Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Relativadverb
Relativadverb ist ein Untertyp der Wortart Adverb, der angesetzt wird, um Wörter zu bezeichnen, die einen Relativsatz einleiten und dabei im Relativsatz die …
Inhalt5 Abschnitte
Grundbegriff
Ein Relativadverb ist ein Untertyp der Wortart Adverb. Es bezeichnet Wörter, die einen Relativsatz einleiten und innerhalb dieses Relativsatzes die Funktion eines Adverbials haben. Ein Adverbial ist eine Satzgliedfunktion, die zum Beispiel Ort, Art und Weise oder Zeit näher bestimmt.
Typische Beispiele sind „wo“ und „wie“: In „Das ist genau die Stelle, wo das Verbrechen geschah“ verweist „wo“ auf einen Ort. In „Er staunt über die Art, wie sie sich aus der Affäre zieht“ verweist „wie“ auf die Art und Weise.
Abgrenzung zum Relativpronomen
Die Bezeichnung „Relativadverb“ ist vor allem dann nötig, wenn Pronomen streng als Wörter verstanden werden, die mit Nomen beziehungsweise Substantiven zusammenhängen und typische Flexionsmerkmale von Substantiven tragen: Numerus, Genus und Kasus.
Relativpronomen sind dann Formen wie „der“, „die“, „das“, „dessen“, „dem“ oder „welcher“. Sie haben solche Merkmale und können im Relativsatz als Subjekt oder Objekt auftreten.
Wörter wie „wie“ oder „wohin“ bilden dagegen eine eigene Klasse, weil sie im Relativsatz nicht als Subjekt oder Objekt, sondern als Adverbial funktionieren.
Gemeinsam mit Pronomen haben Relativadverbien aber die Aufgabe, auf ein vorhergehendes Substantiv zurückzuverweisen. Deshalb gehören sie zu den allgemeineren „Pro-Formen“, also Ausdrücken, die auf etwas anderes im Satz oder Text verweisen.
Abgrenzung zur Konjunktion wo
In deutschen Dialekten und in der Umgangssprache gibt es Relativsätze mit „wo“, in denen „wo“ kein Relativadverb ist. Beispiele aus dem Artikel sind: „Suche einen netten Vermieter, der wo nichts dagegen hat, dass ich noch in Ausbildung bin“ und „Dann findest du jemanden, wo immer zu dir steht.“
Dieses „wo“ hat nicht die Bedeutung eines Ortsadverbs. Es verweist also nicht auf einen Ort. Deshalb ist es kein Relativadverb, sondern eine Konjunktion.
Auch wenn kein sichtbares Relativpronomen danebensteht, wie im zweiten Beispiel, hängt der Relativsatz inhaltlich vom Subjekt des Relativsatzes ab. Der Anschluss erfolgt also nicht über ein Adverbial. Daher liegt kein Relativadverb vor.
W-Formen
Relativadverbien sind im heutigen Deutsch meistens formgleich mit Frageadverbien. Dadurch können Relativsätze äußerlich schwer von eingebetteten Fragesätzen zu unterscheiden sein, besonders bei freien Relativsätzen.
Anders als Relativpronomen haben Relativadverbien in attributiven und freien Relativsätzen dieselbe Form. Ein attributiver Relativsatz bezieht sich auf ein Bezugswort wie „die Stelle“ in „die Stelle, wo ich bin“. Ein freier Relativsatz steht ohne solches Bezugswort, zum Beispiel: „Ich bleibe, wo ich bin.“
Bei Relativpronomen sieht man dagegen einen Formunterschied: „Jemand, der so viel Geld verdient, kann auch etwas abgeben“ ist attributiv, während „Wer so viel Geld verdient, kann auch etwas abgeben“ ein freier Relativsatz ist.
Ein besonderer Fall ist „wann“. Es dient als Frageadverb und zur Bildung freier Relativsätze, etwa „Ich arbeite, wann ich will“. Für attributive Relativsätze wie „die Zeit, wann er ankommt“ wird es weniger verwendet; Grammatiker beurteilen solche Fälle leicht unterschiedlich.
D-Formen
Neben den W-Wörtern gibt es Relativsätze, die mit Demonstrativadverbien auf „d-“ eingeleitet werden. Solche Formen kommen vor allem in älterer Schriftsprache vor.
Beispiele sind „in dem Moment, da er das erkannte“, was etwa „in dem Moment, in dem / wo / als er das erkannte“ bedeutet, oder der Satz: „Jakob aber richtete ein steinernes Mal auf an dem Ort, da er mit ihm geredet hatte“, also „an dem Ort, wo …“.
Besonders erweiterte Formen dieser Art sind im Gegenwartsdeutschen nicht mehr üblich. Der Artikel nennt als älteren Beleg aus dem 18. Jahrhundert: „nichts vorgehen sollte, davon er ihm nicht Nachricht geben würde“, mit der Bedeutung „nichts, wovon er ihm nicht Nachricht geben würde“.
Auch in neuerer Zeit erscheinen solche Formen gelegentlich in dichterischer Sprache, etwa bei Paul Celan in „Mit wechselndem Schlüssel“ von 1954: „darin / der Schnee des Verschwiegenen treibt“.