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Island

Island (isländisch [ˈist͡länt], ‚Eisland') ist ein Inselstaat im äußersten Nordwesten Europas. Mit rund 103.000 Quadratkilometern (davon Landfläche 100.250 …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Naturraum
  2. 2. Tier- und Pflanzenwelt
  3. 3. Bevölkerung, Sprache und Gesellschaft
  4. 4. Geschichte und Staat
  5. 5. Wirtschaft, Energie und Verkehr
  6. 6. Kultur und Alltag

Überblick und Naturraum

Island (isländisch Ísland) ist ein Inselstaat im äußersten Nordwesten Europas. Mit rund 103.000 km² ist es nach dem Vereinigten Königreich der zweitgrößte Inselstaat Europas; die Hauptinsel ist die größte Vulkaninsel der Erde und liegt knapp südlich des nördlichen Polarkreises. Hauptstadt ist Reykjavík, Amtssprache Isländisch, Währung die Isländische Krone (ISK). Island ist eine parlamentarische Republik, Mitglied der EFTA, des Europäischen Wirtschaftsraums, des Nordischen Rates und Gründungsmitglied der NATO.

Geographisch gehört Island zu Nordeuropa, geologisch zugleich zu Europa und Nordamerika, weil es auf dem Mittelatlantischen Rücken liegt. Die Nordamerikanische und die Eurasische Platte driften jährlich etwa 2 cm auseinander. Ein Mantelplume, der Island-Plume, liefert geschmolzenes Gestein nach; deshalb ist Island stark vulkanisch geprägt und besitzt etwa 30 Vulkansysteme. 2010 legte die Aschewolke des Eyjafjallajökull den Flugverkehr in weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas lahm.

Die Landschaft ist von Vulkanen, Gletschern, Flüssen, Seen, Wasserfällen, Fjorden und einem fast unbewohnten Hochland geprägt. Gletscher bedecken 11,1 % der Landesfläche; der Vatnajökull besitzt Europas größtes Eisvolumen und eine bis zu 1000 m dicke Eiskappe. Der längste Fluss ist die Þjórsá mit 230 km, die höchste Erhebung der Hvannadalshnúkur mit 2110 m. Das Klima ist ozeanisch kühl, aber durch den Golfstrom milder als in vielen Regionen gleicher Breite. Die Winter sind vergleichsweise mild, die Sommer kühl; globale Erwärmung zeigt sich unter anderem am Rückzug von Gletschern. In Island gilt UTC±0; seit 1967 gibt es keine Sommerzeit.

Tier- und Pflanzenwelt

Die Tier- und Pflanzenwelt Islands ist im Vergleich zu Mittel- und Südeuropa artenarm. Vor der menschlichen Besiedlung gab es vor allem Vögel, Fische, Insekten, Robben, Polarfüchse und gelegentlich Eisbären, die auf Eisschollen von Grönland kamen. Mit den Menschen kamen Nutztiere wie Schafe und Pferde, außerdem eingeschleppte Tiere wie Mäuse und Ratten.

Der Polarfuchs ist ein wichtiges einheimisches Landsäugetier; seine Population umfasst annähernd 10.000 Individuen. Das Islandpferd ist eine besondere Pferderasse und beherrscht den Tölt, eine Gangart ohne Sprungphase, bei der immer ein Bein am Boden bleibt. Ausgeführte Islandpferde dürfen nicht wieder eingeführt werden, um Krankheiten und fremdes Erbgut fernzuhalten. Islands Vogelwelt ist besonders reich: bekannt ist der Papageitaucher; außerdem kommen an Küsten und Vogelfelsen unter anderem Trottellummen, Eissturmvögel, Basstölpel, Skuas und Küstenseeschwalben vor. Der See Mývatn ist für viele Wasservogelarten bekannt.

Die Gewässer um Island sind sehr fischreich, weil warmer Irmingerstrom und kalter Ostgrönlandstrom zusammentreffen. Im Meer leben etwa 270 Fischarten und zahlreiche Walarten. Die Gesamtzahl der Wale wird auf rund 230.000 geschätzt. Kommerzieller Walfang ist umstritten; zugleich ist Whale-Watching mit etwa 200.000 Touristen jährlich ein wichtiger Teil des Tourismus.

Die Flora ist an raues Klima angepasst. Häufig sind Flechten, Moose, Steinbrecharten und Leimkraut. Die Alaska-Lupine wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt, um Erosion zu bekämpfen, gilt inzwischen aber als invasive Art. Früher war ein deutlich größerer Teil Islands bewaldet; zur Zeit der Landnahme sollen etwa 20 % bewaldet gewesen sein. Durch Rodung und Beweidung verschwand der Wald fast vollständig. 2015 waren 492 km² bewaldet; bis 2100 sollen 12 % des Landes Wald sein.

Bevölkerung, Sprache und Gesellschaft

Island hatte 2023 etwa 394.000 Einwohner; im Artikel werden außerdem 396.960 Einwohner für das 3. Quartal 2023 und 394.324 für den Zensus 2026 genannt. Mit etwa 3,5 bis 3,88 Einwohnern pro km² ist Island der am dünnsten besiedelte Staat Europas. Über 60 % der Bevölkerung leben in der Hauptstadtregion Reykjavík, 2023 lebten 94 % in Städten. Die Lebenserwartung lag 2022 bei 82,2 Jahren, der Altersmedian 2021 bei 35,9 Jahren.

Die isländische Sprache ist die einzige einheimische Sprache und Amtssprache. Sie ist eine nordgermanische Sprache und hat viele alte Formen bewahrt, sodass Isländer Texte aus den ersten Jahrhunderten nach der Besiedlung meist noch lesen können. Das Alphabet hat 32 Buchstaben, darunter Þ, Ð, Æ und Ö. Der isländische Sprachpurismus ersetzt Fremdwörter häufig durch isländische Neubildungen.

Die Isländische Staatskirche ist evangelisch-lutherisch und wird vom Staat unterstützt. Am 1. Januar 2023 gehörten 58,6 % der Einwohner der Staatskirche an; 7,7 % gaben an, keiner Glaubensgemeinschaft anzugehören. Typisch für isländische Namen ist, dass meist kein Familienname verwendet wird: Kinder tragen den Vaternamen oder seltener Mutternamen mit -son („Sohn“) oder -dóttir („Tochter“), zum Beispiel Ólafur Jónsson oder Sigríður Jónsdóttir.

Das Bildungssystem umfasst die Gesamtschule in den Klassen 1–10 und das Gymnasium in den Klassen 11–14. Englisch wird seit einem Lehrplan von 1999 ab Klasse 5 als erste Fremdsprache unterrichtet, Dänisch ab Klasse 7. Island hat sieben Hochschulen, darunter die 1911 gegründete Universität Island. Das Gesundheitswesen gilt als hochwertig; 2022 betrugen die Gesundheitsausgaben 8,6 % des Bruttoinlandsprodukts.

Geschichte und Staat

Die Besiedlung Islands begann nach schriftlichen Quellen im späten 9. und frühen 10. Jahrhundert durch Auswanderer aus Norwegen und anderen skandinavischen Ländern sowie durch keltische Siedler. Archäologische Hinweise deuten teilweise auf frühere Besiedlung. Um 930 entstand mit dem Althing in Þingvellir eine der frühesten parlamentarischen Versammlungen Europas. Die Gesellschaft wurde zunächst von Goden geprägt, freien Häuptlingen mit politischer und rechtlicher Macht; Frauen, Kinder und Unfreie waren vom politischen Prozess ausgeschlossen. Im Jahr 1000 nahm Island durch Beschluss des Althings das Christentum an.

1262 kam Island unter norwegische Herrschaft, 1380 mit Norwegen unter dänische Herrschaft. 1552 wurde auf Befehl des dänischen Königs Christian III. die Reformation durchgesetzt. 1874 erhielt Island eine eigene Verfassung. 1904 gewährte Dänemark Autonomie, am 1. Dezember 1918 wurde Island souverän, blieb aber in Realunion mit Dänemark. Am 17. Juni 1944 wurde in Þingvellir die Republik Island ausgerufen.

Island ist seit dem 17. Juni 1944 eine unabhängige parlamentarisch-demokratische Republik. Das Althing hat 63 Abgeordnete. Die Judikative ist zweistufig, mit Bezirksgerichten und dem Obergericht Hæstiréttur, das auch als Verfassungsgericht wirkt. Staatsoberhaupt ist seit 2024 Präsidentin Halla Tómasdóttir; Regierungschefin ist Premierministerin Kristrún Frostadóttir. Seit 1946 ist Island Mitglied der Vereinten Nationen und seit 1949 Gründungsmitglied der NATO, besitzt aber kein eigenes Militär. Die etwa 120 Personen starke Küstenwache übernimmt Küstenschutz, Rettungsaufgaben und Überwachung. Ein Verteidigungsabkommen mit den USA besteht seit 1951.

Ein EU-Beitritt ist politisch umstritten, vor allem wegen der Fischereirechte. 2009 stellte Island ein Beitrittsgesuch, 2015 zog es den Antrag zurück. Für 2026 nennt der Artikel ein Referendum, bei dem eine Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit 52,8 % zu 47,2 % abgelehnt worden sei.

Wirtschaft, Energie und Verkehr

Island war bis ins 20. Jahrhundert stark landwirtschaftlich geprägt, entwickelte sich aber über Fischerei, Industrie und Dienstleistungen zu einer modernen Dienstleistungsgesellschaft. 2008 arbeiteten etwa 4,8 % der Bevölkerung im primären Sektor, 22,2 % in der Industrie und 73 % im Dienstleistungssektor; 2017 waren es 3 %, 17 % und 80 %. Island zählt bei Lebensstandard, Pro-Kopf-Einkommen und menschlicher Entwicklung zu den führenden Staaten; der HDI lag 2023 bei 0,972 und damit weltweit auf Rang 1.

Die Finanzkrise ab 2007 traf Island stark. 2008 wurden die drei größten Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir verstaatlicht; die Isländische Krone verlor zwischen Oktober 2007 und Oktober 2008 mehr als 70 % ihres Wertes gegenüber dem Euro. Danach gelang nach OECD-Einschätzung eine deutliche Stabilisierung. 2011 kehrte Island an den internationalen Kapitalmarkt zurück, 2012 begann die vorzeitige Rückzahlung von IWF- und nordischen Krediten.

Fischerei bleibt zentral: Fischprodukte machten 42 % der Exporte aus. Wegen Überfischung erweiterte Island seine Schutzzonen mehrmals, bis 1975 auf 200 Seemeilen; daraus entstanden die „Kabeljaukriege“ mit dem Vereinigten Königreich. Landwirtschaft ist wegen Lavawüsten, Hochland und Gletschern begrenzt. 20 % des fruchtbaren Landesteils dienen extensiver Viehzucht, vor allem Schafen und Pferden; nur 1 % der Landesfläche wird für Ackerbau genutzt. Geothermie ermöglicht Gewächshausanbau, zum Beispiel von Tomaten, Erdbeeren und Bananen.

Tourismus ist seit dem späten 20. Jahrhundert stark gewachsen: 2000 kamen 302.900 ausländische Touristen, 2014 bereits 998.600 und 2015 1.289.140. Er bringt Devisen, belastet aber Wohnraum und Infrastruktur. Die Stromerzeugung ist vollständig regenerativ: 2021 etwa 70 % Wasserkraft und 30 % Geothermie. Großindustrie, besonders Aluminiumhütten, verbraucht einen großen Teil des Stroms. Die wichtigste Straße ist die 1332 km lange Ringstraße; Eisenbahnen gibt es nicht. Wichtigster internationaler Flughafen ist Keflavík, und Seyðisfjörður bietet mit der Fähre Norröna die einzige Autofährverbindung zum europäischen Kontinent.

Kultur und Alltag

Die isländische Kultur ist stark von Literatur geprägt. Zu den bekanntesten altisländischen Werken gehören die Lieder-Edda und die Snorra-Edda, die Snorri Sturluson um 1220 verfasste. Die Isländersagas wurden im 13. und 14. Jahrhundert nach mündlicher Überlieferung niedergeschrieben und schildern Ereignisse von der Landnahme um 860 bis ins 11. Jahrhundert. Auch moderne Autoren wie Halldór Laxness und Arnaldur Indriðason sind international bekannt.

In Musik, Film, Theater, Fotografie und bildender Kunst besitzt Island ein vielfältiges Kulturleben. International bekannt sind unter anderem Björk, Sigur Rós und das Festival Iceland Airwaves. Wichtige Spielstätten sind das Þjóðleikhúsið und das Borgarleikhúsið in Reykjavík. Der isländische Film erhielt internationale Aufmerksamkeit, etwa durch Friðrik Þór Friðrikssons Börn Náttúrunnar und Filme von Baltasar Kormákur.

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehören Þingvellir, seit 1928 Nationalpark und seit 2004 Weltkulturerbe, der Wasserfall Gullfoss und das Geothermalgebiet Haukadalur mit Geysiren; zusammen bilden sie den beliebten Golden Circle. Weitere Nationalparks sind Snæfellsjökull, Vatnajökull und Jökulsárgljúfur. Besucher suchen außerdem Gletscher, Vulkane, Hochlandrouten, West- und Ostfjorde, Vogelbeobachtung und Walbeobachtung.

Gesellschaftlich gilt Island als liberal und besitzt ein umfassendes soziales Sicherungssystem. Gleichgeschlechtliche Ehen sind seit 2010 möglich. Beliebte Sportarten sind Glíma, Handball, Fußball, Reiten, Schach und CrossFit. Zur Alltagskultur gehören Thermalbäder und Hot Pots; die Blaue Lagune bei Grindavík ist eine bekannte touristische Sehenswürdigkeit. Der Nationalfeiertag ist der 17. Juni, zur Erinnerung an Jón Sigurðsson und die Ausrufung der Republik 1944. Eine Besonderheit ist der erste Sommertag, sumardagurinn fyrsti, am ersten Donnerstag nach dem 18. April.

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