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Menstruation
Die Menstruation, die Monatsblutung und die Menses sind Bezeichnungen für die periodisch wiederkehrende Blutung aus der Gebärmutter einiger Tierarten und …
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Grundlagen der Menstruation
Menstruation, Monatsblutung und Menses bezeichnen die regelmäßig wiederkehrende Blutung aus der Gebärmutter mit Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut. Sie dauert beim Menschen durchschnittlich vier bis fünf Tage; umgangssprachlich heißt sie auch Periode. Die erste Menstruation wird Menarche, die letzte Menstruation Menopause genannt. Beide markieren den Beginn beziehungsweise das Ende der körperlich fruchtbaren Zeit.
Der erste Tag der Menstruation ist zugleich der erste Tag des Menstruationszyklus. Hormonelle Regelkreise steuern darin die Reifung eines Graafschen Follikels, den Eisprung und die Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle.
Vorkommen im Tierreich
Menstruation tritt ausschließlich bei Säugetieren und dort nur bei wenigen Arten auf. Sie kommt bei afrikanischen Rüsselspringern, Stachelmäusen, einigen Fledermausarten sowie bei höheren Primaten einschließlich des Menschen vor. Einige Evolutionsbiologen schätzen, dass ungefähr 1 % der Säugetiere menstruieren. Die etwa 5500 anderen bekannten Säugetierarten haben statt eines Menstruationszyklus einen Brunstzyklus.
Menstruationsflüssigkeit
Beim Menschen werden durchschnittlich 50 ml, höchstens 80 ml Flüssigkeit ausgeschieden. Die Menstruationsflüssigkeit besteht überwiegend aus leicht verdünntem Blut, enthält aber auch Vaginalsekret, abgestoßene Gebärmutterschleimhaut und Bakterien.
Gelegentlich enthält sie geronnenes Blut, sogenannte Koagel. Das Gerinnen ist ein natürlicher Vorgang zur Blutstillung und kein Krankheitssymptom. Die Farbe hängt unter anderem von der Konzentration des roten Blutfarbstoffs und seiner Sauerstoffsättigung ab. Zu Beginn und am Ende der Menstruation ist die Flüssigkeit meist hellrot, in der Mitte dunkler.
Zyklus und Beschwerden
Die Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut erfolgt bei Frauen ungefähr alle 28 Tage ±3 Tage und dauert etwa drei bis sieben Tage. Frauen menstruieren im Durchschnitt mehr als 400-mal in ihrem Leben.
Das Ausbleiben der Menstruation heißt Amenorrhoe. Nach einer Empfängnis ist es das erste deutlich wahrnehmbare Anzeichen einer Schwangerschaft. Bei einem starken Monatsfluss von über 80 ml spricht man von Hypermenorrhoe. Ein Zyklusintervall von weniger als 25 Tagen heißt Polymenorrhoe, ein Intervall von mehr als 35 Tagen Oligomenorrhoe.
Eine deutlich schmerzhafte Menstruation wird Dysmenorrhoe genannt. Sie kann auf eine Erkrankung hinweisen und sollte medizinisch geklärt sowie bei entsprechendem Leidensdruck behandelt werden.
Mögliche evolutionäre Erklärungen
Der adaptive Wert der Menstruation ist wegen ihrer Seltenheit im Tierreich nicht eindeutig geklärt. Diskutiert werden mehrere Theorien:
- Die Menstruation könnte Gebärmutter und Eileiter von Krankheitserregern reinigen, die sich an Spermien anheften. Dabei würden infizierte Teile der Gebärmutterschleimhaut entfernt und Immunzellen in die Gebärmutter gelangen.
- Die zyklische Rückbildung und Erneuerung der Schleimhaut könnte energetisch günstiger sein als ihre ständige Aufrechterhaltung in dem für die Einnistung einer Zygote nötigen Stoffwechselzustand. Die starken Blutungen bei Menschen und Schimpansen werden dabei mit der im Verhältnis zur Körpergröße großen Gebärmutter und relativ kleinen Blutgefäßen in Verbindung gebracht.
- Die Menstruation könnte das Gebärmuttergewebe auf die Entzündung und den oxidativen Stress vorbereiten, die beim Menschen mit der tiefen Plazentation verbunden sind.
- Sie könnte eine mechanische Folge der spontanen Dezidualisierung sein, also der Umformung von Zellen in der Gebärmutter. Bei den meisten Arten wird diese Umformung erst durch Signale des Embryos ausgelöst. Die spontane Dezidualisierung könnte das Abstoßen defekter Embryonen erleichtern und sich bei höheren Primaten aufgrund eines Konflikts zwischen Mutter und Fötus entwickelt haben.
Außerdem wird untersucht, ob der Unterschied zwischen menstruierenden und nicht menstruierenden Säugetieren durch das Aktivieren oder Blockieren eines Genoms entsteht.
Gesellschaft, Hygiene und Vorstellungen
In der westlichen Medizin galt die Menstruation lange als Reinigungsvorgang und als notwendige Voraussetzung für Gesundheit und Fruchtbarkeit. In jüdischen, islamischen und hinduistischen Traditionen bestehen oder bestanden unterschiedliche Reinheits- und Verhaltensregeln. Im Judentum und Islam ist während der Periode der Geschlechtsverkehr zwischen Ehepartnern nicht erlaubt; muslimischen Frauen ist in dieser Zeit außerdem das typische rituelle Gebet untersagt. In hinduistischen Traditionen kann die Anwesenheit einer menstruierenden Frau bei einem religiösen Ritus als wirkungslos oder sogar schädlich für dessen Wirkung gelten.
Der Aberglaube, Menstruationsblut sei grundsätzlich schädlich, hält sich teilweise bis heute. Wissenschaftlich gibt es dafür keine Belege: Menstruationssekret enthält normalerweise keine Gifte oder Viren, die nicht auch in normalem Blut vorkämen. Erreger, die durch infektiöses Blut übertragen werden, etwa Hepatitis B oder HIV, können jedoch auch über Menstruationssekret und benutzte Hygieneprodukte Infektionen verursachen. Bakterien der Vaginalflora können das Sekret zersetzen und dadurch unangenehmen Geruch erzeugen. Historische Verbote lassen sich teilweise durch frühere Lebensbedingungen ohne fließendes Wasser, Unterwäsche, Einwegbinden und preiswerte Textilien erklären.
Zur Menstruationshygiene dienen Einmalbinden, Tampons und seltener Softtampons. Wiederverwendbar sind Menstruationsunterwäsche, waschbare Stoffbinden, Naturschwämme und Menstruationstassen aus Latex oder medizinischem Silikon. Bei einer Menstruationstasse wird das Blut nicht aufgesogen, sondern in einem Becher aufgefangen, der entleert, ausgewaschen und sofort wieder eingesetzt werden kann.
Menstruationsshaming kann Scham und die Angst auslösen, dass andere die eigene Periode bemerken. Häufig besteht außerdem ein Tabu, offen über Menstruation zu sprechen.
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