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Lateinische Grammatik

Adjektive können durch eine Endung als adverbiale Formen markiert werden. Handelt es sich beim Adjektiv um eines der a- und o-Deklination, wie z. B. durus …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge der lateinischen Grammatik
  2. 2. Substantive, Kasus und Deklinationen
  3. 3. Adjektive, Pronomina, Zahlwörter und Adverbien
  4. 4. Verben und ihre Formenbildung
  5. 5. Satzwertige Konstruktionen
  6. 6. Syntax und Wortstellung

Grundzüge der lateinischen Grammatik

Die lateinische Grammatik beschreibt Aufbau und Funktionsweise des Lateinischen, einer Sprache des italischen Zweigs der indogermanischen Sprachfamilie. Aus dem gesprochenen Vulgärlatein entwickelten sich die romanischen Sprachen. Gegenstand des Schulunterrichts ist meist das klassische Latein: eine normierte literarische Kunstsprache, die im Wesentlichen im 1. Jahrhundert v. Chr. von römischen Autoren verwendet wurde.

Latein ist eine flektierende und stark synthetische Sprache. Grammatische Informationen werden überwiegend durch Veränderungen und Endungen eines Wortes ausgedrückt, nicht durch zusätzliche Hilfswörter. Die Flexion erfolgt durch Suffigierung, Veränderungen des Wortstamms und bei einigen Verbformen durch Reduplikation. Ein Suffix kann mehrere Merkmale zugleich anzeigen: -arum bezeichnet beispielsweise Genitiv und Plural. Präfixe dienen dagegen der Wortbildung, nicht der Flexion.

Die Wortbildung erfolgt vor allem durch Ableitung mit Suffixen und Präfixen. Neue Substantive, Adjektive und Verben können aus Verbal- oder Nominalwurzeln entstehen. Das Suffix -sc- bildet Verba inchoativa. Substantivkomposita sind dem klassischen Latein im Gegensatz zum Deutschen weitgehend fremd.

Die Wortarten gliedern sich in flektierbare und nicht flektierbare Wörter. Deklinierbar sind Substantive, Pronomina, Adjektive und bestimmte Zahlwörter; Verben werden konjugiert. Unflektierbar sind Adverbien, Präpositionen beziehungsweise Postpositionen, Konjunktionen beziehungsweise Subjunktionen und Interjektionen. Bestimmte und unbestimmte Artikel besitzt das klassische Latein nicht.

Substantive, Kasus und Deklinationen

Substantive werden nach Genus, Numerus und Kasus bestimmt. Es gibt Maskulinum, Femininum und Neutrum sowie Singular und Plural. Reste eines alten Duals erscheinen etwa in duo „zwei“ und ambō „beide“. Bei Neutra sind Nominativ und Akkusativ in Singular und Plural stets gleich; der Nominativ und Akkusativ Plural endet regelmäßig auf -a.

Latein besitzt fünf ausgeprägte Kasus sowie Vokativ und Reste des Lokativs. Der Nominativ bezeichnet vor allem das Subjekt. Der Genitiv drückt Besitz oder Beziehungen aus und kann unter anderem als Genitivus possessivus, qualitatis, pretii, partitivus oder als Genitivobjekt auftreten. Der Dativ kennzeichnet meist Empfänger oder indirektes Objekt. Der Akkusativ bezeichnet das direkte Objekt, steht nach entsprechenden Präpositionen und kann eine Richtung ausdrücken, etwa Romam proficisci „nach Rom aufbrechen“.

Im Ablativ sind durch Kasussynkretismus die älteren Funktionen von Ablativ, Instrumental und Lokativ zusammengefallen. Seine Grundfunktionen sind Trennung, Tatmittel und Begleitung; hinzu kommen Orts-, Zeit- und Preisangaben. Beispiele sind a Romā „von Rom weg“, gladiō pugnare „mit dem Schwert kämpfen“ und eo tempore „zu dieser Zeit“. Der Vokativ dient der direkten Anrede. Meist entspricht er dem Nominativ; bei maskulinen Wörtern der o-Deklination auf -us steht im Singular gewöhnlich -e, etwa Brutus – Brute, bei -ius meist -i. Der Lokativ bezeichnet einen Ort und bleibt besonders bei Ortsnamen und einzelnen Wörtern erhalten: Romae „in Rom“, domi „zu Hause“.

Die fünf Deklinationen heißen nach ihren historischen Stämmen a-, o-, dritte, u- und e-Deklination. Zur ersten Deklination gehören überwiegend Feminina auf -a wie domina, -ae; männliche Personenbezeichnungen wie agricola bleiben maskulin. Die zweite Deklination umfasst Maskulina, Feminina und Neutra wie dominus, -i und templum, -i; auch Wörter auf -(e)r wie puer und ager gehören dazu.

Die umfangreiche dritte Deklination vereinigt konsonantische Stämme, i-Stämme und Mischstämme und umfasst alle Genera. Der Stamm ist häufig erst am Genitiv erkennbar, etwa corpus, corporis. Kennzeichen der i-Deklination sind unter anderem Genitiv Plural -ium, Ablativ Singular -i und bei Neutra Nominativ/Akkusativ Plural -ia; das Merkwort „Areal“ verweist auf Neutra auf -ar, -e oder -al. Mischstämme wie navis verbinden Merkmale beider Gruppen.

Die vierte oder u-Deklination enthält meist Maskulina auf -us wie casus, -us; Neutra enden im Nominativ und Akkusativ Singular auf -u, etwa genu. Die fünfte oder e-Deklination enthält fast nur Feminina wie res, rei. Ausnahmen sind dies „Tag“, das auch feminin sein kann, und meridies „Mittag“; Neutra gibt es nicht.

Adjektive, Pronomina, Zahlwörter und Adverbien

Adjektive stimmen mit ihrem Bezugswort in Kasus, Numerus und Genus überein; dies heißt KNG-Kongruenz. Dreiendige Adjektive haben im Nominativ Singular drei Formen, etwa magnus, magna, magnum. Zweiendige unterscheiden Maskulinum/Femininum und Neutrum, etwa hilaris, hilare. Einendige haben dort nur eine Form, etwa felix, felicis. Adjektive folgen entweder der a-/o-Deklination oder der dritten Deklination.

Die Steigerungsstufen heißen Positiv, Komparativ und Superlativ. Der Komparativ wird regelmäßig mit -ior für Maskulinum/Femininum und -ius für Neutrum gebildet: durior, durius „härter“. Der Superlativ erhält -issimus, -issima, -issimum: durissimus „am härtesten, sehr hart“. Adjektive auf -er bilden häufig -rimus, etwa miserrimus; einige auf -lis bilden -limus, etwa facillimus. Wichtige unregelmäßige Reihen sind bonus – melior – optimus, malus – peior – pessimus, magnus – maior – maximus und parvus – minor – minimus.

Pronomina vertreten Substantive und werden dekliniert. Dazu gehören Personal-, Possessiv-, Reflexiv-, Demonstrativ-, Interrogativ- und Relativpronomina. Die Personalpronomina lauten unter anderem ego „ich“, nos „wir“, tu „du“ und vos „ihr“. is, ea, id kann „er/sie/es“ oder demonstrativ „der/die/das“ bedeuten. hic, haec, hoc bezeichnet Nähe zum Sprecher, ille, illa, illud räumliche oder zeitliche Ferne, iste, ista, istud Nähe zum Angesprochenen und bisweilen eine abwertende Haltung. ipse hebt eine Person als „selbst“ hervor, idem bedeutet „derselbe“. Das Reflexivpronomen hat keinen Nominativ und lautet sui, sibi, se. quis, quid fragt substantivisch „wer?“ beziehungsweise „was?“. qui, quae, quod dient als adjektivisches Interrogativ- und als Relativpronomen.

Grundzahlen benennen Mengen, Ordnungszahlen eine Reihenfolge, etwa unus/primus, duo/secundus und tres/tertius. Zahlen mit 8 oder 9 an letzter Stelle werden häufig durch Subtraktion gebildet: duodetriginta „28“ und undetriginta „29“. Flektiert werden unter anderem unus, duo, ambo, tres, die Hunderter von ducenti bis nongenti und die Ordnungszahlen. mille „tausend“ ist im Singular unflektierbar; der Plural milia beziehungsweise millia wird nach der dritten Deklination im Neutrum Plural gebeugt.

Adverbien sind im Satzzusammenhang grundsätzlich unveränderlich, wobei umstritten ist, ob ihre adverbiale Form als Flexionsform gelten soll. Aus Adjektiven der a-/o-Deklination entstehen sie meist mit -e, etwa dure; aus Adjektiven der dritten Deklination mit -(i)ter, etwa hilariter. Der adverbiale Komparativ endet auf -ius, der Superlativ auf -e am Superlativstamm: durius, durissime. Unregelmäßig sind beispielsweise bene – melius – optime und diu – diutius – diutissime.

Verben und ihre Formenbildung

Finite Verbformen sind nach Person und Numerus bestimmt und dienen als Prädikat; infinite Formen sind darin unbestimmt. Lateinische Verben werden nach drei Personen, Singular und Plural, Tempus, Modus und Diathese gebeugt. Die Modi sind Indikativ, Konjunktiv und Imperativ, die Diathesen Aktiv und Passiv. Ein Verb besteht typischerweise aus Präsens-, Perfekt- oder Supinstamm, gegebenenfalls einem Tempus- und Moduszeichen und einer Personalendung.

Nach dem Präsensstamm unterscheidet man a-Konjugation (vocare), e-Konjugation (vidēre), i-Konjugation (audire) und konsonantische Konjugation (agere); capere gehört zur konsonantischen Gruppe mit -i- oder wird als fünfte Klasse behandelt. Präsens, Imperfekt und Futur I entstehen aus dem Präsensstamm. Perfekt, Plusquamperfekt und Futur II Aktiv entstehen aus dem Perfektstamm. Die Grundschemata zeigen Formen wie dele-t, dele-ba-t, dele-bi-t sowie delev-i-t, delev-isse-t und delev-eri-t.

Das Perfekt kann unterschiedlich gebildet werden: v-Perfekt amare – amavi, u-Perfekt monere – monui, s-Perfekt scribere – scripsi, Dehnungsperfekt venire – vêni, Ablautperfekt facere – fêci und Reduplikationsperfekt currere – cucurri. Unregelmäßig sind unter anderem esse – fui, ferre – tuli und incipere – coepi.

Der Indikativ stellt Vorgänge als tatsächlich dar. Der Imperativ drückt Befehle aus. Der Konjunktiv bezeichnet im Hauptsatz unter anderem Wunsch, Aufforderung oder Befehl und wird außerdem in Nebensätzen gebraucht. Es gibt Konjunktiv Präsens, Imperfekt, Perfekt und Plusquamperfekt, aber keinen Konjunktiv des Futurs I oder Futurs II.

Das Passiv der Präsensstammzeiten wird synthetisch durch passive Personalendungen gebildet, etwa portor „ich werde getragen“ und portatur „er/sie wird getragen“. Perfekt, Plusquamperfekt und Futur II Passiv werden analytisch aus Partizip Perfekt Passiv und esse gebildet: deletus est, deletus erat, deletus erit. Das Partizip stimmt dabei mit dem Subjekt in Numerus und Genus überein. Deponentien besitzen überwiegend passive Formen, aber aktive, oft reflexive Bedeutung, etwa mirari „sich wundern“.

Die coniugatio periphrastica verbindet esse mit einem Partizip. Mit dem Partizip Futur Aktiv bezeichnet sie unmittelbar Bevorstehendes, Absicht oder eine Bedingung: Te visitaturus sum „Ich bin im Begriff, dich zu besuchen“.

Zu den infiniten Formen gehören Infinitiv, Partizip, Gerundium, Gerundivum und Supinum. Infinitive unterscheiden Gleichzeitigkeit, Vorzeitigkeit und Nachzeitigkeit sowie Aktiv und Passiv: delere, deleri, delevisse, deletum esse, deleturum esse, deletum iri. Das PPA auf -nt- bezeichnet Gleichzeitigkeit und Aktiv, das PPP meist auf -t- oder -s- Vorzeitigkeit und Passiv, das PFA auf -ur- Nachzeitigkeit und Aktiv. Das Gerundium ist ein Verbalsubstantiv mit Formen auf -nd-. Das Gerundivum auf -ndus, -nda, -ndum drückt Notwendigkeit, Empfehlung oder Verbot aus. Das Supinum endet auf -um oder -u und hat finalen Sinn, etwa deletum venio „ich komme, um zu zerstören“.

Satzwertige Konstruktionen

Der Accusativus cum infinitivo (AcI) ist meist von Verben des Wahrnehmens, Wissens oder Sprechens abhängig und übernimmt die Funktion eines Objekts. Bei der Übersetzung wird sein Akkusativ zum Subjekt und sein Infinitiv zum Verb eines dass-Satzes. Der Infinitiv Präsens bezeichnet Gleichzeitigkeit, der Infinitiv Perfekt Vorzeitigkeit und der Infinitiv Futur Nachzeitigkeit zum Hauptverb. Spero eum mox Romam venturum esse bedeutet: „Ich hoffe, dass er bald nach Rom kommen wird.“

Der Nominativus cum Infinitivo (NcI) steht häufig bei einem passiven Verb in der 3. Person Singular und hat Subjektfunktion. Hercules filius Iovis fuisse dicitur heißt wörtlich: „Es wird gesagt, dass Herkules ein Sohn Jupiters gewesen ist“, freier: „Man sagt, dass Herkules ein Sohn Jupiters gewesen ist.“ Für die Zeitverhältnisse gelten dieselben Regeln wie beim AcI.

Das Participium conjunctum (PC) verbindet ein Nomen oder Pronomen mit einem kongruierenden Partizip. Es kann durch einen Relativsatz oder einen adverbialen Nebensatz wiedergegeben werden. Ein PPA bezeichnet Gleichzeitigkeit, ein PPP Vorzeitigkeit und ein PFA Nachzeitigkeit. Der adverbiale Sinn kann temporal, kausal, modal, konzessiv oder konditional sein.

Der Ablativus absolutus ist eine Sonderform des PC, bei der Bezugswort und Partizip im Ablativ stehen. Er kann Gleichzeitigkeit oder Vorzeitigkeit, aber keine Nachzeitigkeit ausdrücken. Te regente nemo inopia laborat bedeutet: „Wenn du herrschst, leidet niemand an Not.“ Qua re audita celeriter ad theatrum ibam bedeutet: „Nachdem ich diese Sache gehört hatte, ging ich schnell zum Theater.“ Erstarrte Verbindungen können wie Adverbiale wirken, etwa Creonte duce „unter der Führung des Kreon“.

Syntax und Wortstellung

Latein ist eine Nominativ-Akkusativ-Sprache. Das Subjekt steht im Nominativ, das direkte Objekt im Akkusativ, und das Prädikat stimmt mit dem Subjekt überein. Im Passiv steht das logische Objekt als grammatisches Subjekt im Nominativ. Adjektive und Partizipien stimmen mit ihrem Bezugswort in Kasus, Numerus und Genus überein: puer pulcher, puella pulchra, pueris pulchris.

Der synthetische Sprachbau ermöglicht eine kompakte Ausdrucksweise. Endungen übernehmen Aufgaben, für die das Deutsche oft Hilfsverben, Pronomina oder Nebensätze benötigt. Cedamus amori heißt „Lasst uns der Liebe nachgeben“; der Adhortativ steckt in der Verbform. Imperatorem venisse audit heißt „Er hört, dass der Feldherr gekommen ist“; der AcI ersetzt einen deutschen Nebensatz. Weil Person und Numerus am Verb erkennbar sind, kann das Subjektpronomen häufig entfallen.

Die Wortstellung ist relativ frei, weil Endungen die Satzfunktionen anzeigen. Canis hominem mordet und Hominem canis mordet bedeuten beide „Der Hund beißt den Mann“. Dennoch besteht besonders in Prosa eine Tendenz zur Reihenfolge Subjekt–Objekt–Verb. Abweichungen können ein Satzglied hervorheben; in metrischer Dichtung bestimmt oft das Versmaß die Reihenfolge. Attribute und Relativsätze folgen gewöhnlich ihrem Bezugswort, bei Genitiven ist die Stellung weniger eindeutig. Latein verwendet sowohl Präpositionen als auch Postpositionen, wobei Präpositionen überwiegen.

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