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Erstkommunion
In der katholischen Kirche des Westens empfangen Kinder erstmals die Kommunion, wenn das sogenannte Vernunftalter erreicht ist, und zwar in der Regel in einer …
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Bedeutung und Grundformen
Die Erstkommunion oder erste heilige Kommunion ist der meist festlich begangene erste Empfang des Sakraments der heiligen Kommunion. Die Eucharistie gehört in der katholischen Kirche zusammen mit Taufe und Firmung zu den Initiationssakramenten. Diese Sakramente sollen die Gläubigen an der göttlichen Natur teilhaben lassen, sie stärken und in die Kirche eingliedern.
In der katholischen Kirche des Westens empfangen Kinder die Kommunion gewöhnlich erstmals, wenn sie das Vernunftalter erreicht haben; meist geschieht dies gemeinsam in der Pfarrgemeinde. Heranwachsende und Erwachsene, die römisch-katholisch getauft werden, empfangen bei der Taufe zugleich die erste heilige Kommunion.
Alter und Zulassung
Früher war die Säuglingskommunion in weiten Teilen der Kirche üblich. Augustinus vertrat gegen pelagianische Positionen die Auffassung, Säuglinge müssten unmittelbar nach der Taufe die Kommunion erhalten, damit sie bei einem plötzlichen Tod gerettet seien; er berief sich auf Joh 6,53 EU. Im Frühmittelalter erhielten neugetaufte Säuglinge konsekrierten Messwein. Die zunehmende Scheu vor dessen Darreichung führte jedoch zu Problemen. Im Hochmittelalter war die Erstkommunion im Säuglingsalter kirchenrechtlich und liturgisch obsolet.
Das Laterankonzil von 1215 verpflichtete jeden Gläubigen ab dem kanonischen Unterscheidungsalter, dem siebten Lebensjahr, jährlich zur Beichte und zur Teilnahme an der Kommunion. Dennoch lag das Erstkommunionalter in der Neuzeit oft bei zwölf bis vierzehn Jahren, teils verbunden mit Schulentlassung oder abgeschlossenem Katechismusunterricht. Pius X. legte mit dem Dekret Quam singulari wieder das siebte Lebensjahr als Ideal fest und verband erste Beichte und Erstkommunion.
Heute sind sechs bis zwölf Jahre üblich. In Deutschland sind Kommunionkinder meist im dritten, in Österreich im zweiten Schuljahr. Voraussetzung ist der Gebrauch der Vernunft: Kinder müssen Sünde begehen und eigene Fehler erkennen können, weil die vorherige Beichte zur Vorbereitung gehört. Papst Franziskus erklärte im Juni 2016 den Ausschluss von Menschen mit Behinderung von Kommunion und Messen für unzulässig. Die Abschaffung der Säuglingskommunion betrifft nur die lateinische Kirche; Ostkirchen reichen auch kleinen Kindern bei der Taufe und vor dem Unterscheidungsalter die Kommunion.
Vorbereitung und Feier
Der Erstkommunion gehen Kommunionunterricht und der Empfang des Bußsakraments voraus. Die Feier wird meist besonders feierlich und kindgemäß gestaltet, doch Kirchenrecht und Liturgie schreiben keine besondere Form vor. Eltern können ihre Kinder auch selbst vorbereiten; die Kommunion kann dann zu einer anderen Zeit und in einer anderen Heiligen Messe empfangen werden.
Nach can. 914 CIC sollen Eltern, Erziehungsberechtigte und der Pfarrer dafür sorgen, dass Kinder mit erreichtem Vernunftgebrauch gehörig vorbereitet werden und möglichst bald nach vorheriger sakramentaler Beichte die Kommunion empfangen. Der Pfarrer soll verhindern, dass Kinder ohne Vernunftgebrauch oder ohne ausreichende Vorbereitung hinzutreten.
Wege der Vorbereitung
Die Vorbereitung übernehmen mancherorts Mitglieder des Pastoralteams, etwa Priester, Diakon oder Gemeindereferent. Üblich ist Gemeindekatechese in kleinen Gruppen, häufig geleitet von ehrenamtlichen Katecheten sowie „Tischmüttern“ oder „Tischvätern“ zusammen mit einem Mitglied des Pastoralteams.
Zur Vorbereitung können wöchentliche Gruppentreffen, gemeinsame Wochenendfreizeiten, Kurse von mehr als einem Jahr, wenige Tage oder mehrere Wochenenden sowie besondere Gottesdienste für Kinder, sogenannte Weg-Gottesdienste, gehören. Der schulische Religionsunterricht kann ergänzen. Die Vorbereitung auf die Erstbeichte ist in der Regel in die Kommunionvorbereitung integriert; ohne Beichte ist die Erstkommunion nicht möglich.
Termin und Bräuche
Der traditionelle Erstkommuniontermin ist der Sonntag nach Ostern, der Weiße Sonntag. Er wurde erstmals 1661 in München und 1673 in Luzern als bevorzugter Termin genannt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts war er für die ganze katholische Kirche verbindlich; seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sind auch andere Termine möglich.
Gemeinden feiern Erstkommunion etwa am Ostermontag, an Christi Himmelfahrt oder an anderen Sonntagen der Osterzeit im April oder Mai und teilen größere Gruppen teils auf mehrere Termine auf. Gründe waren zunächst die hohe Kinderzahl in den 1960er- und 1970er-Jahren, später die Koordination in Großpfarreien sowie teilweise die Lage des Weißen Sonntags in den Osterferien.
Oft werden Taufkerzen erneut entzündet. Traditionell tragen Jungen dunkle Anzüge und Mädchen weiße, aufwendige Kleider; manche Gemeinden verwenden einheitliche Alben, damit Kleidung nicht vom Sinn der Feier ablenkt und Familien weniger belastet. Übliche Geschenke waren etwa Gebetbücher, Rosenkränze, Kreuze oder Heiligenbilder. Viele Gemeinden laden Kommunionkinder anschließend zum Ministrantendienst ein.
Praxis in anderen Konfessionen
In den Kirchen der Anglikanischen Gemeinschaft geht der Erstkommunion traditionell die Firmung voraus, die meist um das 13. Lebensjahr empfangen wird.
Orthodoxe Kirchen und in der Regel auch unierte katholische Ostkirchen kennen keine besondere Erstkommunionfeier. Kinder erhalten gewöhnlich Taufe, Firmung und Eucharistie in einer Feier. Bei einer Säuglingstaufe wird ihnen geheiligter Wein mit dem Daumen des Taufpriesters in den Mund gegeben oder mit Messwein befeuchtetes Brot mit einem kleinen Löffel gereicht.
In evangelisch-lutherischen Landeskirchen nehmen Jugendliche meist bei der Konfirmation erstmals am Abendmahl teil. Einzelne Landeskirchen lassen nach Vorbereitung durch Eltern oder Gemeinde auch Kinder zu; die Kirchensynode der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche empfiehlt Frühkommunion. In einigen evangelisch-reformierten Kirchen der Schweiz ist Abendmahl bereits im Kindesalter möglich, in der Regel mit alkoholfreiem Traubensaft.