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Preis (Wirtschaft)
Der Preis ist die sich aus Angebot und Nachfrage auf einem Markt ergebende und in Geldeinheiten gezahlte Gegenleistung für eine bestimmte Mengeneinheit von …
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Begriff, Wert und Preisarten
Ein Preis ist die in Geldeinheiten gezahlte Gegenleistung für eine bestimmte Mengeneinheit einer Ware oder Dienstleistung. Er hat damit die Dimension Geldeinheit pro Mengeneinheit. Er entsteht aus Angebot und Nachfrage auf einem Markt.
Preis und Wert sind nicht gleich: Ein geschätzter Verkehrswert bleibt eine abstrakte Preisvorstellung, die anhand von Vergleichsobjekten ermittelt wird. Ein konkreter, objektiver Preis liegt erst vor, wenn ein Verkauf tatsächlich zustande kommt. Der Einkaufspreis ist das Preisgebot des Käufers an den Verkäufer, der Verkaufspreis die Preisforderung des Verkäufers an Käufer. Der realisierte Kaufpreis entsteht, wenn beide Seiten sich im Verhandlungsprozess einigen und einen Kaufvertrag schließen. Preis bezeichnet den in Geld gemessenen Tauschwert einer konkreten Tauschhandlung; Wert ist die zusammengefasste Preisvorstellung einer Gruppe von Marktteilnehmern.
Man unterscheidet absolute und relative Preise. Der absolute Preis ist das Austauschverhältnis zwischen Geld und Ware. Der relative Preis gibt den Tauschwert eines Gutes in Einheiten eines anderen Gutes an. Preiswürdigkeit bezieht den Preis auf die Qualität eines Produkts oder einer Dienstleistung, Preisgünstigkeit auf die Konkurrenz. Das Preisniveau beschreibt die Preise eines Warenkorbs im Zeitverlauf; sein Anstieg heißt Inflation, sein Sinken Deflation. Preisindizes machen Preisänderungen sichtbar. Viele Waren und Dienstleistungen haben Festpreise, während Preise von Finanzprodukten meist volatil sind. Ein Negativpreis ist kleiner als null.
Marktpreis und Preisbildung
Ein knappes Gut hat einen Preis größer als null, ein freies Gut einen Preis von null. Anbieter fordern einen Angebotspreis, Nachfrager bieten einen Nachfragepreis. Ein Marktpreis entsteht erst, wenn eine Marktseite den Preis der anderen akzeptiert; Konsumenten tun dies häufig ohne ausdrückliche Verhandlung durch konkludentes Handeln.
Auf einem freien Markt mit mehreren Anbietern und Nachfragern führt der Markt- oder Gleichgewichtspreis Angebot und Nachfrage zusammen. Formal gilt für den Preis P:
P = E / L
E ist das geldliche Leistungsäquivalent, L die angebotene oder nachgefragte Leistung. Steigt E bei gleichbleibendem L, steigt der Preis. Sinkt L bei konstantem E, steigt der Preis ebenfalls.
Im theoretischen polypolistischen Markt mit Markttransparenz sinkt der Preis bei einem Angebotsüberschuss. Zum niedrigeren Preis steigt die Nachfrage, während das Angebot sinkt, bis erneut Marktgleichgewicht erreicht wird. Mit weniger Anbietern und Abnehmern wird die Preisbildung unstetiger. In einem unilateralen Monopol bestimmt Anbieter oder Abnehmer allein den Preis; im bilateralen Monopol ist die Preisfindung oft willkürlich.
Preise von Produktionsfaktoren heißen Lohn für Arbeit, Zins für Kapital und Bodenrente für Boden. Weitere Preisformen sind etwa Tarif, Miete, Pacht und Gebühr; auch Devisen- und Aktienkurse zählen zu Preisen. Für Nachfrager sind Preise Kosten, für Anbieter Umsatzerlös oder Ertrag.
Funktionen des Preises
Der Preis erfüllt auf Märkten mehrere Funktionen. Seine Indikator-, Knappheits- oder Signalfunktion zeigt die Knappheit eines Gutes an: Ein steigender Preis signalisiert Anbietern eine gestiegene Nachfrage und einen attraktiven Markt. Bei einer nach rechts verschobenen Nachfragekurve kann der Preis zunächst schneller als die Absatzmenge reagieren; bei gleicher Menge x0 steigt er auf p1.
Die Koordinierungs- oder Ausgleichsfunktion stimmt die Pläne von Haushalten und Unternehmen aufeinander ab. Reagieren Unternehmen mittel- bis langfristig auf eine höhere Nachfrage mit einer Angebotsausweitung, kann zunächst ein Angebotsüberhang entstehen. Es wird dann mehr angeboten, als Nachfrager zum jeweiligen Preis kaufen wollen. Der Preis pendelt sich im Bereich des neuen Gleichgewichts X2/p2 ein.
Die Allokationsfunktion lenkt die knappen Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital in Bereiche, in denen sie am dringendsten benötigt werden. Höhere Preise motivieren Unternehmen zur Produktion; sie verlagern Produktionsfaktoren von weniger nachgefragten Gütern zum betreffenden Gut. Nach neoklassischen Annahmen sorgt der Gleichgewichtspreis so für effiziente Allokation. Bei niedrigen Preisen stoppt ein Unternehmen die Produktion. Neue Anbieter oder eine Produktionsausweitung verschieben die Angebotskurve nach rechts; ein Überschuss senkt den Preis bis zum neuen Gleichgewichtspreis p3. Niedrige Preise können auf der Nachfragerseite zum Kauf anregen.
Die Selektionsfunktion bewirkt, dass die Höhe des Preises entscheidet, welche Einkommensgruppen als Käufer in Betracht kommen. Hohe Preise lassen nur zahlungsfähige Nachfrager übrig, etwa bei Luxusgütern. Niedrige Preise sprechen eher ärmere Käuferschichten an, etwa bei inferioren Gütern und Billigsortimenten. Sinkende Preise und Absatzmengen können bei unwirtschaftlichen Unternehmen Verluste, Produktionsumstellungen, Insolvenz oder Strukturkrisen auslösen.
Unternehmenssicht, Kosten und Währungen
Für Unternehmen ist der Preis neben Produktionsmenge sowie Produkt- oder Dienstleistungsqualität ein zentrales Steuerungsmittel. Preispolitik befasst sich strategisch mit der Preisuntergrenze als Mindestpreis; die Preisobergrenze als Höchstpreis wird häufig staatlich reguliert. Die Obergrenze liegt dort, wo Käufer Kauf und Nichtkauf als gleich vorteilhaft ansehen. Die Untergrenze ist so niedrig, dass ein Unternehmen gerade noch als Grenzanbieter bestehen kann.
Ein Preis soll Kosten decken und kann außerdem einen geplanten produktbezogenen Gewinn enthalten. Zur Kalkulation gehören direkt zurechenbare Kosten sowie anteilige Fixkosten, insbesondere Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Energie, Personal, Vertrieb, Verwaltung, Transport, Lagerung, Kapital, Steuern und Gewinnmarge beziehungsweise Handelsspanne. Kosten bilden die Preisuntergrenze, wenn ohne Verlust gearbeitet werden soll. Darüber hinaus beeinflusst die Begehrtheit eines Gutes den möglichen Preis: Sie ist die Bereitschaft, dem Anbieter eine bestimmte Geldmenge zu übertragen. Negative Zukunftserwartungen können Käufe verzögern oder verhindern.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis lautet:
Preis-Leistungs-Verhältnis = Kosten / Leistungsumfang
Bei gleicher Arbeitszeit und gleichem Materialaufwand ist ein Haarschnitt für 46 Euro gegenüber einem für 55 Euro preisgünstiger. Werden Güter in unterschiedlichen Währungen angeboten, können Umrechnungen Preis- und Arbitragevorteile schaffen. Starke Devisennachfrage kann diesen Vorteil jedoch durch teurere Devisen verringern. Unterschiedliche regionale Selbstkosten können Preisvorteile ermöglichen, wenn ein Währungsausgleich entfällt.
Preisangaben und besondere Handelsbegriffe
Wichtige Preisbezeichnungen im Handel sind: Der Barverkaufspreis gilt bei Barzahlung. Der Einzel- oder Stückpreis gilt für ein Stück in der kleinsten erhältlichen Menge; bei loser Ware kann er je Mengeneinheit angegeben werden. Der Gesamtpreis einer Rechnungsposition ergibt sich aus Einzelpreis mal Menge und kann zusätzlich Umsatzsteuer, Lieferung oder Montage umfassen. Der Grundpreis ist der Preis je Mengeneinheit, grundsätzlich je 1 Kilogramm, 1 Liter, 1 Kubikmeter, 1 Meter oder 1 Quadratmeter; er muss nach § 4 Preisangabenverordnung nahe beim Endpreis klar erkennbar sein.
Ein Festpreis darf aufgrund von Gesetz oder Vertrag weder über- noch unterschritten werden. Ein Höchstpreis darf nicht überschritten, ein Mindestpreis nicht unterschritten werden. Der Listenpreis steht etwa in Preisliste, Katalog oder Speisekarte. Nettopreise enthalten keine gesetzliche Umsatzsteuer, Bruttopreise enthalten sie. Ein Eckpreis oder gebrochener Preis liegt knapp unter einer ganzen oder runden Zahl, etwa 1,99 € oder 89,99 €; runde und gebrochene Preise dienen auch der psychologischen Preispolitik. Ein Mondpreis ist vorsätzlich deutlich überhöht.
Die unverbindliche Preisempfehlung (UPE oder UVP) ist ein vom Hersteller oder Importeur empfohlener Endverbraucherpreis. Preisgegenüberstellungen vergleichen etwa UVP und eigenen niedrigeren Preis oder alten und neuen eigenen Preis; Preisvergleiche stellen dagegen Forderungen verschiedener Anbieter für identische Waren oder gleichartige Dienstleistungen gegenüber. Online-Preisvergleiche haben weite Verbreitung gefunden. Preisdatenbanken sollen die Markttransparenz erhöhen, beispielsweise die Preistransparenzdatenbank in Österreich. Rechtlich ist eine Preisangabe im Handel in der Regel eine invitatio ad offerendum, also eine Aufforderung an Kunden, ein Kaufangebot abzugeben.
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