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Modalverb

In Grammatiken des Deutschen erscheinen Modalverben oft als eigene Unterart des Verbs neben Hilfsverben, Funktionsverben, Kopulaverben und Vollverben. Sie …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Funktion
  2. 2. Modalverben im Deutschen
  3. 3. Satzbau und Perfektformen
  4. 4. Flexion und Sprachwandel
  5. 5. Andere Sprachen

Grundbegriff und Funktion

Ein Modalverb ist in der Sprachwissenschaft ein Verb, das Modalität ausdrückt. Modalität bedeutet hier vor allem, dass eine Aussage als notwendig oder möglich dargestellt wird. Modalverben verändern also die Art, wie eine Handlung oder ein Zustand gemeint ist: Es geht nicht nur darum, was geschieht, sondern ob etwas geschehen muss, geschehen soll, geschehen darf oder geschehen kann.

Im Deutschen werden gewöhnlich sechs Verben als Modalverben genannt: dürfen, können, mögen, müssen, sollen und wollen. Die Verben müssen, sollen und wollen bezeichnen verschiedene Arten von Notwendigkeit; dürfen, können und mögen bezeichnen verschiedene Arten von Möglichkeit. Modalverben sind aber nicht die einzige Art, Modalität auszudrücken. In Sprachen kann Modalität auch durch Affixe, also zum Beispiel Endungen an Vollverben, durch andere Wortarten wie Adverbien oder durch besondere syntaktische Konstruktionen ausgedrückt werden.

In Grammatiken des Deutschen gelten Modalverben oft als eigene Unterart des Verbs neben Hilfsverben, Funktionsverben, Kopulaverben und Vollverben. Häufig werden sie aber auch als modale Hilfsverben bezeichnet. Auch in der englischen Grammatik ist die Bezeichnung als Hilfsverben üblich, dort heißen sie modal auxiliaries. Es gibt jedoch Sprachen, in denen Modalverben nicht klar von Vollverben getrennt werden können.

Modalverben im Deutschen

Die deutschen Modalverben stehen typischerweise mit einem Infinitiv ohne zu. Ein Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, zum Beispiel gehen, arbeiten oder bezahlen. Bei den klassischen Modalverben heißt es also etwa: ich kann gehen, du musst arbeiten, er darf bezahlen. Diese Verbindung mit einem einfachen Infinitiv ist ein wichtiges Merkmal der Modalverben.

Die Modalverben haben außerdem Besonderheiten in der Flexion, also in ihrer Formenbildung. Im Präsens sind bei ihnen die 1. und 3. Person Singular gleich: ich soll – er soll. Bei den meisten anderen Verben ist diese Gleichheit nur im Präteritum üblich, etwa ich kam – er kam. Auch das Verb wissen zeigt diese Formgleichheit: ich weiß – er weiß. Es zählt aber nicht zu den Modalverben. Nach ihrer Bildungsart werden wissen und die Modalverben, außer wollen, als Präteritopräsentia zusammengefasst.

Neben den klassischen Modalverben gibt es weitere Verben und Verwendungsweisen, die eine ähnliche modale Bedeutung haben. Die Klasse der Modalverben wird in Grammatiken aber oft eng verstanden und auf Verben beschränkt, die den einfachen Infinitiv ohne zu verlangen. Andere Konstruktionen drücken ebenfalls Modalität aus, stehen aber mit zu-Infinitiv. Dazu gehört haben + zu mit der Bedeutung „müssen“: Ich habe noch zu arbeiten. In verneinten Sätzen kann brauchen die Bedeutung „nicht müssen“ haben: Er braucht nicht zu bezahlen; Er braucht keine Hausaufgaben zu machen. In der Dudengrammatik von 2022 werden solche Verben als „Halbmodalverben“ bezeichnet. Bei brauchen gibt es allerdings die Tendenz, es wie ein normales Modalverb zu verwenden und das zu wegzulassen.

Auch werden mit einem Infinitiv kann neben der Futurbildung modal gebraucht werden: Wenn er es sagt, wird es wohl stimmen. Außerdem wird die Konjunktiv-II-Reihe von mögen, also möchte, möchtest usw., oft wie ein selbstständiges Modalverb empfunden. In Ich möchte eine Tasse Kaffee trinken wirkt möchte als abgeschwächte Form von wollen. Viele Deutschsprechende nehmen die enge morphologische Beziehung zwischen möchte und mag weniger deutlich wahr als etwa die Beziehung zwischen könnte und kann.

Modalverben können Aufforderungen oder Verbote ausdrücken: Du sollst das tun! Du darfst das nicht tun! Eigene ausdrückliche Imperativformen besitzen sie dabei nicht. Früher wurde manchmal auch lassen zu den Modalverben gezählt, weil es syntaktisch ähnlich auftreten kann. Es bezeichnet aber keine Modalität und gehört deshalb nicht im eigentlichen Sinn zu dieser Gruppe.

Satzbau und Perfektformen

Im Deutschen kann das Hauptverb, das man zusammen mit einem Modalverb erwartet, in bestimmten Fällen wegfallen. Das betrifft besonders Verben der Bewegung mit einer Zielangabe, zum Beispiel gehen, fahren oder reisen. Dann bildet das Modalverb allein das Prädikat, und die Ergänzung bezieht sich eigentlich auf das weggelassene Verb: Ich will nach Hause [gehen]. Du musst in die Schule [gehen]. Auch bei Fähigkeiten kann das Vollverb unausgesprochen bleiben: Er kann kein Latein [sprechen oder verstehen].

Das infinite Verb kann auch durch ein Pronomen wie es oder das ersetzt werden. Dann wirkt das Modalverb formal wie ein transitives Vollverb, also wie ein Verb mit direktem Objekt: Ich will es. Das darfst du nicht. Er hat es nicht gekonnt.

Wollen und mögen, besonders im Konjunktiv II, können außerdem mit einem Objektsatz stehen: Sie wollte, dass die Diskussion beendet wird. Ich möchte, dass du kommst. In solchen Fällen verhalten sich diese Verben ebenfalls wie Vollverben. Das Subjekt des Nebensatzes ist dabei in der Regel ein anderes als das Subjekt des Hauptsatzes.

Wenn ein Modalverb mit einem Infinitiv verbunden ist, bilden beide zusammen ein zusammengesetztes Prädikat. Die deutschen Modalverben erlauben dabei keine inkohärente Konstruktion. Eine besondere Rolle spielen Perfekt-Konstruktionen. Wenn ein Modalverb selbst Hauptverb des Satzes ist, bildet es das normale Partizip Perfekt mit ge- + Verbstamm + -t: Er hat es nicht anders gewollt. Wenn es dagegen mit einem Infinitiv verbunden ist, erscheint im Perfekt und Plusquamperfekt der sogenannte Ersatzinfinitiv: Ich hatte ihn nicht sehen können. In manchen deutschen Dialekten kommt an dieser Stelle auch die Partizipialform vor.

Eine weitere Besonderheit ist, dass deutsche Modalverben miteinander kombiniert werden können. Ein Beispiel ist: Ich möchte dich sehen dürfen. In anderen Sprachen ist eine solche Kombination weniger leicht möglich.

Flexion und Sprachwandel

Modalverben unterscheiden sich auch historisch in ihrer Flexion von anderen Verben. Besonders auffällig ist die 2. Person Singular Indikativ Präsens. Bei dürfen, sollen und wollen endete sie in frühneuhochdeutscher Zeit noch auf -t: du darft, du sollt und du wilt.

Seit Beginn des 15. Jahrhunderts wurden diese Formen allmählich verändert. Nach dem Vorbild anderer Verben trat -st an die Stelle von -t. Dadurch entstanden die heutigen Formen du darfst, du sollst und du willst. Ein solcher Ausgleich nach dem Vorbild anderer Formen heißt Analogie.

Der Wandel verlief bei den einzelnen Modalverben unterschiedlich schnell. Bei dürfen war er bereits um 1530 abgeschlossen. Bei wollen und sollen lassen sich die alten Formen dagegen noch bis ins 19. Jahrhundert beobachten; bei wollen sind sie in einigen Dialekten bis heute erhalten. Der zeitliche Ablauf dieses Sprachwandels folgt dem Piotrowski-Gesetz.

Andere Sprachen

Auch andere germanische Sprachen besitzen Verben, die historisch den deutschen Modalverben entsprechen. Die Bedeutungen stimmen trotz ähnlicher Konstruktion und ähnlicher Funktion aber nicht vollständig überein. Die entsprechenden Wörter sind etymologisch verwandt, also sprachgeschichtlich miteinander verbunden, aber nicht einfach direkte Übersetzungen in jeder Verwendung.

Zu den genannten Entsprechungen gehören zum Beispiel neuenglisch can, neuhochdeutsch können/kann, neuniederländisch kunnen/kan, neuisländisch kunna/kann und norwegisch oder dänisch kunne/kan. Weitere Reihen sind shall – sollen/soll – zullen/zal – skulu/skal – skulle/skal sowie will – wollen/will – willen/wil – vilja/vill – ville/vil. Für müssen/muss werden unter anderem englisch must, niederländisch moeten/moet und norwegisch oder dänisch måtte/må genannt. Für mögen/mag erscheinen englisch may, niederländisch mogen/mag und neuisländisch mega/má. Für dürfen/darf gibt es unter anderem niederländisch durven/durf, neuisländisch þurfa/þarf und norwegisch turve; im Neuenglischen steht kein heutiges entsprechendes Wort, nur das historische † tharf.

In den romanischen Sprachen, zum Beispiel im Spanischen, werden neben Modalverben und ihren lexikalischen Entsprechungen häufiger entsprechende Modi verwendet, etwa der Subjunktiv. Ein Modus ist eine grammatische Form, mit der die Art einer Aussage markiert wird, zum Beispiel Wirklichkeit, Möglichkeit oder Wunsch.

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