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Knappheit

Knappheit (englisch scarcity) ist in der Volkswirtschaftslehre das Missverhältnis zwischen den unbegrenzten Bedürfnissen der Menschen und den zu ihrer …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundidee
  2. 2. Formen und Ursachen der Knappheit
  3. 3. Preise, Armut und Verteilung
  4. 4. Knappheit im Unternehmen
  5. 5. Soziale Folgen und Umgangsweisen

Begriff und Grundidee

Knappheit (englisch scarcity) bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre das Missverhältnis zwischen den unbegrenzten Bedürfnissen der Menschen und den Gütern, die für ihre Befriedigung nur begrenzt zur Verfügung stehen. Güter sind dabei Waren und Dienstleistungen. Das Gegenteil der Knappheit ist Überfluss.

Knappheit ist relativ: Entscheidend ist nicht, ob ein Gut grundsätzlich begrenzt ist, sondern ob seine Menge im Verhältnis zu den Bedürfnissen zu gering ist. Luft ist beispielsweise meist ein freies Gut, weil Menschen davon bis zur Sättigungsmenge konsumieren können. Wirtschaftsgüter heißen dagegen auch knappe Güter, weil sie nicht jederzeit, an jedem Ort sowie in gewünschter Qualität und Menge verfügbar sind. Bananen waren in der DDR knapp, in der BRD dagegen nicht; Trinkwasser ist in der Wüste knapp, in Deutschland jedoch nicht.

Knappheit kann Menge, Qualität, Ort oder Zeitpunkt der Verfügbarkeit betreffen. Ein Mangel, etwa Geldmangel, betrifft immer bestimmte Wirtschaftssubjekte an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit. Weil Mittel knapp sind, muss gewirtschaftet werden: Die verfügbaren Mittel sollen so eingesetzt und verteilt werden, dass Bedürfnisse möglichst gut befriedigt werden.

Formen und Ursachen der Knappheit

Knappheit liegt vor, wenn die Nachfrage größer als das Angebot ist. Bei gegebener Nachfrage ist sie am größten, wenn das Angebot „null“ beträgt. Sie kann von der Angebotsseite oder von der Nachfrageseite ausgehen.

Natürliche Knappheit betrifft insbesondere zufällige Knappheit, nicht-erneuerbare Rohstoffe und nicht produzierbare Güter. Zufällige Knappheit entsteht durch unvorhersehbare Angebotsschwankungen, etwa wenn Dürre oder Unwetter schlechte Ernten von Obst, Gemüse oder Getreide verursachen. Die Landwirtschaft kann diese Knappheit nicht beeinflussen; sie kann erhebliche Preissteigerungen fördern. Bei nicht-erneuerbaren Rohstoffen sind die Vorkommen in Lagerstätten begrenzt. Mit höherem Verbrauch oder geringerem Vorkommen steigt die Knappheit, etwa bei Gold, Platin, Palladium und Diamanten. Wasser kann durch Dürre oder dauerhaft, etwa in der Wüste, knapp sein. Auch Boden ist als nahezu nicht vermehrbarer Produktionsfaktor natürlich knapp; Landgewinnung und Melioration sind nur begrenzt möglich.

Nachfragebedingte Knappheit kann durch Hamsterkäufe entstehen. Vor vorhergesagten Naturkatastrophen werden Lebensmittel und andere Güter als Notvorrat verstärkt nachgefragt. Die für den Handel nicht planbaren Mengen führen zu Versorgungsengpässen. Knappheit kann außerdem im Verkaufsprozess erzeugt werden: Hinweise wie „solange der Vorrat reicht“, „knappe Vorräte“ oder „limitierte Auflage“ lassen Güter besonders begehrenswert erscheinen.

Künstliche Knappheit liegt vor, wenn ein nicht natürlich begrenztes Angebot bewusst verknappt wird. Unternehmen bieten bei Luxusgütern teilweise weniger an, als nachgefragt wird, und nutzen hohe Preise, Wartezeiten und wenige Flagship-Stores zur Vermarktung. Guerilla-Stores reglementieren den Zugang durch ungewöhnliche Lage; Pop-up-Stores bieten zeitlich begrenzt ein knappes Sortiment nach dem Windhundprinzip an. Auch staatliche Einfuhrkontingente, etwa die Zuckerquote, und Produktionsquoten wie die Milchquote verknappen das Angebot künstlich. Bei Bitcoins beträgt die maximal mögliche Zahl 21 Millionen. Das Netzwerkprotokoll legt die maximale Geldmenge fest; nach jeweils 210.000 Blöcken halbiert sich der Block Reward, wodurch bei weiter zunehmender Nachfrage neue Bitcoins zusätzlich knapper werden können.

Preise, Armut und Verteilung

Die Volkswirtschaftslehre kann als „Lehre von der Knappheit“ beschrieben werden. Ein Gut ist knapp, wenn es nicht reicht, um alle darauf gerichteten Konsumwünsche zu erfüllen. Ökonomische Knappheit bedeutet deshalb nicht unbedingt absolute Seltenheit oder eine absolute Grenze. Mit zunehmender Knappheit wachsen Bedürfnis, Nutzen und Wert eines Gutes.

Der Preis zeigt die relative Knappheit von Gütern und Dienstleistungen an. Ein knappes Gut hat einen Preis größer als null, ein freies Gut einen Preis von null. Je knapper ein Gut ist, desto höher ist sein Preis. Die Preisbildung soll nach dem Knappheitsprinzip die Nachfrage so begrenzen, dass sie mit den verfügbaren Gütermengen übereinstimmt.

Armut und Hunger sind weltweite Erscheinungsformen von Knappheit. Armut ist der Mangel an ökonomischen Gütern, Reichtum deren Überfluss; Armut ist der verbreitetste und wichtigste Fall von Knappheit. Hunger ist Knappheit an Nahrung. Die globale Wasserknappheit hat ihre Grundursachen laut Artikel jedoch in Machtverhältnissen, Armut und Ungleichheit, nicht in der tatsächlichen Verfügbarkeit von Wasser. Nicht-erneuerbare Rohstoffe sind latent knapp, weil ihr Verbrauch ihre Knappheit vergrößert. Diese Beispiele verdeutlichen, dass Knappheit orts- und zeitabhängig ist.

Verteilung heißt in der Wirtschaftswissenschaft Allokation. Ein Verteilungsproblem gibt es nur bei Knappheit; ohne sie könnte der Bedarf aller jederzeit gedeckt werden. Nach Niklas Luhmann soll nur dann von Knappheit gesprochen werden, wenn Entscheidungen innerhalb der Gesellschaft die Lage mitbestimmen und beobachtet sowie diskutiert werden können, etwa Zugriffs- oder Verteilungsentscheidungen. Der Staat muss die durch den Markt entstandene primäre Güterverteilung grundsätzlich hinnehmen. Erst bei der sekundären Güterverteilung, also der Umverteilung, darf er Marktergebnisse korrigieren. Über das Existenzminimum hinaus besteht verfassungsrechtlich kein Anspruch auf einen konkreten Anteil an der Gütermenge.

Knappheit im Unternehmen

Betriebswirtschaftliche Entscheidungen führen in der Praxis zu Knappheit und damit zu Verteilungsproblemen. Sind betriebliche Produktionsfaktoren knapp, müssen Kapazitäten so geplant werden, dass mittelfristig Vollbeschäftigung erwartet werden kann. Bei zeitweisen Beschäftigungsspitzen entsteht ein Engpass. Er kann zur Überbeschäftigung des Personals, also zu Überstunden, führen; Überbeschäftigung ist ein Anzeichen für knappe Kapazitäten.

Knappheit kann Material, Personal, Finanzen oder Logistik betreffen. In einem Einproduktunternehmen mit linearer Produktionsfunktion kann nur der Engpassfaktor knapp sein; ihm wird dann der Deckungsbeitrag zugerechnet. Manche Engpässe, etwa Fachkräftemangel, sind kaum vermeidbar. Engpässe und Überkapazitäten sollen durch vorausschauende Engpassplanung beziehungsweise Produktionsplanung vermieden werden.

Künstliche Knappheit ist auch ein Marketinginstrument. Um die Exklusivität eines Produkts oder einer Marke zu sichern, wird die Produktionsmenge absichtlich unter der möglichen Nachfrage gehalten. Anbieter verzichten dabei auf Erträge aus nicht produzierten Mengen. Typisch sind limitierte und teilweise nummerierte Sonderauflagen, besonders bei Luxusgütern, aber auch bei lebensnotwendigen Gütern wie Speisesalz.

Soziale Folgen und Umgangsweisen

In der Soziologie wird Knappheit seltener unmittelbar behandelt. Nach Bálint Balla ist die Bekämpfung von „Knappheit“ jedoch Gegenstand allen sozialen Handelns. Damit lassen sich unterschiedliche soziale Konflikte ebenso erklären wie Formen der Hilfe.

Um Knappheit zu beheben, können soziale Akteure arbeiten, Gegenseitigkeit wählen, also etwa tauschen, andere entreichern oder bereichern oder in anderen sozialen Feldern Kompensation suchen. Eine solche Kompensation wird als Sublimierung bezeichnet.

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