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Tableau économique
Am Wirtschaftskreislauf nahmen Quesnay zufolge drei Klassen als Wirtschaftssubjekte ... Wirtschaft mittels eines potentiell quantifizierbaren formalen Modells und …
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Grundidee und Voraussetzungen
Das Tableau économique („ökonomische Tabelle“; vollständig: Analyse du Tableau économique) ist ein Aufsatz des Physiokraten François Quesnay. Es gilt als erste Darstellung eines Wirtschaftskreislaufs in der Volkswirtschaftslehre. Quesnay untersuchte darin die Agrarproduktion und ging von einem Agrarstaat aus: Die Herstellung von Agrarprodukten beherrscht den gesamten Wirtschaftsprozess.
Sein Kreislaufmodell setzt freien Handel, freie Preisbildung und ein kapitalistisches Pachtsystem voraus. Es beschreibt außerdem Güterströme, also Bewegungen von Waren, und Geldströme zwischen den beteiligten Gruppen. Quesnay übergab das Tableau économique im Dezember 1758 König Ludwig XV. im Schloss Versailles, zusammen mit den „Maximes générales du Gouvernement économique d’un royaume agricole et notes sur ces Maximes“.
Drei Klassen im Wirtschaftskreislauf
Quesnay übertrug die Vorstellung des Blutkreislaufs auf die Wirtschaft. In seinem Modell handeln drei Klassen als Wirtschaftssubjekte:
- Die produktive Klasse (classe productive) besteht aus Landwirten und Bodenpächtern. Nur die Landwirtschaft als Bereich der Urproduktion erzeugt Agrarprodukte; auf ihnen beruht die Wertschöpfung.
- Die sterile oder unproduktive Klasse (classe stérile) umfasst Handel, Handwerk und Gewerbe. Sie formt die Agrarprodukte der produktiven Klasse lediglich um.
- Die Grundbesitzer (classe des propriétaires) stehen zwischen diesen beiden Klassen.
Die Bauern verwenden einen Teil ihrer Agrarprodukte zur Selbstversorgung, etwa als Saatgut, Futtermittel oder Nahrung für den Privathaushalt. Der größere Rest geht zur Weiterverarbeitung und zum Handel an die sterile Klasse sowie als Pachtzahlung an die Grundbesitzer. Die sterile Klasse kauft mit ihrer Handelsspanne – der Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreisen der Vorleistungsgüter – Agrarprodukte für den Eigenverbrauch.
Kreislauf, Darstellung und Bedeutung
Aus diesen Geld- und Güterbewegungen entsteht ein Kreislauf von Produktion, Verteilung und Verwendung. Die Darstellung hatte optisch die Form eines Zickzack-Musters. Das Tableau beschreibt eine stationäre Wirtschaft, also eine zirkuläre und miteinander verflochtene Wirtschaft ohne dargestellte Veränderung ihres Zustands. Es erklärt zugleich Produktionsprozesse sowie die Verteilung und Verwendung des Reichtums.
Auf Veranlassung des Marquis de Mirabeau erstellte Quesnay eine verständlichere Fassung; sie erschien 1759 als zweite und dritte Auflage. Obwohl der Gegenstand des Modells, die feudale Agrarwirtschaft, vergangen ist, schreibt der Artikel dem Tableau weiterhin Erkenntniswert zu. Als bahnbrechend gelten die Einteilung der Gesellschaft in ökonomisch-funktionale Klassen, ein potenziell quantifizierbares formales Modell zur Wirtschaftsanalyse und die deduktiv begründete Ableitung wirtschaftspolitischer Handlungsnormen. Das Tableau bildet nach dem Artikel eine Grundlage der heutigen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und Ökonometrie.
Spätere Einordnung
Die Deutung des Tableaus blieb trotz späterer Auflagen teilweise rätselhaft. Karl Marx erklärte 1886 in seinem Beitrag zum Anti-Dühring, er habe diese Rätsel zufriedenstellend gelöst. In Theorien über den Mehrwert bezeichnete er das Tableau als „höchst genialer Einfall, unstreitig der genialste, dessen sich die politische Ökonomie bisher schuldig gemacht hat“.
Joseph A. Schumpeter ordnete 1961 die Vorstellung eines stationären Wirtschaftskreislaufs als in der Wirtschaftswissenschaft verbreitete, oft unausgesprochene Voraussetzung ein. Er schrieb, die Physiokraten hätten sie versucht, Léon Walras habe sie endgültig erreicht; auch Alfred Marshalls Gebäude beruhe auf dieser Konzeption. Wassily Leontiefs 1936 veröffentlichte Input-Output-Analyse gilt als bedeutende Unterstützung der Kreislaufbetrachtung. Allen Oakley kritisierte 1990, Schumpeter habe andere Reproduktionsschemata und deren Weiterentwicklungen ignoriert. Im Januar 2008 behaupteten zwei niederländische Ökonomen, das Rätsel des Tableaus gelöst zu haben.