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Kirchenjahr
Das Kirchenjahr beginnt nach katholischer wie evangelischer Tradition mit dem 1. Sonntag im Advent, die orthodoxen Kirchen beginnen es am 1. September, in …
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Grundidee und Aufbau
Das Kirchenjahr ist die jährlich wiederkehrende, festgelegte Abfolge christlicher Feste und Festzeiten. Es richtet vor allem Gottesdienste und Liturgie aus und wird auch liturgisches Jahr oder Herrenjahr genannt. In katholischer und evangelischer Tradition beginnt es mit dem 1. Sonntag im Advent; orthodoxe Kirchen beginnen es am 1. September, in Vorbereitung auf Mariä Geburt am 8. September.
Seine wichtigsten Teile sind der Osterfestkreis und der Weihnachtsfestkreis. Sie entstanden zunächst um Ostern, später auch um Weihnachten, und wurden allmählich zu einem Jahreszyklus verbunden. Daneben gibt es Zeiten ohne großen Festkreis, etwa die katholische „Zeit im Jahreskreis“. Festzeiten sind mit bestimmten liturgischen Farben verbunden. Ost- und Westkirchen haben im Grundsatz ähnliche Festfolgen, unterscheiden sich aber besonders bei wichtigen orthodoxen Festdaten.
Sonntag und Osterfestkreis
Der Sonntag ist der „Tag des Herrn“ oder Herrentag und erinnert wöchentlich an Jesu Tod und Auferstehung, das Pascha-Mysterium. Die frühe Kirche feierte dazu das Herrenmahl als „Brotbrechen“ (Abendmahl beziehungsweise Eucharistie). Liturgisch gilt der Sonntag als „Wochen-Ostern“. Als Tag nach dem jüdischen Sabbat ist er der erste Wochentag und steht für den Beginn der neuen Schöpfung und des Reiches Gottes. Kaiser Konstantin der Große bestimmte ihn 321 zum gesetzlichen wöchentlichen Ruhetag. Das Zweite Vatikanische Konzil nennt ihn „Ur-Feiertag“ sowie „Fundament und Kern des ganzen liturgischen Jahres“.
Ostern ist Ausgangs- und Mittelpunkt des Kirchenjahres. Der Ostersonntag wurde in der westlichen Tradition 325 auf den Sonntag nach dem ersten Vollmond des Frühlings festgelegt. Die Fastenzeit bereitet mit Gebet, Buße und Fasten auf Ostern vor; ihre Sonntage waren vom Fasten ausgenommen. Das Triduum Sacrum umfasst den Abend des Gründonnerstags, Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag. Die Heilige Woche beginnt mit Palmarum, dem Gedenken an Jesu Einzug in Jerusalem.
Auf Ostern folgen die Osteroktav bis zum Weißen Sonntag und eine fünfzigtägige österliche Freudenzeit bis Pfingsten. Christi Himmelfahrt liegt zehn Tage vor Pfingsten und bezieht sich auf die Angabe von 40 Tagen in Apg 1,3. Früher war Ostern auch der zentrale Tauftermin für Katechumenen, also Taufbewerber.
Weihnachten, weitere Feste und Entwicklung
Ein Geburtsfest Jesu entstand erst im 4. Jahrhundert; der 25. Dezember ist ausdrücklich erstmals im Chronograph von 354 des Furius Dionysius Filocalus belegt, der römische Quellen aus dem Jahr 336 nutzt. Der Weihnachtsfestkreis umfasst Advent und Weihnachtszeit. Er beginnt heute am ersten Adventssonntag und endet mit dem Fest der Taufe des Herrn am Sonntag nach Erscheinung des Herrn. Bis zur Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils galt Mariä Lichtmess am 2. Februar als Ende der Weihnachtszeit.
Der Advent hat heute vier Sonntage. Er ist Vorbereitungszeit auf Weihnachten und zugleich Zeit freudiger Erwartung der Wiederkunft Jesu, der Parusie; sein früher stärkerer Fastencharakter trat zurück. Inhaltlich auf Weihnachten bezogen sind auch Verkündigung des Herrn am 25. März, Mariä Heimsuchung am 2. Juli und die Geburt Johannes des Täufers am 24. Juni.
Seit dem 2. Jahrhundert kamen Märtyrergedenktage hinzu. Ihr Todestag galt als dies natalis, als „Geburtstag“ zum ewigen Leben. Weitere wichtige Feste sind Allerheiligen und Allerseelen am 2. November, Dreifaltigkeitssonntag, Fronleichnam seit 1264, Herz-Jesu-Fest und Christkönigsfest seit 1926. Auch Erntedank, Zwecksonntage und regional oder konfessionell bedeutsame Gedenktage ergänzen den Jahreslauf. In Deutschland wird Erntedank in der Regel am ersten Sonntag im Oktober begangen.
Orthodoxe Ordnung
Die orthodoxe Kirche feiert Tod und Auferstehung Jesu gemeinsam in der Osternacht und versteht jeden Sonntag als Wiederholung des Osterfestes. Der Sonntag ist Anfang und Vollendung der Woche, der „achte Tag“. Das Jahr wird liturgisch in Reihen von mindestens acht Wochen gegliedert. Diese heißen Oktoechos; die zugehörigen Gesänge und Lesungen stehen im „Achttonbuch“ und werden in einer von acht Kirchentonarten gesungen.
Das byzantinische Kirchenjahr beginnt am 1. September. Am 15. November beginnt das vierzigtägige Philippsfasten vor Weihnachten; am 25. Dezember wird die Fleischwerdung des Herrn gefeiert. Eine dreiwöchige Vorfastenzeit beginnt am Sonntag des Zöllners und Pharisäers. Darauf folgen die siebenwöchige Große Fastenzeit und die Osterzeit, das Pentekostarion, vom Ostersonntag bis zum Sonntag Allerheiligen, dem ersten Sonntag nach Pfingsten. Unbewegliche Festtage, auch von Heiligen und Engeln, stehen im zwölfbändigen Menäon.
In der russisch-orthodoxen Kirche und einigen weiteren Kirchen gilt weiterhin der julianische Kalender, der dreizehn Tage hinter dem gregorianischen Kalender liegt. Neukalendarier verwenden zwar für feste Daten den gregorianischen Kalender, folgen für Ostern und davon abhängige Feste aber ebenfalls dem julianischen Kalender. Deshalb feiert die gesamte Orthodoxie Ostern gemeinsam. Orthodoxes Ostern liegt am Sonntag nach dem ekklesiastischen Vollmond nach dem 20. März; im gregorianischen Kalender kann es vom 4. April bis 8. Mai liegen.
Römisch-katholische und altkatholische Praxis
Der römisch-katholische Kalender beruht auf der Grundordnung des Kirchenjahres von 1969. Er hat drei Hauptteile: den Weihnachtsfestkreis, Fastenzeit und österlichen Festkreis sowie die Zeit im Jahreskreis. Diese reicht nach der Taufe des Herrn bis Aschermittwoch und erneut von Pfingstmontag bis zur ersten Vesper des ersten Adventssonntags. Sonntage im Jahreskreis werden bis Christkönig als 2. bis 33./34. Sonntag gezählt; Hoch- und Herrenfeste können sie verdrängen.
Die Adventszeit beginnt mit der Vesper am Vorabend des ersten Adventssonntags. Weihnachten am 25. Dezember hat eine Oktav, die am 1. Januar mit dem Hochfest der Gottesmutter Maria endet. Es folgen Erscheinung des Herrn am 6. Januar und die Taufe des Herrn. Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch. Mit der Abendmahlsfeier am Gründonnerstag beginnt das Triduum Sacrum und endet mit der Vesper des Ostersonntags. Karfreitag und Karsamstag gibt es keine heilige Messe; die Osternacht eröffnet das Osterfest. Die Osteroktav endet am Weißen Sonntag.
Die altkatholische Kirche gliedert das Jahr ähnlich, hat in Deutschland aber Besonderheiten: Sie feiert nicht das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, nicht das Fest der Heiligen Familie, keine Bitttage und kein Herz-Jesu-Fest. Die Weihnachtszeit dauert bis Lichtmess am 2. Februar; der 1. Januar ist Oktavtag von Weihnachten. Fronleichnam heißt zusätzlich „Danktag für die Eucharistie“. Die Sonntage im Jahreskreis beginnen mit dem 3. Sonntag nach Epiphanie und enden mit dem „Sonntag vom wiederkommenden Herrn“.
Evangelisches Kirchenjahr
Die Reformatoren stellten die regelmäßige Gemeindeversammlung mit Schriftlesung, Predigt und Abendmahl in den Mittelpunkt. Feste wurden daran gemessen, ob sie biblisch und auf Jesus Christus bezogen begründbar waren. Viele Herrenfeste blieben erhalten; Marien-, Heiligen- und Aposteltage wurden je nach Region unterschiedlich übernommen. Martin Luther betonte dies 1526 in der Deutschen Messe. Die heutige evangelische Ordnung in Deutschland folgt Agenden und Perikopenordnungen, also Ordnungen für Bibellesungen und Predigttexte; eine neue Perikopenrevision wurde 2017 beschlossen.
Das evangelische Kirchenjahr beginnt ebenfalls am 1. Advent und endet am Samstag vor dem folgenden ersten Advent. Advent und Passionszeit sind Buß- und Fastenzeiten. Weihnachten endet nach der seit 2018/19 geltenden Ordnung mit Lichtmess am 2. Februar. Nach Epiphanias folgen in der Regel drei oder vier Sonntage bis zum letzten Sonntag nach Epiphanias, dem Fest der Verklärung Christi. Je nach Ostertermin gibt es bis zu fünf Sonntage vor der Passionszeit; bei Ostern am 22. oder 23. März entfallen sie.
Die Passionszeit beginnt mit Aschermittwoch und umfasst die Sonntage Invocavit, Reminiscere, Oculi, Laetare, Judica und Palmarum. Auf Ostern folgen Quasimodogeniti, Misericordias Domini, Jubilate, Kantate, Rogate und Exaudi. Nach Pfingsten folgt Trinitatis; danach werden höchstens 24 Sonntage nach Trinitatis gezählt. Wichtige Tage sind Israelsonntag, Erntedank am ersten Oktobersonntag, Reformationstag am 31. Oktober sowie der Ewigkeitssonntag oder Totensonntag als letzter Sonntag des Kirchenjahres, an dem der Verstorbenen des Jahres gedacht wird. Der Buß- und Bettag liegt am Mittwoch davor und ist in Deutschland nur in Sachsen arbeitsfrei.
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