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Interesse (Politikwissenschaft)

Damit sind Bedürfnisse und Wünsche gemeint, die bestimmten gesellschaftlichen Gruppen zugeschrieben werden und implizit gesellschaftlichen Einfluss ausüben …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Formen von Interessen
  3. 3. Konflikt und organisierte Vertretung

Begriff und Bedeutung

In der Politikwissenschaft bezeichnet Interesse das Bestreben, individuelle oder kollektive Bedürfnisse zu befriedigen, zunächst das Grundbedürfnis zu überleben. Es richtet sich auf ein Ziel oder einen Vorteil, den eine Person oder Gruppe von einer Sache erwartet. Interessengruppen verfolgen dabei eigene, häufig wirtschaftliche Ziele.

Der Begriff ist für sozialwissenschaftliche Forschung und Theoriebildung zentral: Menschen gelten als Akteure, die von Interessen geleitet handeln; Interesse wird daher als „genuin anthropologische Kategorie“ beschrieben. Bestehen in einer Person mehrere widersprüchliche Interessen, spricht man von einem Interessenkonflikt.

Formen von Interessen

Manifeste Interessen werden in politischen Auseinandersetzungen offen artikuliert, etwa durch Interessengruppen oder Parteien. Latente Interessen sind nicht artikuliert: Dabei handelt es sich um Bedürfnisse und Wünsche, die bestimmten gesellschaftlichen Gruppen zugeschrieben werden und implizit Einfluss ausüben können.

Subjektive Interessen nimmt eine Person oder Gruppe selbst als ihre Interessen wahr und richtet ihr Verhalten danach aus. Objektive Interessen sind essentielle Bedürfnisse einer Gruppe, deren sie sich noch nicht bewusst ist. Im Marxismus-Leninismus diente diese Vorstellung zur Legitimation der sozialistischen Kaderpartei: Sie beanspruchte, die objektiven Interessen der Arbeiterklasse zu vertreten und sie deshalb führen zu dürfen, auch wenn die Klasse subjektiv andere Interessen äußerte. Die moderne Pluralismustheorie stellt dagegen das Recht in den Mittelpunkt, subjektive Interessen zu verfolgen.

Universale Interessen werden von allen Mitgliedern einer Gruppe geteilt und mit Gemeinwohl verbunden. Umstritten ist, ob sie einem empirisch schwer messbaren Gemeinwillen entsprechen oder erst durch demokratische Interessenaggregation gefunden werden. Partikularinteressen vertreten nur Teilgruppen unterschiedlich, beispielsweise Lohnerhöhungen oder -senkungen, Subventionen für einzelne Wirtschaftszweige oder Straßenbau für Autos statt Fahrräder.

Konflikt und organisierte Vertretung

In einer pluralistischen Gesellschaft werden unterschiedliche Interessen artikuliert und können miteinander in Konflikt geraten. Joachim Detjen zufolge sind alle Interessen aus Sicht des Staates partiell und konfliktträchtig, nicht allgemein; die Bezeichnung Universal- oder Allgemeininteresse könne daher irreführend sein. Ein Allgemeininteresse lasse sich nur annehmen, wenn es eine über allen Interessen stehende, selbst interessenlose Instanz gibt, etwa metaphysisch oder naturrechtlich als Menschenwürde. Peter Massing schlägt, an Jürgen Habermas’ Theorie des kommunikativen Handelns anknüpfend, eine Unterscheidung zwischen rational-allgemeinen und irrational-partikularen Interessen vor; dieser Ansatz wurde als lebensfremd kritisiert.

Organisierte Interessen sind ein wesentlicher Teil der politischen Landschaft und beeinflussen Wahrnehmungen sowie politische Einstellungen zu verschiedenen Politikfeldern. Interessenvertretungen sind freiwillige oder erzwungene Zusammenschlüsse natürlicher oder juristischer Personen mit einem Mindestmaß an Organisation. Ihr Zweck ist, Mitgliederinteressen selbst zu verwirklichen oder durch Mitwirkung beziehungsweise Einwirkung auf Gemeinschaftsentscheidungen durchzusetzen, ohne selbst politische Verantwortung übernehmen zu wollen.

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