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Karwoche

Im Englischen wird die Karwoche im Sinne der Heiligen Woche als Holy Week, italienisch settimana santa, französisch semaine sainte, spanisch semana …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Zeitraum
  2. 2. Stille Zeit und Einschränkungen
  3. 3. Römisch-katholische Liturgie
  4. 4. Gottesdienste und Zeichen
  5. 5. Kreuz, Glocken und Ratschen
  6. 6. Evangelische Kirchen

Kern und Zeitraum

Die Karwoche ist im christlichen Kirchenjahr die letzte Woche der Fasten- oder Passionszeit und damit die Woche vor Ostern. Sie beginnt am Palmsonntag mit der Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem. Danach folgen die stillen Tage Montag bis Mittwoch, der Gründonnerstag, der Karfreitag und der Karsamstag. Am Abend des Gründonnerstags wird an die Einsetzung der Eucharistie beim letzten Abendmahl erinnert. Am Karfreitag steht das Leiden und Sterben Jesu im Mittelpunkt. Der Karsamstag gilt als Tag der Grabesruhe Jesu Christi. Die Karwoche mündet in die Feier der Osternacht.

Im deutschsprachigen Raum ist „Karwoche“ die traditionelle Bezeichnung. In anderen Sprachen und in der römisch-katholischen Liturgie wird eher von der „Heiligen Woche“ gesprochen, lateinisch Hebdomada sancta. Diese kann auch den Ostersonntag einschließen. Dahinter steht der Gedanke, dass Leiden, Kreuzestod und Auferstehung Christi zusammengehören; dieser Zusammenhang heißt Pascha-Mysterium.

Stille Zeit und Einschränkungen

Die Karwoche galt im Christentum wie die Fastenzeiten vor Ostern oder Weihnachten als „geschlossene Zeit“. Damit ist eine Zeit gemeint, in der öffentliche Festlichkeiten, etwa Tanzveranstaltungen, und kirchliche Trauungen nicht stattfinden sollten. Auch im mittelalterlichen weltlichen Recht gab es Einschränkungen: In der Karwoche konnte unter anderem kein Gericht zusammentreten und keine Fehde vollzogen werden.

Heute ist in den deutschen Bundesländern der Karfreitag nach den Feiertagsgesetzen ein gesetzlich geschützter stiller Tag; teilweise gilt das auch für Gründonnerstag und Karsamstag. Auch kirchlich gelten Einschränkungen. In der Evangelischen Kirche im Rheinland werden in der Karwoche keine kirchlichen Trauungen durchgeführt. In der römisch-katholischen Kirche werden bestimmte Sakramentalien, also kirchliche Segenshandlungen, die mit einem freudigen Festgeheimnis verbunden sind, nicht gespendet. Der Karfreitag ist dort ein „Fast- und Abstinenztag“: Man nimmt nur eine sättigende Mahlzeit zu sich und isst keine Fleischspeisen.

Römisch-katholische Liturgie

In der römisch-katholischen Kirche heißt der Zeitraum liturgisch Heilige Woche, lateinisch hebdomada sancta. Sie reicht als Oktav vom Palmsonntag bis zum Osterfest. Anders als die Karwoche ist sie nicht nur eine Trauerwoche, sondern umfasst den Einzug Jesu in Jerusalem, die drei österlichen Tage und die Feier der Osternacht.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird unterschieden zwischen der Karwoche von Palmsonntag bis zur Vesper des Gründonnerstags und dem Triduum Sacrum oder Triduum Paschale. Dieses beginnt mit der Messe vom letzten Abendmahl am Gründonnerstagabend und reicht bis einschließlich Ostersonntag. Das Triduum umfasst besonders das letzte Abendmahl, das Leiden und Sterben Jesu sowie seine Auferstehung.

Gottesdienste und Zeichen

Der Karfreitag und der Karsamstag sind die einzigen Tage im Kirchenjahr, an denen in der römisch-katholischen Kirche keine heilige Messe gefeiert wird. An den Kartagen werden morgens besonders in Kathedralen und Klosterkirchen Karmetten gesungen; das sind besondere Gebetszeiten. Mancherorts gibt es in der Karwoche tägliche Kreuzwegandachten. Am Karfreitag ist der wichtigste Gottesdienst die Feier vom Leiden und Sterben Christi am Nachmittag. Am Karsamstag wird nur das Stundengebet gehalten. Zwischen Karfreitagsliturgie und Osternacht besuchen Gläubige in vielen Kirchen in Stille das „heilige Grab“ mit dem dort niedergelegten Kruzifix.

Am Vormittag des Gründonnerstags findet in Bischofskirchen die Chrisammesse statt. Dabei werden die heiligen Öle geweiht. Vielerorts wird diese Feier schon an einem früheren Tag der Karwoche gehalten.

Kreuz, Glocken und Ratschen

In vielen Kirchen werden ab dem fünften Sonntag der Fastenzeit, dem Passionssonntag Judica, Kruzifixe und Kreuze verhüllt. Das geschieht als Zeichen der Trauer. Bei Triptychen und Flügelaltären werden häufig die Flügel geschlossen, sodass die schlichtere Rückseite sichtbar ist. Heute ist für die Verhüllung violett vorgeschrieben; früher wurden im Mittelalter auch andere Gegenstände wie Reliquiare, kostbare Evangeliare oder Lichterkronen verhüllt.

Ein jahrhundertealter römisch-katholischer Brauch ist das Schweigen der Glocken. Vom Gloria der Messe vom letzten Abendmahl am Abend des Gründonnerstags bis zum Gloria in der Osternacht werden aus Trauer um Leiden und Sterben Jesu die Glocken, teilweise auch der Uhrschlag, nicht geläutet. Im Volksmund heißt es, „die Glocken fliegen nach Rom“. Als Ersatz dienen hölzerne Instrumente wie Ratschen, Klappern oder Schlagbretter. Auch die Orgel und andere Instrumente schweigen; in den Gottesdiensten wird a cappella gesungen. Ähnliche Formen des Glocken- und Orgelverzichts gibt es auch in manchen evangelischen Kirchen.

Das Ratschen ist besonders in Österreich, Baden, Bayern, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, im Rheinland, in Osthessen und im Westfälischen verbreitet. Dabei ziehen Kinder, oft Ministranten, mit Holzratschen durch Straßen oder von Haus zu Haus. Regional ist damit ein Heischebrauch verbunden: Die Kinder überbringen Ostergrüße und sammeln Ostereier, Süßigkeiten oder Geld.

Evangelische Kirchen

Auch in den evangelischen Kirchen gilt die Karwoche als wichtigste Woche des Kirchenjahres. Karfreitag und Ostersonntag gelten dort als die beiden höchsten Festtage. Martin Luther lehnte jedoch die traditionellen Bräuche und eine besondere Gestaltung der damals „Marterwoche“ genannten Karwoche ab. In seiner Deutschen Messe von 1526 forderte er, „die Marterwoche soll gleich wie andre Wochen sein“.

Später entwickelten sich verschiedene Formen der Begehung. Entweder wurde in der Karwoche die ganze Passionsgeschichte gelesen und gepredigt, was sich zunehmend auf den Karfreitag konzentrierte, oder man betrachtete an jedem Tag das, was nach der Vorstellung der Überlieferung an diesem Tag in der letzten Lebenswoche Jesu geschah. In norddeutschen evangelischen Kirchen wurde dafür die Passionsharmonie von Johannes Bugenhagen wichtig. In der Herrnhuter Brüdergemeine haben sich tägliche Andachten mit Lesungen, Liedern und Gebeten bis heute erhalten.

Heute werden vor allem Palmsonntag, Gründonnerstag und Karfreitag liturgisch begangen. Manche Gemeinden halten Passionsandachten auch an weiteren Tagen der Karwoche oder während der gesamten Passionszeit. Am Gründonnerstag ist mancherorts ein Tischabendmahl üblich. Am Karfreitag finden Gottesdienste, oft mit Abendmahl, Andachten und Passionsmusik statt, zum Beispiel zur Sterbestunde Jesu am Nachmittag. Häufig werden die Matthäuspassion oder die Johannespassion von Johann Sebastian Bach aufgeführt. Am Karsamstag, dem Tag der Grabesruhe Christi, schweigen auch in evangelischen Gemeinden die Glocken. Aus dem Vortrag der Passionen entwickelten sich klassische Passionswerke von Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach und anderen.

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