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Konjunktiv im Deutschen

Im Deutschen gibt es zwei Arten des Konjunktivs, die jeweils in die Zeitstufen der Gegenwart, der Vergangenheit und der Zukunft untergliedert sind: Der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Formen
  2. 2. Konjunktiv I: Bildung und Grundgebrauch
  3. 3. Indirekte Rede
  4. 4. Weitere Funktionen des Konjunktivs I
  5. 5. Konjunktiv II: Bildung und Verwendung
  6. 6. Ersatzformen, Umgangssprache und Sprachvergleich

Grundidee und Formen

Der Konjunktiv ist im Deutschen neben Indikativ und Imperativ einer der drei Modi eines Verbs. Ein Modus zeigt an, in welcher Aussageweise ein Verb gebraucht wird. Der Konjunktiv wird traditionell auch Möglichkeitsform genannt, weil Aussagen im Konjunktiv oft nicht als unmittelbare Wirklichkeit dargestellt werden. Diese Bezeichnung ist aber ungenau: Der Konjunktiv zeigt nicht einfach an, dass etwas möglich ist.

Im Deutschen gibt es zwei Arten: den Konjunktiv I und den Konjunktiv II. Beide können Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft ausdrücken. Der Konjunktiv I wird vor allem in der indirekten Rede verwendet, also wenn jemand die Äußerung einer anderen Person wiedergibt. Der Konjunktiv II bezeichnet häufig Nichtwirklichkeit, zum Beispiel in irrealen Bedingungen, Wünschen, Vergleichssätzen oder höflichen Bitten. Er kann außerdem den Konjunktiv I ersetzen, wenn dessen Form mit dem Indikativ Präsens übereinstimmt.

In manchen Fällen kann in der Standardsprache statt eines Konjunktivs auch der Indikativ stehen. In der Umgangssprache treten besonders häufig Indikativformen oder Formen mit „würde“ an die Stelle der klassischen Konjunktivformen.

Konjunktiv I: Bildung und Grundgebrauch

Der Konjunktiv I wird vom Wortstamm des Infinitivs gebildet. Dazu entfernt man bei der Grundform die Endung -(e)n, zum Beispiel lauf-en oder sei-n, und fügt Personalendungen an. Diese Endungen lauten: ich -e, du -est, er/sie/es -e, wir -en, ihr -et, sie -en. Eine wichtige Ausnahme ist „sein“: In der 1. und 3. Person Singular steht keine Endung, also „ich sei“ und „er sei“.

Bei vielen Verben sind Konjunktiv I und Indikativ Präsens gleich. Deutlich unterscheidbar sind nur einige Verben, etwa „sein“, „haben“, „können“, „müssen“, „wissen“ und „wollen“. In der 1. und 3. Person Plural gibt es im Standarddeutschen fast nie einen Unterschied, mit der Ausnahme „sind“ und „seien“. Deshalb ist die Form „wir haben“ sowohl Indikativ als auch Konjunktiv I, während „er habe“ klar als Konjunktiv I erkennbar ist.

Weitere Zeiten und das Vorgangspassiv werden gebildet, indem die Hilfsverben „sein“, „haben“ oder „werden“ in den Konjunktiv I gesetzt werden. Beispiele sind: „du gehest“ für Gegenwart, „du gegangen seiest“ für Vergangenheit, „du gehen werdest“ für Zukunft. Im Passiv heißt es etwa „du getragen werdest“, „du getragen worden seiest“ oder „du getragen werden werdest“.

Indirekte Rede

Die wichtigste Verwendung des Konjunktivs I ist die indirekte Rede. Sie gibt wieder, was jemand gesagt, gefragt oder gewünscht hat, ohne es als eigene Aussage des Berichtenden darzustellen. Dadurch wird kenntlich gemacht, dass nicht die eigene Meinung, Wahrnehmung, Frage oder der eigene Wunsch gemeint ist, sondern die Äußerung eines Dritten. Diese Form ist besonders in Schriftsprache, Protokollen und Berichten wichtig.

Beispiele sind: „Mein Bekannter sagt, er habe geheiratet.“ Bei einer indirekten Frage heißt es etwa: „Zum Zweck der Entschließung, ob zu handeln sei, hat er die Notwendigkeit genau zu prüfen.“ Bei einem indirekten Wunsch: „Der Gläubiger stellt beim Gerichtsvollzieher den Antrag, dass die Zwangsvollstreckung betrieben werde.“

Wenn Konjunktiv I und Indikativ gleich aussehen, wird häufig der Konjunktiv II verwendet, um die indirekte Wiedergabe deutlicher zu machen. Sind auch Konjunktiv II und Indikativ gleich, kann eine Form mit „würde“ benutzt werden. Das betrifft besonders die 1. Person Singular sowie die 1. und 3. Person Plural.

Für die Zeitverhältnisse in der indirekten Rede zählt der Zeitpunkt der ursprünglichen Äußerung, nicht der Zeitpunkt der späteren Wiedergabe. Gleichzeitigkeit wird mit der Gegenwartsform ausgedrückt: Aus „Tom sagt: Ich gehe heute ins Kino“ wird „Tom sagt, er gehe heute ins Kino.“ Vorzeitigkeit wird mit der Vergangenheitsform ausgedrückt: Aus „Wir waren gestern im Schwimmbad“ wird „Tom erzählt, dass sie gestern im Schwimmbad gewesen seien.“ Nachzeitigkeit wird mit der Zukunftsform ausgedrückt: Aus „Daniel wird gleich in die Schule gehen“ wird „Tom berichtete, dass Daniel gleich in die Schule gehen werde.“

Weitere Funktionen des Konjunktivs I

Neben der indirekten Rede kann der Konjunktiv I Wunschformen und Aufforderungen ausdrücken. Eine Wunschform, auch Optativ genannt, steht besonders in der 1. und 3. Person Singular und Plural. Oft wird dabei die Wortstellung umgestellt: „Es lebe der König!“ oder „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe.“ Auch Formen wie „Möge das Glück dich begleiten!“ gehören dazu.

Als Aufforderungsform an die 3. Person, Jussiv genannt, erscheint der Konjunktiv I zum Beispiel in Anweisungen: „Man nehme, wenn man hat, ein halbes Pfund Butter.“

In mathematischen Texten ist der Konjunktiv I besonders häufig. Er dient dort dazu, Voraussetzungen für einen Beweis oder eine Aufgabe festzulegen, ohne zu behaupten, dass diese Aussagen allgemein immer gelten. Beispiel: „Es seien x und y zwei reelle Zahlen und es gelte x < y. Man zeige, dass es eine rationale Zahl r gibt, sodass x < r < y.“ Damit wird für die Aufgabe festgelegt, dass x und y reelle Zahlen sind und x < y gilt. Zugleich fordert „Man zeige“ indirekt dazu auf, den behaupteten Zusammenhang zu beweisen.

Konjunktiv II: Bildung und Verwendung

Der Konjunktiv II wird vor allem verwendet, um Nichtwirklichkeit, Unwahrscheinlichkeit oder nur gedachte Bedingungen auszudrücken. Man nennt ihn deshalb auch Irrealis. Seine Gegenwartsform wird vom Indikativ Präteritum abgeleitet. Bei starken Verben wird ein umlautfähiger Stammvokal häufig umgelautet: „kommen – kam – käme“, „singen – sang – sänge“, „heben – hob – höbe“. Die Personalendungen sind dieselben wie beim Konjunktiv I: „ich träfe“, „du träfest“, „er träfe“, „wir träfen“, „ihr träfet“, „sie träfen“.

Bei regelmäßigen Verben sind Präteritum und Konjunktiv II oft gleich, zum Beispiel „ich installierte“. Dann wird meist die „würde“-Form verwendet: „ich würde installieren“. Für andere Zeiten wird das Hilfsverb in den Konjunktiv II gesetzt, etwa „du wärest gegangen“, „du würdest gehen“ oder „ich wäre getragen worden“.

Ein zentraler Gebrauch sind irreale Bedingungen. Dabei steht im Hauptsatz und im Nebensatz Konjunktiv II: „Wenn ich ein Vöglein wär’ und auch zwei Flüglein hätt’, flög’ ich zu Dir.“ Die Konjunktion „wenn“ oder „falls“ kann entfallen: „Wärest du früher aufgestanden, hättest du deinen Termin nicht verpasst.“ Auch Wünsche können so ausgedrückt werden: „Wäre ich doch ein begnadeter Künstler!“

Der Konjunktiv II steht auch bei unwahrscheinlichen oder unmöglichen Folgen, etwa im irrealen Folgesatz: „Ich trank so viel, dass mein Kopf beinahe explodiert wäre.“ Er erscheint in irrealen Vergleichssätzen: „Ich fühlte mich, als wäre ich alleine auf der Erde.“ Außerdem kann er Zögern oder Zweifel ausdrücken: „Wär’s möglich?“

Eine weitere wichtige Funktion ist die Höflichkeitsform. Statt eines Imperativs oder einer direkten Frage sagt man: „Könnten Sie das für mich erledigen?“ oder „Hätten Sie einen Moment Zeit?“ Auch eigene Wünsche werden abgeschwächt: „Ich hätte gerne ein Bier“, „Ich möchte gerne ein Bier“ oder „Ich würde gerne ins Kino gehen.“

Ersatzformen, Umgangssprache und Sprachvergleich

Der Konjunktiv II kann in der indirekten Rede als Ersatz für den Konjunktiv I dienen, wenn der Konjunktiv I mit dem Indikativ Präsens übereinstimmt. So soll eine Verwechslung mit einer direkten Tatsachenaussage vermieden werden. In manchen Grammatiken wird außerdem gesagt, der Konjunktiv II könne Zweifel oder Distanz gegenüber dem Berichteten ausdrücken, etwa in „Paula sagte, sie hätte fleißig gelernt.“ Diese Deutung ist in der Sprachwissenschaft umstritten. Viele sehen den Unterschied eher als Frage der Sprachebene, der Region oder des Kontextes. Untersuchungen zur Zeitungssprache zeigen, dass eine stärkere Distanzierung durch Konjunktiv II in indirekter Rede nicht sicher nachweisbar ist.

Die „würde“-Form wird verwendet, wenn die normale Konjunktiv-II-Form mit dem Indikativ Präteritum gleich ist und Missverständnisse möglich sind. Sie besteht aus „würde“ plus Infinitiv, etwa „er würde gehen“. Bei Vergangenheitsformen entstehen Formen wie „er würde gegangen sein“ oder „er würde gesungen haben“. Diese Form wird manchmal auch „Konjunktiv III“ genannt, weil sie sich zu einem eigenen System entwickelt. In der indirekten Rede kann sie aber mehrdeutig sein: „Er sagte, er würde das gerne machen“ kann wie eine Absicht oder wie ein Wunsch wirken, während „er werde das gerne machen“ eindeutiger Konjunktiv I ist.

In der Umgangssprache wird der Konjunktiv I außer im alemannischen Sprachraum nur noch selten gebraucht. Häufig heißt es: „Er hat gesagt, dass er ins Theater geht“ statt „Er sagte, dass er ins Theater gehe.“ Für den Konjunktiv II verwendet man oft die „würde“-Form: „Er hat gesagt, dass er ins Theater gehen würde“ statt „Er sagte, dass er ins Theater ginge.“ In bairischen Dialekten gibt es Formen mit dem Morphem -àt-, zum Beispiel „findàt“ für „fände“.

Im Sprachvergleich zeigt sich, dass der Konjunktiv in vielen indogermanischen Sprachen vorkommt, aber unterschiedliche Funktionen hat. Im Englischen gibt es Reste, die den deutschen Formen ähneln, etwa „God save the King!“ oder „She asked that he not be told“. Der Konjunktiv II erscheint dort systematisch in Formen wie „might“, „would“ oder „could“ und in irrealen if-Sätzen wie „If he were here“. Im Spanischen hat der deutsche Konjunktiv I keine direkte Entsprechung; dort regelt die Consecutio temporum die Zeitform der indirekten Rede. Der deutsche Konjunktiv II entspricht je nach Zusammenhang dem spanischen Subjunktiv und Konditionalis, besonders in irrealen Bedingungssätzen.

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