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Identität

Männlichkeit und nationale Identität erscheinen ähnlich problematisch. Identität als Identifikation mit einer Gruppe ist oftmals auch das Ergebnis von Erziehung und äußeren Zwängen; der Ausbruch aus der bisherigen Identität kann ein Akt der Emanzipation sein.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff
  2. 2. Person und Entwicklung
  3. 3. Psychologische Identität
  4. 4. Selbstwert und Identitätsmodelle
  5. 5. Gesellschaft, Pädagogik und Recht
  6. 6. Philosophie und Mathematik

Grundbegriff

Identität bezeichnet die Gesamtheit der Eigenschaften oder Eigentümlichkeiten, durch die eine Entität, ein Gegenstand, ein Objekt oder eine Person gekennzeichnet und von anderen unterschieden wird. Für Personen meint Identität besonders die Merkmale, die im Selbstverständnis von Individuen oder Gruppen als wesentlich gelten. In rechtlichen Zusammenhängen geht es darum, Personen anhand gesellschaftlich relevanter Merkmale festzustellen.

Als Relation bedeutet Identität völlige Übereinstimmung. Qualitative Identität liegt vor, wenn zwei Gegenstände sich in allen Eigenschaften gleichen und nicht unterscheidbar sind. Numerische Identität liegt vor, wenn die scheinbar zwei Gegenstände in Wirklichkeit dasselbe Objekt sind. In Logik, Sprachphilosophie und Mathematik kann Identität auch bedeuten, dass Ausdrücke oder Begriffe dieselbe Intension oder Extension haben. In der Logik wird Identität etwa durch a ≡ a ausgedrückt.

Person und Entwicklung

Personale Identität ist schwierig zu bestimmen, weil Menschen und Lebewesen sich verändern, ohne deshalb ihre Identität zu verlieren. Der Artikel verweist auf Heraklits Bild vom Fluss: „Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.“ Auch der menschliche Körper erneuert viele Zellen, bleibt aber als Organismus derselbe.

Bei Lebewesen bedeutet eine Änderung physischer Merkmale nicht automatisch eine Änderung der Identität: Ein Kater bleibt derselbe Kater, auch wenn er ein Ohr verliert. Identität beruht auf Unterscheidung. Ein Körper oder eine Person wird als Ganzes identifiziert, nicht durch jedes einzelne Merkmal. Menschen entwickeln ihre Identität in einem Wechselspiel von Dazugehören und Abgrenzen. Ein Kind bildet seine Identität nach der Geburt erst allmählich in Abgrenzung von der Mutter aus.

Psychologische Identität

In der Psychologie beruht Identitätsentwicklung nach Rolf Oerter und Leo Montada auf zwei Prozessen: Selbsterkenntnis und Selbstgestaltung. Psychische Identität ist nicht unveränderlich und keine eindeutige Essenz. Sie entsteht dadurch, dass eine Person sich mit etwas identifiziert, also Merkmale von Gruppen oder Rollen annimmt und zugleich eigene persönliche Merkmale ausbildet.

Gruppenidentitäten helfen bei der Entwicklung der Persönlichkeit, können aber auch Fremdbestimmung und Zuschreibung bedeuten. Die eigene Identität stimmt nicht immer mit der Identifizierung durch andere überein. Beispiele im Artikel sind sexuelle Zuschreibungen, Migrationserfahrungen und Nachfahren von Deutschen aus Russland. Identität wird teilweise durch Gruppenzugehörigkeiten und soziale Rollen bestimmt, also durch ein „Wir“. Zugleich umfasst sie in vielen Kulturen auch die Erfahrung der Einzigartigkeit, also ein „Ich“.

Selbstwert und Identitätsmodelle

Ein ungewollter Identitätsverlust kann psychisch belastend sein, besonders wenn wichtige Gruppenzugehörigkeiten wie Familie, Nation, Region, Religion, Freundeskreis oder informelle Gruppen verloren gehen. Identität kann aber auch kritisch gesehen werden, wenn sie als festgelegte, fremdbestimmte Sammlung von Erwartungen und Stereotypen wirkt. Dann kann der Ausbruch aus einer bisherigen Identität als Emanzipation verstanden werden. Der Artikel betont, dass Menschen immer mehrere sich überschneidende Identitäten haben.

George Herbert Mead erklärt Identität als Ergebnis sozialer Interaktion über Sprache. Identität ist bei der Geburt nicht vorhanden, sondern entsteht in gesellschaftlichen Erfahrungs- und Tätigkeitsprozessen. Mead unterscheidet das impulsive „I“ und das reflektierte „ME“. Das „ME“ enthält organisierte Haltungen anderer, Erfahrungen und Erinnerungen; das „I“ reagiert frei und initiativ auf Situationen. Teilidentitäten treten je nach sozialer Situation hervor und bilden zusammen die Gesamtidentität.

Erik Erikson definiert Ich-Identität als „Zuwachs an Persönlichkeitsreife“, den das Individuum am Ende der Adoleszenz aus Kindheitserfahrungen gewinnen muss, um für das Erwachsenenleben gerüstet zu sein. Sie integriert psychosexuelle und psychosoziale Aspekte. Jürgen Habermas griff diesen Begriff auf. James E. Marcia betonte exploration, also die Erkundung möglicher Identitäten, und commitment, also die Verpflichtung auf eine bestimmte Identität. Jane Loevinger beschrieb Ich-Entwicklung in neun Stufen. Heiner Keupp spricht vom „Patchwork der Identitäten“: spätmoderne Identität ist ein unabschließbarer Prozess alltäglicher Identitätsarbeit mit Teilidentitäten, Kohärenz, Anerkennung, Authentizität, Handlungsfähigkeit, Ressourcen und Narration.

Gesellschaft, Pädagogik und Recht

Politische und soziologische Identitätsbegriffe behandeln Identität als Grundlage von Zugehörigkeit, Abgrenzung und politischem Handeln. Der Artikel weist darauf hin, dass der Abschnitt zur Identitätspolitik in Wikipedia unzureichend belegt und möglicherweise nicht neutral geschrieben ist. Dort wird Identitätspolitik einerseits dominanten Gruppen zugeschrieben, die gesellschaftliche Normen festlegen wollen, andererseits dominierten Gruppen, die ein „Wir-Gefühl“ zur Selbstrepräsentation und zur Durchsetzung emanzipatorischer Forderungen entwickeln.

Lothar Krappmann versteht Identität als etwas, das über Sprache vermittelt wird und in jeder Situation durch Kommunikation neu entsteht. Menschen müssen zwischen Erwartungen an soziale Identität und persönliche Einzigartigkeit balancieren. Hans-Peter Frey und Karl Haußer sehen Identität als selbstreflexiven Prozess. Dazu gehören Selbstkonzept, Selbstwertgefühl und Kontrollüberzeugung. Wichtige Aufgaben sind Realitätsleistung, Konsistenzleistung, Kontinuitätsleistung und Individualitätsleistung.

In der Pädagogik gilt die Identität des Kindes oder Jugendlichen als Ziel von Erziehung. Gelungene Identität soll weitere Erziehungsbemühungen weniger nötig machen und Menschen befähigen, gesellschaftliche Prozesse eigenständig mitzugestalten. Identität bleibt dabei dynamisch. Im Recht kann eine natürliche Person durch Merkmale ihrer physischen, physiologischen, psychischen, wirtschaftlichen, kulturellen oder sozialen Identität identifiziert werden. Identität kann durch eine rechtsverbindliche Identitätsfeststellung bestimmt werden; der rechtswidrige Missbrauch fremder Personendaten heißt Identitätsdiebstahl. Zur Identifizierung können biometrische Merkmale, DNS, Lichtbilder oder Fingerabdrücke dienen.

Philosophie und Mathematik

In der Philosophie fragt die Debatte zur personalen Identität, woran Identität festgemacht wird: am Gedächtnis, am Bewusstsein, an sozialen Faktoren oder an Biologie. In der Ontologie geht es darum, wann Dinge trotz Veränderung dieselben bleiben. Das Beispiel vom Schiff des Theseus zeigt das Problem: Wenn nach und nach alle Planken ersetzt werden und aus den alten Planken wieder ein Schiff gebaut wird, scheint es plötzlich zwei numerisch identische Schiffe zu geben, was widersprüchlich ist.

Gottfried Wilhelm Leibniz formulierte das Prinzip der Identität des Ununterscheidbaren: „Zwei Dinge sind identisch, wenn sie in allen ihren Eigenschaften ununterscheidbar sind.“ Umstritten ist, welche Eigenschaften dafür zählen. Weitere Debatten betreffen essentielle Eigenschaften, mögliche Welten, Teil-Ganze-Beziehungen, numerische Identität und Typ-Identität. Auch Philosophen wie Wittgenstein, Russell und Frege problematisierten, ob Identität überhaupt als Relation zwischen Gegenständen verstanden werden kann.

In der Mathematik heißt eine Gleichung A1 = A2 allgemeingültig oder Identität genau dann, wenn für jede Belegung φ beide Ausdrücke Werte in den reellen Zahlen haben und diese Werte gleich sind: Wert(A1, φ) ∈ ℝ, Wert(A2, φ) ∈ ℝ und Wert(A1, φ) = Wert(A2, φ). Das Zeichen „=“ kann dabei einmal syntaktisch zwischen Ausdrücken stehen und einmal Gleichheit in ℝ bezeichnen. Für Identität zweier Ausdrücke wird häufig „≡“ verwendet, zum Beispiel (x+a)^2 ≡ x^2+2ax+a^2.

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