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Ressource

Eine Ressource kann ein materielles oder immaterielles Gut sein. In Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und Organisationen werden darunter meist Betriebsmittel, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbedeutung und Anwendungsfelder
  2. 2. Ressourcen in der Ökonomie
  3. 3. Ressourcen in Soziologie und Gesellschaft
  4. 4. Ressourcen in Psychologie und psychosozialen Feldern
  5. 5. Ressourcen in Informatik und Webarchitektur
  6. 6. Rohstoffressourcen, Übernutzung und Ressourcenfluch

Grundbedeutung und Anwendungsfelder

Eine Ressource ist ein Mittel, eine Gegebenheit oder eine Eigenschaft, mit der Ziele verfolgt, Anforderungen bewältigt, bestimmte Handlungen ausgeführt oder Vorgänge zielgerecht gestaltet werden können. Ressourcen können materiell oder immateriell sein.

Je nach Fachgebiet bedeutet der Begriff etwas Unterschiedliches: In Wirtschaft und Organisationen zählen dazu etwa Betriebsmittel, Geld, Boden, Rohstoffe, Energie, Personen und Arbeitszeit. In der Psychologie gehören auch Fähigkeiten, persönliche Eigenschaften und geistige Haltungen dazu. Die Soziologie versteht unter Ressourcen unter anderem Bildung, Gesundheit, Prestige und soziale Vernetzung. In psychologischen und psychosozialen Arbeitsfeldern werden auch die Begriffe Stärken und Kraftquellen verwendet.

Ressourcen in der Ökonomie

In der Volkswirtschaftslehre gelten Arbeit, Boden, Umwelt und Kapital als typische Produktionsfaktoren. Je nach Untersuchungsziel können auch Rohstoffe oder gesellschaftliche Faktoren wie Ausbildung, Diversity und Forschung als Ressourcen betrachtet werden.

Die Resource-Based View (RBV) erklärt Wettbewerbsvorteile eines Unternehmens vor allem durch die Qualität und Einzigartigkeit seiner Ressourcen und nicht durch seine Stellung auf dem Produktmarkt. Sie kann daher als Alternative zur Market-Based View von Michael E. Porter verstanden werden. Der RBV zufolge werden fünf Ressourcentypen unterschieden:

  • Finanzielle Ressourcen, zum Beispiel Cashflow und Kreditwürdigkeit.
  • Humane Ressourcen, zum Beispiel Hilfsarbeiter, Facharbeiter, Ingenieure und Führungskräfte.
  • Organisatorische Ressourcen, zum Beispiel Informationssysteme und Integrationsabteilungen.
  • Physische Ressourcen, zum Beispiel Gebäude, Immobilien, Anlagen und Servicestationen.
  • Technologische Ressourcen, zum Beispiel Qualitätsstandards, Markennamen und Forschungs-Know-how.

Finanzielle und physische Ressourcen sind materielle, also greifbare Ressourcen. Humane, organisatorische und technologische Ressourcen sind immateriell. Nach Jay Barney muss eine Ressource vier Bedingungen erfüllen, um einen Wettbewerbsvorteil zu sichern: Sie muss wertvoll und knapp sein, darf nicht imitierbar und nicht substituierbar sein. Daraus entwickelte sich das VRIO Framework, das die Ressourcen einer Organisation mit ihren Geschäftsaktivitäten in Beziehung setzt. In der Praxis ist die Ressourcenplanung wichtig, etwa bei der Schichtplanung von Mitarbeitern oder der Versorgung einer Produktion mit Rohstoffen.

Capabilities sind organisationale Fähigkeiten, Ressourcen und Handlungen zu kombinieren, zu koordinieren und neue Ressourcen zu entwickeln. Da sich die Ressourcenbasis deshalb laufend verändern muss, spricht man von Dynamic Capabilities. Eine besonders gut beherrschte Capability wird Kernkompetenz genannt.

Ressourcen in Soziologie und Gesellschaft

Die Soziologie unterscheidet neben ökonomischen auch physiologische Ressourcen wie Gesundheit, soziale Ressourcen wie Beziehungsnetze, kulturelle Ressourcen wie Bildung und strukturelle Ressourcen wie das gesellschaftliche Umfeld. Sie beeinflussen den sozialen Status eines Akteurs.

Pierre Bourdieus Theorie der Kapitalarten beschreibt drei miteinander verbundene Formen: ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital. Diese Kapitalarten können ineinander umgewandelt werden und Zugang zu weiteren Ressourcen ermöglichen.

  • Ökonomisches Kapital umfasst alle Ressourcen, die „unmittelbar und direkt in Geld konvertierbar“ sind.
  • Kulturelles oder symbolisches Kapital erscheint in drei Formen: Inkorporiert sind verinnerlichtes Wissen, Bildung, Fertigkeiten und Haltungen. Die Aneignung erfordert Zeit und Energie. Objektiviert sind kulturelle Güter wie Bücher, Tonträger und Gemälde. Institutionalisiert sind staatlich anerkannte und garantierte Bildungsabschlüsse und akademische Titel.
  • Soziales Kapital besteht aus aktuellen und potenziellen Ressourcen, die mit einem dauerhaften Netz von Beziehungen gegenseitigen Kennens oder Anerkennens verbunden sind. Sein Umfang hängt sowohl von der Größe des mobilisierbaren Beziehungsnetzes als auch vom ökonomischen, kulturellen und symbolischen Kapital der verbundenen Personen ab.

Ressourcentransformationen erfordern persönliche Anstrengungen und geeignete Strategien. Soziale Beziehungen können beispielsweise Investitionen in individuelles soziales Kapital darstellen. Bourdieu sieht in der Anhäufung und Umwandelbarkeit der Kapitalarten einen Mechanismus, durch den gesellschaftlich vorteilhafte Positionen dauerhaft gesichert und an nachfolgende Generationen weitergegeben werden können. Dies trägt zur Reproduktion sozialer Ungleichheit bei.

Nan Lin definiert individuelles soziales Kapital als mobilisierungsfähige, in der sozialen Struktur verwurzelte Ressourcen. Es kann den Informationsfluss, den individuellen Einfluss, das soziale Netzwerk als „Zeugnis“ einer Person sowie soziale Unterstützung und Bestätigung erhöhen. Dabei sind unter anderem die hierarchische Position und die Stärke sozialer Bindungen wichtig.

Ressourcen in Psychologie und psychosozialen Feldern

Psychologie, Soziale Arbeit und Psychotherapie betrachten besonders personelle und zwischenmenschliche Ressourcen als Bedingungen einer gelingenden Lebensgestaltung. Ressourcen helfen, Alltagsanforderungen, psychosoziale Entwicklungsaufgaben, Bedürfnisse und Lebensziele zu bewältigen sowie Gesundheit und Wohlbefinden zu erhalten oder wiederherzustellen. Sie können außerdem erweitert oder erhalten werden, etwa durch Weiterbildung oder durch Fähigkeiten, die Geld und soziales Ansehen ermöglichen.

In systemischer Sozialer Arbeit und systemischer Therapie ist eine Ressource jedes Potenzial, das die Verhaltensoptionen eines Systems erweitert und dadurch seine Lebens- und Problemlösefähigkeit verbessert. Sie kann materiell-wirtschaftlicher, sozialer, emotionaler oder intellektueller Art sein. Mit dem Essener Ressourcen-Inventar (ERI) lassen sich personale, soziale und strukturelle Ressourcen mehrdimensional in einem Fragebogen messen. In der Resilienzforschung und Suchtprävention werden Ressource und Schutzfaktor häufig gleichbedeutend verwendet.

Zu den persönlichen Ressourcen zählen physische Ressourcen wie Gesundheit und Fitness, psychische Ressourcen wie Fähigkeiten, Bildung, Wissen, Optimismus, Bewältigungsstile und ermutigende Erfahrungen, interaktionelle psychische Ressourcen wie Empathie, Offenheit, Beziehungs-, Konflikt- und Kritikfähigkeit sowie ökonomische Ressourcen wie Geld, Eigentum und ein stabiles Erwerbseinkommen. Umweltressourcen umfassen sozial-emotionale Beziehungen, soziale Netzwerke und Teilhabemöglichkeiten, das Wohn- und Arbeitsumfeld sowie sozialstaatliche und soziokulturelle Angebote wie Bildungs-, Gesundheits- und Kulturangebote, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Kulturelle Ressourcen werden je nach Einordnung persönlichen oder Umweltressourcen zugerechnet.

Was als Ressource gilt, hängt von Alter, Geschlecht, Entwicklungsstadium, Stimmung, Wertesystem, Aufgaben, Zielen und der persönlichen Sicht auf die Lebenssituation ab. Erst wenn eine Person oder eine relevante Bezugsperson etwas für ein Ziel oder eine Problemlösung als sinnvoll, brauchbar und nützlich bewertet, wird es funktional zu einer Ressource. Schiepek und Cremers beschreiben dies als Mittel-Zweck-Relation: „Ein Objekt (X) kann in Relation zu einem Ziel (Z) von einem Beurteiler bzw. dessen Wertesystem (B) als Ressource bezeichnet werden: R(X) = f(Z, B).“ Vor dieser Bewertung sind Ressourcen zunächst Potenziale. Durch Erkennen und Einsatz im passenden Kontext werden sie aktiviert. Ressourcen können sich gegenseitig fördern oder beeinträchtigen: Gute Empathie und Konfliktfähigkeit erleichtern den Umgang mit sozialen Ressourcen; soziale Integration und kulturelle Teilhabe fördern wiederum persönliche Fähigkeiten.

In Sozialer Arbeit, Beratung und Therapie gilt die Ressourcenorientierung als grundlegendes Handlungsprinzip. Ressourcenverluste sollen unterbrochen und vorhandene oder beeinträchtigte Ressourcen bei Personen, in ihrem sozialen Umfeld und in Strukturen erkannt, gefördert und aktiviert werden. Ziel ist eine subjektiv gelingende Lebensgestaltung einschließlich möglicher Ressourcentransformationen.

In der Psychotherapie sind Ressourcen innere Potenziale wie Kenntnisse, Fertigkeiten, Erfahrungen, Talente, Neigungen, Stärken sowie Sinnfindung und Sinnerfüllung. Beim ressourcenorientierten Verankern erinnert sich eine Person an eine besonders positive, ressourcenreiche Situation, den im EMDR sogenannten „point of power“. Bildhafte Erinnerungen, Gerüche, Geräusche, Stimmung und Körperwahrnehmungen werden genutzt, um diese positive Stimmung auf eine bisher unangenehme, ängstigende oder bedrohliche Situation zu übertragen.

Im Salutogenese-Ansatz von Aaron Antonovsky werden die gesunden Anteile und persönlichen Ressourcen eines Menschen wahrgenommen und gefördert. Arbeits- und Organisationspsychologie befassen sich mit Ressourcen für betriebliche und persönliche Ziele. Für die Work-Life-Balance sind besonders Zeit, Geld, Entscheidungsspielräume und persönliche physische, psychologische, emotionale und soziale Ressourcen wichtig. Das Burnout-Syndrom gilt dabei als äußerster Fall aufgebrauchter persönlicher Ressourcen. Liegen die verfügbaren Ressourcen unter einer Grenze der Resilienz, sinken Belastbarkeit und Erholungsfähigkeit deutlich.

Ressourcen in Informatik und Webarchitektur

In der Informatik bezeichnet Ressource je nach Zusammenhang unterschiedliche zugängliche Mittel. In der Komplexitätstheorie werden Betriebsmittel wie Prozessor-Rechenzeit und Hauptspeicherplatz abstrakt als Ressourcen betrachtet.

Netzwerkressourcen können Dateien oder Netzwerkdienste sein, die über ein Rechnernetz verfügbar sind. Der Begriff kann außerdem die Betriebsmittel meinen, die eine Netzwerkverbindung ermöglichen, oder allgemein eine Informations- beziehungsweise Dienstleistungsquelle. Auch bestimmte in Dateien gespeicherte Programmbestandteile werden als Ressourcen bezeichnet.

In der Webarchitektur ist eine Ressource allgemein alles, was eine Identität besitzt, beispielsweise in Form einer URL, und Quelle für Beschreibungen über sich selbst sein kann. Informationsressourcen sind dabei solche Ressourcen, deren wesentliche Eigenschaften in einer Nachricht übermittelt werden können. Dies wird als Begriffsverschiebung verstanden, weil „Ressource“ ursprünglich alles bezeichnete, auf das zugegriffen werden kann.

Rohstoffressourcen, Übernutzung und Ressourcenfluch

In der Lagerstättenkunde ist eine Ressource die größtmögliche verfügbare Menge einer mineralisch-fossilen Zielfraktion in der Erdkruste, etwa eines Erzes. Sie wird häufig mit der Elementhäufigkeit gleichgesetzt. Diese Gesamtmenge sagt jedoch nicht, wie viel tatsächlich bergbaulich genutzt werden kann.

Die Reservebasis umfasst den Teil der Ressourcen, der die physikalischen und chemischen Mindestkriterien der gegenwärtigen Bergbau- und Produktionspraktiken erfüllt, darunter Gehalt, Qualität, Mächtigkeit und Teufe. Sie enthält wirtschaftlich abbaubare Reserven sowie Mengen, die innerhalb eines Planungszeitraums und bei angenommenen technischen und ökonomischen Entwicklungen möglicherweise wirtschaftlich gewonnen werden können. Als Reserve gilt schließlich die zum Zeitpunkt der Bestimmung identifizierte Menge der Reservebasis, die wirtschaftlich und technisch gewonnen oder produziert werden könnte. Die Grenze zwischen Reservebasis und Reserve wird meist durch die Wirtschaftlichkeit und nicht durch fehlende technische Voraussetzungen bestimmt. Sie kann sich durch wirtschaftliche und politische Bedingungen verändern. So stiegen die weltweiten Indiumreserven von 2.800 t im Jahr 2006 auf 11.000 t im Jahr 2007.

Die Übernutzung natürlicher Ressourcen ist ein zunehmendes Problem. Beispiele sind Überfischung, die ab 1958 zu den Kabeljaukriegen führte, irreversible Bodenerosion, Entwaldung und Grundwasserabsenkung.

Der Ressourcenfluch oder die Ressourcenfalle bezeichnet negative Folgen eines großen Reichtums an natürlichen Ressourcen. Besonders auffällig ist das scheinbare Paradox, dass das Wirtschaftswachstum von Ländern, die stark vom Export mineralischer und fossiler Rohstoffe abhängen, in der Regel geringer ist als das Wachstum rohstoffarmer Länder.

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