Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Nachfrage (Mikroökonomie)
Als Nachfrage wird in der Mikroökonomie das Streben der Wirtschaftssubjekte nach Gütern oder Dienstleistungen zu einem bestimmten Preis bezeichnet, die der …
Inhalt4 Abschnitte
Grundbegriff und Formen der Nachfrage
In der Mikroökonomie bezeichnet Nachfrage das Streben von Wirtschaftssubjekten nach Gütern oder Dienstleistungen zu einem bestimmten Preis, die der Bedarfsdeckung dienen. Der komplementäre Begriff ist Angebot. Nachfrager können Privathaushalte, Unternehmen, der Staat mit seinen Gebietskörperschaften und das Ausland sein. Unternehmen treten daher nicht nur als Anbieter auf, sondern fragen beispielsweise auf dem Faktormarkt Rohstoffe für ihre Produktion nach.
Ein Wirtschaftssubjekt muss als Marktteilnehmer auftreten und für das angebotene Handelsobjekt eine Gegenleistung erbringen. In der Geldwirtschaft wird der Kaufpreis in Geld entrichtet, in der Tauschwirtschaft durch andere Güter oder Dienstleistungen. Je nach Handelsobjekt unterscheidet man Faktornachfrage, Devisennachfrage, Geldnachfrage, Güternachfrage, Kapitalnachfrage und Kreditnachfrage. Die Güternachfrage richtet sich entweder auf Konsumgüter oder auf Investitionsgüter.
Unternehmen verfolgen bei ihrer Nachfrage typischerweise das Ziel der Gewinnmaximierung. Privathaushalte und der Staat orientieren sich an der Nutzenmaximierung.
Nachfrage und Preis
Eine Nachfragefunktion ist eine mathematische Funktion. Sie beschreibt, wie die mengenmäßige Nachfrage eines Wirtschaftssubjekts nach einem Gut vom Preis dieses Gutes, von den Preisen anderer Güter und vom Einkommen abhängt. Die Marshallsche Nachfragefunktion erfasst die direkte Abhängigkeit der nachgefragten Menge nur vom Preis des betrachteten Gutes. Nachfragefunktionen dienen dazu, das Nachfrageverhalten zu untersuchen. Im einfachen Modell bestimmen Angebot und Nachfrage gemeinsam den Preis und schaffen ein Marktgleichgewicht.
In der grafischen Darstellung ist der Prohibitivpreis der Schnittpunkt der Nachfragekurve mit der Ordinate. Er ist so hoch, dass die Nachfrage auf null zurückgeht. Der Schnittpunkt mit der Abszisse bezeichnet die Sättigungsmenge bei einem Preis von null. Die Nachfrageelastizität ist das Verhältnis der relativen Änderung der Güternachfrage zur verursachenden relativen Preisänderung desselben Gutes.
Das erste Gesetz der Nachfrage besagt: Normalerweise wird bei einem niedrigeren Preis eine größere und bei einem höheren Preis eine kleinere Menge eines Gutes nachgefragt. Ursache ist vor allem die Begrenztheit des Geldes; es ist für diese Regel relativ unbedeutend, ob sich Nachfrager rational oder irrational verhalten. Das zweite Gesetz besagt, dass Preis- und Einkommensänderungen im Zeitverlauf zu flacheren Nachfragekurven führen. Dies wird mit Nachfrageelastizitäten erklärt.
Nachfrage und Einkommen
Das Einkommen ist eine besonders wichtige Bestimmungsgröße der Nachfrage, weil der Kaufpreis normalerweise aus dem Einkommen und ausnahmsweise aus dem Vermögen bestritten wird. Die Güternachfrage hängt außerdem von den Preisen der Güter im Warenkorb und von den Präferenzen der Käufer ab.
Die Einkommenselastizität der Nachfrage misst, wie stark sich die Nachfrage im Verhältnis zu einer Einkommensänderung verändert. Ihre Größe hängt mit der Güterart zusammen:
- Bei einer Einkommenselastizität < 0 steigt das Einkommen, während die Nachfrage sinkt. Es handelt sich um ein inferiores Gut.
- Bei einer Einkommenselastizität von 0 ist die Nachfrage vom Einkommen unabhängig. Das Gut heißt neutrales Gut.
- Bei einer Einkommenselastizität > 0 steigen Einkommen und Nachfrage. Das Gut ist ein normales Gut.
- Liegt die Elastizität zwischen 0 und 1, steigt die Nachfrage bei wachsendem Einkommen unterproportional. Man spricht von einem relativ inferioren Gut.
- Bei einer Elastizität > 1 steigt die Nachfrage überproportional; es handelt sich um ein superiores Gut.
Bei normalen Gütern ist die Einkommenselastizität positiv. Nach dem Engelschen Gesetz ist sie bei lebensnotwendigen Gütern, etwa Lebensmitteln, kleiner als eins. Steigt das Einkommen um 10 Prozent, kann die Nachfrage nach Lebensmitteln beispielsweise nur um 7 Prozent steigen. Bei Luxusgütern ist die Einkommenselastizität größer als eins, sodass die Nachfrage überproportional wächst. Bei inferioren Gütern sinkt die Nachfrage trotz steigenden Einkommens, wenn die Preise gleich bleiben.
Die Einkommensunabhängigkeit neutraler Güter gilt nur mikroökonomisch. Ohne Einkommen kann ein Nachfrager selbst bei notwendigem Bedarf keine Nachfrage entfalten, sofern nicht etwa eine Krankenversicherung die Kosten übernimmt. Deshalb kann ein einkommensloser Krankenversicherter sein Insulin erhalten, während ein nicht versicherter Mensch in Afrika keine Aids-Medikamente erhält.
Nachfrageinterdependenzen und wirtschaftliche Bedeutung
Nachfrageinterdependenzen sind Abhängigkeiten zwischen den Nachfragefunktionen verschiedener Wirtschaftssubjekte. Beim Mitläufereffekt steigt die Nachfrage nach einem Gut, je größer die von anderen Wirtschaftssubjekten gekaufte Menge ist. Beim Snobeffekt wird die Nachfrage eines Wirtschaftssubjekts dagegen durch die Nachfrage anderer negativ beeinflusst. Beim Veblen-Effekt fragt ein Wirtschaftssubjekt im Streben nach sozialem Status umso mehr von einem Gut nach, je höher der Preis ist, den Nicht-Käufer vermuten.
Die Nachfrage bildet das Ende der Kette aus Mangel, Bedürfnis, Bedarf und Nachfrage. Ein objektiver Mangel wird zum Bedürfnis, wenn er subjektiv wahrgenommen wird und ein Anreiz zur Bedürfnisbefriedigung entsteht. Entscheidend ist daher der subjektiv empfundene Mangel. Ein Bedürfnis wird zum Bedarf, wenn konkrete Güter oder Dienstleistungen bekannt sind, die den Mangel beseitigen können. Bedarf ist die Art und/oder Menge der zur Bedürfnisbefriedigung notwendigen Güter und Dienstleistungen. Führt der Bedarf zu einer Kaufentscheidung, entsteht Nachfrage.
In der Mikroökonomie unterscheidet man die Individualnachfrage eines einzelnen Wirtschaftssubjekts nach einem Gut und die aggregierte Marktnachfrage. In der Makroökonomie setzt sich die gesamtwirtschaftliche Nachfrage aus der Nachfrage auf verschiedenen Teilmärkten zusammen. In der neoklassischen Preistheorie bestimmt unter Wettbewerbsbedingungen der Schnittpunkt von Gesamtangebots- und Gesamtnachfragekurve den aktuellen Preis eines Gutes. In der allgemeinen Gleichgewichtsanalyse werden die Preise aller Güter durch die simultane Gleichsetzung von Gesamtangebot und Gesamtnachfrage auf allen Märkten bestimmt.
Ob Lohnerhöhungen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage langfristig steigern, ist fraglich. Kurzfristig erhöhen sie zwar das Einkommen und können damit die Nachfrage steigern. Zugleich können sie eine Lohn-Preis-Spirale auslösen oder verstärken und dadurch Inflation verursachen. Überschreiten Lohnerhöhungen die Grenzproduktivität der Arbeit, können Unternehmen aus Kostensenkungsgründen Arbeitskräfte durch Kapital, etwa Maschinen, ersetzen. Diese Faktorsubstitution kann die Produktivität steigern, die Zahl der Einkommensbezieher verringern und dadurch die Nachfrage senken.
Mit wachsendem Aggregationsgrad, also bei der Zusammenfassung immer mehr Akteure und Güter, wird die ceteris-paribus-Klausel problematischer. Sie verlangt, dass übrige Umstände wie Einkommen und Nachfragestruktur unverändert bleiben. Bei aggregierten Nachfragefunktionen ist das häufig nicht mehr anzunehmen. Modelle des allgemeinen Gleichgewichts umgehen diese Schwierigkeit, indem sie die Veränderungen auf mehreren Märkten gleichzeitig berücksichtigen.
Lernvideos zu Nachfrage (Mikroökonomie)
2:50
Angebot und Nachfrage – Grundbegriffe Wirtschaft (veraltet)
Wirtschaft - simpleclub · 863.001 Aufrufe
3:44
Angebot und Nachfrage - einfach erklärt mit Beispielen!
Studyflix · 542.793 Aufrufe
9:23
Nachfrage- & Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik (Fiskalismus & Monetarismus) | Wirtschaft Basics
Die Merkhilfe · 497.498 Aufrufe
2:55
Preiselastizität der Nachfrage kurz und knapp erklärt | Überblick und Beispiel | wirtconomy
wirtconomy · 181.326 Aufrufe