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Menstruationszyklus

Die Phasen des Menstruationszyklus · Desquamationsphase, Menstruationsphase · Proliferationsphase, Follikelphase · Ovulation und fruchtbare Zyklusphase.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und zeitlicher Rahmen
  2. 2. Phasen und hormonelle Abläufe
  3. 3. Fruchtbarkeit, Unfruchtbarkeit und Schwangerschaft
  4. 4. Schwankungen, Beschwerden und Störungen
  5. 5. Psyche, Körper und Verhalten
  6. 6. Verhütung, andere Lebewesen und widerlegte Mythen

Grundlagen und zeitlicher Rahmen

Der Menstruationszyklus, auch menstrueller oder weiblicher Zyklus genannt, ist ein hormonell gesteuerter Vorgang im Körper der Frau. Er schafft vor allem im Eierstock und in der Gebärmutter günstige Bedingungen für eine Befruchtung und Schwangerschaft. Der Zyklus beginnt definitionsgemäß am ersten Tag der Monatsblutung und endet am Tag vor der nächsten Blutung. Er tritt von der Pubertät mit der Menarche bis zu den Wechseljahren mit der Menopause ungefähr 400-mal auf.

Die Zykluslänge schwankt. Allgemein wird ein Abstand von etwa 21 bis 45 Tagen genannt; als Durchschnittswerte erscheinen 29,3 beziehungsweise 28,9 Tage. 95 % der Zyklen liegen zwischen 22 und 36 Tagen. Der Zyklus wird durch Hypothalamus, Hypophyse und Eierstock gesteuert. Zu den wichtigsten Hormonen gehören Östrogen, Progesteron, das follikelstimulierende Hormon (FSH) und das luteinisierende Hormon (LH).

Vor der Geburt entstehen aus Urkeimzellen die Oozyten, also die späteren Eizellen. Sie bilden zusammen mit umgebenden Zellen Primordialfollikel und treten bis zur Pubertät in das Ruhestadium Diktyotän ein. Die meisten gehen zugrunde. Zur Menarche sind von ursprünglich 700.000 bis 2 Millionen noch etwa 400.000 Primordialfollikel vorhanden. Der erste Zyklus beginnt bereits vor der ersten Regelblutung mit der Vorbereitung des ersten Eisprungs. Damit beginnt die Fruchtbarkeit, sodass eine Schwangerschaft auch vor der ersten Blutung möglich ist.

Phasen und hormonelle Abläufe

Der Abschnitt von der Menstruation bis zum Eisprung umfasst die Desquamationsphase und die Proliferations- beziehungsweise Follikelphase. Seine Dauer ist variabel und kann wenige Tage oder mehrere Wochen betragen. Die Zeit vom Eisprung bis zum Beginn der nächsten Menstruation heißt Sekretions-, Luteal- oder Gelbkörperphase. Sie dauert relativ konstant 10 bis 16 Tage. Bei weniger als 10 Tagen wird von Gelbkörperschwäche oder Lutealinsuffizienz gesprochen; eine Lutealphase von mehr als 16 Tagen deutet auf eine Schwangerschaft hin.

In der Desquamationsphase wird die alte Gebärmutterschleimhaut mit der Regelblutung abgestoßen. Eine normale Blutung dauert 3 bis 5 Tage und umfasst 10 bis 80 Milliliter Blut; das Maximum liegt meist am zweiten Tag. Eine zu starke Blutung heißt Hypermenorrhoe, eine zu lange Menorrhagie.

In der anschließenden Proliferations- oder Follikelphase baut Östrogen die Schleimhaut wieder auf. Unter dem Einfluss von FSH wachsen zu Beginn etwa 20 bis 25 Primordialfollikel in einem Eierstock heran. Meist entwickelt sich nur einer über Primär- und Sekundärfollikel zum reifen Tertiärfollikel; die übrigen gehen zugrunde und werden zu Bindegewebe. Follikel- und Granulosazellen bilden unter anderem Progesteron und Östrogen und unterstützen die Eizellreifung sowie den Aufbau der Schleimhaut.

Der Eisprung selbst ist keine eigene Phase, sondern markiert den Wechsel zur Gelbkörperphase. Kurz davor ist die Östrogenkonzentration am höchsten. Der LH-Anstieg entlässt die Eizelle aus dem reifen Follikel in den Eileiter. Normalerweise reift pro Zyklus nur eine Eizelle heran; welcher Eierstock beteiligt ist, ist im Wesentlichen zufällig. Die Basaltemperatur steigt zum Eisprung um 0,2 bis 0,4 Grad. Bei manchen Frauen tritt dabei ein mehrere Stunden dauernder Mittelschmerz auf.

Nach dem Eisprung bildet sich aus den Follikelzellen unter LH-Einfluss der Gelbkörper, das Corpus luteum. Er produziert Progesteron. Gemeinsam mit Östrogen sorgt dieses für eine stärkere Gefäßversorgung und nährstoffhaltiges Sekret in der Gebärmutterschleimhaut. Etwa eine Woche nach dem Eisprung ist sie auf die Einnistung vorbereitet.

Fruchtbarkeit, Unfruchtbarkeit und Schwangerschaft

Die Eizelle hat einen Durchmesser von etwa 0,1 mm und kann nach dem Eisprung 12 bis 18 Stunden, nach anderen Quellen bis zu 24 Stunden, befruchtet werden. Wird sie befruchtet, wandert sie innerhalb von 3 bis 4 Tagen durch den Eileiter zur Gebärmutter. Der Östrogeneinfluss macht den Zervixschleim flüssig, durchsichtig und elastisch. Dadurch können Spermien bis zu 5 Tage im Körper überleben. Zusammen mit der Befruchtungsfähigkeit der Eizelle ergibt sich ein fruchtbares Fenster von 6 Tagen.

In 25 % der Fälle findet der Eisprung am 14. oder 15. Zyklustag statt, in 60 % erst nach dem 14. Tag und in 5 % bereits am 11. Tag oder früher. Einer Studie zufolge liegen die fruchtbaren Tage bei 95 % der Zyklen zwischen Tag 4 und Tag 23; nur 25 % der Teilnehmer hatten ihre gesamte fruchtbare Phase zwischen Tag 10 und Tag 17.

In der Lutealphase verdickt Progesteron den Zervixschleim zu einem für Spermien undurchdringlichen Schleimpfropf. Außerdem hemmt es über eine negative Rückkopplung im Hypothalamus und in der Hypophyse die FSH-Ausschüttung. Dadurch unterbleiben weitere Eireifung und ein erneuter Eisprung. Wenn keine Befruchtung stattfindet, bildet sich der Gelbkörper zurück und wird zum bindegewebigen Corpus albicans. Der Progesteronspiegel sinkt, die Schleimhaut wird abgestoßen und die nächste Blutung beginnt.

Bei einer Befruchtung nistet sich die Eizelle mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 bis 30 % in der Gebärmutterwand ein. Der Ovarialzyklus wird unterbrochen; eine Superfetatio, also eine erneute Befruchtung während einer bestehenden Schwangerschaft, kann nicht eintreten. Nach der Geburt setzt der Zyklus abhängig vom Stillen wieder ein. Prolaktin kann FSH und LH unterdrücken. Bei stillenden Frauen findet in 50 % der Fälle der Eisprung bereits vor dem Wiederauftreten der Blutung statt. Stillen ist daher nur unter besonderen, streng vorgegebenen Bedingungen ein Schutz vor einer erneuten Schwangerschaft.

Schwankungen, Beschwerden und Störungen

Der Zyklus kann zwischen verschiedenen Personen und von Zyklus zu Zyklus erheblich schwanken. Schwankungen von mehr als einer Woche werden bei etwa der Hälfte aller gesunden Frauen beobachtet; am stärksten trägt die Follikelphase zur Variabilität bei. Nach der Menarche und während der Wechseljahre ist ein unregelmäßiger Zyklus normal. Langfristige Veränderungen können mit fortschreitendem Alter, Gewichtsveränderungen oder Kunstlicht zusammenhängen. Weitere mögliche Ursachen sind hormonelle oder organische Veränderungen, erhöhtes oder vermindertes Gewicht, Essstörungen, extrem viel Sport, das Absetzen hormoneller Verhütungsmittel, Entzündungen und Krankheiten.

Menstruationsbeschwerden können vor oder während der Blutung auftreten. Primäre Dysmenorrhoe bezeichnet Regelschmerzen durch das Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur beim Abstoßen der Schleimhaut. Dafür sind Prostaglandine verantwortlich, hormonähnliche Botenstoffe, die auch das Schmerzempfinden beeinflussen. Eine weitere Theorie führt die Schmerzen auf eine zu starke Prostaglandinbildung zurück. Sekundäre Dysmenorrhoe kann durch Geschwulste, Endometriose, Entzündungen oder Intrauterinpessare entstehen und erfordert eine ärztliche Untersuchung. Beschwerden vor der Menstruation können durch das prämenstruelle Syndrom (PMS) bedingt sein. Starke Dysmenorrhoe kann den Alltag beeinträchtigen und zur Abgrenzung vom sozialen Umfeld führen.

Menstruationsstörungen werden unter anderem als Abweichungen von Blutungsrhythmus, Blutungsstärke oder als Zusatzblutungen eingeteilt. Oligomenorrhoe bedeutet eine zu seltene Blutung bei einer Zykluslänge von mehr als 35 Tagen, Polymenorrhoe eine zu häufige Blutung bei weniger als 25 Tagen. Hypermenorrhoe ist eine verstärkte Blutung, Hypomenorrhoe eine abgeschwächte. Menorrhagie bezeichnet eine verlängerte Blutung von 6 Tagen bis zu 2 Wochen, Metrorrhagie regelstarke, rhythmusunabhängige und häufig lange Blutungen. Amenorrhoe liegt vor, wenn die Blutung länger als 3 Monate ausbleibt, obwohl keine Schwangerschaft besteht. Zusatzblutungen können Vor-, Nach- oder Zwischenblutungen sein und hormonelle oder organische Ursachen haben; sie können auch auf ein Zervix- oder Endometriumkarzinom hinweisen.

Nach ICD-10 betreffen N91 ausgebliebene, zu schwache oder zu seltene Menstruationen, N92 zu starke, zu häufige oder unregelmäßige Menstruationen, N93 sonstige abnorme Uterus- oder Vaginalblutungen und N94 Schmerzen sowie andere Zustände im Zusammenhang mit den weiblichen Genitalorganen und dem Menstruationszyklus. Während einer Schwangerschaft gibt es keine Regelblutung. Blutungen, besonders zwischen der 6. und 10. Schwangerschaftswoche, können jedoch als Regelblutung fehlgedeutet werden. Blutungen in der Spätschwangerschaft können ernsthafte, unbehandelt lebensgefährliche Ursachen haben.

Psyche, Körper und Verhalten

Viele Befunde zu Psyche und Verhalten werden mit hormonellen Schwankungen erklärt und betreffen häufig nur natürlich menstruierende Personen ohne hormonelle Verhütung. In der prämenstruellen Phase können Ängste und depressive Stimmungen auftreten; Östrogen- und Progesteronschwankungen können laut Studien die Reaktion auf Stress verstärken. Während der Ovulation verbessert sich bei vielen die Stimmung. Eine Studie fand das persönliche Selbstwertgefühl prämenstruell am niedrigsten und die Selbstsicherheit während des Eisprungs erhöht; auch die Dominanz könne dann zunehmen.

Während der Ovulation fühlen sich Personen teilweise attraktiver und werden als attraktiver wahrgenommen. Studien berichteten außerdem über mehr Trinkgeld für Stripperinnen um die Ovulation und ein gesteigertes Kaufverhalten, das als Wettbewerbsverhalten interpretiert wurde. Die Libido ist jedoch individuell verschieden. Östrogen kann sie in der ersten Zyklusphase steigern, während Progesteron in der zweiten Phase über einen sinkenden Östrogenspiegel hemmend wirken kann. Einige Forschende vermuten keinen Zusammenhang zwischen hormonellen Schwankungen und Libido.

Bei manchen Betroffenen verstärken sich in der prämenstruellen und menstruellen Phase Depressionen, Hoffnungslosigkeit, Empfindlichkeit gegenüber sozialer Ablehnung und das Gefühl, eine Belastung zu sein. Eine Studie berichtete häufiger auftretenden Verfolgungswahn in der prämenstruellen Phase. Forschungen sehen teilweise Zusammenhänge zwischen Zyklusphasen und Suiziden; ein erhöhtes Risiko während der Menstruations- oder Lutealphase sowie ein Zusammenhang mit dem Hormonhaushalt werden vermutet.

In der Lutealphase essen viele mehr; eine Gewichtszunahme von 200 bis 300 Gramm wird angenommen und kann mit Wassereinlagerungen zusammenhängen. Schwankungen der gonadalen Geschlechtshormone beeinflussen die funktionelle Gehirnorganisation, haben laut einer Studie aber nur in geringerem Maße Einfluss auf kognitive Leistungen. Das auditive-verbale Gedächtnis, also das Lernen, Behalten und Erinnern von Silben und Wörtern, war in einer Studie aus dem Jahr 2021 während der Ovulation am höchsten.

Die Forschung zu Sport und Zyklus steht noch am Anfang. Bei Profi-Sportlerinnen können Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit in den ersten 1 bis 3 Menstruationstagen vermindert sein. Während der Ovulation sind Östrogen und Testosteron hoch; ein stärkerer Wettkampfdrang und höhere Trainingsmotivation werden vermutet. Mehrere Studien fanden Hinweise auf bessere Effekte von Krafttraining in der Lutealphase als in der Follikelphase sowie stärkeres Schwitzen in der Lutealphase.

Verhütung, andere Lebewesen und widerlegte Mythen

Bei zyklusbedingter beziehungsweise natürlicher Verhütung werden Körperzeichen wie Basaltemperatur und Zervixschleim genutzt, um unfruchtbare Tage zu bestimmen. Dafür sind ein regelmäßiger Zyklus und eine gute Körperbeobachtung nötig. Hormonelle Verhütungsmittel enthalten chemisch veränderte Östrogen- und Progesteronanaloga. Sie täuschen dem Körper die Lutealphase vor und ersetzen den körpereigenen Ablauf von Eireifung, Eisprung und Lutealphase durch eine von außen gesteuerte Hormongabe.

Die Behauptung, zusammenlebende Frauen würden ihre Menstruation synchronisieren, wird McClintock-Effekt oder dormitory effect genannt. Ältere Studien konnten diesen Zusammenhang nicht eindeutig bestätigen; selbst bei einem Zusammenhang wäre die Korrelation nicht besonders stark. Auch eine Synchronisation mit dem Mond ist nicht belegt. Eine Studie von 2021 fand lediglich einen schwachen Einfluss; wenige Zyklen von mehr als 27 Tagen blieben zeitweise mit Vollmond oder Neumond synchron.

Ein regelmäßiger Menstruationszyklus kommt nur bei ungefähr 1 % der Säugetiere vor, darunter bei höheren Primaten, einigen Fledermausarten, Rüsselspringern und Stachelmäusen. Bei anderen Säugetieren wird die Gebärmutterschleimhaut nur umgebaut und nicht abgestoßen; dort spricht man von Sexualzyklus und Brunft. Nur wenige Säugetiere haben wie der Mensch eine Menopause, darunter Schwertwale, Kurzflossengrindwale, im Zoo gehaltene Menschenaffen und asiatische Elefanten.

Mehrere frühere Forschungsergebnisse gelten als nicht haltbar oder widerlegt. Dazu gehören Behauptungen über ein bestimmtes Aussehen, einen besonderen Geruch, eine veränderte Stimmlage oder allgemein typisches Verhalten während der Ovulation. Die Annahme, Personen würden sich dann attraktiver kleiden und häufiger Rot oder Pink tragen, ließ sich nicht bestätigen. Ebenfalls widerlegt ist die Theorie einer „doppelten Sexualität“, nach der Sexualität in den fruchtbaren Tagen vor allem der Fortpflanzung und außerhalb dieser Tage vor allem der Paarbindung diene. Auch die Annahme, Frauen fänden während der Ovulation maskulinere Männer attraktiver, gilt als widerlegt.

Lernvideos zu Menstruationszyklus

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