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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Verhaltensmuster

Als Verhaltensmuster (englisch pattern of behavior oder behavioral patterns) bezeichnet man in der Psychologie und Verhaltensbiologie angeborene und …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung beim Menschen
  3. 3. Vorhersagbarkeit und Veränderung
  4. 4. Verhaltensmuster in der Erziehung

Begriff und Bedeutung

Verhaltensmuster sind in der Psychologie und Verhaltensbiologie angeborene oder erlernte Bewegungsabfolgen und soziale Interaktionen. Sie treten in einer bestimmten Situation gleichzeitig oder in einer bestimmten Reihenfolge auf und bilden dadurch eine Reaktionskette. Verhalten gilt insgesamt als Anpassungsleistung eines intakten Organismus an seine natürliche, relativ stabile Umwelt. Von konsistenten Verhaltensmustern spricht man, wenn sie auch bei veränderten Situationen relativ beständig bleiben.

Verhaltensmuster können Sicherheit vermitteln, weil ihre Wiederholung in bestimmten Situationen eingeübt ist. Sie sind jedoch nicht unveränderlich: Durch Lernen und den Kontakt mit der Umwelt können sie differenziert, erweitert, verfeinert oder abgebaut werden.

Entwicklung beim Menschen

Viele Psychologen verstehen menschliche Verhaltensmuster als eingeübte Handlungsweisen. Ein Beispiel ist das Schreckmuster von Säuglingen und Kleinkindern als Reaktion auf Schmerzen oder plötzliche, laute Geräusche. Hellgard Rauh spricht von der „Organisiertheit des Verhaltens“ und von „Verhaltenssystemen“, zu denen sie auch Reflexe zählt. Bei Neugeborenen zeigen sich unter anderem Winden des Körpers sowie Stoßbewegungen der Beine und Arme. Diese Bewegungen sind zunächst wenig geschmeidig und flexibel.

Die Flexibilität des Verhaltens entwickelt sich über jahrelange Lernprozesse im Kontakt mit der sozialen und materiellen Umwelt. Besonders empfänglich für Lernprozesse sind nach Rauh die Augenbewegungen. Auch die Entwicklung der Motorik zeigt, wie Verhaltensmuster durch Lernen weiterentwickelt werden. Kennzeichnende Verhaltensmuster von Neugeborenen sind:

  • frühes Greifen,
  • Kriechen,
  • Schwimmbewegungen,
  • das Wenden des Kopfes zur Berührungsquelle, auch Rooting genannt,
  • Saugen und
  • Nachahmung im Allgemeinen.

Die Organisiertheit des Verhaltens ist laut Rauh bereits bei Neugeborenen erkennbar. Sie unterscheidet sich individuell, etwa darin, wie ein Kind auf frühe Anforderungen reagiert, ob es seine Balance halten kann oder eher desorganisiert wirkt. Rauh beschreibt außerdem ethnische Unterschiede: Indianische und ostasiatische Kinder seien stärker belastbar als europäische und afrikanische Kinder. Früher geborene Kinder seien weniger stabil; dies betreffe auch Kinder von Müttern, die durch Medikamente, Alkohol oder andere Drogen geschädigt wurden.

Vorhersagbarkeit und Veränderung

Die spätere stabile Organisiertheit des Verhaltens ist nur sehr begrenzt vorhersehbar. Rauh deutet diese begrenzte Vorhersagbarkeit zugleich als Vorteil für die Eltern-Kind-Dynamik und deren Wirksamkeit bei der Entwicklung der kindlichen Verhaltensorganisation. Die Sensibilität der Eltern unterstützt dabei das Kind und seine Verhaltensentwicklung.

Lernprozesse führen in der Regel zu einer weiteren Differenzierung der Verhaltensmuster. Durch Umweltkontakte passen sich ihre Funktionsweisen an die jeweilige Umwelt an. Wiederholung, Übung und soziale Auseinandersetzungen können das Verhalten optimieren. Beispiele sind:

  • eine bessere Reaktionsfähigkeit in bestimmten Sportarten durch Training,
  • die Verfeinerung von Begrüßungsformen innerhalb einer Gruppe,
  • verbesserte Reaktionen auf Angriffe in einem bestimmten sozialen Milieu.

Nach Rolf Oerter beginnt sich die Zielgerichtetheit des Verhaltens im Verlauf des ersten Lebensjahres zu entwickeln. Die verschiedenen Verhaltensmuster werden dabei unterschiedlich früh von dieser Intentionalisierung erfasst.

Erlernte Verhaltensweisen können auch einengend, kontaktverhindernd oder beschränkend sein. Solche unerwünschten Verhaltensmuster können in psychotherapeutischen Behandlungen, beispielsweise in der Verhaltenstherapie beziehungsweise Verhaltensmodifikation, bearbeitet werden. Wie das Erlernen ist auch das Verlernen gewöhnlich ein längerer Prozess, der viele Versuche erfordert.

Verhaltensmuster in der Erziehung

Erziehungsprozesse können Verhaltensmuster verändern. Die Interaktion mit Eltern, Lehrern und anderen Erziehenden sowie mit Gleichaltrigen in der Peergroup schafft soziale Situationen, in denen Kinder und Jugendliche Verhaltensmuster modifizieren, abbauen oder weiterentwickeln. Damit eine gezielte Veränderung geplant werden kann, muss der Erziehende die zu verändernden Verhaltensweisen kennen. Die Verhaltensbeobachtung hilft, einen Überblick über das Verhaltensrepertoire eines Kindes oder Jugendlichen zu gewinnen und Anpassungen an bestimmte soziale Situationen vorzubereiten.

Erziehung verändert jedoch auch den Erziehenden. Durch die regelmäßige Teilnahme an Erziehungssituationen wird er von der Dynamik beeinflusst, die das Kind oder der Jugendliche mitbestimmt. Erfahrungen verändern sein Denken, Handeln und seine Verhaltensmuster. Deshalb verhalten sich Eltern beim zweiten oder dritten Kind zumindest teilweise anders als beim ersten.

Kurt Lewins Begriff der „Verhaltenseinheiten“ darf nicht mit „Verhaltensmuster“ gleichgesetzt werden. Verhaltenseinheiten bezeichnen im Zusammenhang mit der „Natur“ und der „Richtung eines ablaufenden Prozesses“ eher zusammengehörende und miteinander verlaufende beziehungsweise integrierte Teile eines Verhaltens.

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