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Perfekt im Deutschen

„gehen“ (Aktiv) · ich bin gegangen = vor fünf Minuten bin ich gegangen · du bist gegangen = vor fünf Minuten bist du gegangen · er/sie/es ist gegangen = vor fünf …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbedeutung und Einordnung
  2. 2. Bildung mit haben oder sein
  3. 3. Typische Konjugationsmuster
  4. 4. Gebrauch als Präsensperfekt und Vergangenheitstempus
  5. 5. Historische Entwicklung

Grundbedeutung und Einordnung

Das Perfekt ist in der deutschen Grammatik ein Tempus, also eine Zeitform des Verbs. Es bezeichnet grundsätzlich vollendete Handlungen und Vorgänge. Als Vorzeitigkeitstempus drückt es im Verhältnis zum Präsens aus, was zuvor geschehen ist. Deshalb wird es auch „zweite Vergangenheit“ oder kurz „2. Vergangenheit“ genannt.

Im Deutschen hat das Perfekt zwei wichtige Funktionen: Es kann eine vergangene Handlung mit gegenwärtigem Ergebnis oder gegenwärtiger Folge ausdrücken. Außerdem dient es besonders in der gesprochenen Sprache als Erzähl- und Berichtsform für abgeschlossene Ereignisse und steht dann häufig anstelle des Präteritums.

Das deutsche Perfekt darf nicht ohne Weiteres mit dem lateinischen Perfekt gleichgesetzt werden. Im Lateinischen bezeichnet das Perfekt vor allem vergangene Handlungen und ist ein Erzähltempus. In anderen indogermanischen Sprachen können als Perfekt bezeichnete Formen ähnlich wie das deutsche Perfekt einen perfektischen Aspekt, also einen resultativen beziehungsweise abgeschlossenen Vorgang, ausdrücken.

Bildung mit haben oder sein

Das deutsche Perfekt wird analytisch gebildet. Es besteht aus der konjugierten Personalform des Hilfsverbs „haben“ oder „sein“ im Präsens und dem aussagenden Verb. Das aussagende Verb steht normalerweise im Partizip II; dieses ist in allen Personen gleich. Bei Modalverben wird stattdessen der Infinitiv verwendet.

Die überwiegende Zahl der Verben bildet das Perfekt mit „haben“. Dazu gehören alle transitiven Verben im Aktiv, also Verben mit einem Akkusativobjekt, sowie reflexive und reflexiv gebrauchte Verben.

„Sein“ wird vor allem bei bestimmten intransitiven Verben verwendet. Dazu zählen Bewegungsverben, die eine Ortsänderung von A nach B ausdrücken, etwa „kommen“, „gehen“, „fahren“ und „springen“. Bei unterschiedlicher Verwendung kann sich das Hilfsverb ändern: „Ich bin mit dem Auto gefahren“, aber „Ich habe dich gefahren.“

Auch Verben, die eine Zustandsänderung ausdrücken, bilden das Perfekt mit „sein“. Dazu gehören etwa „aufwachen“, „sterben“ und „verwelken“. Die Verben „sein“, „werden“ und „bleiben“ verwenden ebenfalls „sein“ als Hilfsverb. Im Passiv transitiver Verben steht „sein“ zusammen mit der Partizipform „worden“.

Bei Verben der Position wie „stehen“, „sitzen“ und „liegen“ gibt es regionale Unterschiede. Im nördlichen Deutschland werden sie mit „haben“ gebildet, in Österreich, der Schweiz und weiten Teilen Süddeutschlands mit „sein“, zum Beispiel „ich bin gestanden“ und „er ist gesessen“. Beide Varianten gelten als korrekt. Bei übertragenen Bedeutungen wie „er hat gesessen“ im Sinn von „er war im Gefängnis“ werden im süddeutschen Sprachraum teilweise ebenfalls Formen mit „haben“ verwendet.

Typische Konjugationsmuster

Beim regelmäßigen Verb „arbeiten“ lautet das Perfekt im Aktiv:

  • ich habe gearbeitet
  • du hast gearbeitet
  • er/sie/es hat gearbeitet
  • wir haben gearbeitet
  • ihr habt gearbeitet
  • sie haben gearbeitet

Der Infinitiv Perfekt Aktiv lautet „gearbeitet haben“. Ein zeitlicher Zusammenhang kann etwa durch „Vor fünf Minuten habe ich gearbeitet“ ausgedrückt werden.

Beim Verb „gehen“ wird das Perfekt mit „sein“ gebildet:

  • ich bin gegangen
  • du bist gegangen
  • er/sie/es ist gegangen
  • wir sind gegangen
  • ihr seid gegangen
  • sie sind gegangen

Der Infinitiv Perfekt lautet „gegangen sein“. Ein Beispiel ist: „Vor fünf Minuten bin ich gegangen.“

Das Passiv „gesucht werden“ bildet das Perfekt mit „sein“ und „worden“:

  • ich bin gesucht worden
  • du bist gesucht worden
  • er/sie/es ist gesucht worden
  • wir sind gesucht worden
  • ihr seid gesucht worden
  • sie sind gesucht worden

Der Infinitiv Perfekt Passiv lautet „gesucht worden sein“.

Gebrauch als Präsensperfekt und Vergangenheitstempus

Als Präsensperfekt, eine Bezeichnung der Duden-Grammatik, bezieht sich das Perfekt auf einen Sachverhalt, der in der Vergangenheit abgeschlossen wurde, dessen Ergebnis oder Folge aber in der Gegenwart besteht. Beispiele sind:

  • „Der Kläger hat den Antrag gestellt“: Der Antrag liegt derzeit vor.
  • „Die Kollegin hat sich beim Skifahren ein Bein gebrochen“: Sie hat derzeit ein gebrochenes Bein.
  • „Es hat geregnet“: Die Wiese ist derzeit nass.
  • „Ich habe schon gegessen“: Ich bin satt.
  • „Letztlich hat er doch seinen Weg im Leben gefunden“: Er beschreitet diesen Weg derzeit.
  • „Der liebe Herr Nachbar hat immer noch nicht aufgehört, Krach zu machen“: Er macht derzeit noch Krach.

Das Präsens kann im Deutschen auch zukünftige Sachverhalte ausdrücken. Daher kann sich der Bezug eines Präsensperfekts ebenfalls auf die Zukunft verschieben. Dann ist es gleichbedeutend mit dem Futur II und bezeichnet etwas, das zu einem bestimmten zukünftigen Zeitpunkt abgeschlossen sein wird: „In zwei Monaten hat sie ihre letzte Prüfung gemacht“ entspricht „In zwei Monaten wird sie ihre letzte Prüfung gemacht haben“.

Das Plusquamperfekt entsteht durch eine weitere Verschiebung der betrachteten Zeit in die Vergangenheit. Das Hilfsverb steht dann in der Vergangenheitsform: „Vor zwei Monaten hat sie ihre letzte Prüfung gemacht“ ist ein Rückblick aus der Gegenwart; „Zwei Monate zuvor hatte sie ihre letzte Prüfung gemacht“ ist ein Rückblick von einem vergangenen Zeitpunkt aus. Das Präsensperfekt ist daher keine Zeitform, die ausschließlich an den Zeitpunkt der Äußerung gebunden ist, sondern eine relative Zeitangabe, die eher als Aspekt eingeordnet wird.

In der gesprochenen deutschen Sprache ist das Perfekt die vorherrschende Zeitform für Vergangenes, zum Beispiel: „Letztes Jahr habe ich viel an Hustenanfällen gelitten.“ Einige Verben werden auch mündlich häufig im Präteritum gebraucht, darunter „sein“, die Modalverben, „es gibt“, „finden“ als Urteilsverb und „meinen“ im Sinn von „sagen“.

Im Schweizerdeutschen sowie in anderen oberdeutschen und einigen westmitteldeutschen Dialekten gibt es wegen des oberdeutschen Präteritumschwundes fast oder überhaupt keine Präteritumsformen. Dort ersetzt das Perfekt das Präteritum grundsätzlich. Die Grenze dieses Sprachphänomens folgt teilweise der Mainlinie und verläuft von Hof im Osten bis nach Aachen im Westen. In diesem südlichen Sprachraum setzte die Entwicklung bereits im 16. und 17. Jahrhundert ein.

Historische Entwicklung

Die Ausbreitung und Ausbildung des deutschen Perfekts im 14. und 15. Jahrhundert hängt historisch mit dem Rückgang der finiten Form mit präfigiertem „ge-“ und mit der aspektuellen Opposition zusammen. Eine heute noch lexikalisierte Unterscheidung ist etwa „frieren“ gegenüber „gefrieren“.

Ursprünglich stand „sein“ bei intransitiven Verben perfekter Aktionsart und bezeichnete im Präsens das Ergebnis eines vergangenen Vorgangs. „Er ist gefallen“ konnte beispielsweise bedeuten: „Er liegt am Boden“; „er ist gefahren“ konnte bedeuten: „Er ist da“.

Das Perfekt mit „haben“ hatte bei transitiven Verben ursprünglich eine passive Bedeutung. „Ich habe das Buch gefunden“ konnte zunächst etwa „Ich habe das Buch als ein gefundenes“ bedeuten. Im Laufe der Zeit wurden beide Konstruktionen zunehmend zeitlich verstanden. Die Verwendung von „haben“ und „sein“ wurde bei den einzelnen Verben lexikalisiert; dabei kam es zu einer gewissen Verschiebung von „haben“ zu „sein“.

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