda offen oder unterschwellig. Ab 1940 wurde die Deutsche Wochenschau gleichgeschaltet. Mehr als 40 ehemalige NS-Propagandafilme sind heute Vorbehaltsfilme mit Vertriebsverbot und eingeschränkten Aufführungsmöglichkeiten.
Weitere Propagandamittel
Lieder hatten eine bedeutsame Funktion; die Propaganda nutzte unter anderem das Horst-Wessel-Lied, das Sturmlied („Deutschland, erwache!“), Es zittern die morschen Knochen, Vorwärts! Vorwärts! schmettern die hellen Fanfaren, Siehst du im Osten das Morgenrot und Erika.
Auch Briefmarken wurden eingesetzt. Ab dem Spätsommer 1944 produzierte man im KZ Oranienburg-Sachsenhausen Propagandafälschungen ausschließlich gegen Großbritannien. Anders als Kriegsfälschungen sollten sie nicht exakt wie Originale aussehen, sondern durch Veränderungen verunsichern und demoralisieren. Bei einer britischen Krönungsmarke von 1937 wurde etwa Queen Elizabeth durch Stalin ersetzt; bei Marken mit Georg VI. erschienen unter anderem Hammer und Sichel, Davidsterne sowie Propagandaaufdrucke und -stempel zum angeblich bevorstehenden Verlust britischer Kolonien nach dem D-Day.
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