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Liste starker Verben (deutsche Sprache)

1. Ablautklasse: ei – i(e) – i(e) · 2. Ablautklasse: äu/eu – o – o · 3. Ablautklasse: i – a/o/u – o/u · 4. Ablautklasse: i(e)/ö – a/o – o · 5. Ablautklasse: i(e) – …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee starker Verben
  2. 2. Ablautklassen 1 bis 3
  3. 3. Ablautklassen 4 bis 6
  4. 4. Siebte Klasse und besondere Muster
  5. 5. Schwache Verben mit scheinbar starken Stämmen

Grundidee starker Verben

Die Liste behandelt neuhochdeutsche starke Verben. Starke Verben sind Verben, deren Formen sich zum Teil im Stammvokal unterscheiden. Diese Veränderung des Stammvokals heißt Ablaut. Die Verben werden grob nach historischen Ablautklassen geordnet; diese Klassen sind zusätzlich in heutige Untergruppen unterteilt.

Für jedes Verb werden vier Stammformen angegeben: der Infinitiv Präsens, die 3. Person Singular Indikativ Präsens, die 1./3. Person Singular Indikativ Präteritum und das Partizip II. Diese Formen sind wichtig, weil sich aus ihnen viele andere Verbformen ableiten lassen. Zum Infinitiv-Präsens-Stamm gehören unter anderem Partizip I, Konjunktiv I, die 1. Person Singular und die Pluralformen im Präsens sowie meist der Imperativ. Der Stamm der 3. Person Singular Präsens gilt auch für die 2. Person Singular Präsens und in der 2. bis 5. Ablautklasse für den Singular-Imperativ. Der Präteritumstamm gilt im ganzen Präteritum und im Konjunktiv II, wenn möglich mit Umlaut. Das Partizip II bildet die vierte Stammform.

Formen in eckigen Klammern kennzeichnen Abweichungen vom Bildungsschema, häufig schwache Bildungen. Nicht immer werden kleine Varianten aufgeführt, die sich nur durch ein -e- oder -et in unbetonten Silben unterscheiden, zum Beispiel gehen/gehn oder flicht/flichtet. Bei Formen mit abweichendem Stammvokal kann ein -e- in der letzten Silbe oft wegfallen oder eingeschoben werden, solange kein Dentalsuffix folgt. Einige Formen weichen vom Standarddeutschen ab.

Ablautklassen 1 bis 3

Die 1. Ablautklasse umfasst Muster wie ei – ie – ie und ei/ö – i – i. Typische Verben der Untergruppe ei – ie – ie sind bleiben – blieb – geblieben, leihen – lieh – geliehen, schreiben – schrieb – geschrieben, schreien – schrie – geschrien, steigen – stieg – gestiegen und treiben – trieb – getrieben. In der Untergruppe ei/ö – i – i stehen zum Beispiel beißen – biss – gebissen, greifen – griff – gegriffen, leiden – litt – gelitten, reißen – riss – gerissen, schneiden – schnitt – geschnitten, streiten – stritt – gestritten und weichen – wich – gewichen. Manche Verben haben starke und schwache Varianten oder besondere Bedeutungsunterschiede, etwa bleichen als intransitives starkes Verb, aber faktitiv schwach in der Bedeutung „bleich machen“.

Die 2. Ablautklasse hat die Grundmuster äu/eu – ō – ō und äu/eu – ŏ – ŏ. Dazu gehören zum Beispiel biegen – bog – gebogen, bieten – bot – geboten, fliegen – flog – geflogen, fliehen – floh – geflohen, frieren – fror – gefroren, lügen – log – gelogen, schieben – schob – geschoben, verlieren – verlor – verloren und ziehen – zog – gezogen. Zur zweiten Untergruppe gehören unter anderem fließen – floss – geflossen, gießen – goss – gegossen, kriechen – kroch – gekrochen, genießen – genoss – genossen, saufen – soff – gesoffen, schießen – schoss – geschossen, schließen – schloss – geschlossen und sprießen – spross – gesprossen. Die Liste vermerkt auch ältere oder seltenere Präsensformen wie beut neben bietet oder fleugt neben fliegt.

Die 3. Ablautklasse umfasst Muster wie i – a/u – u und i – a/o – o. Beispiele sind binden – band/bund – gebunden, dringen – drang/drung – gedrungen, finden – fand – gefunden, klingen – klang – geklungen, ringen – rang – gerungen, singen – sang – gesungen, springen – sprang – gesprungen, trinken – trank – getrunken und zwingen – zwang – gezwungen. In der Untergruppe i – a/o – o stehen unter anderem bergen – barg – geborgen, gelten – galt – gegolten, helfen – half – geholfen, nehmen ähnliche Muster nicht hier, sondern in Klasse 4, sowie schwimmen – schwamm/schwomm – geschwommen, sterben – starb – gestorben, werden – ward/wurde – geworden/worden, werfen – warf – geworfen und gewinnen – gewann – gewonnen. Auch hier werden regionale, veraltete oder schwache Nebenformen notiert, etwa winken mit winkte und umgangssprachlichem gewunken.

Ablautklassen 4 bis 6

Die 4. Ablautklasse folgt Mustern wie i(e)/ö – a – o und ie – o – o. Wichtige Beispiele sind brechen – brach – gebrochen, befehlen – befahl – befohlen, kommen – kam – gekommen, nehmen – nahm – genommen, sprechen – sprach – gesprochen, stechen – stach – gestochen, stehlen – stahl – gestohlen und treffen – traf – getroffen. In der Untergruppe ie – o – o stehen unter anderem gären – gor – gegoren, scheren – schor – geschoren, weben – wob/webte – gewebt/gewoben und bewegen – bewog – bewogen, wobei bewegen nur in der Bedeutung „veranlassen“ stark ist; in anderen Bedeutungen lautet es bewegte – bewegt.

Die 5. Ablautklasse hat das Muster i(e) – a – e. Dazu gehören besonders häufige Verben wie bitten – bat – gebeten, essen – aß – gegessen, fressen – fraß – gefressen, geben – gab – gegeben, lesen – las – gelesen, liegen – lag – gelegen, messen – maß – gemessen, sehen – sah – gesehen, sitzen – saß – gesessen und treten – trat – getreten. Auch sein wird hier aufgeführt: Es ist ein suppletives Verb, also ein Verb mit Formen aus verschiedenen Stämmen, etwa sein – sind – ist sowie war/was – waren – gewesen. Diese Stämme stehen jeweils in Ablautbeziehungen.

Die 6. Ablautklasse umfasst Muster wie ä/e/ö – u/a/o – a/o. Beispiele sind backen – buk/backte – gebacken, fahren – fuhr – gefahren, graben – grub – gegraben, heben – hob – gehoben, laden – lud – geladen, schaffen – schuf – geschaffen, schlagen – schlug – geschlagen, schwören – schwor/schwörte – geschworen, stehen – stand/stund – gestanden, tragen – trug – getragen, wachsen – wuchs – gewachsen und waschen – wusch – gewaschen. Mehrere Verben unterscheiden starke und schwache Bedeutungen: schaffen ist stark in der Bedeutung „erschaffen, ausarbeiten“, aber schwach in „arbeiten, erreichen, durchhalten“; wachsen ist stark in „größer werden“, aber schwach und unverwandt in „mit Wachs einreiben“.

Siebte Klasse und besondere Muster

Die 7. Ablautklasse enthält Verben mit ehemaliger Reduplikation im Präteritum. Reduplikation bedeutet hier eine historische Wiederholung des Anfangslauts oder einer Anfangssilbe; sie ist im heutigen Deutsch meist nicht mehr direkt sichtbar. Die Klasse wird in mehrere Untergruppen gegliedert.

Zum Muster ei – ie – ei gehören zum Beispiel heißen – hieß – geheißen und Varianten wie eischen/heischen/heuschen mit mehreren starken und schwachen Formen. Zum Muster e – i – a gehört gehen – ging – gegangen. Das Verb gehen wird als Wurzel-Präsens neben Präteritalformen eines abgeleiteten Verbs der 7. Klasse erklärt. Dazu stehen zahlreiche Zusammensetzungen wie begehen – beging – begangen oder abgehen – ging ab – abgegangen.

Weitere Muster sind ö/au/äu – ie – o/au mit hauen – hieb/haute – gehauen/gehaut, laufen – loff/lief – geloffen/gelaufen und stoßen – stieß – gestoßen; ä – i(e) – ă mit fallen – fiel – gefallen, fangen – fing – gefangen, halten – hielt – gehalten, lassen – ließ – gelassen, hängen/hangen – hing – gehangen, salzen – salzte – gesalzen, spalten – spaltete – gespalten/gespaltet; u – ie – u mit rufen – rief – gerufen; und ä – ie – ā mit blasen – blies – geblasen, braten – briet – gebraten, mahlen – mahlte – gemahlen, raten – riet – geraten und schlafen – schlief – geschlafen.

Ein Sonderfall ist tun. Bei tun – tat – getan ist die Reduplikation des Anlautkonsonanten im Präteritum noch vorhanden. Auch Zusammensetzungen wie vertun – vertat – vertan und abtun – tat ab – abgetan folgen diesem Muster.

Schwache Verben mit scheinbar starken Stämmen

Am Ende werden schwache Verben genannt, die leicht für starke Verben gehalten werden können, weil sie im Inneren scheinbar den Stamm eines starken Verbs enthalten. Sie sind aber nicht direkt von diesem starken Verb abgeleitet. Oft liegt dazwischen eine Substantivierung, also die Bildung eines Substantivs aus einem Verb. Von diesem Substantiv wird dann ein neues Verb gebildet. Solche denominalen Verben sind im Deutschen schwach.

Ein Beispiel ist beinhalten. Es geht nicht direkt auf halten zurück, sondern auf halt(en) → der In-halt → be-inhalt(en). Deshalb heißt es im Präteritum beinhaltete und im Partizip II hat beinhaltet, nicht etwa nach dem Muster halten – hielt – gehalten. Ein weiteres Beispiel ist wallfahren. Es geht nicht direkt auf fahren zurück, sondern auf fahr(en) → Fahrt → Wallfahrt → wallfahr(t)en beziehungsweise eine Rückbildung. Daher lautet die Konjugation wallfahrte, ist gewallfahrt; als Variante werden auch wallfahrten, wallfahrtete, gewallfahrtet genannt.

Weitere schwache Bildungen sind handhaben aus die Handhabe mit handhabte, hat gehandhabt; veranlassen aus der Anlass mit veranlasste, hat veranlasst; bemitleiden aus das Mitleid mit bemitleidete, hat bemitleidet; bevorraten aus der Vorrat mit bevorratete, hat bevorratet; beantragen aus der Antrag mit beantragte, hat beantragt; und beauftragen aus der Auftrag mit beauftragte, hat beauftragt. Außerdem nennt der Artikel Fälle, bei denen nur Mehrdeutigkeit zur falschen Einordnung verleiten kann: einpreisen gehört zu der Preis, nicht zu preisen; heiraten gehört zu die Heirat, nicht unmittelbar zu raten; verleiden gehört zu leid als Adjektiv, nicht direkt zu leiden.

Lernvideos zu Liste starker Verben (deutsche Sprache)

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