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Mittelmeer

Zusammen mit den darin liegenden Inseln und den küstennahen Regionen Südeuropas, Vorderasiens und Nordafrikas bildet das Mittelmeer den Mittelmeerraum, der ein …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Lage und Bedeutung
  2. 2. Geografische Gliederung
  3. 3. Geologische Entwicklung und Wasserhaushalt
  4. 4. Klima, Erwärmung und Ökosystem
  5. 5. Menschliche Einflüsse und Geschichte

Lage und Bedeutung

Das Mittelmeer, auch Mittelländisches Meer oder Europäisches Mittelmeer genannt, liegt zwischen Nordafrika, Südeuropa und Vorderasien. Es kann als Nebenmeer des Atlantischen Ozeans gelten, weil es über die Straße von Gibraltar mit ihm verbunden ist; wegen dieser sehr schmalen Verbindung wird es aber auch als Binnenmeer beschrieben. Im Römischen Reich hieß es Mare Nostrum („Unser Meer“).

Zusammen mit seinen Inseln und den küstennahen Regionen bildet es den Mittelmeerraum. Dieser Raum ist durch ein eigenes mediterranes Klima sowie eine besondere Flora und Fauna geprägt. Das Meer umfasst etwa 2,5 Millionen km², hat ein Volumen von 4,3 Millionen km³ und erreicht im Calypsotief westlich des Peloponnes seine größte Tiefe von 5109 m. Die durchschnittliche Tiefe wird im Artikel mit rund 1430 m angegeben; in der Infobox steht zusätzlich eine mittlere Tiefe von 1700 m.

Geografische Gliederung

Das Mittelmeer ist das am stärksten von Festländern umgebene beziehungsweise vom Ozean getrennte Mittelmeer. Im Westen verbindet die Straße von Gibraltar es mit dem Atlantischen Ozean. Im Nordosten besteht über Dardanellen, Marmarameer und Bosporus eine Verbindung zum Schwarzen Meer. Im Südosten verbindet seit 1869 der Suezkanal das Mittelmeer mit dem Roten Meer, einem Nebenmeer des Indischen Ozeans.

Es wird vor allem in ein westliches und ein östliches Becken eingeteilt. Dazwischen liegt die seismisch hochaktive Schwelle Tunesien–Italien. Der östliche Teil umfasst Adria, Ägäis, ionisches Becken und levantinisches Becken; ein Teil des westlichen Beckens wird tyrrhenisches Becken genannt. Zu den vielen Nebenmeeren und Meeresräumen gehören unter anderem Alborán-Meer, Balearen-Meer, Ligurisches Meer, Tyrrhenisches Meer, Adriatisches Meer, Ionisches Meer, Libysches Meer, Levantisches Meer, Ägäisches Meer und Marmarameer.

Am Mittelmeer liegen Spanien, Frankreich, Monaco, Italien, Malta, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien, Griechenland, die Türkei, Zypern, Syrien, Libanon, Israel, Ägypten, Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko. Gibraltar sowie Akrotiri und Dekelia auf Zypern sind britische Hoheitsgebiete; die Palästinensischen Autonomiegebiete haben mit dem Gazastreifen Anteil an der Küste.

Im Mittelmeer liegen viele Inseln und Inselgruppen. Die größte Insel ist Sizilien, gefolgt von Sardinien; weitere große Inseln sind Zypern, Korsika und Kreta. Zypern und Malta sind die einzigen Inselstaaten des Mittelmeeres. Bedeutende Inselgruppen sind unter anderem die Balearen, mehrere italienische Inselgruppen, die Kroatischen Inseln, die Ionischen Inseln, die Ägäischen Inseln und die Kerkenna-Inseln. Große Halbinseln am Mittelmeer sind die Iberische Halbinsel, die Apenninhalbinsel, die Balkanhalbinsel und Kleinasien. Wichtige Zuflüsse sind unter anderem Nil, Ebro, Rhone, Po, Tiber und Cheliff. Zusätzlich erhält das Mittelmeer ständig Wasser aus dem Atlantik und einen Wasserüberschuss aus dem Schwarzen Meer. Der Netto-Atlantikzufluss beträgt etwa 70.000 m³ pro Sekunde beziehungsweise 2,2 · 10^12 m³ pro Jahr; ohne diesen Zufluss würde der Meeresspiegel um etwa 1 m pro Jahr sinken.

Geologische Entwicklung und Wasserhaushalt

Geologisch ist das Mittelmeer größtenteils ein Überrest der Tethys, eines großen Urozeans, der vom Superkontinent Pangaea umgeben war. Die Bildung begann mit dem Auseinanderbrechen Pangaeas und der Bewegung der Afrikanischen Platte während Trias und Jura. Später führte die Norddrift Afrikas und seine Kollision mit Europa zur Einengung der westlichen Tethys und zur Alpidischen Gebirgsbildung, also zur Entstehung junger Faltengebirge wie Alpen, Karpaten und Dinarisches Gebirge. Im mittleren Miozän trennte die Kollision Afrikas einschließlich der Arabischen Halbinsel mit Südwestasien das Mittelmeer vom Indischen Ozean.

Vor etwa sechs Millionen Jahren, im Messinium, begann das Mittelmeer auszutrocknen. Frühere breite Verbindungen zum Atlantik schlossen sich, das Klima war trocken, und viel Meerwasser verdunstete. Dadurch entstanden mächtige Gips- und Salzlager im Meeresboden. Später wurde das Becken über die Straße von Gibraltar wieder mit Atlantikwasser gefüllt. Dieser mehrfach ablaufende Prozess heißt Messinische Salinitätskrise. In der Würm- beziehungsweise Weichsel-Eiszeit lag der Meeresspiegel etwa 120 m tiefer als heute; im frühen Holozän noch etwa 35 m tiefer. Die Barriere zum Schwarzen Meer wurde etwa 5600 v. Chr. überschwemmt.

Ozeanografisch besitzt das Mittelmeer mehrere Tiefseebecken: das Balearen-Becken mit bis zu 3255 m, das Tyrrhenische Becken mit bis zu 3758 m, das Ionische Becken mit dem Calypsotief bis 5109 m und das Levantische Becken mit bis zu 4517 m. Wegen der engen Verbindung zum Atlantik und einer Länge von nur 3500 km hat es meist nur sehr geringen Tidenhub. In weiten Bereichen liegt er unter 10 cm; höhere Werte treten durch Resonanzen auf, etwa um 100 cm bei Venedig, 120 cm vor Triest und 200 cm im Golf von Gabès.

Der Salzgehalt liegt mit rund 3,8 % über dem Atlantik mit etwa 3,5 %. Ursache ist die starke Verdunstung, die durch Flüsse nicht ausgeglichen wird; deshalb gilt das Mittelmeer als Konzentrationsbecken. Am Grund der Straße von Gibraltar fließt salzreiches Wasser in den Atlantik, während an der Oberfläche salzärmeres Atlantikwasser ins Mittelmeer strömt. Der Oberflächensalzgehalt steigt von Westen nach Osten von 3,63 % in der Straße von Gibraltar auf 3,91 % vor der Küste Kleinasiens.

Klima, Erwärmung und Ökosystem

Das Klima des Mittelmeerraums ist mediterran: Die Sommer sind sehr warm und überwiegend trocken, die Winter mild und niederschlagsreich. Die mittleren Lufttemperaturen liegen im Sommer bei etwa 23 °C im Westen und 26 °C im Osten, mit Höchsttemperaturen um 30 °C. Im Winter liegen sie bei 10 °C im Westen und 16 °C vor der levantinischen Küste. Die Niederschläge nehmen von Westen nach Osten ab. Wichtige Winde sind zum Beispiel der Mistral in Südfrankreich und die Bora an der kroatischen Adriaküste.

Die globale Erwärmung verschärft die Umweltprobleme im Mittelmeerraum. Eine Studie von 2019 kam zu dem Ergebnis, dass sich die Region seit dem vorindustriellen Zeitalter um 1,5 °C erwärmt hat, während der globale Durchschnitt bei 1,1 °C lag. Die Wassertemperatur stieg seit den 1970er Jahren um 0,12 bis 0,5 °C; die Meeresoberflächentemperatur zuletzt um etwa 0,4 °C pro Jahrzehnt. Für 2100 werden gegenüber 1961–1990 durchschnittlich +1,8 °C bis +3,5 °C vorhergesagt. Am 15. August 2024 wurde mit einer medianen Oberflächentemperatur von 28,9 °C ein neuer Tageshöchstwert gemessen. Ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen könnte der regionale Temperaturanstieg 2040 bei 2,2 °C liegen und in einigen Regionen bis 2100 möglicherweise 3,8 °C überschreiten. Sommerniederschläge könnten je nach Region um 10 bis 30 % sinken, Extremereignisse wie Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und Brände häufiger werden.

Die Fauna ist artenreich. Sie umfasst vor allem Fische, Schwämme, Nesseltiere, Weichtiere, Stachelhäuter und Gliederfüßer. Im Mittelmeer leben schätzungsweise etwa 700 Fischarten; 35 Haiarten sind nachgewiesen, darunter Weißer Hai, Blauhai und Kurzflossen-Mako, aber Angriffe sind sehr selten. Auch Wale und Delfine kommen vor: fünf Arten von Bartenwalen wurden nachgewiesen, regelmäßig beobachtet wird vor allem der Finnwal; außerdem gibt es 16 Arten von Zahnwalen, darunter Gewöhnlicher Delfin, Großer Tümmler, Grindwal und Pottwal. Die einzige Robbenart ist die vom Aussterben bedrohte Mittelmeer-Mönchsrobbe. Die wichtigste und häufigste Gefäßpflanze ist das Neptungras.

Menschliche Einflüsse und Geschichte

Das Ökosystem ist stark durch menschliche Einflüsse belastet. Das Mittelmeer gehört zu den am stärksten ausgebeuteten Meeresregionen der Welt; Überfischung bedroht besonders Thunfische und Schwertfische. Mehr als die Hälfte der Haiarten ist vom Aussterben bedroht. Hinzu kommt eine hohe Belastung durch Mikroplastik: Obwohl das Mittelmeer nur ein Prozent der Fläche der Weltmeere einnimmt, enthält es sieben Prozent des Mikroplastiks der Weltmeere. Mit 1,25 Millionen Partikeln pro Quadratkilometer ist die Konzentration viermal höher als in den Müllwirbeln der großen Ozeane. Große Einträge stammen unter anderem von Küsten und Flüssen der Türkei, Spaniens, Italiens, Ägyptens und Frankreichs. Weitere Belastungen sind Ölverschmutzung, eingeschleppte Arten wie Caulerpa taxifolia, Lessepssche Migration durch den Suezkanal, Versalzung, weniger Süßwasserzufluss, Rückhalt des Nilschlamms im Assuan-Staudamm sowie Eutrophierung durch ungeklärte Abwässer.

Historisch war der Mittelmeerraum ein zentraler Raum für Handel, Kultur und Herrschaft. Im 8. Jahrhundert v. Chr. reichte das Assyrische Reich bis ins östliche Mittelmeer. Im ersten Jahrtausend v. Chr. dominierten vor allem Griechen und Phönizier wirtschaftlich und kulturell; Karthago wurde ab etwa 550 v. Chr. zur Vormacht im westlichen Mittelmeer. Nach dem Zweiten Punischen Krieg (218–201 v. Chr.) beherrschten die Römer große Teile des Mittelmeers, und nach der Eroberung Mauretaniens unter Kaiser Claudius umschloss das Römische Reich für etwa 300 Jahre das gesamte Mittelmeer.

Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches blieb das Byzantinische Reich im östlichen Mittelmeer wichtig. Ab dem 7. Jahrhundert kamen große Gebiete unter arabische Herrschaft; später verdrängten die Türken die Byzantiner weitgehend aus Kleinasien und eroberten 1453 Konstantinopel. Das Osmanische Reich blieb bis ins 19. Jahrhundert eine bedeutende Macht im Mittelmeerraum. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert geriet fast der gesamte Mittelmeerraum unter Kontrolle europäischer Mächte, besonders Frankreichs und Großbritanniens. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die europäischen Kolonien in Nordafrika und an der östlichen Mittelmeerküste nach und nach unabhängig. Im 21. Jahrhundert ist das Mittelmeer auch ein Schauplatz von Migration nach Europa; nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration sind seit 2014 mindestens 26.000 Menschen im Mittelmeer gestorben (Stand 2026).

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