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Produktivität

Produktivität. Verhältnis zwischen produzierten Gütern/Dienstleistungen und den dafür benötigten Produktionsfaktoren. Artikel · Diskussion.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und wirtschaftliche Bedeutung
  2. 2. Berechnung und Bewertung
  3. 3. Partielle Faktorproduktivitäten
  4. 4. Arbeit, Boden und Kapital
  5. 5. Totale Faktorproduktivität
  6. 6. Grenzproduktivität und empirische Entwicklung

Begriff und wirtschaftliche Bedeutung

Produktivität ist in Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre eine Kennzahl für das mengenmäßige Verhältnis zwischen den produzierten Gütern oder Dienstleistungen (Output) und den dafür eingesetzten Produktionsfaktoren (Input). Sie zeigt damit, wie viel Ergebnis mit einer bestimmten Menge knapper Ressourcen erzielt wird.

Produktivität ist eine Ausprägung des Rationalprinzips. Nach dem Minimalprinzip soll ein gegebener Output mit möglichst geringem Input erreicht werden; nach dem Maximalprinzip soll ein gegebener Input einen möglichst großen Output erzeugen. Ein günstiges Verhältnis zwischen eingesetzten Ressourcen und erzielter Wirkung gilt als produktiv, ein ungünstiges als unproduktiv. Eine hohe Produktivität kann zugleich zur Gewinnmaximierung von Unternehmen oder zur Nutzenmaximierung beitragen.

Produktivität und Wirtschaftlichkeit dürfen nicht gleichgesetzt werden: Produktivität vergleicht mengenmäßige Größen wie Stückzahlen und Arbeitsstunden. Wirtschaftlichkeit setzt dagegen wertmäßige Größen, also Kosten beziehungsweise Aufwand und Ertrag beziehungsweise Erlös, zueinander ins Verhältnis.

Berechnung und Bewertung

Die Gesamtproduktivität P eines Unternehmens wird aus Ausbringungsmenge A und Faktoreinsatzmenge F berechnet:

P = A / F = Output / Input.

Der Output wird als Menge pro Zeitspanne angegeben und ist damit eine Stromgröße. Auch der Input kann eine Stromgröße sein, etwa die Zahl der Arbeitsstunden oder die Abschreibungen eines Jahres. Er kann aber ebenso als Bestandsgröße erfasst werden, beispielsweise als durchschnittliche Zahl der Erwerbstätigen oder als durchschnittlicher Kapitalstock eines Jahres.

Da Unternehmen oder Volkswirtschaften unterschiedliche Güter und Dienstleistungen herstellen, müssen diese für einen Gesamtwert vergleichbar gemacht werden. Güter mit Marktpreisen werden zu Marktpreisen bewertet, Güter ohne Marktpreise zu Herstellungskosten. Reine Preisveränderungen werden durch Preisbereinigungsverfahren herausgerechnet, beispielsweise durch die Rechnung in konstanten Preisen eines Basisjahres. Ein ähnliches Bewertungsproblem besteht beim Kapitalstock, weil er aus unterschiedlichen Kapitalgütern zusammengesetzt ist. Beim Faktor Arbeit können dagegen physische Größen wie Erwerbstätigenzahl oder Arbeitsstunden verwendet werden.

Partielle Faktorproduktivitäten

Eine partielle Faktorproduktivität setzt die erzeugte Gütermenge ins Verhältnis zur Einsatzmenge genau eines Produktionsfaktors. Wichtige Formen sind:

• Arbeitsproduktivität = Ausbringungsmenge / eingesetzte Arbeitsstunden

• Maschinenproduktivität = Ausbringungsmenge / eingesetzte Maschinenstunden

• Materialproduktivität = Ausbringungsmenge / Materialeinsatzmenge

• Bodenproduktivität = Erntemenge / Landfläche

Diese Kennzahlen spiegeln trotzdem immer das Zusammenwirken aller Produktionsfaktoren wider. Ein Arbeiter kann beispielsweise mit einem Bagger mehr Erde bewegen als mit einer Schaufel. Dadurch steigt die gemessene Arbeitsproduktivität aufgrund des höheren Kapitaleinsatzes, obwohl Umfang und Intensität seiner Arbeit unverändert bleiben. Eine steigende Arbeitsproduktivität beweist daher nicht, dass Beschäftigte fleißiger geworden sind. Ebenso bedeutet eine sinkende Kapitalproduktivität nicht unmittelbar, dass zusätzliches Kapital ursächlich immer weniger bewirkt. Langfristig steigt die Arbeitsproduktivität typischerweise, während die Kapitalproduktivität stagniert oder sinkt.

Die neoklassische Theorie nimmt an, dass Produktionsfaktoren entsprechend ihrer Produktivität entlohnt werden. Das muss in der Praxis jedoch nicht gelten, etwa wegen Marktversagens oder Externalitäten. Statistisch gemessene Produktivitäten können zur Überprüfung dieser Annahme dienen.

Arbeit, Boden und Kapital

Die Arbeitsproduktivität AP ist die bekannteste und meistverwendete Faktorproduktivität, unter anderem weil die benötigten Daten vergleichsweise leicht verfügbar sind. Allgemein gilt bei mengenmäßiger Arbeitsleistung AL und Arbeitseinsatz AE:

AP = AL / AE.

Volkswirtschaftlich wird die Arbeitsproduktivität je Arbeitsstunde berechnet als:

APi = reales BIP / Arbeitsvolumen = reales BIP / (Et · h),

wobei Et die Zahl der Erwerbstätigen und h die geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigem bezeichnet. Je Erwerbstätigem gilt:

APi = reales BIP / Et.

Betriebswirtschaftlich kann die Stundenleistung als Absatzvolumen / Arbeitsstunden bestimmt werden. Steigt bei gleichbleibenden Arbeitsstunden das Absatzvolumen, verbessert sich die Stundenleistung. Die Beschäftigtenproduktivität ist Gesamtumsatz / Anzahl der tätigen Mitarbeiter. In Deutschland liegt ihr Durchschnitt laut Artikel ungefähr bei 50.000 bis 70.000 Euro pro Mitarbeiter.

Die Bodenproduktivität BP bezeichnet in Land- und Forstwirtschaft den Bodenertrag BE je benötigter Landfläche Lf:

BP = BE / Lf.

Berechnungseinheit ist eine Landfläche von 1 Hektar. Werden dort im gleichen Zeitraum auf einer Fläche 3 Tonnen Weizen und auf einer anderen 4 Tonnen geerntet, besitzt die zweite Fläche die höhere Bodenproduktivität.

Die Kapitalproduktivität KP ist das Verhältnis zwischen dem gesamtwirtschaftlichen Bruttoinlandsprodukt Yr und dem Kapitalstock K:

KP = Yr / K.

Sinkt sie, wurde im Zeitablauf mehr Kapital für dieselbe Produktionsmenge eingesetzt; Arbeit wurde also etwa durch Automatisierung teilweise durch Kapital ersetzt. Die Zusammenfassung verschiedener Kapitalarten zu einem Gesamtkapitalstock beruht allerdings auf Annahmen, die in der Kapitalkontroverse kritisiert wurden.

Totale Faktorproduktivität

Die totale Faktorproduktivität (TFP) berücksichtigt das Zusammenwirken aller Produktionsfaktoren. Sie stellt die Ausbringungsmenge Am sämtlichen Faktorkosten FK gegenüber:

TFP = Am / FK.

Bei einem Mehrproduktunternehmen müssen dafür alle Inputs zu allen Outputs ins Verhältnis gesetzt und sämtliche Produktgruppen des Produktionsprogramms erfasst werden. Die Berechnung unterstellt eine konstante Kapazitätsauslastung.

Für die Analyse des Wirtschaftswachstums beschreibt die Produktionsfunktion

Y = A F(K, L),

wie der Output Y vom Technologieniveau A sowie von Kapital K und Arbeit L abhängt. Empirisch lässt sich das Wachstum des Outputs häufig nicht vollständig durch den zunehmenden Einsatz von Arbeit und Kapital erklären. Der verbleibende, durch Änderungen der Einsatzmengen von L und K nicht erklärte Teil wird als totale Faktorproduktivität bezeichnet. Er kann als Maß dafür gedeutet werden, wie technischer Fortschritt bei gleichem Faktoreinsatz eine höhere Ausbringung ermöglicht.

Eine Untersuchung von 257 Regionen der EU betrachtete verschiedene Einflüsse auf die regionale totale Faktorproduktivität. Den stärksten positiven Einfluss hatten in absteigender Reihenfolge der Anteil der Berufstätigen mit Studienabschluss in kreativen Berufsfeldern, die Zahl der angemeldeten Patente je tausend Einwohner als Maß des technologischen Kapitals und die kulturelle Diversität. Negativ wirkten der Spezialisierungsgrad des verarbeitenden Gewerbes und die Jahresdurchschnittstemperatur.

Grenzproduktivität und empirische Entwicklung

Die bisher genannten Quotienten beschreiben überwiegend Durchschnittsproduktivitäten. Die Grenzproduktivität zeigt dagegen, um wie viel der Output steigt, wenn der Einsatz eines Produktionsfaktors um eine Einheit erhöht wird, während alle anderen Faktoren konstant bleiben:

∂x / ∂rᵢ.

Beim Faktor Arbeit kann sie beispielsweise daran gemessen werden, wie stark der Output durch eine zusätzliche Arbeitsstunde wächst. Mathematisch ist sie die partielle Ableitung der Produktionsfunktion nach dem betrachteten Faktor. Meist wird eine positive, aber abnehmende Grenzproduktivität angenommen: Mehr Input erhöht den Output, doch der zusätzliche Anstieg wird bei einem höheren Ausgangsniveau des Inputs kleiner.

Auf vollkommenen Faktormärkten bestimmt die Grenzproduktivität laut Theorie den Marktpreis eines Faktors. Dabei gilt für die Wertgrenzproduktivität:

WGP = Grenzproduktivität · Outputpreis.

Bei optimaler Faktoreinsatzmenge entspricht die Wertgrenzproduktivität dem Faktorpreis.

Nach OECD-Daten stieg die potenzielle Produktion der OECD-Länder von 1983 bis 1992 jahresdurchschnittlich um 2,9 %, von 1993 bis 2002 um 2,6 %. Die Beschäftigung wuchs in diesen Zeiträumen um 2,4 % beziehungsweise 1,1 %. Daraus ergibt sich ungefähr ein Wachstum der Arbeitsproduktivität von 0,5 % im ersten und 1,5 % im zweiten Zeitraum. Der Kapitalstock wuchs zugleich um 3,7 % beziehungsweise 3,1 % pro Jahr und damit schneller als die Produktion. Die Kapitalproduktivität sank jahresdurchschnittlich um 0,8 % von 1983 bis 1993 und um 0,5 % von 1993 bis 2002. Eine Ausnahme waren die USA mit einem Wachstum der Kapitalproduktivität von jeweils 0,1 % in den Zeiträumen 1983 bis 1992 und 1993 bis 2002.

Eine langfristig sinkende Kapitalproduktivität ist problematisch: Die gesamtwirtschaftliche Kapitalrentabilität könnte dann nur gehalten werden, indem der Anteil der Arbeitseinkommen am BIP verkleinert wird. Eine Grenze wäre spätestens erreicht, wenn die Lohnquote null betrüge.

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