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Präteritum

In der gesprochenen Sprache wird das Präteritum meist nur für die Verben „haben“, „sein“, „wissen“, „heißen“, „finden“ (im Sinne von „empfinden“), „denken“ und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Was das Präteritum bezeichnet
  2. 2. Bildung mit schwachen und starken Verben
  3. 3. Unregelmäßige und doppelte Formen
  4. 4. Präteritum als Erzähltempus
  5. 5. Sprachliche Entwicklung und regionale Verteilung

Was das Präteritum bezeichnet

Das Präteritum ist eine Zeitform des Verbs zur Bezeichnung vergangener Ereignisse und Situationen. Es wird auch erste Vergangenheit oder, in Österreich, Mitvergangenheit genannt. Beispiele sind „ich lief“, „du lachtest“ und „es regnete“.

In der geschriebenen Sprache ist das Präteritum die wichtigste Erzählform, besonders in Romanen, der Geschichtsschreibung und Berichten. In nichtliterarischen Texten bezeichnet es meist Handlungen oder Vorgänge, die in der Vergangenheit abgeschlossen wurden und keinen unmittelbaren Bezug zur Gegenwart haben. Besteht ein solcher Bezug, wird häufig das Perfekt verwendet. So heißt es in einer Autobiografie „Ich studierte in München Germanistik“, während in einer Bewerbung „Ich habe in München Germanistik studiert“ stehen würde.

Bildung mit schwachen und starken Verben

Im Deutschen gibt es zwei wichtige Konjugationsklassen: schwache und starke Verben.

Bei schwachen Verben wird an den Wortstamm die Endung „-te“ angehängt; danach folgt die jeweilige Personalendung. Die 1. und 3. Person haben im Singular und Plural jeweils dieselbe Form. Endet der Stamm auf t, d oder auf einen Verschlusslaut oder Reibelaut plus n oder m, wird vor der Endung ein zusätzliches „e“ eingefügt. Das gilt zum Beispiel für „atmen“, „öffnen“ und „trocknen“.

Starke Verben bilden das Präteritum durch einen Lautwechsel. Dabei wird vor allem der Stammvokal ausgetauscht; dieser Wechsel heißt Ablaut. Manchmal verändert sich außerdem der folgende Konsonant. Die Personalendungen werden nach festen Regeln angefügt.

Beispiele für die Konjugation sind:

  • schwach: ich lachte, du lachtest, er/sie/es lachte, wir lachten, ihr lachtet, sie lachten;
  • schwach: ich redete, du redetest, er/sie/es redete, wir redeten, ihr redetet, sie redeten;
  • stark: ich fuhr, du fuhrst, er/sie/es fuhr, wir fuhren, ihr fuhrt, sie fuhren;
  • stark: ich nahm, du nahmst, er/sie/es nahm, wir nahmen, ihr nahmt, sie nahmen.

Unregelmäßige und doppelte Formen

Bei manchen, vorwiegend weniger häufigen unregelmäßigen Verben besteht die Tendenz, alle Zeitformen regelmäßig zu bilden. Bei einigen Verben ist diese Entwicklung in der Standardsprache abgeschlossen. Früher hieß es beispielsweise „Der Hund boll“, heute „Der Hund bellte“.

Bei manchen Verben sind sowohl eine schwache als auch eine starke Präteritumsform möglich. Die Formen können unterschiedliche Bedeutungen haben. So ist „hängen – hängte“ transitiv, während „hängen – hing“ intransitiv gebraucht wird: „Otto hängte die Pelzmütze oft an den Haken; dort hing die Mütze dann den ganzen Sommer.“ Ebenso heißt es „Der Blitz erschreckte ihn“ und „auch sie erschrak“.

In solchen Fällen ist das intransitive starke Verb meist die Grundform. Das transitive schwache Verb ist davon als Kausativ abgeleitet, also als Verb mit der Bedeutung, dass jemand oder etwas etwas geschehen lässt. Dazu gehören „ich fiel“ und „ich fällte“ im Sinn von „ich machte etwas fallen“.

Manchmal unterscheiden sich die Formen auch deshalb, weil historisch verschiedene, heute gleich lautende Verben vorliegen. Beispiele sind „schliff“ im Sinn von „schärfte“ und „schleifte“ im Sinn von „zerstörte“ oder „zog“ sowie „bewog“ im Sinn von „veranlasste“ und „bewegte“ im Sinn von „in Bewegung war“. In anderen Fällen besteht kein Bedeutungsunterschied, etwa bei „sog“ oder „saugte“, „scholl“ oder „schallte“ sowie „molk“ oder „melkte“.

Präteritum als Erzähltempus

In literarischen Texten, besonders in Romanen, ist das Präteritum das typische Erzähltempus. Es bezeichnet dort die Gegenwart innerhalb der erzählten Geschichte. Innerhalb einer solchen Erzählung wird Vergangenes, das zeitlich vor dem Erzählzeitpunkt liegt, mit dem Plusquamperfekt ausgedrückt. Beispiel: „Nachdem er diesen Artikel gelesen hatte, war er in der Lage, Plusquamperfekt und Präteritum auseinanderzuhalten.“ Der erste Teilsatz steht im Plusquamperfekt und greift zeitlich vor; die anschließende Aussage steht im Präteritum.

In der gesprochenen Sprache wird das Präteritum dagegen meist nur bei „haben“, „sein“, „wissen“, „heißen“, „finden“ im Sinn von „empfinden“, „denken“ und den Modalverben verwendet. Bei den meisten anderen Verben ist das Perfekt üblich. Dies gilt besonders für Mundarten und die Alltagssprache in der Südhälfte des deutschen Sprachgebiets. Im Schweizerdeutschen wird überhaupt kein Präteritum verwendet.

Sprachliche Entwicklung und regionale Verteilung

Sprachgeschichtlich entstand die germanische Vergangenheitsform aus dem Zusammenfall von Aorist- und alten Perfektformen. Diese alten Formen haben nichts mit dem Perfekt der heutigen deutschen Grammatik zu tun. Ältere indogermanische Sprachen unterschieden die Vergangenheit außerdem aspektuell: Das Imperfekt bezeichnete vom Präsensstamm ausgehend unabgeschlossene, andauernde oder wiederholte Ereignisse und Zustände. Bei nur einem Vergangenheitstempus spricht man dagegen von Präteritum, weil diese Form sowohl Abgeschlossenes als auch Unabgeschlossenes und Unbestimmtes ausdrücken kann.

Die ältere Bezeichnung „Imperfekt“ wird für das Deutsche daher als ungeeignet angesehen und in der deutschen Grammatik meist durch „Präteritum“ ersetzt.

Im Oberdeutschen setzte sich bereits im 16. Jahrhundert das Perfekt gegen das Präteritum durch. Ein Grund war der Wegfall von „-e“ am Wortende, durch den schwache Präteritumsformen mit der 1. beziehungsweise 3. Person Singular des Präsens zusammenfielen, etwa „macht(e) – macht“. Im Oberdeutschen blieben jedoch, außer im Schweizerdeutschen, die Formen von „sein“ und die Modalverben auch gesprochen lebendig, weil sie sich deutlich vom Präsens unterscheiden.

Im niederdeutschen und mitteldeutschen Sprachraum wird das Präteritum weiterhin verwendet. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich jedoch auch in der nichtmundartlichen norddeutschen Umgangssprache das Perfekt ausgebreitet; dazu haben vermutlich die Massenmedien beigetragen. Gleichzeitig verloren die traditionellen Mundarten dort an Bedeutung.

Lernvideos zu Präteritum

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