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Mediterraner Sklavenhandel
Seit der Antike wurde dort Sklavenhandel betrieben, doch sank der Umfang nach dem Untergang des Römischen Reiches deutlich. Dabei wurden sowohl Europäer als …
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Kern und Bedeutung
Der mediterrane Sklavenhandel war der Handel mit versklavten Menschen im Mittelmeerraum. Er wurde seit der Antike betrieben und bestand bis ins 19. Jahrhundert, in Einzelfällen darüber hinaus. Nach dem Untergang des Römischen Reiches nahm sein Umfang deutlich ab, verschwand aber nicht.
Betroffen waren Europäer, Asiaten und Afrikaner. Menschen wurden auf dem Mittelmeer verschleppt oder bei Raubzügen im Binnenland gefangen genommen und anschließend verkauft. Die Sklaverei diente verschiedenen Zwecken: Frauen wurden als Sklavinnen in polygamen Gesellschaften und als Haushaltssklavinnen gekauft; Männer wurden als Arbeitskräfte in Landwirtschaft und Militär eingesetzt.
Herkunft und Handelsrichtungen
Die Herkunft der versklavten Menschen und die Richtung der Transporte veränderten sich im Lauf der Zeit. Im frühen Mittelalter wurden viele Sklaven aus den germanisch-slawischen Grenzgebieten über Frankreich, Italien und Spanien in Richtung Orient gebracht. Darunter waren wahrscheinlich auch viele Eunuchen.
Vom 13. bis zum 15. Jahrhundert lagen wichtige Rekrutierungsgebiete auf dem Balkan und in der Schwarzmeerregion. Die Gefangenen gehörten zentralasiatischen Turkvölkern an oder kamen aus dem Kaukasusgebiet. Wichtige Abnehmer waren Ägypten und Südwesteuropa. In Ägypten wurden sie unter anderem als Mamluken eingesetzt, also als Militärsklaven. Mamluken konnten hohe Führungspositionen erreichen und zeitweise sogar selbst herrschen. In Südwesteuropa erzielten besonders hellhäutige kaukasische Frauen hohe Preise.
Piraterie und Lösegeld
Die sogenannten Barbaresken-Korsaren und andere Piraten versklavten auch Europäer. Betroffen waren Besatzungen und Passagiere gekaperter Schiffe, aber auch Einwohner europäischer Küstenstädte. Besonders häufig traf es die südeuropäische Küste, etwa Spanien und die Mittelmeerinseln.
Im 17. Jahrhundert reichten Raubzüge auch weiter nach Norden und Westen, unter anderem nach Baltimore in Irland, Penzance in Südwest-England sowie nach Austurland und Vestmannaeyjar bei Island. Oft ging es dabei nicht nur um den Verkauf der Gefangenen, sondern um Lösegeldforderungen, die sehr profitabel waren. Ein bekanntes Beispiel für einen gegen Lösegeld freigelassenen Sklaven ist der spanische Schriftsteller Miguel de Cervantes. Der Historiker Robert C. Davis schätzt die Zahl der zwischen 1580 und 1680 in nordafrikanischen Ländern versklavten Europäer auf etwa 1 Million bis 1.250.000 Menschen. Schätzungsweise erwirtschaftete der Maghreb 25 % seiner Wirtschaftsleistung aus Lösegeldzahlungen.
Osmanisches Reich
Auch das Osmanische Reich war am Sklavenhandel im Mittelmeerraum beteiligt. Besonders die Akıncı, leichte berittene Truppen, beschafften bei Feldzügen Menschen, indem sie dem osmanischen Heer raubend und plündernd vorauszogen.
Eine besondere osmanische Form der Sklaverei war die „Knabenlese“ oder devşirme, türkisch für „das Sammeln“. Dabei musste jeder fünfte christliche Junge im Alter von 8 bis 15 Jahren abgegeben werden. Nach einer Zwangskonvertierung zum Islam und Sklavenarbeit in muslimischen Familien wurden diese Jungen zu den Janitscharen rekrutiert, den Elitetruppen des Sultans. Die aus der Devşirme stammenden Personen bildeten mit der Zeit eine eigene politische Gruppe und wurden im 15. Jahrhundert zu einer ernsthaften Konkurrenz für den traditionellen osmanischen Adel. Die jährlichen Feldzüge der Osmanen dienten auch dazu, nicht zu viele von ihnen in der Hauptstadt zu haben, um Revolten vorzubeugen, die dennoch nicht selten waren.
Christliche Mittelmeerländer
In Mitteleuropa gilt der Sklavenhandel ab dem 12. Jahrhundert als beendet. Für 1168 berichtet Helmold von Bosau jedoch noch, dass in Mecklenburg 700 gefangene Dänen von seeräubernden Slawen zum Verkauf angeboten wurden. In den christlichen Ländern am Mittelmeer hielten sich Sklavenhandel und Sklavenhaltung dagegen bis in die Neuzeit, mit vielen Formen von Abhängigkeit und Möglichkeiten des Freikommens.
Für Genua, Civitavecchia, Neapel, Sizilien und Sardinien wird bis ins 18. Jahrhundert vor allem von türkischen Haussklaven berichtet. Die Sklavenarbeit auf Ländereien im Königreich Neapel, im Königreich Sizilien, auf den Balearischen Inseln und in Katalonien endete früher. Jacques Heers nennt als wichtige Zentren des Menschenhandels die Hafenstädte Lissabon, Sevilla, Barcelona, Valencia, Genua, Venedig und mit geringerem Anteil Marseille.
In christlichen Mittelmeerstädten war besonders die Haussklaverei lange verbreitet. Viele der versklavten Frauen kamen vom Schwarzen Meer, aus dem Orient, aus dem Maghreb, aus Griechenland oder aus Balkanländern. Wegen dieser unterschiedlichen Herkunft bildete sich keine einheitliche Sklavenklasse. Trotz ursprünglicher Rechtlosigkeit, Erniedrigung und harter Arbeitsbedingungen kam es nach der Darstellung des Artikels infolge der Christianisierung in der Regel schließlich zur Freilassung und zur Assimilation an das städtische Leben der besitzenden Klasse.