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Partizip
Es gibt auch Partizipien, die sich hinsichtlich der Aktiv/Passiv-Unterscheidung neutral verhalten.
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Begriff und grammatische Eigenschaften
Ein Partizip ist eine vom Verb abgeleitete grammatische Form, die Eigenschaften eines Verbs und eines Adjektivs verbindet. Deutsche Beispiele sind spielend und gespielt. In heutigen sprachwissenschaftlichen Beschreibungen gelten Partizipien nicht als einheitliche eigene Wortart, sondern als Formen oder Konstruktionen mit unterschiedlich starken verbalen und adjektivischen Anteilen. Schulgrammatiken ordnen sie meist den Verbformen zu.
Verbal ist ein Partizip unter anderem dann, wenn es Ergänzungen des zugrunde liegenden Verbs übernimmt. Es zeigt jedoch niemals die Merkmale einer finiten Verbform, also Person, Numerus und Modus. Bezeichnungen wie Präsens oder Perfekt meinen bei Partizipien kein selbstständiges, auf den Sprechzeitpunkt bezogenes Tempus, sondern ein relatives Zeitverhältnis. Adjektivisch ist ein Partizip beispielsweise, wenn es als Attribut zu einem Substantiv steht und wie ein Adjektiv flektiert wird: spielende Kinder.
Äußerlich gleiche Formen können grammatisch verschieden sein. In gespielte Überraschung ist gespielte eindeutig adjektivisch; in Die Kinder haben Fußball gespielt ist gespielt eine infinite, also nicht nach Person und Numerus bestimmte Verbform. Daneben gibt es schwerer einzuordnende adverbiale Verwendungen. Der Zwischenstatus kann deshalb zweierlei bedeuten: Eine Form besitzt gleichzeitig verbale und adjektivische Merkmale, oder dieselbe äußere Form wechselt zwischen klar verbalen und klar adjektivischen Verwendungen.
Die beiden deutschen Partizipformen
Das Deutsche unterscheidet zwei Formen. Das Partizip I heißt auch Partizip Präsens oder Präsenspartizip; das Partizip II wird unter anderem Partizip Perfekt, Perfektpartizip oder Partizip Präteritum genannt.
Das Partizip I entsteht normalerweise aus dem Verbstamm und der Endung -end: springen → spring-end. Bei vielen Stämmen auf -r oder -l wird -end zu -nd gekürzt: lächelnd, trauernd. Bei den häufigen Verben tun und sein lauten die Formen tuend und seiend. Endet der Stamm auf einen Vokal, bleibt beim Partizip die vollständige Endung erhalten: schauen kann umgangssprachlich zu schaun gekürzt werden, das Partizip lautet aber immer schauend und niemals *schaund.
Das Partizip II regelmäßiger beziehungsweise schwacher Verben wird gewöhnlich mit ge- und -t oder -et gebildet: lieben → geliebt, bauen → gebaut, siegen → gesiegt, legen → gelegt. Bei starken Verben treten ge-, die Endung -en und häufig eine Veränderung des Stamms auf: reiten → geritten, biegen → gebogen, nehmen → genommen, graben → gegraben.
Ohne ge- stehen Verben, die nicht auf der ersten Silbe betont werden, besonders Verben auf -ieren: reagieren → reagiert, fixieren → fixiert, trompeten → trompetet. Dasselbe gilt für Verben mit nicht abtrennbaren Präfixen wie be-, er-, ent-, ge-, ver- und zer-: erzählen → erzählt, zerfallen → zerfallen. Auch nicht mehr regulär zerlegbare Verben folgen diesem Muster: empfehlen → empfohlen, gewinnen → gewonnen. Abtrennbare Verbpartikeln stehen außerhalb der eigentlichen Partizipbildung: einziehen → eingezogen, einbeziehen → einbezogen, zugestehen → zugestanden, weiterempfehlen → weiterempfohlen.
Partizipien können Bestandteile von Komposita sein, etwa eisgekühlt, moosbewachsen, wohltemperiert und das Kleingedruckte. Werden sie substantiviert, schreibt man sie groß: die Liebenden, die Studierenden, das Folgende, ein Gefangener, alles Gedruckte.
Gebrauch des Partizips I
Das deutsche Partizip I ist immer adjektivisch und aktivisch. Es bezeichnet in der Regel Gleichzeitigkeit mit der im Satz betrachteten Situation. Es wird vor allem attributiv oder adverbial verwendet und nur eingeschränkt prädikativ.
Wie ein Adjektiv wird es flektiert: passender, passende, passendes. Manchmal ist eine Verneinung mit un- möglich: passend – unpassend. Attributive Beispiele sind die liebende Mutter, das singende Mädchen und der schreiende Verkäufer. Prädikativ kann man sagen: Das Beispiel ist zutreffend oder Die Gelegenheit ist passend. Dagegen ist *Der Mann ist lesend im üblichen Deutsch nicht möglich.
Partizipialattribute können Ergänzungen des zugrunde liegenden Verbs behalten, sogar Akkusativobjekte, die bei gewöhnlichen Adjektiven selten sind: der eifrig ein Buch lesende Mann bedeutet der Mann, der eifrig ein Buch liest. Weitere Beispiele sind die von oben kommende Botschaft, das ihm gehörende Buch und die einer Unterstützung bedürfenden Menschen.
Adverbial bezeichnet das Partizip häufig eine gleichzeitig ablaufende Handlung: Der Mann geht singend durch das Haus bedeutet, dass er singt, während er geht. Es kann außerdem Grundwort eines Kompositums sein, etwa in fleischfressend, schmerzstillend und immerwährend. Nach der Neuen Deutschen Rechtschreibung wird bei wörtlicher Bedeutung Getrenntschreibung empfohlen, beispielsweise das Rad fahrende Kind oder die Fleisch fressende Pflanze. Bei übertragener Bedeutung wird zusammengeschrieben: der allein stehende Baum, aber die alleinstehende Frau im Sinn von „ohne Lebensgefährten oder Lebensgefährtin“.
Gebrauch des Partizips II
Die äußere Form des Partizips II besitzt im Deutschen mehrere Funktionen. Als adjektivisches Attribut erscheint sie in die geliebte Mutter, das gesungene Lied und der verlorene Sohn. Sie bildet außerdem das Zustandspassiv oder wird dort als Adjektiv analysiert: Die Tür ist geöffnet; das Paket scheint ungeöffnet.
Als infinite Verbform dient das Partizip II zur Bildung zusammengesetzter Perfekt- und Passivformen: Ich habe das Paket abgeschickt; das Paket ist angekommen; das Paket wird zugestellt; er bekommt das Paket nachgeschickt. Hinzu kommen feste Verbindungen wie gefangen nehmen, gelegen kommen und verloren geben.
Beim adjektivischen Gebrauch sind typische Adjektiveigenschaften möglich: Steigerung in die gelungenste Vorstellung, Negation in belebt – unbelebt und Komposition in handgemacht. Manche Formen sind als Adjektive so selbstständig, dass kein entsprechendes Verb existiert oder dieses eine andere Bedeutung hat, etwa behaart, geflügelt und verwandt.
Partizipien II echter intransitiver Verben können in der Regel nicht adjektivisch verwendet werden. Sie dienen zur analytischen Bildung von Perfekt, Plusquamperfekt und Futur II. Partizipien unakkusativischer Verben, also bestimmter Verben, deren Subjekt nicht als handelnder Urheber auftritt, können dagegen als Adjektivattribute stehen und haben dann aktive statt passive Bedeutung; Beispiele beruhen auf einschlafen, eintreffen und verrosten.
Partizipien in anderen Sprachen
Partizipien kommen in vielen Sprachen vor, jedoch mit unterschiedlichen Zeitstufen und Aktiv-Passiv-Systemen. Die Tendenz, dass Präsenspartizipien aktivisch und Perfektpartizipien passivisch sind, gilt nicht ausnahmslos. Slawische Sprachen besitzen beispielsweise Perfekt-Aktiv-Partizipien; manche Partizipien sind hinsichtlich Aktiv und Passiv neutral.
Im Lateinischen drückt das Partizip Präsens Aktiv (PPA) Gleichzeitigkeit aus. Das Partizip Perfekt Passiv (PPP), beispielsweise amatus, bezeichnet Vorzeitigkeit und dient der Passivbildung. Das Partizip Futur Aktiv (PFA) bezeichnet Nachzeitigkeit. Es muss im Deutschen umschrieben werden: Morituri te salutant bedeutet „die Todgeweihten / diejenigen, die sterben werden / die, die im Begriff sind zu sterben, grüßen dich“. Lateinische Partizipien können Sätze durch ein Participium coniunctum oder einen Ablativus absolutus verkürzen.
Das Griechische besitzt im Präsens aktive sowie mediale/passive Partizipien und bildet Präsenspassivformen synthetisch, also durch eigene Formen. Altgriechisch verfügt über einen vollständigen Satz von Partizipien, darunter aktive sowie mediale/passive Perfektformen. Im Futur gibt es aktive, passive und mediale Partizipien. Satzverkürzungen erfolgen unter anderem durch Participium coniunctum und Genitivus absolutus.
Besonders viele Formen kennen baltische und slawische Sprachen. Partizipien können dort nach Tempus und Genus Verbi, also Aktiv oder Passiv, sowie wie Adjektive nach Kasus und Numerus verändert werden; teilweise kommen Kurz- und Langformen hinzu. Dadurch können mehrere Dutzend Formen entstehen. Im Litauischen gibt es etwa aktive und passive Partizipien des Präsens, Perfekts und Futurs. Partizipien können außerdem den Modus relativus in indirekter Rede oder zusammen mit Hilfsverben periphrastische, also mehrteilige, Zeitformen ausdrücken. In vielen slawischen Sprachen entsteht die Vergangenheit aus einer Form von sein und dem L-Partizip; im Russischen entfällt das Hilfsverb.
Weitere infinite Formen sind der slawische Transgressiv sowie baltische Quasipartizipien und Halbpartizipien. Halbpartizipien bilden satzwertige Verbalphrasen und werden im Deutschen meist durch Nebensätze wiedergegeben. Manche kongruieren mit ihrem Bezugswort in Genus und Numerus, etwa litauisch verkdamas bei männlichem und verkdama bei weiblichem Subjekt.
Einige Sprachen besitzen Partizipien mit modaler Bedeutung. Das litauische Participium Necessitatis drückt ein Müssen aus: rašytinas straipsnis bedeutet „der zu verfassende Aufsatz“. Slawische Formen können Möglichkeit bezeichnen, etwa obersorbisch korigujomny und tschechisch korigovatelný für „korrigierbar“. Auch gewöhnliche, besonders negierte Partizipien können einen modalen Nebensinn haben, beispielsweise litauisch neištariamas „unaussprechbar“ und russisch nerešaemyj „unlösbar“. Ob dies möglich ist, hängt je nach Sprache von Tempus, Verbalaspekt und Genus Verbi ab.
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