Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Palmsonntag
[Dominica] Palmarum (evangelisch)) gedenken die christlichen Kirchen des Einzugs Jesu Christi in Jerusalem. Christi Einzug in Jerusalem, Ikone. Mit ihm beginnt …
Inhalt5 Abschnitte
Bedeutung und Termin
Der Palmsonntag ist ein christlicher Feiertag zur Erinnerung an den Einzug Jesu Christi in Jerusalem. Nach den Evangelien jubelte die Menge Jesus als König und Messias zu, streute ihm Palmzweige und rief: „Hosanna dem Sohne Davids!“ Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche, die letzte Woche der bis zum Tag vor Ostern dauernden Fastenzeit. In der orthodoxen Tradition heißt sie Große Woche, in der evangelisch-lutherischen Kirche Stille Woche; in der katholischen Liturgie umfasst die Heilige Woche die Zeit vom Palmsonntag bis einschließlich Ostersonntag.
Der Palmsonntag liegt sieben Tage vor Ostersonntag und 39 Tage nach Aschermittwoch. Weil sich Ostern nach dem ersten Vollmond im Frühling richtet, hat der Feiertag kein festes Kalenderdatum. Er kann zwischen dem 15. März und dem 18. April liegen. Die Termine von 2021 bis 2031 sind: 28. März 2021, 10. April 2022, 2. April 2023, 24. März 2024, 13. April 2025, 29. März 2026, 21. März 2027, 9. April 2028, 25. März 2029, 14. April 2030 und 6. April 2031.
Biblische Grundlage und Ursprung der Feier
Die biblischen Berichte über den Einzug stehen in Johannes 12,13–15, Matthäus 21,1–11 und Markus 11,1–11. Palmzweige galten im Mittelmeerraum als Zeichen für Leben und Sieg; in Israel standen sie außerdem für Unabhängigkeit und den siegreichen König. Der auf einem Esel kommende Jesus wird mit Sacharja 9,9 verbunden: Der Esel steht für den gewaltlosen Friedenskönig und für Demut. Papst Benedikt XVI. deutete Jesus deshalb als armen König, der nicht durch politische oder militärische Macht herrscht, und als Gegenbild zu Kriegswagen.
Die christliche Palmsonntagsfeier geht wahrscheinlich auf die Liturgie Jerusalems zurück. Dort wurden Stationen des Leidenswegs Jesu in eigenen Feiern und Riten nachgebildet. In der lateinischen Kirche waren Palmweihe und Palmprozession seit der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts allgemein üblich.
Feier in katholischen und anderen Kirchen
In der römisch-katholischen Kirche verbindet der Palm- und Passionssonntag zwei Schwerpunkte: Palmweihe und Prozession erinnern an den Einzug Jesu in Jerusalem, zugleich wird die Passion Christi, also die Leidensgeschichte Jesu, gelesen. Im Lesejahr A (2026) ist es die Matthäus-Passion, im Lesejahr B (2027) die Markus-Passion und im Lesejahr C (2025) die Lukas-Passion. Die seit 2002 geltende Bezeichnung Dominica in palmis de Passione Domini bedeutet „Palm- und Passionssonntag“. Die liturgische Farbe ist Rot, als Farbe von Blut, Leiden und Königtum.
Die feierliche Form beginnt meist außerhalb der Kirche. Nach Eröffnungsvers oder Gesang werden Palmgebinde durch Gebet und Weihwasser gesegnet. Auf das Evangelium und gegebenenfalls eine Predigt folgen Palmprozession oder feierlicher Einzug in die Kirche. Dabei tragen die Mitfeiernden Palmzweige; häufig wird auch das Prozessionskreuz mit Zweigen oder einer roten Stola geschmückt. Gesungen wird unter anderem der Wechselgesang Gloria, laus et honor. In der Messe folgt als Höhepunkt des Wortgottesdienstes die Passion. Dafür werden weder Weihrauch noch Leuchter verwendet. Sie wird möglichst auf mehrere Personen verteilt: Jesus (†), Evangelist (E) und sonstige Personen (S). Beim Bericht vom Tod Jesu am Kreuz knien alle nieder und bleiben eine Zeit lang still im Gebet.
In altkatholischen Kirchen ähnelt die Feier weitgehend der römisch-katholischen; auch dort ist Rot die liturgische Farbe. Evangelische Kirchen lesen als Evangelium Johannes 12,12–19; die Leidensgeschichte ist dem Karfreitag zugeordnet. Die Sonntagsepistel Philipper 2,5–11 behandelt die Erniedrigung Jesu. Für Palmarum gilt Violett, und Gloria Patri, Gloria und Halleluja entfallen. In der Neuapostolischen Kirche fand die Konfirmation bis 2011 traditionell am Palmsonntag statt; seit 2012 liegt sie an einem Sonntag zwischen Ostern und Pfingsten.
Darstellungen in der Kunst
Der Einzug Jesu in Jerusalem ist bereits in frühchristlicher Zeit dargestellt worden. Er wurde oft nach dem Adventus, dem Einzug eines siegreichen römischen Kaisers, gestaltet und zugleich als Einzug in das himmlische Jerusalem sowie als Triumph über Sünde und Tod verstanden. Ein frühes Beispiel ist der Sarkophag des Stadtpräfekten Junius Bassus von 359 in Rom, in den Grotten von St. Peter.
Byzantinische Darstellungen zeigen Jesus nach orientalischer Sitte seitlich auf dem Esel; die zu Fuß gehenden Jünger begleiten ihn zum Stadttor Jerusalems. In abendländischen Darstellungen sitzt Jesus dagegen rittlings. Manchmal folgt der Eselin das Füllen. Mittelalterliche Bilder zeigen häufig eine große Menge; statt Palmwedeln erscheinen oft Zweige von Weidenkätzchen, die daher auch Palmkätzchen heißen. Erhaltene Holzbildwerke entstanden ab etwa 1300, besonders viele im 15. Jahrhundert. Sie zeigen meist Christus auf dem Esel mit zum Segen erhobener rechter Hand.
Prozessionen und regionales Brauchtum
Bei der Palmweihe werden Palmbuschen, Palmstöcke, echte Palmwedel, Ölzweige, Palmkätzchen oder Buchsbaumzweige mit Weihwasser gesegnet. Sie werden als Zeichen von Leben und Sieg in der Prozession getragen und anschließend zu Hause hinter das Kruzifix oder Wandkreuz gesteckt. Der Prozessionsbrauch ist seit dem 4., 6. beziehungsweise 8. Jahrhundert belegt. Im Mittelalter und besonders im Barock wurde oft ein echter oder hölzerner Esel mit einer Christusfigur mitgeführt; dieser heißt Palmesel. Solche Prozessionen werden mancherorts weiterhin gepflegt. In Jerusalem ziehen Tausende mit Palmen und Instrumenten mit den Franziskanern vom Ölberg durch das Löwentor in die Altstadt; in der St.-Anna-Kirche wird der Segen gespendet.
Ein Palmbuschen besteht traditionell oft aus sieben Naturmaterialien, etwa Palmkätzchen, Buchsbaum, Wacholder, Stechpalme, Eibe, Zeder und Sadebaum. Er kann auf lange Haselnussäste oder Stangen bis 10 m Länge gesteckt und mit Äpfeln, Orangen, Bändern, Brezeln oder gefärbten Eiern geschmückt werden. Ein Palmstock ist ein geschnitzter und verzierter Weidenstock, den Kinder nach der Segnung ihren Taufpaten bringen. Häufig erhalten sie dafür Süßigkeiten und etwas Geld. In Norddeutschland bringen Kinder gesegnete Palmstöcke auch zu Paten und Großeltern. In Südtirol und im Mittelmeerraum werden verbreitet Olivenzweige, teils auch Lorbeerzweige, verwendet.
Das Vortragekreuz wird am Palmsonntag mit grünen und blühenden Zweigen, in der Liturgie auch mit einer roten Stola geschmückt. Als „Palmesel“ wird in vielen Gegenden scherzhaft das Familienmitglied bezeichnet, das morgens zuletzt aufsteht. Im Hessischen Ried, in Rheinhessen und im Odenwald bringt der Palmhase meist ein bis zwei gekochte braune Eier und eine kleine Nascherei, zunehmend auch kleine Geldgeschenke.
Lernvideos zu Palmsonntag
2:00
Palmsonntag erklärt für Kinder: Jesus, Palmzweige, Jerusalem
Erzbistum Paderborn · 50.963 Aufrufe
2:28
Palmsonntag - Was man wissen muss! | Lehrerschmidt
Lehrerschmidt · 21.340 Aufrufe
21:03
1 Die Karwoche entschlüsselt - Palmsonntag
Wissen-Wahrheit-Weisheit · 3.354 Aufrufe
1:27
Palmsonntag | Feiertage erklärt | Bibel TV
Bibel TV · 1.532 Aufrufe