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Angebot (Volkswirtschaftslehre)
Dem Angebot steht die Nachfrage gegenüber. Lineare Angebotskurve, die am Schnittpunkt mit der Nachfragekurve den Gleichgewichtspreis erreicht …
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Begriff und Bedeutung
Angebot bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre die Menge an Gütern oder Dienstleistungen, die Wirtschaftssubjekte als Verkäufer zu einem bestimmten Preis gegen Geld oder andere Güter und Dienstleistungen auf einem Markt abzusetzen bereit sind. Sein Gegenstück ist die Nachfrage.
Anbieter können Unternehmen, der Staat einschließlich öffentlicher Verwaltung und Staatsunternehmen sowie Privathaushalte sein. Damit sie Mengen zusammenfassen können, muss das betrachtete Gut homogen sein, also in seinen wesentlichen Eigenschaften gleichartig. In erweitertem Sinn kann man auch das Angebot eines Wirtschaftszweigs oder der gesamten Volkswirtschaft betrachten. Dieses Gesamtangebot ist die Summe der preislich bewerteten Angebote einzelner Güter.
Angebot ist meist durch betriebliche Kapazitäten begrenzt. Bei gegebener Nachfrage kann deshalb Knappheit entstehen. Freie Güter wie Luft sind im jeweiligen Gebiet und Zeitraum so reichlich vorhanden, dass Menschen sie bis zur Sättigungsmenge konsumieren können. Wirtschaftsgüter sind dagegen knappe Güter: Sie stehen nicht jederzeit, an jedem Ort und in gewünschter Qualität und Menge bereit.
Entwicklung wichtiger Auffassungen
Richard Cantillon verband 1755 Angebot und Nachfrage systematisch und erklärte, dass der Marktpreis wegen der Marktentwicklung zeitweilig über oder unter dem natürlichen Preis liegen könne. François Quesnay betrachtete 1757 vor allem das durch Boden, Bodenkosten und Kultivierung begrenzte landwirtschaftliche Angebot. Adam Smith schrieb 1776, das Güterangebot passe sich auf natürliche Weise der wirksamen Nachfrage an; auch David Ricardo bestimmte den Marktpreis durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage.
Das 1803 entwickelte Saysche Theorem von Jean-Baptiste Say nimmt an, dass ein höheres Güterangebot stets eine entsprechend höhere Nachfrage hervorbringe: Das Angebot schaffe seine eigene Nachfrage, daher könne keine Überproduktion bestehen. Thomas Robert Malthus widersprach 1820 und betonte, mehr Produktion sei nur nützlich, wenn Nachfrage nach ihren Erzeugnissen bestehe. John Maynard Keynes hielt 1936 im Gegensatz zu Say und John Stuart Mill gesamtwirtschaftliches Ungleichgewicht für den Normalfall. Nach Keynes bestimmt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage das Angebot; unzureichende effektive Nachfrage verursacht Arbeitslosigkeit.
Angebot auf verschiedenen Märkten
Auf Teilmärkten heißen Angebote unterschiedlich: Güterangebot auf dem Gütermarkt, Arbeitsangebot auf dem Arbeitsmarkt, Geldangebot auf dem Geldmarkt und Kapitalangebot auf dem Kapitalmarkt.
Arbeitsangebot meint aus ökonomischer Sicht die Arbeitsuchenden, die ihre Arbeitskraft Arbeitgebern anbieten. Sie teilen ihre verfügbare Zeit T in Arbeitszeit H und Freizeit F auf:
T=H+F.
Ein höheres Arbeitsangebot bedeutet weniger Freizeit und umgekehrt. Das zunehmende Arbeitsleid muss durch Arbeitsentgelt ausgeglichen werden. Für Arbeitslose bedeutet Arbeitssuche einen Nutzenverlust, weil Freizeit entgeht.
Angebotsfunktion, Gleichgewicht und Sonderfälle
Die Angebotsfunktion beschreibt den Zusammenhang zwischen Marktpreis und angebotener Menge. Nach dem Angebotsgesetz ist das Angebot normalerweise bei hohen Preisen groß und bei niedrigen Preisen gering; die Angebotskurve steigt daher. Nach dem Nachfragegesetz steigt die nachgefragte Menge im Allgemeinen bei fallendem Preis und sinkt bei steigendem Preis. Bei niedrigen Preisen bieten nur besonders kostengünstige Anbieter kleine Mengen mindestens zu ihrer Preisuntergrenze an. Grenzanbieter können gerade noch an ihrer Angebotsschwelle verkaufen.
Für Angebot und Nachfrage gelten:
x_a=f(p)
x_n=f(p)
Das Marktgleichgewicht liegt vor, wenn x_a-x_n=0. Dabei ist x_a die Angebotsmenge, x_n die Nachfragemenge und p der Marktpreis. Bei Überangebot sinkt der Preis zum Gleichgewichtspreis, bei Übernachfrage steigt er. Der Gleichgewichtspreis erfüllt sämtliche Preisfunktionen.
Kurzfristig zeigt die Angebotsfunktion eines Unternehmens bei vollkommener Konkurrenz die jeweils gewinnmaximierende Produktionsmenge für vorgegebene Preise. Das Unternehmen ist dann Mengenanpasser. Seine Angebotsfunktion ist der aufsteigende Ast der Grenzkostenfunktion ab dem Betriebsminimum und folgt aus der Preis-Grenzkosten-Regel. Preissetzende Unternehmen mit Preisführerschaft haben keine Angebotsfunktion. Das Branchenangebot entsteht durch Aggregation der Angebotsfunktionen aller Unternehmen; mit längerer Betrachtungsfrist steigt die Angebotselastizität.
Je stärker Güter und Wirtschaftssubjekte zusammengefasst werden, desto problematischer wird die ceteris-paribus-Klausel: Andere Umstände wie Einkommen und Angebotsstruktur bleiben dann möglicherweise nicht unverändert. Allgemeine Gleichgewichtsmodelle umgehen diese Schwierigkeit.
Bei anormalem Angebot ist es umgekehrt: Niedrige Preise gehen mit hohem und hohe Preise mit niedrigem Angebot einher. Landwirtschaftliche Anbieter können bei sinkenden Agrarpreisen ihr Angebot erhöhen, um Einkommensausfälle auszugleichen; dadurch kann ein Angebotsüberhang entstehen. Auch das Arbeitsangebot kann bei sinkendem Realeinkommen steigen: Ist der Lohn zu niedrig zum Überleben, arbeiten Betroffene mehr, um ihre Existenz zu sichern. Zuvor sinkt das Arbeitsangebot zunächst wie im Normalfall bei fallendem Lohnsatz.
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