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Geschlechtsreife

Die Geschlechtsreife wird als der Teil der Ontogenese eines Einzelwesens angesehen, wenn seine Geschlechtsdrüsen die ersten befruchtungsfähigen Keimzellen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Bedeutung
  2. 2. Geschlechtsreifung bei Säugetieren
  3. 3. Eintritt der Geschlechtsreife beim Menschen
  4. 4. Körperliche und hormonelle Veränderungen
  5. 5. Störungen und besondere Fälle

Definition und Bedeutung

Geschlechtsreife bezeichnet den Abschnitt der Ontogenese, in dem die Geschlechtsdrüsen erstmals befruchtungsfähige Keimzellen bilden. Von diesem Zeitpunkt an kann ein Tier oder ein Mensch Nachkommen zeugen. Die Entwicklung der Geschlechtsorgane als Funktionsträger der Fortpflanzung ist bei Eintritt der Geschlechtsreife weitgehend abgeschlossen. Bei vielen Säugetieren, insbesondere beim Menschen, wird die Geschlechtsreife erreicht, lange bevor das Individuum erwachsen ist. Die Dauer der einzelnen Entwicklungsphasen unterscheidet sich bei vielzelligen Tieren (Metazoen) je nach Art.

Beim Menschen ist Geschlechtsreife das Ziel der Geschlechtsreifung, auch Pubeszenz genannt. Sie wird während der Pubertät erreicht, die in die Adoleszenz, also die Jugendphase, fällt.

Geschlechtsreifung bei Säugetieren

Bei Säugetieren wird die Geschlechtsreifung durch mehrere hormonelle Vorgänge gesteuert. Beteiligt sind die Tätigkeit der Schilddrüse und das von ihr gebildete Hormon Thyroxin sowie die zunehmende Bildung von Sexualhormonen.

Im Verlauf der Reifung beginnt beim männlichen Geschlecht die Produktion von Sperma. Beim weiblichen Geschlecht geben die Ovarien, also die Eierstöcke, befruchtungsfähige Eizellen ab. Wird eine Eizelle befruchtet, nistet sich der entstandene Embryo im Uterus, der Gebärmutter, ein. Nicht befruchtete Eizellen sterben ab und werden resorbiert oder ausgeschieden.

Aus darwinistischer Sicht ist das Erreichen der Geschlechtsreife bei vielen Nachkommen ein Kriterium dafür, dass sich der jeweilige Phänotyp unter den biotischen Umweltfaktoren behaupten kann. Dazu gehören die Konkurrenz zwischen Individuen derselben Spezies sowie die Konkurrenz mit anderen Arten, die dieselbe ökologische Nische besetzen.

Eintritt der Geschlechtsreife beim Menschen

Beim Menschen tritt die Geschlechtsreife im Laufe der Pubertät ein. Die geschlechtliche Reifung ist im Vergleich zu anderen, auch langlebigen, Primaten erheblich verzögert. Mädchen und Jungen sind bei Eintritt der Geschlechtsreife noch nicht erwachsen. Seit dem 19. Jahrhundert ist das Eintrittsalter in die Pubertät bei beiden Geschlechtern langsam gesunken. In den meisten europäischen Ländern beginnt sie, abgesehen von einer klinischen Pubertas praecox, zunehmend früher.

Bei Mädchen signalisiert etwa ab der Mitte der Pubertät die erste Menstruation, die Menarche, häufig den Eintritt der Geschlechtsreife. Biologisch sind Mädchen ab der ersten Ovulation, also dem ersten Eisprung, geschlechtsreif. Diese Ovulation kann nach oder bereits vor der ersten Menstruation stattfinden. Deshalb sind auch Schwangerschaften vor der Menarche möglich. Die ersten Menstruationsblutungen können unregelmäßig sein und ohne vorausgegangenen Eisprung auftreten. Später bildet sich meist ein mehr oder weniger regelmäßiger Ovulationszyklus heraus.

In den Vereinigten Staaten beginnt die Periode bei den meisten Mädchen im Alter von 12 oder 13 Jahren; zugleich besteht eine große Bandbreite. Bei Jungen ist die Spermarche, die erste Ejakulation, das Zeichen für die Geschlechtsreife.

Körperliche und hormonelle Veränderungen

Die hormonelle Steuerung beginnt im Gehirn. Der Hypothalamus schüttet Gonadotropin-Releasing-Hormon aus und wirkt damit auf die Hypophyse. Die weitere geschlechtliche Entwicklung wird vor allem bei Mädchen durch Östrogene und bei Jungen durch Androgene gesteuert. Beide Geschlechter bilden auch die jeweils anderen Geschlechtshormone, jedoch in deutlich geringerer Menge.

Vor der Pubertät beginnt zunächst eine äußerlich kaum wahrnehmbare innere Entwicklung. Mit der Pubertät werden die Veränderungen sichtbar. Das erste Anzeichen ist ein Wachstumsschub, gefolgt von der Ausbildung sekundärer Geschlechtsmerkmale, also körperlicher Merkmale, die nicht unmittelbar zu den Geschlechtsorganen gehören. Bei beiden Geschlechtern beschleunigt sich das Knochenwachstum, und die Schambehaarung beginnt zu wachsen.

Bei Mädchen entwickelt sich die Brust. Die Menstruation setzt typischerweise etwa zwei Jahre nach Beginn der Brustentwicklung ein, wenn sich das Höhenwachstum nach Erreichen seiner Höchstgeschwindigkeit verlangsamt. Bei Jungen vergrößern sich zuerst Hoden und Hodensack, danach Penis und Stimme verändert sich im Stimmbruch. Die Achselhaare erscheinen nach der Schambehaarung, außerdem beginnt der Bartwuchs. Der Wachstumsschub beginnt etwa ein Jahr nach dem Beginn der Hodenvergrößerung. Jungen in den Vereinigten Staaten haben ihre erste Ejakulation typischerweise zwischen 12½ und 14 Jahren, etwa ein Jahr nachdem sich das Peniswachstum beschleunigt hat. Eine leichte Vergrößerung der Brüste (Gynäkomastie) kommt bei Jungen in der Pubertät häufig vor und bildet sich in der Regel innerhalb einiger Jahre zurück.

Mit dem Erreichen der Fortpflanzungsfähigkeit ist die Geschlechtsreifung noch nicht endgültig abgeschlossen. Bei gesunden Heranwachsenden entwickeln sich primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale und ihre Funktionen weiter. Bei männlichen Heranwachsenden nehmen Anzahl und Qualität der Spermien im Ejakulat sowie die Menge des Sekrets der akzessorischen Geschlechtsdrüsen bis zu einem individuell sehr unterschiedlichen Maximum kontinuierlich zu. Bei Mädchen und jungen Frauen wird der Ovulationszyklus im günstigen Fall regelmäßig. Bei beiden Geschlechtern können sich die Schambehaarung weiter verstärken und die Haut im Bereich der sekundären Geschlechtsmerkmale stärker pigmentieren.

Störungen und besondere Fälle

Die Geschlechtsreife kann ausbleiben, wenn Testosteronrezeptoren defekt sind, steuernde Nervenzentren im Hypothalamus geschädigt werden oder Tumoren vorliegen. Abweichungen in der Zahl der Gonosomen, eine zerebral bedingte Über- oder Unterproduktion von Releasinghormonen und die dadurch veränderte Ausschüttung von Gonadotropinen können die Pubertät ebenfalls beeinflussen.

Weitere mögliche Ursachen sind pathologische Prozesse wie Hypophysentumoren, reaktive oder ektopische Hormonproduktion, beispielsweise bei Hypothyreose, eine genetisch bedingte Disposition und andere Faktoren. Dadurch kann die Pubertät und damit auch die Geschlechtsreife bei beiden Geschlechtern zu früh (Pubertas praecox), verspätet oder gar nicht eintreten (Pubertas tarda). Eine Entfernung der Schilddrüse führt zu verlangsamtem Wachstum und verzögert den Prozess der Geschlechtsreife.

Ein besonderes Beispiel sind Haie: Einige Arten erreichen die Geschlechtsreife erst mit 30 Jahren.

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