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Krieg

Als Krieg wird ein organisierter und unter Einsatz erheblicher Mittel mit Waffen und Gewalt ausgetragener Konflikt bezeichnet, an dem planmäßig vorgehende …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Formen und Ebenen
  2. 2. Ursachen, Ziele und Erklärungen
  3. 3. Völkerrecht und ethische Bewertung
  4. 4. Historische Entwicklung bis 1914
  5. 5. Weltkriege, Kalter Krieg und Gegenwart
  6. 6. Folgen, Ablehnung und weitere Perspektiven

Begriff, Formen und Ebenen

Krieg ist ein organisierter, planmäßig geführter Konflikt zwischen Gruppen, in dem mit Waffen und erheblichen Mitteln Gewalt angewendet wird. Die Beteiligten wollen ihre Interessen durchsetzen und den Konflikt durch Kampf und Überlegenheit entscheiden. Gewalthandlungen führen zu Tod und Verletzungen; außerdem werden Infrastruktur und Lebensgrundlagen zerstört. Nicht beabsichtigte Schäden werden heute häufig als Kollateral- oder Begleitschäden bezeichnet. Eine einheitlich anerkannte Definition und eine klare Abgrenzung zu anderen bewaffneten Konflikten gibt es nicht.

Kriege können zwischen Staaten, innerhalb eines Staates oder mit ausländischer Unterstützung innerstaatlicher Parteien stattfinden. Bürger-, Unabhängigkeits-, Sezessions-, Antiregime-, Welt- und Vernichtungskriege sind unterschiedliche Formen. Ein internationalisierter innerstaatlicher Krieg kann zum Stellvertreterkrieg werden, wenn ausländische Mächte gegnerische Parteien unterstützen. Nach den Mitteln unterscheidet man unter anderem Atomkrieg, asymmetrischen Konflikt, Partisanen- oder Guerillakrieg, Cyberkrieg, Hybridkrieg, Stellungskrieg und totalen Krieg.

Als grober Forschungsindikator gilt manchmal die Zahl von 1.000 Toten pro Jahr für den Übergang eines bewaffneten Konflikts zum Krieg. Auch politische und propagandistische Interessen beeinflussen, ob eine Auseinandersetzung als Konflikt oder Krieg bezeichnet wird. Kriege werden außerdem nach ihrer räumlichen Dimension betrachtet: zu Land, zur See, in der Luft, im Weltraum und im Internet. Der Landkrieg bleibt besonders wichtig, weil Menschen und politische Gemeinwesen dauerhaft an Land existieren.

Die Kriegsführung wird in strategische, operative und taktische Ebenen gegliedert. Auf der strategischen Ebene legt die Politik Ziele fest und verbindet Diplomatie, Wirtschaft, Information und Militär. Direkte Strategie setzt vor allem militärische Macht ein, indirekte Strategie andere Machtmittel; beide können sich ergänzen. Die operative Führung übersetzt politische und militärstrategische Vorgaben in Operationspläne und koordiniert taktische und logistische Maßnahmen. Die taktische Ebene betrifft das Gefecht und den bestmöglichen Einsatz der Mittel auf dem Gefechtsfeld.

Ursachen, Ziele und Erklärungen

Der konkrete Kriegsanlass, der casus belli, ist vom tieferliegenden Motiv zu unterscheiden. Die Ermordung Franz Ferdinands in Sarajevo war beispielsweise Anlass und Auslöser des Ersten Weltkriegs, erklärte aber nicht allein dessen Ursachen. Häufig wirken wirtschaftliche Interessen, der Zugriff auf Ressourcen, Imperialismus, Hegemoniestreben, Nationalismus, ethnische Konflikte, religiöser Fanatismus, ideologische Ziele, Militarismus und die Ablenkung von innenpolitischen Problemen zusammen. Autoritäre und totalitäre Systeme sind laut dem Artikel häufiger in Kriege und Demozide verwickelt als Demokratien; empirische Forschung sieht einen Zusammenhang zwischen ungeteilter Machtfülle und Kriegen sowie Massenverbrechen.

Angriffskriege und Eroberungskriege dienen der Ausdehnung von Macht und Territorium. Verteidigungskriege richten sich gegen äußere Aggression. Unabhängigkeits- und Sezessionskriege verfolgen staatliche Souveränität oder die Loslösung eines Gebietes; ob ein Konflikt so bezeichnet wird, hängt oft vom Standpunkt der Kriegsparteien ab.

Clausewitz definierte Krieg als einen Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung des eigenen Willens zu zwingen, und als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Militärstrategie ist der Plan zur Erreichung des Kriegszwecks, wobei nach Clausewitz der Zweck des Krieges letztlich ein Friede ist, in dem die eigenen Interessen dauerhaft gesichert sind. Strategischer Erfolg kann durch Waffen, bessere Planung, räumliche und zeitliche Anordnung von Gefechten oder Kriegslisten erreicht werden; als höchster Erfolg gilt ein Sieg ohne Kampf.

In den Theorien der Internationalen Beziehungen sehen Realismus und Neorealismus vor allem Staaten und ihre Machtinteressen als entscheidend an. Der Neorealismus erklärt Kriege unter anderem mit dem Sicherheitsdilemma: Die Aufrüstung eines Staates aus Angst vor anderen wird von diesen als Bedrohung verstanden und führt zur Gegenrüstung. Der liberale Ansatz betont die innere politische Willensbildung und verweist auf den demokratischen sowie den kapitalistischen Frieden. Konstruktivistische Ansätze rücken psychologische Mechanismen und die Entstehung kollektiver Feindbilder in den Mittelpunkt.

Völkerrecht und ethische Bewertung

Im modernen Völkerrecht wird meist von einem bewaffneten Konflikt gesprochen. Das ius ad bellum betrifft das Recht zum Krieg, also die Bedingungen seiner moralischen und rechtlichen Rechtfertigung. Das ius in bello betrifft das Recht im Krieg und bildet die Grundlage des humanitären Völkerrechts. Die Charta der Vereinten Nationen verbietet in Artikel 2, Ziffer 4, grundsätzlich die Androhung oder Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Unversehrtheit oder politische Unabhängigkeit eines Staates. Zulässig sind militärische Gewalt im individuellen oder kollektiven Selbstverteidigungsfall nach Artikel 51 sowie Maßnahmen, die der Sicherheitsrat nach Artikel 42 beschließt. Die Charta wurde von allen 193 Mitgliedsstaaten ratifiziert.

Die Genfer Abkommen I–IV und Zusatzprotokoll I wurden 1949 ausgearbeitet und mittlerweile von 196 Staaten ratifiziert. Der gemeinsame Artikel 3 erweitert den Schutz auf innerstaatliche bewaffnete Konflikte. Die Abkommen regeln den Schutz Verwundeter und Kranker, von Gesundheitspersonal, Sanitätseinheiten, Schiffbrüchigen und Kriegsgefangenen. Folter und Misshandlung von Gefangenen sowie Gewalt gegen Zivilisten sind verboten. Der Internationale Strafgerichtshof kann zur Durchsetzung des Völkerrechts beitragen.

Ein Waffenstillstand beendet bei erklärtem Kriegszustand die Kampfhandlungen, aber nicht unbedingt den Krieg. Eine Kapitulation ist das formale Eingeständnis der Niederlage. Frieden setzt grundsätzlich einen Friedensabschluss voraus; bei der weitgehenden Zerstörung einer Kriegspartei spricht das Völkerrecht von Debellation. Der Kalte Krieg zeigt, dass auch dauerhafte Spannungs- und Vorbereitungszustände ohne offene Kämpfe möglich sind.

Augustinus entwickelte die Grundlage der Lehre vom gerechten Krieg: Ein Krieg müsse von einer rechtmäßigen Obrigkeit erklärt werden, der Verteidigung legitimer Rechte dienen und weniger Elend verursachen, als er beseitigt. Wichtige ethische Grundhaltungen sind Realismus, Militarismus, Pazifismus und die Theorie vom gerechten Krieg. Realpolitik betrachtet militärische Gewalt als ultima ratio, während Pazifismus Krieg als Mittel der Politik grundsätzlich ablehnt. Das deutsche Grundgesetz erklärt nach Artikel 26 Absatz 1 Handlungen zur Vorbereitung eines Angriffskrieges für verfassungswidrig.

Historische Entwicklung bis 1914

Ob bereits Jäger und Sammler Krieg führten, ist umstritten. Sichere Distanzwaffen sind die rund 300.000 Jahre alten Schöninger Speere; Pfeil und Bogen wurden im Spätpaläolithikum offenbar auch gegen Menschen eingesetzt. Archäologische Funde zeigen organisierte Gewalt spätestens im Neolithikum. Sesshaftigkeit, Vorräte, Viehhaltung, Bevölkerungswachstum, Ungleichheit und Herrschaft konnten Konflikte verstärken. Die Stadtmauer von Jericho wird als Verteidigungsanlage gedeutet. In Jebel Sahaba wurden 61 Leichen mit Verletzungen durch Fernwaffen gefunden; die Funde werden heute eher mehreren kleineren Auseinandersetzungen vor 13.400 Jahren als einem einzigen Krieg zugerechnet. Im spanischen Rioja Alavesa lagen über 300 Skelette mit Waffenverletzungen, was auf einen längeren Konflikt vor etwa 5.000 Jahren hindeutet.

In der Bronzezeit ermöglichten Metallverarbeitung und Arbeitsteilung Streitäxte, Dolche und Schwerter. Streitwagen erleichterten größere Feldzüge und prägten die Kriegsführung orientalischer Reiche. Die Schlacht bei Megiddo von 1457 v. Chr. ist die erste für ihre Zeit gut dokumentierte Schlacht. In Griechenland kämpften Hopliten als Bürgersoldaten in der Phalanx. Alexander der Große verband makedonische Phalanx und Reiterei zur Eroberung des Perserreichs. Rom stützte die Pax Romana auf ein stehendes Berufsheer, Militärstraßen, Kastelle und zentrale Finanzierung. Völkerwanderung, Hunnen, Islamische Expansion und der Untergang Westroms veränderten die politische Ordnung Europas.

Im Mittelalter bestimmten Lehnswesen, Ritter, Fehden, Kreuzzüge und später Städte mit Milizen die Kriegsorganisation. Der Hundertjährige Krieg zeigte die Wirkung englischer Langbögen und die Schwäche traditioneller Ritterheere. Söldnerkompanien und anschließend ständige königliche Einheiten förderten die Herausbildung stehender Heere und moderner Staaten. Hussiten, Eidgenossen und Landsknechte stärkten die Bedeutung disziplinierter Fußsoldaten. In Asien entstanden in China zentralisierte Militärstaaten; Qin gründete das erste chinesische Kaiserreich. Die Mongoleneroberungen reichten bis zur Schlacht von Liegnitz 1241, in der ein deutsch-polnisches Ritterheer vernichtet wurde.

Seit Reformation und Konfessionskriegen entwickelten sich stehende Heere, Feuerwaffen und zentralisierte Staaten. Der Dreißigjährige Krieg dauerte von 1618 bis 1648; etwa ein Drittel der mitteleuropäischen Bevölkerung starb durch Kampf, Hunger, Missernten und Seuchen. Der Westfälische Frieden stärkte die Bedeutung staatlicher Souveränität. Französische Revolutions- und Napoleonische Kriege führten zu Massenheeren und Nationalismus. Krimkrieg und Amerikanischer Bürgerkrieg brachten Stellungskrieg, industrielle Waffen und neue Sanitätsorganisationen. Die Genfer Konvention von 1864 und die Haager Landkriegsordnung von 1907 begrenzten die Kriegsführung; letztere trennte Zivilisten und Kombattanten und erklärte, Staaten hätten kein unbegrenztes Recht bei der Wahl der Mittel zur Schädigung des Feindes.

Weltkriege, Kalter Krieg und Gegenwart

Der Erste Weltkrieg brachte Maschinengewehre, Panzer, Flugzeuge, U-Boote, Schlachtschiffe, Giftgas und totale Kriegswirtschaft. Nach 1918 sollten Völkerbund und Briand-Kellogg-Pakt internationale Konflikte eindämmen und Angriffskriege ächten. Der Nationalsozialismus zerstörte diese Ansätze. Der Zweite Weltkrieg wurde durch allgemeine Wehrpflicht, gelenkte Kriegswirtschaft und Propaganda zum totalen Krieg. Das Kriegsrecht wurde besonders an der Ostfront vielfach missachtet; es kam zu Bombenkrieg, Massenmorden, Kriegsverbrechen, Hungertod von Gefangenen, verbrannter Erde und massenhaften Vergewaltigungen. Die USA warfen am 6. August 1945 eine Atombombe auf Hiroshima und am 9. August 1945 eine auf Nagasaki. Die Nürnberger Prozesse führten den Straftatbestand des Verbrechens gegen die Menschlichkeit ein.

Nach 1945 sollte die UNO Kriege durch Diplomatie und gemeinsame Maßnahmen verhindern. Das atomare Wettrüsten prägte den Kalten Krieg: Bis 1949 besaßen die USA das Atommonopol, bis 1954 erreichte die Sowjetunion ein strategisches Atompatt. Das Gleichgewicht des Schreckens beruhte auf der Fähigkeit zum atomaren Zweitschlag. Nach der Kubakrise 1962 entstanden Schritte zur Rüstungskontrolle; die KSZE wurde 1973 eingerichtet, und 1986 kam es in Reykjavík zu einem Durchbruch beim Rückzug der Mittelstreckenraketen aus Europa. Unterhalb der Atomkriegsschwelle wurden Stellvertreterkriege wie der Koreakrieg 1950–1953 und der Vietnamkrieg 1964–1975 geführt.

Seit 1991 nahm die Zahl laufender Kriege nach Angaben des Artikels deutlich ab; seit 1992 ist sie pro Jahr vermindert. Der typische Krieg des 21. Jahrhunderts ist jedoch meist ein innerstaatlicher Konflikt, häufig mit transnationaler Unterstützung und offenen Kriegsökonomien. Eingefrorene Konflikte, Cyberwar, Infowar, Netwar, Lawfare und Drohnen erweitern die Formen der Kriegsführung. Der russische Überfall auf die Ukraine 2022 wurde von Russland als militärische Spezialoperation bezeichnet. Die Zahl historischer Kriege ist umstritten: Manche Autoren nennen über 14.000 Kriege und 3,5 Milliarden Tote, andere halten diese Berechnung für nicht belastbar und nennen deutlich weniger als 2.000 Kriege beziehungsweise mindestens 308 für 1480 bis 1964.

Folgen, Ablehnung und weitere Perspektiven

Kriege verursachen Tod, Verletzungen, Flucht, Hunger, zerstörte Infrastruktur und langfristige psychische sowie soziale Schäden. Kriegsverbrechen, Folter, Misshandlungen und Gewalt gegen Zivilisten werden durch Machtgefälle und geringe Strafverfolgung begünstigt. Folgen können über Kriegskinder und soziale Zerreißproben Generationen überdauern. Kriege prägen politische Ordnungen, können Reiche zerstören oder neue Staaten hervorbringen und verbrauchen große wirtschaftliche Mittel. Sie zerstören Landschaften, beuten Ressourcen aus und können zur Verstärkung der globalen Erwärmung beitragen.

Kriege sind teuer in Planung, Vorbereitung und Durchführung. Die Rüstungsindustrie wurde in Europa und den USA um etwa 1850 zu einem eigenständigen Wirtschaftszweig. Als größte Waffenlieferanten nennt der Artikel die Vereinigten Staaten, Russland, Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Ende 1944 wurde der Wert der im Krieg produzierten Kampfmunition auf alliierter Seite mit 180 Milliarden Dollar und auf Seiten der Achsenmächte mit 100 Milliarden Dollar veranschlagt. Nach Alan Milward kann ein gut geplanter Krieg wirtschaftliches Wachstum anregen; für die Wirtschaftsentwicklung insgesamt ziehen Ökonomen jedoch den Frieden vor.

Friedens- und Antikriegstraditionen finden sich unter anderem bei Laozi, im Jainismus und Buddhismus, in der griechischen Philosophie, im Judentum und Christentum sowie bei Kant und Rousseau. Als Alternativen gelten ziviler Widerstand, internationale Vereinbarungen und eine gemeinsame Nutzung von Ressourcen. Seit der Atombombe gilt Frieden als Überlebensbedingung des technischen Zeitalters. Nach Siegen wird Krieg häufig verherrlicht; Kriegsfetischismus idealisiert ihn als ehrenvoll und männlich.

Kriegsspiele bilden Krieg in vereinbarten Regeln symbolisch nach, ohne dass jemand absichtlich geschädigt werden darf. Sie reichen von einfachen Bewegungsspielen über Schach bis zu Computerspielen. Nach den im Artikel dargestellten pädagogischen Auffassungen können sie Ängste verarbeiten und Aggressionen schadlos ableiten, wenn Spiel und reale Gewalt klar unterschieden werden. Kriegsähnliche Verhaltensweisen gibt es auch im Tierreich: Ameisen-, Wespen-, Bienen- und Hornissenstaaten führen Kämpfe um Gebiete und Nahrung; bei Schimpansen wurden wiederholt koordinierte Auseinandersetzungen zwischen Gruppen beobachtet.

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