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Weimarer Republik

Die Weimarer Republik entstand im Zuge der Novemberrevolution. Diese Bezeichnung der ersten auf nationalstaatlicher Ebene verwirklichten deutschen Republik ist …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Verfassung
  2. 2. Entstehung und frühe Krisen
  3. 3. Stabilisierung und Gesellschaft
  4. 4. Kultur, Wissenschaft und Moderne
  5. 5. Weltwirtschaftskrise und Untergang
  6. 6. Warum die Republik scheiterte

Kern und Verfassung

Die Weimarer Republik bezeichnet den Abschnitt der deutschen Geschichte von 1918 bis 1933, in dem erstmals eine parlamentarische Demokratie im Deutschen Reich bestand. Sie begann mit der Ausrufung der Republik am 9. November 1918 und endete de facto mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933. Die demokratischen Strukturen wurden anschließend durch Verordnungen vom 4. Februar und 28. Februar sowie durch das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 beseitigt. Der amtliche Staatsname blieb Deutsches Reich; die Bezeichnung „Weimarer Republik“ geht auf den Tagungsort der Nationalversammlung in Weimar zurück.

Die Weimarer Reichsverfassung trat am 14. August 1919 in Kraft. Sie machte das Deutsche Reich zu einem Bundesstaat und zu einer parlamentarischen Demokratie mit liberalen und sozialen Grundrechten. Der Reichstag wurde für vier Jahre nach Verhältniswahlrecht gewählt und hatte Gesetzgebungs-, Budget- und Kontrollrechte. Der Reichskanzler wurde vom Reichspräsidenten ernannt und entlassen, war aber dem Reichstag verantwortlich. Der Reichspräsident wurde direkt vom Volk für sieben Jahre gewählt und besaß starke Befugnisse: Er konnte den Reichstag auflösen, den Kanzler ernennen und entlassen sowie nach Artikel 48 Notverordnungen erlassen, durch die Grundrechte zeitweise außer Kraft gesetzt werden konnten. Diese Stellung führte dazu, dass er in der Forschung oft als „Ersatzkaiser“ bezeichnet wird.

Die Verfassung galt zeitgenössisch als fortschrittlich, hatte aber Schwächen. Sie enthielt keine unveränderlichen Grundentscheidungen gegen die Abschaffung der Demokratie; Verfassungsänderungen waren nach Artikel 76 mit qualifizierter Mehrheit sehr weit möglich. Außerdem entstand kein stabiler Verfassungskonsens zwischen den politischen Lagern. Die häufig genannte Formel von der „Demokratie ohne Demokraten“ ist laut Artikel nur bedingt richtig, verweist aber auf das Problem, dass viele Gruppen die Republik nicht dauerhaft innerlich trugen.

Entstehung und frühe Krisen

Die Republik entstand aus der Novemberrevolution am Ende des Ersten Weltkriegs. Wichtige Ursachen waren das Eingeständnis der militärischen Niederlage durch die Oberste Heeresleitung, die Oktoberreform 1918 zur parlamentarischen Monarchie, der Matrosenaufstand und die Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten. Am 9. November 1918 gab Max von Baden die Abdankung Kaiser Wilhelms II. bekannt und übergab das Reichskanzleramt an Friedrich Ebert. Philipp Scheidemann rief die „deutsche Republik“ aus, Karl Liebknecht eine „freie sozialistische Republik“. Der Rat der Volksbeauftragten übernahm vorläufig die Regierungsgewalt. Der Reichsrätekongress entschied im Dezember 1918 gegen ein Rätesystem und für Wahlen zu einer verfassunggebenden Nationalversammlung am 19. Januar 1919.

Die Nationalversammlung wählte am 11. Februar 1919 Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten; Philipp Scheidemann wurde erster Regierungschef. Die sogenannte Weimarer Koalition aus MSPD, DDP und Zentrum hatte zunächst 329 von 421 Sitzen. Eine schwere Belastung war der Versailler Vertrag. Scheidemann trat zurück, weil er ihn ablehnte. Am 22. Juni 1919 nahm die Nationalversammlung den Vertrag mit 237 gegen 138 Stimmen bei 6 Enthaltungen an. Die Verfassung wurde am 31. Juli 1919 angenommen und am 14. August in Kraft gesetzt.

Von 1919 bis 1923 war die Republik von Krisen geprägt. Der Kapp-Putsch im März 1920 scheiterte am Generalstreik und daran, dass die Ministerialbürokratie den Putschisten nicht folgte; die Reichswehr verhielt sich jedoch abwartend. Gleichzeitig kam es im Ruhrgebiet zum Ruhraufstand, der durch Reichswehr und Freikorps niedergeschlagen wurde. Politische Morde durch Rechte trafen unter anderem Matthias Erzberger 1921 und Walther Rathenau 1922. Die Justiz behandelte rechte Täter oft milder als linke, was das Vertrauen in den Staat schwächte.

1923 führte die Ruhrbesetzung durch französische und belgische Truppen nach unzureichenden deutschen Reparationslieferungen zu passivem Widerstand. Dessen Finanzierung durch das Drucken neuer Banknoten beschleunigte die Inflation zur Hyperinflation. Am 15. November 1923 wurde die Rentenmark eingeführt: 1 Rentenmark entsprach 1 Billion Papiermark, bei 4,20 Rentenmark für den Dollar. Der Staat war dadurch inflationsbedingt praktisch schuldenfrei, viele Sparer verloren jedoch ihr Vermögen. Im selben Jahr scheiterte Hitlers Putschversuch vom 9. November 1923 in München.

Stabilisierung und Gesellschaft

Von 1924 bis 1929 erlebte die Weimarer Republik eine Phase relativer Stabilisierung. Der Dawes-Plan regelte die Reparationszahlungen neu und führte zu einem starken Zustrom amerikanischer Kredite. Deutsche Unternehmen und die öffentliche Hand nahmen von 1924 bis 1929 Auslandskredite von 20 Milliarden Reichsmark auf, etwa 40 % des jährlichen Sozialprodukts. Zusammen mit den Reparationen betrug die Auslandsverschuldung 1929 rund 90 % des Sozialprodukts. Diese Stabilität war deshalb teilweise „auf Pump“ aufgebaut und anfällig für Kreditabzug.

Außenminister Gustav Stresemann prägte die Verständigungspolitik. Er strebte die Revision des Versailler Vertrags mit friedlichen Mitteln an. Die Locarno-Verträge von 1925, die Verständigung mit Frankreich und der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund 1926 führten Deutschland aus der außenpolitischen Isolation. Gleichzeitig blieb das Verhältnis zur Sowjetunion durch den Berliner Vertrag und geheime militärische Zusammenarbeit mit der Roten Armee bedeutsam. Gegenüber Polen und der Tschechoslowakei betrieb die Republik keine entsprechende Verständigungspolitik.

Gesellschaftlich war die Weimarer Republik durch Wandel und Unsicherheit geprägt. Die Verfassung versprach soziale Rechte, doch viele Menschen erlebten durch Inflation, Arbeitslosigkeit und sozialen Abstieg das Gegenteil. 1927 wurde die Arbeitslosenversicherung eingeführt, ein wichtiger Ausbau des Sozialstaats, der aber Dauerarbeitslosigkeit nicht ausreichend auffing. Neue Massenmedien wie Schallplatte, Film und Rundfunk sowie neue Freizeitangebote veränderten den Alltag. Die Großstadt, besonders Berlin, wurde zum Zentrum moderner Lebensstile.

Frauen erhielten mit der Republik das aktive und passive Wahlrecht. An der Wahl zur Nationalversammlung beteiligten sich 78 % der wahlberechtigten Frauen; 9,6 % der Abgeordneten waren weiblich. Mehr als ein Drittel der Frauen war 1925 erwerbstätig, oft im Dienstleistungsbereich, in Verwaltung, Schule, Gesundheitswesen, Verkauf oder als Stenotypistinnen. Dennoch blieben Frauen politisch unterrepräsentiert und beruflich meist schlechter bezahlt. Jugendliche litten besonders unter unsicheren Erwerbschancen; Jugendarbeitslosigkeit wurde in der Krise ein neues Massenphänomen.

Jüdische Deutsche erhielten durch die Verfassung bessere rechtliche Chancen, und viele waren stark assimiliert. 1925 lebten 564.000 Glaubensjuden in Deutschland, 0,9 % der Bevölkerung, zusätzlich 108.000 ostjüdische Zuwanderer. Gleichzeitig blieb Antisemitismus wirksam und verschärfte sich in Krisenzeiten. Rechtsextreme verbanden ihn mit Dolchstoßlegende, Nationalismus und später nationalsozialistischer Propaganda.

Kultur, Wissenschaft und Moderne

Kulturell war die Weimarer Republik von großer Freiheit, Vielfalt und Konflikten geprägt. Der Durchbruch moderner Massenkultur zeigte sich in Kino, Rundfunk, Schallplatte, Sport, Tanz und Unterhaltungsmusik. Berlin wurde mit etwa vier Millionen Einwohnern zu einem Zentrum für Theater, Zeitungen, Film, Sport und Nachtleben. Die Kultur dieser Zeit gehörte zur klassischen Moderne, die schon vor 1918 begonnen hatte, aber nach Krieg und Revolution besonders sichtbar wurde.

In der frühen Republik wirkten Expressionismus, Dadaismus, Kubismus, Futurismus, Verismus und Konstruktivismus. Dada stellte Kunst radikal infrage und nutzte Fotomontage, Happening und Provokation. In der stabileren Phase nach 1924 wurde die Neue Sachlichkeit wichtig. Sie suchte Nüchternheit, Funktionalität und Gegenwartsnähe. Besonders einflussreich war das Bauhaus, 1919 in Weimar gegründet und 1925 nach Dessau verlegt. Es verband Kunst, Handwerk, Technik und Architektur. Typisch waren Stahl, Beton, Glas, Flachdächer, weiße Fassaden und funktionale Formen. Die Frankfurter Küche von 1926 gilt als erste Einbauküche der Welt.

Theater und Film hatten große Bedeutung. Berlin wurde eine „Weltmetropole des Theaters“. Regisseure wie Max Reinhardt, Leopold Jessner und Erwin Piscator prägten verschiedene Formen vom neuromantischen Schauspiel bis zum politischen Theater. Im Film wurden Werke von Robert Wiene, Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau und G. W. Pabst bekannt. Seit Mitte der 1920er Jahre war Film allgemein als Kunstform anerkannt; täglich gingen nach Schätzungen etwa zwei Millionen Menschen ins Kino. Mit dem Tonfilm ab 1929 wurden Produktionen wie Der blaue Engel (1930) und Der Kongreß tanzt (1931) populär.

Auch Musik und Literatur waren vielfältig. In der Musik standen Expressionismus, Atonalität, Zwölftonmusik, Barock-Renaissance, Jazz und Unterhaltungsmusik nebeneinander. Jazz und amerikanische Einflüsse wurden modisch, aber von Nationalisten und Rassisten bekämpft. In der Literatur entstanden Reportage, Zeitroman und kritisch-satirische Gebrauchslyrik. Beispiele im Artikel sind Egon Erwin Kisch, Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz, Thomas Manns Der Zauberberg, Erich Kästner, Kurt Tucholsky und Erich Maria Remarques Im Westen nichts Neues, das bis Mai 1930 über eine Million Mal verkauft wurde.

In der Wissenschaft entstanden neue Impulse, unter anderem durch die Institutionalisierung der Soziologie, das Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main und das Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld. In Philosophie, Sozialwissenschaften, Physik und Technik gab es bedeutende Leistungen: Albert Einstein erhielt 1921 den Nobelpreis, Max Planck 1918 den Nobelpreis für Physik; 1925 begann mit Werner Heisenberg, Max Born und Pascual Jordan die moderne Quantenmechanik, und 1931 entwickelten Ernst Ruska und Max Knoll das erste Elektronenmikroskop.

Weltwirtschaftskrise und Untergang

Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 traf Deutschland besonders hart, weil die Stabilisierung stark von kurzfristigen amerikanischen Krediten abhing. Nach dem Kurssturz an der New Yorker Börse wurden Kredite abgezogen. Absatz, Export und Produktion brachen ein; protektionistische Maßnahmen verschärften die Lage. Die Industrieproduktion sank gegenüber 1927/28 um mehr als 43 %, die Stahlerzeugung um 65 %. Die Arbeitslosenzahl stieg im Januarvergleich von 2,85 Millionen 1929 über annähernd 4,9 Millionen 1931 auf über 6 Millionen 1932; nur noch 12 Millionen Menschen arbeiteten regulär.

Im März 1930 zerbrach die Große Koalition unter Hermann Müller. Heinrich Brüning regierte danach mit Unterstützung des Reichspräsidenten Hindenburg zunehmend durch Notverordnungen. Seine Spar- und Deflationspolitik erhöhte Steuern, senkte Ausgaben, kürzte Leistungen und drückte Löhne, Gehälter, Mieten und Preise. Ziel war unter anderem Haushaltsausgleich und außenpolitisch die Entlastung von Reparationen; ob Alternativen möglich gewesen wären, ist in der Forschung umstritten. In Brünings Amtszeit standen 109 Notverordnungen nur 29 ordentlich verabschiedeten Gesetzen gegenüber. Der Reichstag verlor dadurch an Bedeutung.

Die politischen Folgen waren Radikalisierung und Blockade. Bei der Reichstagswahl 1930 stieg die NSDAP stark auf. Seit Sommer 1932 hatten republikfeindliche Parteien, vor allem NSDAP und KPD, zusammen eine negative Mehrheit im Reichstag. Franz von Papen, ab Juni 1932 Kanzler, führte die autoritäre Entwicklung weiter. Mit dem Preußenschlag vom 20. Juli 1932 übernahm die Reichsregierung unter Ausnahmezustand die Kontrolle über Preußen. Papens Regierung plante eine starke Beschneidung des Parlamentarismus, fand aber keine tragfähige Mehrheit. Kurt von Schleicher versuchte Ende 1932 mit einer „Querfront“ Gewerkschaften und Arbeitnehmerflügel verschiedener Parteien einzubinden, scheiterte jedoch rasch.

Am 30. Januar 1933 ernannte Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Konservative Berater glaubten, Hitler in einer Koalition mit nur wenigen Nationalsozialisten kontrollieren zu können; diese Einschätzung erwies sich als folgenschwer. Mit den Verordnungen vom Februar 1933 und dem Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 wurden demokratische, rechtsstaatliche und föderale Strukturen beseitigt. Die Weimarer Verfassung wurde während der NS-Zeit nicht formell aufgehoben, aber in wesentlichen Punkten dauerhaft außer Kraft gesetzt.

Warum die Republik scheiterte

Das Scheitern der Weimarer Republik wird im Artikel nicht als zwangsläufig dargestellt. Vielmehr nennt die Forschung ein Bündel von Ursachen. Dazu gehörten Kriegsfolgen, Versailler Vertrag, Inflation, Weltwirtschaftskrise, politische Gewalt, fehlende Kompromissbereitschaft, antidemokratische Eliten und Fehler der Verantwortlichen. Heinrich August Winkler betont, Hitlers Ernennung sei nicht der unausweichliche Ausgang der Staatskrise gewesen.

Ein Grundproblem war der fehlende breite demokratische Konsens. Viele Bürger waren im Kaiserreich geprägt worden; Teile von Reichswehr, Justiz, Verwaltung und gesellschaftlichen Eliten standen der Republik distanziert oder ablehnend gegenüber. Die Arbeiterbewegung war in SPD und KPD gespalten: Die SPD wollte die Republik erhalten, die KPD bekämpfte sie. In den Mittelschichten führten sozialer Abstieg, Statusängste und Arbeitslosigkeit zu wachsender Anfälligkeit für radikale Parteien. Die Formel von der „Republik ohne Republikaner“ ist übertrieben, beschreibt aber ein wichtiges Defizit.

Strukturelle Schwächen verstärkten die Krise. Das Verhältniswahlrecht begünstigte eine zersplitterte Parteienlandschaft; zugleich waren stabile Koalitionen schwer zu bilden. Der Reichspräsident konnte Kanzler ernennen, Notverordnungen erlassen und den Reichstag auflösen. Diese Befugnisse halfen 1923 bei der Krisenbewältigung, trugen aber ab 1930 zur Aushöhlung des parlamentarischen Systems bei. Die Verfassung hatte außerdem keine starke Wertbindung gegen ihre eigene demokratiefeindliche Veränderung.

Die wirtschaftlichen Krisen waren besonders zerstörerisch. Die Hyperinflation enteignete viele Sparer und wurde vor allem für Teile der Mittelschichten zu einer politischen Katastrophenerfahrung. Die Stabilisierung der Jahre 1924 bis 1929 war von ausländischen Krediten abhängig. Die Weltwirtschaftskrise radikalisierte Verteilungskämpfe, überforderte den Sozialstaat und zerstörte Vertrauen. Über Brünings Deflationspolitik ist die Forschung uneinig: Manche sehen sie als alternativlos oder durch Zahlungsbilanzprobleme begrenzt, andere halten aktive Konjunkturpolitik für möglich.

Auch Entscheidungen einzelner Politiker waren wichtig. Hindenburg förderte autoritäres Regieren und ernannte schließlich Hitler. Brüning, Papen und Schleicher stützten sich auf Präsidialregierungen statt auf parlamentarische Mehrheiten. Papens und Schleichers Versuche, mit autoritären Mitteln die Krise zu lösen, scheiterten. Die Machtübertragung an Hitler entstand aus Fehlkalkulationen konservativer Kräfte, aus der Stärke der NSDAP als Massenpartei und aus der vorherigen Schwächung der demokratischen Institutionen.

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