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Schwangerschaft

Die Schwangerschaft bei Menschen dauert bei normalem Verlauf von der Befruchtung bis zur Geburt durchschnittlich 38 Wochen, mit einer Schwankungsbreite von …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Dauer
  2. 2. Feststellung und Vorsorge
  3. 3. Entwicklung in den Trimestern
  4. 4. Geburt und Vorbereitung
  5. 5. Risiken, Erkrankungen und Schutz
  6. 6. Ernährung, Gesellschaft und Recht

Grundlagen und Dauer

Eine Schwangerschaft, fachsprachlich Gestation oder Gravidität, ist der Zeitraum, in dem sich eine befruchtete Eizelle im Körper einer Schwangeren zu einem Kind entwickelt. Beim Menschen dauert sie von der Befruchtung bis zur Geburt durchschnittlich 38 Wochen, kann aber um mehrere Wochen schwanken. In den ersten acht Wochen nach der Befruchtung heißt das heranwachsende Kind Embryo; ab der neunten Entwicklungswoche, nachdem die inneren Organe angelegt sind, spricht man von Fötus oder Fetus.

Medizinisch wird die Schwangerschaft meist nicht ab der Befruchtung, sondern ab dem ersten Tag der letzten Menstruation gezählt, weil dieser Zeitpunkt vielen Frauen bekannt ist. Nach dieser Rechnung dauert sie durchschnittlich etwa 280 Tage oder 40 Wochen. Die Befruchtung liegt dann in der zweiten Schwangerschaftswoche. Genau am errechneten Geburtstermin kommen nur etwa 4 % der Kinder zur Welt; 26 % werden innerhalb von Termin ± 3 Tagen geboren, 66 % innerhalb von ± 10 Tagen. Eine Geburt vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche gilt als Frühgeburt.

Feststellung und Vorsorge

Eine Schwangerschaft kann frühestens einige Tage nach dem Geschlechtsverkehr festgestellt werden. Man unterscheidet unsichere, wahrscheinliche und sichere Schwangerschaftszeichen. Unsicher sind zum Beispiel das Ausbleiben der Monatsblutung, morgendliche Übelkeit und Erbrechen. Wahrscheinlich ist ein positiver Schwangerschaftstest, der das Hormon hCG im Blut oder Urin misst. Sicher ist der Nachweis eines Fötus, etwa durch Sonografie, Herztöne oder fühlbare Kindsbewegungen.

In Deutschland hat jede werdende Mutter Anspruch auf Betreuung durch Hebamme oder Arzt während der Schwangerschaft, bei der Geburt und einige Wochen danach. Bei unkompliziertem Verlauf werden zunächst Kontrollen alle vier Wochen empfohlen, ab der 32. Schwangerschaftswoche alle zwei Wochen und bei Überschreiten des Geburtstermins alle zwei Tage. Befunde werden im Mutterpass, in Österreich im Eltern-Kind-Pass, dokumentiert.

Ultraschalluntersuchungen dienen dazu, die Entwicklung des Fötus zu beobachten, Mehrlingsschwangerschaften zu erkennen und gegebenenfalls das Geschlecht festzustellen. Die deutschen Mutterschafts-Richtlinien sehen drei Ultraschalluntersuchungen vor. Pränataldiagnostik soll Krankheiten oder Behinderungen des Kindes, zum Beispiel Trisomie 21, oder Erkrankungen der Mutter früh erkennen beziehungsweise Wahrscheinlichkeiten berechnen. Viele dieser Verfahren sind ethisch umstritten, weil sie psychisch belasten können und häufig nur Wahrscheinlichkeiten liefern. Ein DNA-Test aus mütterlichem Blut ist ab der 9. Schwangerschaftswoche möglich, weil dann fetale DNA im mütterlichen Blut nachweisbar ist.

Entwicklung in den Trimestern

Die Schwangerschaft wird in drei Trimenone oder Trimester eingeteilt. Im ersten Trimenon entwickelt sich der Embryo besonders schnell, während der Körper der Schwangeren starke hormonelle Veränderungen durchläuft. Etwa 50 bis 90 % erleben Übelkeit, 25 bis 50 % auch Erbrechen. In den ersten Wochen entstehen Zygote, Morula und Blastozyste; die Einnistung in die Gebärmutterwand beginnt etwa am fünften Tag nach der Befruchtung und ist nach 14 Tagen abgeschlossen. Ab der sechsten Woche bilden sich Wirbelsäule und Neuralrohr, später Herzaktivität, Gliedmaßenanlagen, Augen- und Ohranlagen. Am Ende der zwölften Schwangerschaftswoche sind alle Organanlagen vorhanden; der Embryo ist etwa 5 bis 6 cm groß und wiegt ungefähr 14 g.

Im zweiten Trimenon nehmen Übelkeit und Fehlgeburtsrisiko meist ab. Die Plazenta übernimmt die Produktion schwangerschaftserhaltender Hormone. Ab etwa der 18. bis 20. Schwangerschaftswoche werden Kindsbewegungen gewöhnlich spürbar. Der Fötus wächst rasch, Organe reifen weiter, er schluckt Fruchtwasser, scheidet Urin ins Fruchtwasser aus und reagiert gegen Ende des sechsten Monats auf Stimmen, Schall und Licht. Ob zu diesem Zeitpunkt bereits Schmerzempfindungen möglich sind, ist umstritten; eine Analyse hält Schmerz vor dem dritten Trimenon für unwahrscheinlich. Am Ende des sechsten Monats ist der Fötus etwa 26 cm groß und wiegt rund 500 g.

Im dritten Trimenon reift der Fötus weiter aus, und der Körper der Schwangeren bereitet sich auf die Geburt vor. Beschwerden wie Wassereinlagerungen, Kurzatmigkeit, Rücken- und Fußschmerzen oder Schlafstörungen können zunehmen. Ab etwa der 23. Schwangerschaftswoche besteht bei Frühgeburt eine geringe Überlebenschance mit intensivmedizinischer Behandlung; in der 25. SSW werden Überlebenschancen von etwa 32 bis 43 %, in der 28. SSW von 79 % genannt. Ab der 35. SSW ist die Lungenreifung abgeschlossen. Am Ende der Schwangerschaft misst das Baby bei der Geburt etwa 48 bis 54 cm, wiegt 2800 bis 4000 g und hat einen Kopfdurchmesser von 9,5 bis 10,5 cm.

Geburt und Vorbereitung

Die Schwangerschaft endet in der Regel mit der Geburt. Sie kann sich durch Eröffnungswehen ankündigen, die etwa 30 bis 60 Sekunden dauern und über ein bis zwei Stunden alle zehn Minuten auftreten. Weitere mögliche Zeichen sind ein leicht blutiger Ausfluss durch den gelösten Schleimpfropf, der Blasensprung, Durchfall oder Erbrechen. Nach der Geburt beginnt die Schwangerschaftsrückbildung: Bauchdecke, Gebärmutter, Beckenbodenmuskulatur, Vaginalkanal, Vagina und Hormonhaushalt regenerieren sich. Die Dauer ist individuell, beträgt aber ungefähr so lange wie die Schwangerschaft.

Zur Vorbereitung können Schwangere mit Partner oder Partnerin Geburtsvorbereitungskurse besuchen. Inhalte sind zum Beispiel Geburtsplan, Wahl des Geburtsorts, Geburtspositionen, natürliche und medikamentöse Schmerzverarbeitung, Anästhesieverfahren, Beckenbodentraining, Entspannung, Stillen und Säuglingspflege. In Deutschland werden heute etwa 97 % der Kinder in Krankenhäusern geboren; daneben gibt es Hausgeburten und Geburtshäuser. In Entwicklungsländern wird wegen schlechter medizinischer Versorgung nur etwa jede zweite Geburt von Arzt oder Hebamme betreut.

Vorgeburtliche Kontaktaufnahme ist möglich, sobald Bewegungen spürbar werden, ungefähr ab der 18. Schwangerschaftswoche. Frühestens ab der 23. Woche kann der Herzschlag mit einem Stethoskop gehört werden. Ab dem sechsten Monat können auch andere Personen Bewegungen durch die Bauchdecke spüren. Sonografie zeigt, dass der Fötus bereits im Mutterleib Sinneswahrnehmungen wie Stimme der Mutter, Musik und Bewegung aufnehmen kann.

Risiken, Erkrankungen und Schutz

Während der Schwangerschaft können besondere Erkrankungen auftreten, sogenannte Gestosen. Dazu gehören übermäßiges Schwangerschaftserbrechen, schwangerschaftsinduzierter Bluthochdruck, Präeklampsie und Eklampsie. Präeklampsie kann sich durch Bluthochdruck, Wassereinlagerungen und Eiweiß im Urin zeigen; Eklampsie ist die schwerste Form und kann Krämpfe oder Bewusstlosigkeit verursachen. Schwangerschaft erhöht außerdem das Risiko für tiefe Beinvenenthrombose um den Faktor 5; sie betrifft ein bis zwei Schwangere pro Tausend.

Psychische Erkrankungen sind ebenfalls wichtig. Eine große englische Studie nennt Depressionen in der Schwangerschaft bei etwa 10 % aller Frauen. Typisch können herabgesetzte Stimmung, innere Leere, Hoffnungslosigkeit und geringes Selbstwertgefühl sein. Psychotische Erkrankungen treten erstmals selten auf, können sich aber verschlechtern, ebenso Zwangsstörungen und Panikstörungen.

Alkohol, Rauchen und Drogen können dem ungeborenen Kind schaden. Schon geringer Alkoholkonsum kann zu Fetal Alcohol Spectrum Disorder führen; für Deutschland werden jährlich etwa 10.000 Babys mit FASD geschätzt, davon etwa 4000 mit fetalem Alkoholsyndrom. Rauchen erhöht unter anderem das Risiko von Fehlgeburt, Frühgeburt, Totgeburt, niedrigerem Geburtsgewicht, späterem Asthma und ADHS. Medikamente, auch rezeptfreie und pflanzliche, sollen in der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit Arzt oder Apotheker eingenommen werden, da manche teratogen wirken, also Fehlbildungen verursachen können.

Infektionen können Fehlgeburten, schwere Erkrankungen, bleibende Schäden oder den Tod des Kindes verursachen. Genannt werden unter anderem Chlamydien, Listeriose, Streptokokken der Gruppe B, Syphilis, Toxoplasmose, Röteln, Windpocken, Zytomegalie, Hepatitis B, HIV und COVID-19. Bei HIV kann das Übertragungsrisiko ohne Behandlung etwa 15 bis 30 % betragen; mit antiretroviralen Medikamenten und Kaiserschnitt kann es auf unter 5 % gesenkt werden. Impfungen mit Totimpfstoffen sind nach Empfehlungen des Robert Koch-Instituts im zweiten und dritten Drittel der Schwangerschaft bedenkenlos möglich; Lebendimpfstoffe sind ab drei Monaten vor und während der Schwangerschaft kontraindiziert.

Ernährung, Gesellschaft und Recht

Eine ausgewogene Ernährung unterstützt die Entwicklung des ungeborenen Kindes. Empfohlen wird eine ballaststoffreiche Mischkost mit hochwertigen Proteinen, ausreichend Kohlenhydraten und Fetten mit überwiegend ungesättigten Fettsäuren. Der durchschnittliche Energiebedarf beträgt etwa 2000 bis 2200 kcal pro Tag, nach dem vierten Monat 2200 bis 2500 kcal pro Tag. Rohmilchprodukte, rohes Fleisch, Rohwurst, roher oder geräucherter Fisch sowie ungewaschenes Obst und Gemüse sollen wegen Infektionsrisiken, besonders durch Listerien und Toxoplasmose, weitgehend gemieden werden.

Wichtige Nährstoffe sind Folsäure, Calcium, Eisen, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und Jod. Folsäure, auch Vitamin B9, ist besonders früh wichtig und hilft, Neuralrohrdefekten vorzubeugen. Calcium und Eisen werden vom schnell wachsenden Fötus besonders benötigt; Vitamin D unterstützt die Calciumaufnahme. Für Omega-3-Fettsäuren wird eine Aufnahme von mindestens 200 mg DHA pro Tag genannt. Jodmangel kann beim Ungeborenen unter anderem Kropfbildung, Wachstumsstörungen, Störungen der Gehirnentwicklung sowie Fehl- und Totgeburten begünstigen.

Gesellschaftlich haben Schwangere in vielen Kulturen einen besonderen Status, können aber auch unter Erwartungen und psychischem Druck stehen. Schwangerschaft spielt in Familie, Religion, Kunst und Demografie eine Rolle. Das Durchschnittsalter von Erstgebärenden ist in vielen europäischen Ländern gestiegen: In Westdeutschland lag es 1975 bei 24,8 Jahren, in Ostdeutschland bei 21,8 Jahren; im Jahr 2000 bei 29 Jahren beziehungsweise 28,4 Jahren.

Schwangerschaften können gewollt, ungewollt oder erzwungen sein. Reproduktionsmedizin bietet ungewollt kinderlosen Paaren Maßnahmen wie Fertilitätsbehandlung, künstliche Befruchtung und Leihmutterschaft. Weltweit wurden 2015 bis 2019 jährlich durchschnittlich etwa 6 von 100 Frauen ungeplant schwanger, insgesamt 121 Millionen Schwangerschaften pro Jahr; 61 % der nicht geplanten Schwangerschaften wurden abgebrochen. In Deutschland bestehen gesetzliche Schutzmaßnahmen wie Kündigungsschutz, Mutterschutz und Beschäftigungsverbote für bestimmte Tätigkeiten. Der Mutterschutz beginnt sechs Wochen vor dem mutmaßlichen Entbindungstermin und dauert bis acht Wochen nach der Geburt, bei Früh- und Mehrlingsgeburten bis zwölf Wochen danach.

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