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Konjunktion (Wortart)
... dass (früher daß geschrieben, von mittelhochdeutsch daz, seit dem 16. Jahrhundert häufiger daß oder dass) und ob. Hierbei markiert die Subjunktion ob …
Inhalt6 Abschnitte
Grundbegriff und Haupttypen
Eine Konjunktion, auch Bindewort, Fügewort oder Junktion, ist eine Wortart, die syntaktische Verbindungen zwischen Wörtern, Satzteilen oder Sätzen herstellt. Gleichzeitig drückt sie logische oder grammatische Beziehungen zwischen den verbundenen Elementen aus. Anders als Präpositionen regieren Konjunktionen normalerweise keinen Kasus an ihren Ergänzungen.
Traditionell umfasst der Begriff zwei Haupttypen. Nebenordnende Konjunktionen verbinden gleichrangige Einheiten, zum Beispiel „und“, „aber“ und „denn“. Unterordnende Konjunktionen, heute oft Subjunktionen oder Subjunktoren genannt, leiten Nebensätze ein, zum Beispiel „dass“, „weil“ und „ob“. In manchen Grammatiken, unter anderem in der Dudengrammatik 2022, werden diese beiden Gruppen als getrennte Wortarten behandelt. In der Generativen Grammatik gehören Subjunktionen zur Kategorie der Komplementierer.
Der Begriff ist deshalb mehrdeutig: In einem engeren Sinn meint „Konjunktion“ nur die Nebenordnung; im weiteren traditionellen Sinn umfasst er auch Subjunktionen. Die Duden-Grammatik verwendet als neutraleren Oberbegriff „Junktion“. Der Artikel verwendet „Subjunktion“, wenn ausdrücklich nebensatzeinleitende Konjunktionen gemeint sind.
Grammatische Einordnung
Nebenordnende Konjunktionen stehen zwischen Hauptsätzen, Nebensätzen oder Satzteilen und verbinden diese miteinander: „Du gehst weg und ich bleibe hier“, „dass sie ihre Arbeit beendet hat und dass er auch bald so weit ist“, „Äpfel und Birnen“. Die verbundenen Teile bilden zusammen eine syntaktische Einheit.
Subjunktionen stehen am Anfang eines Nebensatzes und binden diesen in einen übergeordneten Satz ein. Sie sind selbst Teil des Nebensatzes: „während ich hier bleibe“, „dass sie ihre Arbeit beendet hat“, „weil wir Äpfel und Birnen kaufen wollen“.
Vergleichspartikeln wie „wie“ und „als“ sind Sonderfälle. Sie werden manchmal als untypische Konjunktionen, manchmal als untypische Präpositionen ohne Kasusrektion oder als eigene Wortart beschrieben. Ihnen folgt immer nur eine Ergänzung. Die Verschiebeprobe zeigt den Unterschied: Bei „als sehr gelungen“ wird „als“ mit seiner Ergänzung verschoben; bei „die Gemälde und die Zeichnungen“ wird die ganze Verbindung „A und B“ verschoben.
Abgrenzungen zu ähnlichen Wortarten
Die grammatische Konjunktion ist nicht dasselbe wie die „Konjunktion“ in der Logik. In der Logik bezeichnet „Konjunktion“ eine ganze Konstruktion, in der zwei Sätze mit „und“ verbunden werden und ihre Wahrheitswerte verrechnet werden. Das Verbindungselement „und“ heißt in der Logik „Junktor“. Der Ausdruck „Junktor“ wird allerdings auch in manchen grammatischen Beschreibungen für eine allgemeine Klasse verbindender sprachlicher Elemente verwendet.
Konjunktionen und Präpositionen können ähnlich wirken, unterscheiden sich aber grundsätzlich dadurch, dass Präpositionen einen Kasus regieren, Konjunktionen normalerweise nicht. In „ein Schnitzel mit einem gemischten Salat“ verlangt „mit“ den Dativ. In „ein Schnitzel sowie einen gemischten Salat“ weist „sowie“ keinen eigenen Kasus zu; der Akkusativ kommt vom Verb „bestellen“. Außerdem hat eine Präposition eine Ergänzung, während eine nebenordnende Konjunktion zwei Ausdrücke verbindet.
Bei Subjunktionen und Präpositionen gibt es Abgrenzungsprobleme, weil Präpositionen auch Nebensätze als Ergänzung nehmen können. „Ohne dass“ wird teils als Präposition „ohne“ vor einem Nebensatz analysiert, teils als zusammengesetzte Subjunktion.
Von Subjunktionen zu unterscheiden sind Frage- und Relativpronomen sowie Frage- und Relativadverbien. Sie können größere Phrasen bilden, etwa „mit wessen Eltern“, und stehen im Feldermodell im Vorfeld. Subjunktionen wie „ob“ stehen dagegen in der linken Klammer beziehungsweise an der Position des Komplementierers.
Auch Konjunktionaladverbien sind keine Subjunktionen. Sie stellen inhaltliche Verbindungen zwischen Sätzen her, verhalten sich aber wie Satzglieder. In „Das Wetter ist wunderschön, daher gehe ich zu Fuß“ steht „daher“ im Vorfeld eines Verb-Zweit-Satzes; in „ich gehe daher zu Fuß“ steht es im Mittelfeld. Wörter wie Adverbien, Partikeln und Konjunktionen mit verbindender Funktion können zusammenfassend „Konnektoren“ genannt werden.
Nebenordnende Konjunktionen im Deutschen
Häufige nebenordnende Konjunktionen im Deutschen sind „und“, „oder“, „aber“, „denn“, „doch“, „sondern“, „sowie“ und „das heißt“. Es gibt auch mehrteilige Konjunktionen als korrelative Paare, zum Beispiel „entweder … oder“, „sowohl … als auch“ und „weder … noch“.
Nebenordnende Konjunktionen können Einheiten unterschiedlicher Größe verbinden: ganze Sätze, Satzglieder, Teile von Satzgliedern, einzelne Wörter und sogar Wortteile, etwa „An- und Verkauf“. Zur Verbindung von Sätzen gehören auch Begriffe wie Parataxe und Hauptsatzreihe.
Semantisch lassen sich nebenordnende Konjunktionen nach Bedeutungstypen unterscheiden. Additiv bedeutet Anreihung, zum Beispiel „und“ oder „weder – noch“. Adversativ bedeutet Gegensatz, zum Beispiel „aber“ und „sondern“. Disjunktiv bedeutet Alternative, zum Beispiel „entweder – oder“. Explikativ bedeutet Erklärung, etwa „das heißt“. Kausal bedeutet Grund, etwa „denn“. Konzessiv bedeutet Einräumung, zum Beispiel „wenn auch“ oder „wenngleich“. Komparativ bedeutet Vergleich, zum Beispiel „als“ und „wie“.
Nebenordnende Konjunktionen verbinden ihre Teile nicht völlig symmetrisch. Inhaltlich kann „und“ zwar oft symmetrisch wirken, grammatisch gehört die Konjunktion aber enger zum zweiten Teil. Deshalb kann ein Satz auch mit „Und“ beginnen; der erste Teil steht dann im Kontext. Im Feldermodell steht ein solches „und“ im linken Außenfeld.
Bedeutung ausgewählter Konjunktionen
„Und“ kann eine logische Konjunktion ausdrücken: Zwei oder mehr Aussagen treffen zugleich zu. Bei Substantiven kann „und“ mehrere Individuen zu einer Gruppe zusammenfassen, wie in „Peter und Karl haben das Klavier hinuntergetragen“. Es kann aber auch distributiv gelesen werden: „Peter und Karl haben schon einmal einem Menschen das Leben gerettet“ kann bedeuten, dass Peter und Karl jeweils einzeln so etwas getan haben. Bei „sowie“ ist diese distributive Lesart zwingend. Eine zeitliche Reihenfolge wie in „Sie heiratete und bekam ein Kind“ gilt meist nicht als eigene Wortbedeutung von „und“, sondern als konversationelle Implikatur, also als Schlussfolgerung aus dem Kontext.
„Oder“ formuliert vor allem Alternativen. In „Möchtest du Erdbeereis oder Vanilleeis?“ liegt normalerweise ein exklusives Oder vor: Man wählt das eine oder das andere. Ein inklusives Oder, bei dem auch beides möglich ist, muss anders ausgedrückt werden, etwa „Erdbeer- oder Vanilleeis, oder beides“ oder „Erdbeer- und/oder Vanilleeis“. Mit Verneinung oder Verbot kann „oder“ bedeuten, dass alle genannten Möglichkeiten ausgeschlossen sind. Daneben kann „oder“ pragmatische Funktionen haben, zum Beispiel eine erwartete Konsequenz, eine rhetorische Frage, eine unscharfe Angabe oder eine erwartete Zustimmung.
„Aber“ und „sondern“ drücken beide Gegensätze aus, sind aber nicht gleichbedeutend. „Aber“ verbindet Gegensätze, ohne sie als absolut unvereinbar darzustellen: „Das Haus ist nicht groß, aber gemütlich.“ „Sondern“ ersetzt eine verneinte Aussage durch eine andere und setzt meist Unvereinbarkeit voraus: „Draußen ist es nicht warm, sondern kalt.“ „Sondern“ kann nur nach einem negativen Vor-Satz stehen.
„Beziehungsweise“ und „respektive“ verbinden in der Schriftsprache gleichgeordnete Satzglieder, die sich jeweils auf vorher genannte Satzglieder beziehen. In „Herr Müller und Herr Fischer arbeiten beide in derselben Firma, als Filialleiter bzw. Personalchef“ ist Herr Müller Filialleiter und Herr Fischer Personalchef. Umgangssprachlich werden beide Wörter auch im Sinn von „oder auch“ oder „genauer gesagt“ verwendet.
Subjunktionen im Deutschen und in anderen Sprachen
Subjunktionen leiten Nebensätze ein, die verschiedene Satzgliedfunktionen übernehmen können: Sie können Subjekt oder Objekt eines Verbs sein oder als Adverbial dienen. Für Subjekt- und Objektsätze sind besonders „dass“ und „ob“ wichtig. „Ob“ markiert eine indirekte Frage, „dass“ markiert vor allem Aussagen.
Für adverbiale Nebensätze gibt es viele spezialisierte Subjunktionen. Temporalsätze drücken Zeitverhältnisse aus, etwa Gleichzeitigkeit mit „während“ oder „solange“, Vorzeitigkeit mit „nachdem“ oder „seitdem“ und Nachzeitigkeit mit „bis“, „bevor“ oder „ehe“. Modalsätze betreffen die Art und Weise, zum Beispiel „indem“. Restriktive oder adversative Bedeutungen können mit „insofern“, „soweit“ oder „während“ markiert werden. Vergleichssätze verwenden etwa „als ob“, „als wenn“ oder „wie wenn“.
Kausalsätze nennen einen Grund, zum Beispiel mit „weil“, „da“ oder „zumal“. Das Wort „weil“ hatte ursprünglich eine zeitliche Bedeutung wie „so lange als“; im 19. Jahrhundert überwog die kausale Verwendung, später wurde „weil“ nur noch kausal gebraucht. In einem weiteren Sinn gehören auch Folgesätze („sodass“), Bedingungssätze („wenn“, „falls“), Einräumungssätze („obwohl“, „wenngleich“) und Finalsätze („damit“, „um zu“) zu kausalen Adverbialsätzen.
Auch infinite Nebensätze können Subjunktionen enthalten. Infinitivkonstruktionen mit „zu“ können eigenständige Nebensätze sein, etwa als Objekt oder als Finalsatz: „Der Polizist verlangte von Otto, seinen Ausweis vorzuzeigen“ und „Donald schwieg, um sich nicht noch weiter zu blamieren.“ Das „um“ im zweiten Beispiel gilt als Subjunktion für Infinitivsätze. „Dass“ und „ob“ stehen dagegen nur bei finiten Nebensätzen.
Im Englischen unterscheidet die traditionelle Grammatik ähnlich zwischen coordinating conjunctions und subordinating conjunctions. Englische Subjunktionen entsprechen ungefähr den deutschen Subjunktionen. Eine Besonderheit ist, dass Relativsätze im Englischen mit „that“ als Subjunktion eingeleitet werden können. Außerdem kann „for“ einen Infinitiv-Nebensatz einleiten, etwa „For you to give up now would be tragic“; dabei ermöglicht „for“ trotz Infinitiv einen SVO-Satz mit sichtbarem Subjekt.
In vielen SOV-Sprachen, also Sprachen mit der Grundstellung Subjekt–Objekt–Verb, stehen untergeordnete Sätze vor den übergeordneten Sätzen. Entsprechungen zu Subjunktionen am Satzanfang können dann am Satzende stehen, wie im Japanischen, oder als Suffixe an das Verb angehängt werden und sind dann keine eigenen Wörter.
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