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Nürnberg

Nürnberg (nürnbergisch häufig Nämberch, häufige Abkürzung Nbg) ist eine kreisfreie Großstadt im Regierungsbezirk Mittelfranken des Freistaats Bayern.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Lage, Bevölkerung und Stadtbild
  3. 3. Geschichte
  4. 4. Politik, Religion und Erinnerungskultur
  5. 5. Kultur, Bildung, Sport und Wirtschaft
  6. 6. Verkehr und öffentliche Einrichtungen

Überblick und Bedeutung

Nürnberg ist eine kreisfreie Großstadt im Regierungsbezirk Mittelfranken in Bayern. Sie liegt auf 49° 27′ N, 11° 5′ O, 309 m ü. NHN, hat eine Fläche von rund 186,44 km² und zählte am 31. Dezember 2025 je nach Quelle 531.159 Einwohner laut Statistischem Landesamt beziehungsweise 547.913 Einwohner laut Melderegister. Damit ist Nürnberg die größte Stadt Frankens, die zweitgrößte Stadt Bayerns und steht in Deutschland an 13. Stelle. Oberbürgermeister ist Marcus König (CSU). Mit Fürth, Erlangen und Schwabach bildet Nürnberg eine der drei bayerischen Metropolen mit etwa 820.000 Einwohnern; der Ballungsraum Nürnberg umfasst etwa 1,4 Millionen Menschen und ist Zentrum der Europäischen Metropolregion Nürnberg mit über 3,6 Millionen Einwohnern.

Die Stadt ist historisch, kulturell, wirtschaftlich und politisch bedeutsam. Ihr Wahrzeichen ist die Nürnberger Burg. Die Altstadt gilt wieder als eine der bekanntesten mittelalterlichen Denkmalszonen Europas, obwohl sie im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde. Überregional bekannt sind der Christkindlesmarkt, das Germanische Nationalmuseum, weitere Museen und zahlreiche Veranstaltungen. Im 20. Jahrhundert wurde Nürnberg durch die Reichsparteitage und die Nürnberger Gesetze ein zentraler Ort nationalsozialistischer Propaganda; nach 1945 wurde die Stadt durch die Nürnberger Prozesse zu einem Schauplatz der ersten Urteile auf Grundlage des Völkerstrafrechts. Daraus leitet Nürnberg heute seinen Anspruch als Stadt des Friedens und der Menschenrechte ab.

Lage, Bevölkerung und Stadtbild

Nürnberg liegt zu beiden Seiten der Pegnitz, die das Stadtgebiet etwa 14 Kilometer von Ost nach West durchquert. Im westlichen Ortsteil Doos verlässt sie die Stadt an deren tiefstem Punkt bei 288 m ü. NN und bildet in Fürth zusammen mit der Rednitz die Regnitz. Im Norden liegt das Knoblauchsland, ein wichtiges Gemüseanbaugebiet; im Süden, Osten und Norden erstreckt sich der Nürnberger Reichswald. Der Untergrund besteht aus weichem Sandstein aus dem Keuper. Das Stadtgebiet ist in 10 Statistische Stadtteile und 87 Statistische Bezirke gegliedert, im Alltag orientieren sich viele Bewohner aber eher an traditionellen Ortsnamen. Nürnberg grenzt unter anderem an Fürth, Erlangen, Schwabach sowie die Landkreise Nürnberger Land, Roth, Fürth und Erlangen-Höchstadt.

Das Klima ist ein humides kühlgemäßigtes Übergangsklima. Die mittleren Temperaturen reichen von 1,7 °C im Januar bis 19,8 °C im Juli; die Jahresmitteltemperatur liegt bei etwa 10,7 °C. Seit Beginn der Messungen am Flughafen 1955 lag die Höchsttemperatur bei 38,6 °C am 27. Juli 1983. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt in der Tabelle 659 mm.

Die Bevölkerung wuchs besonders mit der Industrialisierung. 1808 lebten 25.176 Menschen in Nürnberg, 1881 wurde die Grenze von 100.000 überschritten, 1972 erreichte die Stadt etwa 515.000 Einwohner. Nach Rückgängen und dem Zensus 2011 stieg die Zahl wieder. 2024 verzeichnete das Melderegister 546.397 Einwohner, darunter 50,7 % Frauen, 40,6 % Personen im Alter von 35 bis 64 Jahren und 50,8 % Einpersonenhaushalte. Nürnberg ist multikulturell: 2024 hatten 52 % beziehungsweise 281.978 Personen einen Migrationshintergrund. Die Nürnberger Mundart gehört zur ostfränkischen Dialektgruppe, zeigt aber auch nordbairische Züge; unter jüngeren Menschen wird der alte Stadtdialekt kaum noch verwendet.

Geschichte

Erste slawische Siedlungsspuren nahe dem heutigen Hauptmarkt werden um 850 datiert. Die Stadtgründung ist nicht genau überliefert, sie könnte zwischen 1000 und 1040 erfolgt sein. Die erste urkundliche Erwähnung Nürnbergs steht in der Sigena-Urkunde Kaiser Heinrichs III. aus dem Jahr 1050. Die Burg wurde als kaiserlicher Stützpunkt wichtig; 1219 machte König Friedrich II. Nürnberg mit dem Großen Freiheitsbrief zur Freien Reichsstadt.

Im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit erlebte Nürnberg eine Blüte. Kaiser Karl IV. erließ 1356 in Nürnberg die Goldene Bulle, und König Sigismund übergab der Stadt 1423 die Reichskleinodien, die dort bis Anfang des 19. Jahrhunderts aufbewahrt wurden. Die Jahre 1470 bis 1530 gelten als Blütezeit. Grundlage waren hervorragendes Handwerk, die Lage als Handelsplatz in der Mitte Europas, die Nürnberger Börse und der Handel mit Venedig und der Levante. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Nürnberg nicht erobert, aber durch Verwüstungen im Umland wirtschaftlich geschwächt.

1806 kam Nürnberg nach französischer Besetzung an das Königreich Bayern. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem industriellen Zentrum. 1835 fuhr mit dem „Adler“ die erste Eisenbahn für den Personenverkehr in Deutschland von Nürnberg nach Fürth. Bedeutend wurden Spielwaren, Modelleisenbahnen, Maschinenbau, Elektroapparate, Zweiräder und Bleistifte. Zwischen 1870 und 1939 war Nürnberg ein Zentrum der Spielwaren- und Modelleisenbahnindustrie.

In der Weimarer Republik war Nürnberg ein bedeutender Industriestandort und Zentrum der bayerischen Sozialdemokratie. Zugleich gründete Julius Streicher 1922 hier eine Ortsgruppe der NSDAP. Während der NS-Zeit wurde Nürnberg zur „Stadt der Reichsparteitage“ erklärt. Am 15. September 1935 beschloss der Reichstag auf dem 7. Reichsparteitag die Nürnberger Gesetze. Zwischen 1941 und 1945 gab es in der Stadt KZ-Außenlager und Zwangsarbeit. Durch Luftangriffe, besonders am 2. Januar 1945, und die Schlacht um Nürnberg im April 1945 wurde die Altstadt fast vollständig zerstört.

Nach 1945 herrschten Wohnungsnot und Lebensmittelknappheit. Von 134.000 Wohnungen waren nur 14.500 unbeschädigt. Ab November 1945 fanden im Justizpalast die Nürnberger Prozesse gegen führende Kriegsverbrecher statt. Beim Wiederaufbau orientierte man sich weitgehend an historischen Stadtstrukturen, viele Fassaden wurden aber einfacher gestaltet. Nach dem Krieg veränderte sich das Wirtschaftsprofil: Firmen wie Siemens-Schuckert, MAN, Schöller-Eis, Zündapp, Grundig und Triumph-Adler prägten das Wirtschaftswunder. Wichtige Nachkriegsprojekte waren der Stadtteil Langwasser, der Flughafen 1955, der U-Bahn-Bau ab 1967, das Messezentrum 1973 und der Bayernhafen am Main-Donau-Kanal 1972.

Politik, Religion und Erinnerungskultur

Der Nürnberger Stadtrat hat 71 Sitze, darunter den Sitz des Oberbürgermeisters. Die Bürger wählen ihn alle sechs Jahre. Bei der Kommunalwahl 2026 lag die CSU mit 33,7 % vor SPD, Grünen, AfD und weiteren Parteien. Seit dem 1. Mai 2020 ist Marcus König (CSU) Oberbürgermeister; 2026 setzte er sich in der Stichwahl mit 55,5 % gegen Nasser Ahmed (SPD) durch. Nürnberg hat 15 Städtepartnerschaften, unter anderem mit Venedig, Nizza, Krakau, Skopje, Glasgow, San Carlos, Prag, Charkiw, Chadera, Antalya, Shenzhen, Kavala, Atlanta, Córdoba und Brașov. Dazu kommen Städtefreundschaften, unter anderem mit Gera, Nablus, Aného und Sokodé.

Religiös war Nürnberg seit der Reformation lange protestantisch geprägt. 1525 führte die Reichsstadt die Reformation nach lutherischem Bekenntnis ein. Laut Zensus 2022 waren 23,5 % der Einwohner evangelisch, 20,8 % römisch-katholisch und 55,6 % konfessionslos, Angehörige anderer Gemeinschaften oder ohne Angabe. Ende 2025 lagen die Anteile bei 19,7 % evangelisch, 17,6 % katholisch und 62,7 % in der übrigen Gruppe. Daneben gibt es orthodoxe Kirchen, Freikirchen, jüdische Gemeinden, islamische Gemeinden, buddhistische Gruppen, Bahai, Hinduismus, Mandäer, Aleviten, Anthroposophie und die Humanistische Vereinigung.

Die jüdische Geschichte Nürnbergs reicht mindestens ins 12. Jahrhundert zurück und ist von Verfolgung, Vertreibung und Wiederansiedlung geprägt. 1296 ist die erste Synagoge bezeugt. Bei Pogromen 1298 und 1349 starben Hunderte Menschen; 1499 mussten Juden die Stadt verlassen. Erst 1850 wurde wieder eine Ansiedlung zugelassen. 1922 hatte die jüdische Gemeinde 9.280 Mitglieder. In der NS-Zeit wurden Synagogen zerstört, die Hauptsynagoge bereits im August 1938 abgerissen; insgesamt wurden 1.631 Nürnberger jüdischen Glaubens Opfer des Nationalsozialismus. Die heutige Israelitische Kultusgemeinde hatte 2022 nach eigenen Angaben 2.326 Mitglieder.

Wegen Reichsparteitagen, Nürnberger Gesetzen und Nürnberger Prozessen sieht sich die Stadt besonders dem Frieden und den Menschenrechten verpflichtet. Dazu gehören die 1993 errichtete Straße der Menschenrechte, das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, das Memorium Nürnberger Prozesse, der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis seit 1995, das Nürnberger Menschenrechtszentrum, das Menschenrechtsbüro, das Filmfestival der Menschenrechte und die Bäume für die Menschenrechte. 2000 erhielt Nürnberg den UNESCO-Preis für Menschenrechtserziehung.

Kultur, Bildung, Sport und Wirtschaft

Nürnberg besitzt eine große Zahl bedeutender Bauwerke. Zur Romanik gehören die Kaiserburg, das Nassauer Haus und Teile der Sebalduskirche. Aus der Gotik stammen unter anderem Heilig-Geist-Spital, Frauenkirche, Schöner Brunnen, Lorenzkirche, Albrecht-Dürer-Haus und Teile der Stadtmauer. Renaissancebauten sind etwa Fembohaus, Pellerhaus, Fleischbrücke und Wolff’scher Rathausbau. Barock, Klassizismus, Historismus, Jugendstil, Klassische Moderne, NS-Monumentalarchitektur sowie Nachkriegsmoderne und Gegenwartsarchitektur prägen weitere Teile des Stadtbilds. Besonders bekannt ist das Reichsparteitagsgelände mit Zeppelinfeld, Kongresshalle und Großer Straße.

Kulturell ist Nürnberg einer der wichtigsten Museumsstandorte im deutschsprachigen Raum. Bedeutend sind das Germanische Nationalmuseum, das Albrecht-Dürer-Haus, das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, das Memorium Nürnberger Prozesse, das Verkehrsmuseum, das Spielzeugmuseum, das Neue Museum und das Zukunftsmuseum. Hinzu kommen das Staatstheater Nürnberg, zahlreiche kleinere Theater, Kinos, Orchester wie die Staatsphilharmonie Nürnberg und die Nürnberger Symphoniker sowie viele Festivals. Der Christkindlesmarkt zieht im Dezember über zweieinhalb Millionen Besucher an. Weitere wichtige Veranstaltungen sind Bardentreffen, Klassik Open Air, Rock im Park, Blaue Nacht, Volksfest, Altstadtfest, Filmfestival der Menschenrechte und Christopher Street Day.

Nürnberg verfügt über wichtige Grünflächen: Reichswald, Wöhrder Wiese, Wöhrder See, Volkspark Dutzendteich, Marienbergpark, Westpark, Stadtpark, Faberpark und Naturschutzflächen. Kulinarisch stehen vor allem Nürnberger Rostbratwürste, Nürnberger Lebkuchen, Rotbier, Stadtwurst, Karpfen, Schäuferle und fränkischer Sauerbraten für die Stadt.

Im Bildungsbereich gibt es zahlreiche Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Nürnberg beherbergt zwei Universitäten, zwei Kunsthochschulen, zwei Fachhochschulen und Fernhochschulzentren mit rund 26.000 Studierenden im Wintersemester 2024/25. Dazu zählen die Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg mit Nürnberger Standorten, die Hochschule für Musik, die Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm und die im Aufbau befindliche Technische Universität Nürnberg. Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Energie, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Fraunhofer-Einrichtungen.

Sportlich ist Nürnberg besonders durch den 1. FC Nürnberg bekannt, der zwischen 1920 und 1936 sechsmal deutscher Fußballmeister wurde und insgesamt neun Meistertitel besitzt. Weitere wichtige Sportarten sind Eishockey mit den Nürnberg Ice Tigers, Basketball, Handball, Hockey, Ringen, Tennis und Tanzsport.

Wirtschaftlich ist Nürnberg stark in Dienstleistungen, Informations- und Kommunikationstechnik, Marktforschung, Druck, Energie- und Leistungselektronik, Verkehr und Logistik sowie Industrie. 2021 lag das Bruttoinlandsprodukt bei 32,3 Milliarden Euro, das BIP pro Kopf bei 63.000 Euro. 2023 gab es etwa 318.800 Erwerbstätige, im August 2024 betrug die Arbeitslosenquote 5,8 %. Die Messe Nürnberg gehört zu den bedeutendsten Kongress- und Messestandorten Deutschlands und den 15 größten Messen der Welt.

Verkehr und öffentliche Einrichtungen

Nürnberg ist ein wichtiger Verkehrsknoten. Der Hauptbahnhof ist Drehkreuz des Schienenfernverkehrs in Nordbayern und liegt an mehreren ICE-, IC- und Nachtzuglinien, unter anderem Richtung Hamburg, Berlin, München, Wien, Frankfurt am Main und Stuttgart. Der Regionalverkehr verbindet Nürnberg mit Städten wie Amberg, Ansbach, Bamberg, Kitzingen, Neumarkt in der Oberpfalz, Pegnitz und Treuchtlingen. Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg ermöglicht ein einheitliches Tarifsystem.

Der städtische Nahverkehr wird vor allem von der VAG betrieben. Es gibt drei U-Bahn-Linien, sieben Straßenbahnlinien, sechs S-Bahn-Linien und 54 Stadtbuslinien. In den Nächten vor Samstagen, Sonntagen, Feiertagen und Brückentagen verkehren NightLiner sowie mehrere S-Bahnlinien. Nürnberg liegt außerdem an wichtigen Autobahnen: A3, A6, A9 und A73. Im Stadtgebiet verbinden der Bundesstraßenring und mehrere Bundesstraßen wichtige Verkehrsachsen. Für Radfahrer gibt es ein Wegweisersystem und seit 2019 das Fahrradverleihsystem VAG Rad, das 2025 über 112 Stationen, eine große Flexzone, mehr als 2.500 Fahrräder, 80 Pedelecs und 19 Lastenräder umfasste. Die Altstadt besitzt mehrere Fußgängerzonen mit zusammen etwa 5700 Metern Länge.

Der Flughafen Nürnberg im Norden bindet die Stadt an den nationalen und internationalen Luftverkehr an. Zwischen 1998 und 2025 sank die Zahl der Starts und Landungen von 84.041 auf 52.918, während die Passagierzahl von 2.529.307 auf 4.508.765 stieg. Über den Main-Donau-Kanal ist Nürnberg auch an das Wasserstraßennetz angeschlossen; der Nürnberger Hafen ist ein trimodaler Güterumschlagsplatz für Schiff, Schiene und Straße und Teil eines großen Güterverkehrszentrums.

Nürnberg ist Sitz wichtiger öffentlicher Einrichtungen. Dazu gehören unter anderem die Bundesagentur für Arbeit, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat, das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention, mehrere Gerichte einschließlich Oberlandesgericht und Finanzgericht sowie Behörden für Zoll, Steuern, Arbeitsmarkt und Wasserstraßen. Für Sicherheit und Ordnung sind unter anderem Polizeipräsidium Mittelfranken, Bundespolizei, Technisches Hilfswerk, Berufsfeuerwehr, Freiwillige Feuerwehr und Rettungsdienste zuständig.

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