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Joseph Goebbels

Paul Joseph Goebbels (* 29. Oktober 1897 in Rheydt; † 1. Mai 1945 in Berlin) war einer der einflussreichsten Politiker in der Zeit des Nationalsozialismus …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Rolle im Nationalsozialismus
  2. 2. Frühe Jahre und politische Hinwendung
  3. 3. Ideologie, Antisemitismus und Gewaltpolitik
  4. 4. Aufstieg, Medienmacht und Kulturkontrolle
  5. 5. Judenverfolgung, Krieg und totaler Krieg
  6. 6. Ende, Privatleben und Quellenwert der Tagebücher

Bedeutung und Rolle im Nationalsozialismus

Joseph Goebbels (* 29. Oktober 1897 in Rheydt; † 1. Mai 1945 in Berlin) war einer der einflussreichsten Politiker des Nationalsozialismus und ein enger Vertrauter Adolf Hitlers. Er war ab 1926 Gauleiter von Berlin, ab 1930 Reichspropagandaleiter der NSDAP und von 1933 bis 1945 Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda sowie Präsident der Reichskulturkammer.

Seine zentrale Bedeutung lag in der systematischen Steuerung von Presse, Rundfunk, Film, Theater, Literatur, Musik und bildender Kunst. Propaganda bedeutet hier die gezielte Beeinflussung von Meinungen und Gefühlen. Goebbels verband demagogische Rhetorik, also auf Wirkung und Manipulation zielende Reden, mit Massenveranstaltungen und moderner Technik wie Radio und Film. So sollte die Bevölkerung für den Nationalsozialismus gewonnen und dauerhaft beeinflusst werden.

Er verbreitete antisemitische und antikommunistische Feindbilder. Durch Propaganda und Aktionen wie die Novemberpogrome 1938 trug er dazu bei, die Deportation und Vernichtung von Juden und anderen Minderheiten ideologisch vorzubereiten. Im Zweiten Weltkrieg war er unter anderem für die Wochenschau verantwortlich und schrieb zahlreiche Leitartikel. Seine Sportpalastrede vom 18. Februar 1943, in der er zum „totalen Krieg“ aufrief, gilt als besonders bekanntes Beispiel seiner Manipulation.

Frühe Jahre und politische Hinwendung

Goebbels wuchs in einem katholischen Elternhaus in finanziell angespannten Verhältnissen auf. Mit vier Jahren erkrankte er an einer Knochenmarkentzündung; sein rechter Unterschenkel verkümmerte, und er entwickelte einen Klumpfuß. Wegen dieser Behinderung wurde er später verspottet und im Ersten Weltkrieg nicht zum Militärdienst zugelassen. In der Schule war er ehrgeizig und leistungsstark; beim Abitur im März 1917 erhielt er fast überall „sehr gut“.

Von 1917 bis 1921 studierte Goebbels Germanistik und Geschichte in Bonn, Freiburg, Würzburg, München und Heidelberg. Am 21. April 1922 wurde er in Heidelberg mit einer Dissertation über Wilhelm von Schütz zum Dr. phil. promoviert. Seine Versuche als Schriftsteller und Journalist blieben zunächst weitgehend erfolglos. Nach dem Ersten Weltkrieg löste er sich zunehmend vom Katholizismus, beschäftigte sich mit verschiedenen Weltanschauungen und suchte nach politischer Orientierung.

1924 fand Goebbels Anschluss an die nationalsozialistische Bewegung. Nach der Neugründung der NSDAP durch Hitler im Frühjahr 1925 trat er der Partei bei. Unter dem Einfluss Gregor Strassers wurde er in Rheinland und Westfalen als Redner und Journalist aktiv. Bei der Begegnung mit Hitler am 6. November 1925 war er zunächst fasziniert, geriet aber 1926 wegen politischer Unterschiede in eine Krise. Nach weiteren Treffen ordnete er sich Hitler zunehmend unter.

Ideologie, Antisemitismus und Gewaltpolitik

Goebbels’ frühe Ideologie verband Vorstellungen von Opfer, Erlösung, Nationalismus, Sozialismus und Antisemitismus. In seinem Roman Michael erscheint das Motiv des „erlösenden Selbstopfers“. In politischen Texten forderte er von Anhängern Opferbereitschaft und eine tiefgreifende Wandlung. Er verstand sich zunächst als Sozialist, lehnte aber den internationalen Kommunismus ab und wollte einen „nationalen Sozialismus“.

Sein Verhältnis zu Juden war in jungen Jahren widersprüchlich, entwickelte sich aber zu radikalem Antisemitismus. Anfangs war sein Antisemitismus stärker nationalistisch und antikapitalistisch als rassistisch geprägt: Juden stellte er als „landfremde Elemente“ und als mit Geld und Kapitalismus verbunden dar. Später nutzte er Judenfeindschaft als zentrales Propagandamittel.

Als Gauleiter von Berlin ab dem 9. November 1926 setzte Goebbels auf Provokation, Gewalt und öffentliche Aufmerksamkeit. Die Berliner NSDAP wurde straff organisiert, die SA als Instrument für Straßen- und Saalschlachten eingesetzt. Goebbels wollte die NSDAP „auf die Straße“ bringen und Demokratie, Republik, Kommunisten und Juden aggressiv bekämpfen. Prozesse wegen Beleidigung und politischer Hetze nutzte er propagandistisch, um sich als Opfer des „Systems“ darzustellen.

Aufstieg, Medienmacht und Kulturkontrolle

Als Reichspropagandaleiter der NSDAP organisierte Goebbels ab 1930 Wahlkämpfe und Großveranstaltungen. Er stellte Hitler konsequent in den Mittelpunkt und trug stark zur Wirkung des „Hitler-Mythos“ bei. Bei der Reichstagswahl vom 14. September 1930 wurde die NSDAP mit 107 Abgeordneten zweitstärkste Fraktion. 1932 führte Goebbels mehrere Wahlkämpfe mit Plakaten, Schallplatten, Tonfilm, Rundfunkauftritten und Hitlers Flugreisen unter dem Schlagwort „Hitler über Deutschland“.

Nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 entstand am 13. März 1933 das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda; Goebbels wurde Minister. Innerhalb kurzer Zeit schuf er ein System zur Überwachung und Steuerung des gesamten Kulturbereichs. Für Presse, Rundfunk, Film, Theater, Literatur, bildende Kunst und Musik gab es eigene Abteilungen und entsprechende Kammern in der Reichskulturkammer. Wer ausgeschlossen wurde, konnte Berufsverbot erhalten.

Die Presse wurde durch das Schriftleitergesetz vom 18. Oktober 1933, tägliche Pressekonferenzen und genaue Presseanweisungen gelenkt. Der Rundfunk wurde direkt gesteuert; durch billige Geräte wie den Volksempfänger für 76 RM und später den „Deutschen Kleinempfänger“ für 35 RM stieg die Zahl der Rundfunkteilnehmer von 4,3 Millionen Anfang 1933 auf 11,5 Millionen sechs Jahre später. Beim Film überwachte Goebbels Drehbücher, Produktion und Ausrichtung; neben Unterhaltung entstanden offene Propagandafilme wie Triumph des Willens und Jud Süß.

Auch Kunst und Kultur wurden gleichgeschaltet. Unerwünschte Werke verschwanden aus Bibliotheken und Museen, viele Kulturschaffende emigrierten oder passten sich an. In der Ausstellung „Entartete Kunst“ 1937 wurden moderne Kunstwerke verfemt; über 16.000 Kunstwerke wurden beschlagnahmt, viele verkauft und Tausende 1939 öffentlich verbrannt.

Judenverfolgung, Krieg und totaler Krieg

Goebbels war an der antijüdischen Politik des NS-Regimes wesentlich beteiligt. Den Boykott jüdischer Geschäfte und Praxen am 1. April 1933 bereitete er propagandistisch vor. Über die Reichskulturkammer versuchte er, Juden aus dem Kulturbereich zu verdrängen. In Berlin wollte er Juden zunehmend aus allen Lebensbereichen isolieren; in der „Juni-Aktion“ 1938 wurden über 800 Juden verhaftet.

Bei den Novemberpogromen 1938 spielte Goebbels eine zentrale Rolle. Nach dem Tod Ernst Eduard vom Raths hielt er am 9. November 1938 vor Parteiführern eine Rede, in der er antijüdische Aktionen ausdrücklich laufen lassen wollte. Reichsweit wurden Synagogen und Gebetshäuser in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte demoliert, etwa 100 Juden getötet und 30.000 verhaftet. Danach folgten weitere Maßnahmen zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ausschaltung der Juden.

Im Krieg steuerte Goebbels die Inlandspropaganda über Ministerkonferenzen, Presseanweisungen, Rundfunk und Wochenschau. Die Schuld am Krieg wurde den westlichen „Plutokratien“ zugeschoben, der Krieg gegen die Sowjetunion als Kampf gegen eine barbarische Bedrohung dargestellt und zunehmend mit antisemitischer Propaganda verbunden. Trotz des Verbots hörten viele Menschen ausländische Sender wie die BBC.

Goebbels drängte besonders nach Stalingrad auf den „totalen Krieg“, also eine radikale Steigerung des Kriegseinsatzes der Bevölkerung. In der Sportpalastrede vom 18. Februar 1943 fragte er: „Wollt ihr den totalen Krieg?“ Die Rede löste beim ausgewählten Publikum Begeisterung aus, brachte ihm aber zunächst nicht die gewünschten umfassenden Vollmachten. Erst am 25. Juli 1944 wurde er „Generalbevollmächtigter für den totalen Kriegseinsatz“. Zwischen Juli und Oktober 1944 konnte er fast 700.000 Wehrpflichtige einziehen lassen.

Ende, Privatleben und Quellenwert der Tagebücher

Goebbels lebte als Minister in großem Luxus, unter anderem mit Dienstwohnungen, einer Villa auf Schwanenwerder und einem Landhaus am Bogensee. Er heiratete am 19. Dezember 1931 Magda Quandt; Hitler war Trauzeuge. Die Ehe wurde öffentlich als nationalsozialistische Musterfamilie dargestellt, war aber von Krisen geprägt, besonders durch Goebbels’ Verhältnis mit der Schauspielerin Lída Baarová. Joseph und Magda Goebbels hatten sechs Kinder: Helga, Hildegard, Helmut, Holdine, Hedwig und Heidrun.

In den letzten Kriegstagen zog Goebbels mit seiner Familie in den „Führerbunker“. Am 29. April 1945 war er Trauzeuge bei der Eheschließung Hitlers mit Eva Braun. Hitler ernannte ihn in seinem politischen Testament zum Reichskanzler. Nach Hitlers Suizid lehnte Goebbels am 1. Mai 1945 eine bedingungslose Kapitulation ab. Magda Goebbels ließ die sechs Kinder mit Zyankali ermorden, vielleicht gab sie ihnen das Gift selbst; Helmut Kunz und Ludwig Stumpfegger waren beteiligt. Danach nahmen Joseph und Magda Goebbels Zyankali; unklar ist, ob Goebbels sich zusätzlich erschoss.

Goebbels führte seit Oktober 1923 regelmäßig Tagebuch: etwa 6.000 bis 7.000 handgeschriebene Seiten und 50.000 diktierte Seiten. Die Tagebücher sind eine wichtige Quelle zur Geschichte des Nationalsozialismus, müssen aber kritisch gelesen werden. Historiker betonen ihren hohen Quellenwert, weisen aber auch darauf hin, dass Goebbels damit bewusst ein Selbstbild für spätere Leser schaffen wollte.

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